56. Becker, Heinrich

Becker III.

6. Generation
56.                 Becker, Friedrich Rudolf Heinrich
Sohn von Dieterich Georg Becker, Färbermeister in Uelzen, und Luise Maria geb. König
Kaufmann in Hamburg, Mitinhaber der Tuch- u. Manufaktur – Handlung “LACH & BECKER, von ESSEN Nachfolger”.

Heinrich Becker und Christine geb.Wilhelm
Heinrich Becker und Christine geb.Wilhelm

geb. Uelzen 06.08.1784;  get. Uelzen, (St.Marien) 08.08.1784;
gest. Hamburg 23.04.1867;  begr. Hamburg 1867
verh. Uelzen, (St.Marien) 01.03.1820
57.                  Wilhelm, Christine Elisabeth
geb. Uelzen 15.04.1801;  get. Uelzen, St.Marien 10.05.1801;
gest. Hamburg 06.01.1872;  begr. Hamburg 1872

3 Kinder:
1) Becker, August Christian Ernst geb. Hamburg 19.12.1820; get. Hamburg, St.Jacobi 19.01.1821;
gest. Hamburg 28.12.1821; begr. Hamburg, St.Jacobi, vor dem Steintor 31.12.1821

2) BeckerLudwig Wilhelm Gerhard; Kaufmann in Hamburg;
geb. Hamburg 25.05.1822;  get.Hamburg, (St.Jacobi) 02.07.1822;
gest.Hamburg10.03.1896;   begr. Hamburg, (Ohlsdorfer Friedhof) 13.03.1896
verh. Braunschweig, St.Magni 31.10.1854
Meyer 1, Alwine Louise Sylvie
geb. Braunschweig 03.01.1833; get. Braunschweig, (St.Magni) 17.02.1833;
gest. Hamburg 01.10.1905; begr. Hamburg, (Ohlsdorfer Friedhof) 04.10.1905

3) Becker, Louise Sophie Elisabeth
geb. Hamburg 20.06.1826; get. Hamburg, St.Jacobi 09.07.1826;
gest. Lübeck 05.01.1890; begr. Hamburg, Dammtor-Friedhof 10.01.1890
verh. Hamburg, Eppendorf 15.11.1851
Becker, Christian Heinrich August; Kaufmann in Hamburg, dann Gera;
Sohn von Carl Becker I.(64.5.)  und Dorette geb. Ebisch
geb. Hannover 06.08.1824;  get. Hannover, Neustädter Kirche 26.09.1824;
gest. Hamburg 21.05.1887;  begr. Hamburg, Dammtor-Friedhof 25.05.1887
Nachkommen in Brasilien.

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56. – 57. Heinrich Becker oo Christine Elisabeth Wilhelm – Uelzen 1820

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Geburt/Taufe Christine Elisabeth Wilhelm – Uelzen 1801

Heinrich Becker

Heinrich Becker - Geburtsurkunde

Heinrich Becker – Geburtsurkunde

Friedrich Rudolf Heinrich Becker wurde am 5. August 1784 in
Uelzen geboren und in der dortigen St.Marien-Kirche am 8. August 1784 getauft. Es ist nicht bekannt, wo er seine kaufmännische Ausbildung gemacht hat.
Im Jahre 1812 (Q1) – Heinrich Becker war erst 28 Jahre alt – finden wir ihn bereits als Mitinhaber der Tuch- und Manufakturhandlung LACH & BECKER, von ESSEN Nachf., in Hamburg.
Inhaber waren zu dieser Zeit:
Ernst Gottlieb Carl Lach und
Friedrich Rudolph Heinrich Becker

Am 02.12.1814 wurde der Tuchhändler Friedrich Rudolf Heinrich Becker, gebürtig aus Uelzen, Bürger in Hamburg. (Q7)

Der jüngere Bruder von Heinrich Becker, Georg Wilhelm Becker, war in der Zeit von Ostern 1812 bis September 1818 in dieser Firma als Commis beschäftigt. Sein Sohn, Gerhard Becker - Uelzen, schreibt in seinen Aufzeichnungen (Q2) über diese Zeit seines Vaters:

” .. (er) erzählte noch viel von der schweren Zeit die durch die Franzosen über Hamburg gekommen, über den Schmuggel den er im Boot für seinen Kaufherrn während der Occupation und der Sperre gegen England ausführen mußte, die Kugeln der Duanen wären häufig an ihm vorbei gepfiffen. -”

Aus den Hamburger Adressbüchern (Q3) ergeben sich einige Daten über Becker und die Firma:
1822:   BECKER, F.R.H. unter der Firma LACH et BECKER,
Pferdemarkt No. 27 J. 1.

LACH et BECKER, von ESSEN Nachfolger, Tuchhandl.   B.Cto. mit H.J.Stresow,
Ecke des Pferdemarkts u. der Steinstr. No. 27 J.1

Pferdemarkt 27: LACH et BECKER

1825:   BECKER, Friedr. Rud. Heinr. u. d. Firma LACH et BECKER,
Pferdemarkt no 27 J.1

LACH et BECKER, von ESSEN Nachfolger, Tuchhandl.    B.Cto. mit H.J.Stresow,
Ecke des Pferdemarkts u. der Steinstr. No. 27 J.1
(Stresow, Herm.Joch. Bankier, B.Cto. Grimm No.22 C.1)

Pferdemarkt 27:
LACH et BECKER
LACH, E.G.C.

Grabplatz

Grabplatz

1825:   am 24. Oktober kauft Heinrich Becker “einen Platz zum Begräbniß, belegen auf unseren  St.Jacobi Kirchhof vor dem Steinthor, Sub No.289, welcher im Lichten Sieben ein halb Fuss lang, und sechs Fuss breit ist. Dieses Begräbniß nun für gedachten Herrn Friedrich Rudolph Heinrich Becker nebst dessen Ehefrau, Kinder, und Kindes-Kinder zu gebrauchen, dafür ist die Kirche an baarem Gelde Einhundert und Funfzig Mark Courant nebst drey Mark vierzehn Schilling zum Gottesk. entrichtet. Wobey verabredet, daß der Herr Käufer dieses Grab für Seine Kosten zum Gewölbe einrichten läßt. …”Die Urkunde, auf Pergament geschrieben, mit Wachs-Kirchensiegel, liegt vor. Auf dem Stadtplan von Hamburg, aus dem Jahre 1841, ist der “St.Jacobi Kirchhof vor dem Steinthor” sehr gut zu erkennen. Er befand sich an der Stelle, wo heute der Hamburger Hauptbahnhof liegt.

1839:   Friedr. Rud. Heinr. Becker wird als “Jurat an St. Jacobi” aufgeführt. Hier wird auch erst- und letztmals erwähnt, daß er ein Wappen geführt hat. Das Wappen wird beschrieben:
Becker  mit dem Anker und Merkurstab; Friedr. Rud. Heinr.; Jurat St.Jacobi 1839  “ (Q4)

1842 – der große Brand in Hamburg.
Nach der Beschreibung der Hamburger Brandkatastrophe ist anzunehmen, daß auch Friedr. Rud. Heinrich Becker zumindest  einen Großteil seines Vermögens verloren hat, da die Häuser am Pferdemarkt entweder Opfer der Flammen oder der Sprengungen wurden.

1842 -  vom 5.Mai bis zum 9.Mai wütete der große Brand fast 4 Tage lang in Hamburg. (Q6) Ein Viertel der Stadt wird vernichtet. Der wirtschaftlich wichtigste und historisch bedeutenste Teil Hamburgs wurde ein Raub der Flammen. Drei Kirchen, 1749 Häuser mit 4219 Wohnungen und 102 Speicher verbrannten. Das Feuer wütete 83 Stunden. 51 Menschen kamen ums Leben, 120 erlitten Verletzungen, 19.995 sind obdachlos.

So war es zu diesem Brand gekommen: Am Donnerstag, dem 5.Mai, am beginnenden Himmelfahrtstag um ein Uhr morgens drangen Rauch und Feuer aus Fenstern und Luken des Hauses Deichstr. Nr.44. Ein Nachtwächter sah es und gab Alarm. Aber das Feuer war schneller als mögliche Retter. Gegen sechs Uhr früh hatten die Flammen den Rödingsmarkt erreicht, mittags brannte bereits die Nikolaikirche. Am 6.Mai übersprang das Feuer die Alsterarme und erreichte gegen Abend den Jungfernstieg, wohin sich Hunderte mit ihrer Habe geflüchtet hatten. Nun    warfen sie ihre Möbel und Kleiderkisten in die Alster und sprangen, nicht selten von  der Hitze bedrängt, selbst hinterher.

Am Sonnabend, dem 7.Mai, ging St.Petri in Flammen auf, ebenso die kleine Gertrudenkirche zwischen Rosen- und Lilienstraße. Gestern mittag gegen zwölf verlöschte der  Brand schließlich zwischen Ferdinandstraße und Alster. Wie durch ein Wunder ist St.Jacobi unversehrt geblieben…

Die Ursache des Brandes ist ungeklärt. Eine erste Untersuchung der Gründe für das Ausmaß der Katastrophe ergibt folgendes Bild:

Ein außergewöhnlich trockener Frühling hatte alle hölzernen Bauteile ausgedörrt. Als das Feuer ausbrach, wehte ein recht kräftiger Westwind. Am Brandherd lagen hauptsächlich Speicher, so daß nicht genügend Bewohner am Platz waren, um das Feuer im Anfangsstadium zu bekämpfen. In den Speichern lagerte außerordentlich leicht brennbares Material. So z.B. bei Vidal & Co. 350 Hektoliter Arrak, 50 Tons Stocklack, drei Tons Schellack. Die Männer, die als erste zum Brand   herd kamen, hatten die Spritfässer aufgeschlagen und den Inhalt in den Rödingsmarktkanal gekippt. Die später eintreffende Feuerwehr wußte das nicht, und so spritzte sie den Sprit aus dem Fleet direkt ins Feuer. Schmidts Telegraph hatte die Feuerwehren aus Wedel, Blankenese und Stade herbeigeholt. Die Wehren aus Wandsbek und Altona waren schon am 5.Mai zur Stelle. Aber nicht einmal die Wehren aus den Hamburger Kirchspielen waren es gewöhnt, unter einem zentralen Kommando zu operieren. Ein solches Kommando gab es nicht.

Bürgermeister Benecke hatte zwar schon in der Nacht zum  5.Mai mit den acht jüngsten Ratsherren seinen Dauerposten im Rathaus bezogen, aber die Meldungen, die von Spritzenmeistern, Bürgerwehroffizieren und Vorstehern der Feuerkasse kamen, ließen nicht erkennen, wo die eigentlichen Schwerpunkte lagen. Die Spritzen lagen da, wo sie gerade waren, und konnten kaum umdirigiert werden.

Von Ingenieur Lindley kam der Vorschlag, Gebäude zu sprengen oder abzureißen, um dem Feuer die Möglichkeit zu nehmen, sich weiter auszubreiten. Bei Bränden in New York und  Charleston hatte man damit gute Erfolge erzielt.

Dem Bürgermeister-Stab fiel damit die Verantwortung zu, über die rigorose Vernichtung von Privatbesitz entscheiden zu müssen. Benecke nahm diese Last auf sich. Mangel an Erfahrung auf diesem Gebiet brachte es aber mit sich, daß nicht immer die richtigen Häuser zerstört wurden. Eine Schneise, die vom Pferdemarkt bis zur Alster geschlagen wurde, hinderte das Feuer nicht, sich weiter nach Osten auszubreiten. Die Sprengung des Rathauses mit 800 Pfund Schießpulver hatte immerhin zur Folge, daß die Bankgewölbe durch Trümmerschutt geschützt wurden. …

Betroffen von dem Brand sind alle Schichten der Bevölkerung. Die vornehmen Hotels, Streits, Alte Stadt London, St.Petersburg u.a. brannten ab. … Obdachlos wurden u.a. 430 Kaufleute, 30 Advokaten, 36 Bäcker, vier Senatoren und vier Bordellwirte. …  Die erste Hamburger Eisenbahn nach Bergedorf, die am 7.Mai feierlich eröffnet werden sollte, transportiert Obdachlose aus der Stadt.

Der Gesamtschaden betrug rund 90 Millionen Mark. Als Vergleich: Die jährlichen Staatseinnahmen Hamburgs betrugen fünfeinhalb Millionen. Das Jahreseinkommen einer Arbeiterfamilie sind 250 Mark.

Die Hamburger Kaufmannschaft zog in Erwägung, bei ihren Gläubigern ein Moratorium (Zahlungsaufschub) zu erwirken. Der Bankier Salomon Heine aber hat sich mit der Kraft seiner Beredsamkeit dagegengestellt. Heine, der sein schönes Haus am Jungfernstieg verloren hat, ist bereit, sein ganzes Vermögen einzusetzen, um die Kreditwürdigkeit Hamburgs zu erhalten. “Ist denn die Elbe verbrannt?” fragte er die Verzagten. “Nein”, lautete die Antwort. “Nein? Also nichts ist verloren!”

Nach dieser Beschreibung der Hamburger Brandkatastrophe ist anzunehmen, daß auch Friedr. Rud. Heinrich Becker zumindest  einen Großteil seines Vermögens verloren hat, da die Häuser am Pferdemarkt entweder Opfer der Flammen oder der Sprengungen wurden.

Bereits 1843 führt ihn das Hamburger Adressbuch jedoch schon wieder unter der Adresse Pferdemarkt, jetzt aber unter der Haus-No.79 auf. Es ist allerdings noch nicht geklärt, ob es sich um das gleiche Grundstück handelt, da im Jahre 1833 die Häuser innerhalb der Straßen durchlaufend nummeriert wurden.

1843:   BECKER, Friedr. Rud. Heinr. unt. d. Firma LACH et BECKER,
Pferdemarkt no 79

LACH et BECKER, von ESSEN Nachfolg., Tuchhandl.    B.Cto. mit Hrn. F.N.Stresow,
Pferdemarkt No. 79
Eingang zum Laden auf dem Speersort.

Stadtplan-Ausschnitt

Stadtplan-Ausschnitt

Pferdemarkt 79: LACH et
BECKER, am Speersort.
Teilhaber unter gleicher Anschrift
auch Ernst Gottl. Carl Lach

1845:   BECKER, Friedr. Rud. Heinr. unter der
Firma LACH et BECKER,
Pferdemarkt no. 2

Pferdemarkt 2. v.d. Steinstr.
rechts
LACH et BECKER

1854:   BECKER, Friedr. Rud. Heinr., ausserh. Dammthors, Grindelhof 25, Adr. Alterwall 12 .

1860:   Becker, F.R.H. ; Grindelhof 34, auch: gr. Burstah 10


Hamburg - Pferdemarkt

Wappen Heinrich Becker

Wappen Heinrich Becker

 

Heinrich Becker und Christine geb. Wilhelm

Heinrich Becker und Christine geb. Wilhelm

Becker mit dem Anker und Merkurstab; Friedr. Rud. Heinr.; Jurat St.Jacobi 1839″(Q5)

Sterbeurkunde Heinrich Becker

Sterbeurkunde Heinrich Becker

 


1. Becker, Rolf : “Georg Wilhelm Becker”
2. Becker, Gerhard : Selbstbiographie
3. Hamburgische Adressbücher von 1822, 1825, 1843, 1845, 1854.
4. Lorenz-Meyer, Eduard, Hamburgische Wappenrolle
5. entnommen der Hamburgischen Wappenrolle, zusammengestellt von Ed. L. Lorenz-Meyer,   Hamburg,
1912.
6. Verk, Erik : Hamburg, 1977
7. OFB Hamburg HHC4-413369   Becker,  Quelle: Hamburger Bürgerbuch 1799 – 1844 (Register)