256. Becker, Johannes

Becker

9. Generation
256.               Becker, Johannes
Sohn von Jacob Becker, Papiermacher-Meister in Klein Lengden, und Ilsabeth geb. Bothmann.
1689 nicht in Klein Lengden, um 1700 Papiermacher-Meister in Klein Lengden,
ab 1732 in Weende bei Göttingen.
get. Klein Lengden 03.10.1666;   (KB Klein Lengden, Taufen, 1666, Nr.9, den 3.Octobris)
Pate: M. Hans Kerl, Steinsmüller.

Taufeintragung Johannes Becker 1666

Taufeintragung Johannes Becker 1666

gest. Weende 16.05.1742; begr. Weende 18.05.1742
verh. Bremke 16.11.1700 mit  (Q1)
256.               Kabold, Anna Catharina
geb.   .09.1678 (err.);
gest. Weende 19.03.1758  (im Alter von 79 Jahren, 6 Monaten)
7 Kinder:

1) Becker, Johann Jacob
Papiermacher-Meister in Heiligenstadt
get. Klein Lengden  07.12.1701; “Johann Jacob, Johannes Beckers Pappier Machers Söhnlein“; Paten Johann Georg Kabold und Jacob Becker.”

Taufeintragung Johann Jacob Becker

Taufeintragung Johann Jacob Becker

KB Kl.Lengden -Taufen – den 7 Decemb. 1701 (Nr.7)
gest. ..
verh. Bremke 12.09.1730 (Q1)
(Becker, Jacob, Papiermeister v. Heiligenstadt, verh. Weißhuhn, Johanna ; V.: Pastor)
Weißhuhn, Johanna; Tochter des Pastors Weißhuhn
geb.             gest.

Er ist der Papiermacher J.J.B. von Heiligenstadt.(Q2); Die Stadt Göttingen kaufte
“1729, 6.August, 1 Ries Papier mit dem Zeigen Heyligenstatt (= mit dem Ortsnamen HEILIGENSTADT) von Johann Jacob Becker, Papiermacher daselbst”:
Die Kämmerei der Stadt Göttingen bezog zw. dem 6.8.1729 und dem 31.8.1734 wiederholt Schreib- und Rechenpapier bei dem “Papiermacher Johann Jacob Becker von Heiligenstadt”.(Q3)
1. F.Schubert, Traureg. Südniedersachsen, Bremke, Nr.159
2. TACKE I., Seite 216;
3. Tacke, Papiermacher in Weende. Seite 94f.

2) Becker, Johann Conrad; Tuchscherer und Meister an der Tuchfabrik in Uelzen.
get. Klein Lengden 09.12.1703;
“Johan Conrad, Johannes Beckers PappierMachers Söhnlein
Paten Johann Ludolf Rappe und Conrad Adam Engelhard.”
gest. Uelzen, St.Marien 08.05.1750; begr. Uelzen 12.05.1750
verh. 1. Ehe in Uelzen, 1737 (ohne Datum – KB St.Marien) mit
NN., NN.
gest. Uelzen, St.Marien 17.03.1738; begr. Uelzen 19.03.1738
verh. 2. Ehe in Uelzen mit
Meyer, Elisabeth Anna
geb. Uelzen 06.03.1722;         get. Uelzen 08.03.1722
gest. Uelzen 09.01.1786;         begr. Uelzen 11.01.1786

3) Becker, Johann Siegmund; Papiermacher; Nachfolger seines Vaters.
-Er übernahm die Papiermühle nach dem Tode seines Vaters für den Betrag von   Rthl.2700.-
get. Klein Lengden 19.02.1706;
“Johan Sigmund Johanes Beckers PappierMachers Söhnlein
Paten Hanß KERL, Steinsmüller und Siegmund SPANGENBERG,
Eichenkrüger”.
gest. Weende 08.09.1765
verh. Weende, bei Göttingen 13.09.1765
Siebrecht, Anna Elisabeth
aus der Mahlmühle Katlenburg
geb. um 1727; gest. Weende, (63 J.alt) 04.03.1790
sie verh. 2 Ehe. Weende 23.10.1768  mit Heinrich Georg Rusteberg
Papiermacher in Weende; get. Osterode 25.12.1725; gest. Weende 10.09.1789

4) Becker, Johann Heinrich; Tuchscherer; seit 1740 als Tuchscherer in Göttingen nachweisbar.
get. Klein Lengden 02.05.1708;

Taufeintrag Johann Heinrich Becker

Taufeintrag Johann Heinrich Becker

“Johan Henrich, Johanes Beckers Söhnlein.  Paten Johann Henrich Siebrecht, des Kindes Mutter Stiefbruder zu Bremke”.
gest. Göttingen 27.03.1760
Im Jahre 1738 besitzt der “Tuchbereiter Joh. Heinr. Becker” in Uelzen das Haus Achterstraße Nr.11; ob es sich hierbei um diesen Johann Heinrich handelt, muß geprüft werden. Jedenfalls schon 1737 lebte und heiratete in Uelzen der Bruder Johann Conrad Becker, Tuchscherer und Meister an der Tuchfabrik in Uelzen.
(Q: Baetge, E.: Praesent Wwe., Hausbuch).

Göttinger Bürgeraufnahmen 1328 bis 1918; Seite 679, 20. Januar 1740:
Becker, Johann Henrich; Tuchbereiter und Schleifer (Tuchscheerer), auß der
Papiermühle ober Weende, 12. Januar 1740: zahlt 1/3. “

5) Becker, Marie Catherine
get. Klein Lengden 02.02.1711
verh. Weende, bei Göttingen 20.05.1734
Binder, Friedrich Bernhard
Papiermacher-Geselle aus Königslutter
geb.  Königslutter               gest.

6) Becker, Johann Gottfried; Papiermacher in Moringen;
Papiermacher-Meister zunächst offenbar in Waake, 1747 kaufte er die Wedemeyersche Oelmühle unter dem Hagenberge bei Moringen, die er als Papiermühle ausbaute. 1753 in Konkurs.
get. Klein Lengden 08.05.1713
verh. Moringen  04.05.1745  mit
Griese, Marie Christine
To. des Bäckermeisters Caspar Griese in Moringen, u. Dorothee Rosine Nolte.
geb. Moringen 13.2.1728 (evang.); Konfirmation 1741 in Moringen

7) Becker, Anna Catharine
get. Klein Lengden 10.11.1719

———————————

aus: Tacke, Papiermacher in Klein Lengden, Seite 5f.
Johannes BECKER war der Erbe und Nachfolger seines Vaters Jacob Becker. Er “hat offenbar erst nach dem Tode seines Vaters, im Jahre 1700 oder zu Anfang 1701, geheiratet und dann von Ende 1701 bis Ende 1719 sieben Kinder, fünf Söhne und zwei Töchter, in Klein Lengden taufen lassen. Im übrigen liegen aber auch aus seiner Zeit noch keine wesentlichen Nachrichten vor, bis er nach mehr als 30jähriger Arbeit in der Papiermühle Klein Lengden und bereits im hohen Alter von fast 66 Jahren stehend, im März 1732 “sothane Papier Mühle” für 1200 Rthlr. an “die Vormundschaft des Freiherrn Carl Friedrich von Goertz, Erb- und Gerichtsherrn zu Rittmarshausen und des Gerichts Garte”, verkaufte, um “mit dem Kauf Gelde nahe bey Weende ohnweit Göttingen eine neue Papiermühle anzulegen und zu Bauen”.

die ehemalige Papiermühle in Klein Lengden

die ehemalige Papiermühle in Klein Lengden

 

Ob man für diesen Entschluß des alternden Meisters – wie gelegentlich versucht worden ist – bereits nach einer ursächlichen Verknüpfung mit den ersten Gründungsvorbereitungen der Universität Göttingen suchen darf, oder ob man ihm ursprünglich nichts weiter als “die zur Papierbereitung ohnvergleichliche Beschaffenheit des Wassers in dem bewußten Spring ohnweit Weende” zugrunde gelegt hat, bleibt in einem späteren Beitrage zur Geschichte der Beckerschen Papiermühle bei Weende näher zu untersuchen. Hier genügt es vorerst zu wissen, daß Johannes Becker Ende März 1732, also unmittelbar nach dem Verkauf der Papiermühle Klein Lengden, “auch bereits in solchen neuer Papier Mühlen-Bau würklich begriffen” war und daß er sich dazu in Klein Lengden “alles zu Papiermachen gehörige Zeug vorbehalten” hatte, “folgends (bei seinem Abgange) diese Mühle leer und nicht gangbahr überlieferte”.

DIE PAPIERMÜHLE KLEIN LENGDEN

Nun bestand diese “leere und nicht gangbahre” Mühle zwar immer noch “in einem vor wenigen Jahren erbaueten Wohn- und Backhause” sowie zwei “Küchen- und Obstgärten und einem Platz Wiesen, samt dem Wehr- und Mühlen-Graben-Recht”, mit allen daran hängenden “Recht- und Gerechtigkeiten in der Gemeinde Kleinlengden”. Und auch der Anschlag des örtlichen Beamten (Amtmann H. Piepenbrink zu Rittmarshausen), daß zur Wiederbeschaffung des zum Papiermachen erforderlichen Geräts weitere “200 rlt daran gewendet werden” müßten, damit “die Mühle wieder in vollen guten Stand gesetzet” und dann zu einem angemessenen Pachtzinse ausgetan werden könne, fand man daher höheren Ortes zunächst noch nicht bedenklich.  …

Inzwischen hatte der Amtmann nun aber nicht allein längst einen “annehmlichen Papiermacher” für die “solcher gestalt angekauf- und zu verpachtende Papier Mühle” angenommen, sondern sich mit diesem auch bereits “ohne weiteren Bericht und Anfrage” erheblich über den ursprünglichen Anschlag hinaus “in solche Reparation eingelaßen”. Schon zu Martini 1732 war dieser neue Papiermacher, Meister Stephan Stünkel, in die Papiermühle eingezogen, um “von da an biß Ostern 1733 und (dann noch) fast biß Pfingsten” daran zu bauen. Außer “das umgehende Zeug durchgehendts gantz neu anzuschaffen”, hatte er “brunnen zu machen und in Röhren zu führen, die Gebäude, als Waßer-Mauer, grund Mauer, Träger, balcken, treppen etc. völlig auß zu reparieren, auch ein Vieh stall nebst back hauß neu auf zu bauen” unternommen, und schließlich waren für das alles “an bau kosten laut deßen geführten Rechnung verwand und nützlich auß gegeben 887 rthlr.3g.1Pfg.”
Das beim Pachtantritt Conrad Müllers  am 8.November 1743 aufgenommene Inventarium ist das früheste und zugleich detaillierteste, über welches wir bisher für eine südhannoversche Papiermühle verfügen. Eine verhältnismäßig ausführliche Wiedergabe dürfte daher auch in diesem Rahmen am Platze sein.

Nach seinen Angaben bestand die Papiermühle Klein Lengden derzeit aus drei Hauptgebäuden und zwar dem Wohnhause, dem “neuen Gebäude am Wohnhause, woran ein Kuh Stall und die Leimstube”, sowie der eigentlichen Papiermühle.

Das Wohnhaus hatte zwei Wohngeschosse, Boden und Hahnebalken; es war “übersetzet” von 9 Spann Größe, mit Ziegeln gedeckt und “in gutem Dach und Fach”. Über der Haustür zeigte es das “Freyherrl. Goertzische Wappen” (also sicher ähnlich wie Abb.4). Im Innern hatte man im Erdgeschoß rechts von der Hausdiele, ” worauf eine neue Papier Preße mit aller Zubehör”, die durch einen eisernen Ofen mit steinern Fuß” und Kachelaufsatz heizbare Wohnstube und, an diese anstoßend, eine Kammer. “Auswendig vor dem Ofen nach der Küche” befand sich “eine Kupferne Blase von 1.1/2 Eymer” ( d.h. Fassungsvermögen von 1.1/2 Eimern). Zum Mobiliar der Stube gehörten außerdem ein Eckbrett mit einem Gesims und 8 Haken sowie zwei Bänke, jede von 20 Fuß Länge. In der an der anderen Seite der Diele liegenden Küche stand “ein schlechter Feuerherd und höltzerner Rauchfang”. Durch eine zweite Tür in der Küche gelangte man in den Garten. In die “2.Etage” führte von der Diele eine Treppe, unter welcher “ein klein Gitter, worunter Feder Vieh gesetzet” wurde. Außer einer zweiten Stube mit einem Kachelofen enthielt diese Etage eine weitere Kammer und die Rauchkamnmer. Der darüber befindliche Boden hatte “2 doppelte Schiebläde” und “an den Seiten im Dach 4 Dachladen , woran 4 paar Wirbel Hespen mit 4 Haaken”. Außerdem war er, wie auch der Hahnebalken, “mit Tannen Stangen und mit hären Stricken zum Papier aufhengen bekleidet”. Der durchgehende Schornstein bestand aus Lehmsteinen und war “oben etwas schadhaft”.

Hölzerne Fußböden gab es noch in keinem dieser Räume. Die Stuben, Kammern und der Gang in der zweiten Etage hatten einen gegossenen Estrich; die Fußböden der Diele und der Küche waren “mit Leimen (Lehm) überzogen”. Der Fußboden des ersten Bodens war “von Gips”. Die Wände in den Stuben und Kammern waren nur zum Teil “über dem Leimen geweißet”; zum Teil waren sie “ohngetünchet und ohngeweißet”. Die Türen waren mehr oder weniger roh aus “Tannenholz” (Fichtenholz) gearbeitet und zum Teil verschließbar. Die Fenster waren in der Mehrzahl Schiebefenster mit “gehörigen Bley und Wind Eißen”.

Das “neue Gebäude am Wohnhause” war “gleichfalls übersetzet” und bestand “aus 6 Spann von guten Tannen und Eichen Holtz”. In dem angebauten Kuhstall befand sich “eine alte Krippe”. Die “Leim Stube hieran” enthielt “einen Leim Keßel von ohngefehr 16 Eymer, welcher eingemauret”. Außerdem war “in der Stube vorhanden ein doppelter von Ziegelsteinen gewolbeter Backofen”. Der über dem einstöckigen Gebäude liegende Boden war “ein Futter Boden von Leimen überschlagen”. Die Dachhaut bildeten auch hier Ziegel. Der Schornstein war aber nur “geflochten und mit Leimen überworfen und dadurch wegen des Feuers außer Gefahr gesetzt”.

Die als das größte der drei Gebäude “aus 11 Spann bestehende Papier Mühle” war “von guten Eichen holtz” aufgezimmert und ebenfalls übersetzt. Oben im Dache hatte sie “6 Dachladen mit gehörigen Läden, Hespen und Haaken und überdem noch 2 Leede im Giebel, welche geschoben” wurden. Den gesamten Raum zu ebener Erde beansprucht die “Werck Stube” und die von dieser durch  eine Scheerwand abgetrennte “Werck Stelle”.

In der Werkstube stand die “große steinerne Büdde, 4 Fuß hoch und 6 Fuß im Durchschnitte, mit einer kupfernen Wärme Blase versehen”.

Daneben hatte man den “steinern Rechen-Trog mit dem Rechen”. Außerdem waren “hierin befindlich eine neue Papier Preße mit Eisen beschlagen (und) mit einem eisern Kratz und Triele, jedoch ohne Strick und Haspel”, sowie “ein doppelter Zeug Kaste, die Materie darin zu legen”.

Das umgehende Zeug der Werkstelle enthielt noch keinen Holländer, sondern bestand  “aus (einem deutsche Stampf-Geschirr von) 6 Löchern und 24 Stampen mit Eisern bändern, 96 Keilen, worunter  6 eiserne Platten”. Die treibende Kraft für das Stampfwerk, das Rührwerk und den “eisern Schuck Brunnen” mit 6 Messinghähnen, “wodurch das Waßer in die Loch Bäume läuft”, vermittelte “ein (oberschlägiges) Waßer Rad außer der Mühle, so neu gemacht”.

Der über der Werkstube und Werkstelle liegende, mit neuen Tannenbohlen überschossene Materialienboden war über eine an der Außenwand des Gebäudes angebrachte Treppe “mit Handlehne und überhangendem Dache” zu erreichen. Über dem Materialienboden enthielt die Mühle schließlich weitere zwei Böden mit den üblichen Dachläden und den “nöthigen harenen und hanfenen Seilen, auch Tannen Stöcken zum Papier aufhenken”. Auf dem ersten Dachboden stand ferner “eine höltzerne Wage mit 8 kettenen Strengen und 2/4 Centner Gewicht”.

An besonderen Pertinenzen verzeichnete das Inventarium einen “Garten hinter dem Wohnhause an dem Garten Bache”, einen Garten hinter dem Geschirrhause und einen dritten Garten “auf dem Berge” sowie “über der Mühle an dem Garten Bache” noch eine kleine Wiese. In den Gärten standen insgesamt 166 Zwetschgenbäume, 8 Äpfelbäume und  6 Sauerkirschenbäume*. An den Gärten und den Wiesen am Wasser gehörten zur Mühle außerdem 156 Korbweiden, 4 Ellern und 3 Eichen. Am Wege vor der Mühle befand sich der seinerzeit von Stefan Stünkel vorgerichtete oder verbesserte “Brunnen, in einen Felsen gehauen mit einem steinern Gewölbe”, davor eine mit “Hespen und Anwurf versehene Tannen Thür”.

Anm.* Beachte den weit überwiegenden Anteil der Zwetsche am gesamten Obstbaumbestande sowie das noch völlige Fehlen der Süßkirsche! Ähnliche Verhältnisse können für diese Zeit und z.T. auch noch erheblich später allgemein für Südhannover in Rechnung gestellt werden.

Über die weitere, uns interessierende Geschichte der Papiermühle Klein Lengden schreibt E.Tacke weiter:
Auch Jobst Heinrich Hanweg, ein Sohn des Vlothoer Meisters Paulus Hanweg, ist in Klein Lengden dann allerdings nicht vom Glück gesegnet gewesen. Nach einer unverbürgten Nachricht von Hößles soll er die Papiermühle für den sehr hohen Preis von 6000 Thalern erworben haben. Schon etwa zwei Jahre später mußte er es dann jedoch erleben, daß ihm die Mühle “vom Grunde aus abbrannte”, worauf er “hibicondrisch” (schwermütig) wurde und am 22.Oktober 1825, erst 39 Jahre 7 Monate und 6 Tage alt, “an gänzlicher Entkräftung durch innere Krämpfe” starb.

Nach einem späteren Bericht des Amtes Reinhausen (vom 13.Januar 1836) (Staatsarchiv Hannover. Hann.80, Hildesheim I, F 174), lag nach diesem Brandunglück “das Gewerk einige Zeit still, bis ein erfahrener umsichtiger Papierfabrikant Namens Keferstein (am 26.November 1826) die junge Witwe – Johanne Louise, geb. Kattenbracker – heiratete und mit einem Kostenaufwande von 6000 rtl. die Werke und Gebäude wieder solide und zweckmäßig herstellte”.

JOHANNES BECKER IN WEENDE
aus: E.Tacke, Papiermacher in Weende S.442ff.

“Während im engeren Umkreise der Stadt Göttingen bald nach dem Ende des 30jährigen Krieges (1665/66) weitere Papierwerkstätten im Hacketale bei Waake, sowie an der Garte bei Klein Lengden entstanden und diesen gegen Ende des Jahrhunderts (1697) u.a. auch die Hasenbalgsche Papiermühle am Rauschenwasser (Mariaspring) folgte, wurde ein neues Blatt im Buche der Weender Papiergeschichte erst wieder im Frühjahr 1731 aufgeschlagen, als der Papiermacher Johannes Becker von der Garte bei Klein Lengden nach einem Bericht des Amtes Harste “gewillet (war), hier im Amte eine Papiermühle anzulegen und des Endes an Kgl.Cammer um Concession hierunter angesuchet”, auch solche “zu bekommen Hoffnung erhalten” hatte. (StA.Hannover.Hann.74Uslar K.B.IV Nr.4). Ein Jahr später, im März 1732, trat Becker die vom Vater ererbte Werkstätte, nachdem “Königl. und Churfürstliche Cammer (Anfang November 1731) auf die Acquisition sothaner Mühlen nicht reflectiret” hatte, für 1200 Rthlr an “die Vormundschaft des Freiherrn Carl Friedrich von Goertz, Erb- und Gerichtsherrn zu Rittmarshausen und des Gerichts Garte” ab, um “die desfals empfangene Kaufgelder bei einer über dem Dorfe Weende ohnweit Göttingen gantz neu wiederum anzubauenden Papiermühle”, für welche er “die Zimmerarbeit von einem Zimmermann in Echte bereits verfertigen” ließ, zu verwenden (Gräfl.v.Görtz-Wrisb. Archiv Wrisbergholzen. II.Bd.IV.Abt.1,Abschn.Nr.3).

Ortsplan-Weende-mit-Papiermühle-um-1784

Ortsplan-Weende-mit-Papiermühle-um-1784

Die angegebenen Daten schließen aus, daß dieser Entschluß des – im Frühjahr 1731 – nach reichlich 30jähriger “Arbeit des Meisters” an der Garte bereits im Alter von fast 66 Jahren stehenden “Papier- müllers Johannes Becker” schon mit den ersten Vorbereitungen “wegen in dieser Stadt anzulegender Universität” in Zusammenhang gebracht werden können. Vielmehr dürfte er in erster Linie auf das “äußerst reine, niemals zufrierende (und) immer reichlichem Maaße” zur Verfügung stehende Quellwasser des Weendesprings zurückzuführen sein, durch welches dieser Platz für eine Papiermühlenunternehmung “besonders von der Natur begünstigt” wurde. (StA.Hannover.Hann.51 XVII Nr.40). Andererseits hätte es bei dieser Lage des Gewerkes “ohnweit Göttingen” kaum ausbleiben können, daß die Mühle vor anderen mit den Interessen der jungen Alma mater verknüpft wurde. Denn wenn etwas in den Anfangsjahren der Universität “in denen dortigen Gegenden theils nicht in genugsamer quantität und nicht zu aller Zeit, theils auch nicht vor den Preiß und nicht in der Güte” wie gewünscht zu bekommen war, so war es “das daselbst benöthigte Papier, insonderheit das feine und ordinaire Druck-Pappier”. Wohl ließ die Regierung schon 1735 “zwölf Ballen Papier (unmittelbar) aus Holland” kommen und versuchte damit “denen Buchdruckern” wohl so etwas wie eine Erstausstattung zu verschaffen. Dennoch blieben die Klagen, daß “Professores und Studiosi und wer sonst was drucken laßen” wolle, dies “wegen mangelnden Papiers nicht zu beschaffen” wisse, vorerst gang und gäbe.

 

Infolgedessen sah der hannoversche Minister Gerlach Adolph Freiherr von Münchhausen, dessen Schultern “die dornenvolle Aufgabe der Errichtung einer neuen Universität” aufgebürdet war, sich alsbald zu weiteren Maßnahmen in dieser Richtung veranlaßt. Sie begannen – so weit wir bis jetzt sehen – damit, daß Münchhausen am 4.November 1737 von den Beamten in Harste “zu wißen” verlangte, von welcher Leistungsfähigkeit “die um Göttingen belegenen Papier Mühlen” seien und ob man von dorther “das Papier behuef der Universität um einen billigen Preiß” beziehen könne.

Hierauf hatte der Amtmann “die Papier Müller
1. Johannes Becker vor Weende, Amts Harste,
2. Stephan Stünkel auß Klein Lengden, Amts Niedeck, und
3. Zacharias Hasenbalch zum Rauschen Waßer, Heßischen A(mts) Bovenden,
vorgefordert und deßfalß befraget”, aber keine sonderlich befriedigende Antwort erhalten. Denn während die Hasenbalgsche Mühle – des “färbenden” Wassers wegen – schon damals fast ausschließlich “Glantz:Bogen (d.h. Preßspäne oder Preßpappen), welche die Tuchmachere gebraucheten”, fabrizierte, stellten die Werkstätten bei Weende und Klein Lengden zwar die gängigsten Schreib- und Druckpapiersorten zu verhältnismäßig “annehmlichen” Preisen her (Tab.1). “Eins ins andre” glaubte Stünkel jedoch nicht mehr als “100 Ballen (im Jahr) gewiß” zu erreichen, und auch Becker “getrauete sich des Jahres (allenfalls) 180 bis höchstens 220 Ballen zu lieffern”. “Dabey komme auf eine gute Witterung, absonderlich einen beständigen Winter vieles an”; außerdem müsse jederzeit ein entsprechender “Vorrath an Lumpen” zur Verfügung stehen, “welchen er indeßen ohne einen Geld Vorschuß nicht anzuschaffen” wisse, zumal “hier im Lande wenige einheimische Lumpen vorfielen” und sie “die mehreste Materie” um so viel teurer  von “außwerts herholen” müßten.

Tab.1.    Papiersorten und -preise der Papiermühlen
Weende und Klein Lengden 1737
‑‑‑‑‑‑‑‑‑‑‑‑‑‑‑‑‑‑‑‑‑‑‑‑‑‑‑‑‑‑‑‑‑‑‑‑‑‑‑‑‑
Papiersorten                           Preise á Ballen (in Thlr)
Weende         Kl.Lengden
‑‑‑‑‑‑‑‑‑‑‑‑‑‑‑‑‑‑‑‑‑‑‑‑‑‑‑‑‑‑‑‑‑‑‑‑‑‑‑‑‑
Druckpapier                              5.1/2               5
Konzeptpapier                          7                     7
Ordinäres Schreibpapier          11                   11
Registerpapier                         12                   20
Postpapier bzw. Briefpapier     15                   11
‑‑‑‑‑‑‑‑‑‑‑‑‑‑‑‑‑‑‑‑‑‑‑‑‑‑‑‑‑‑‑‑‑‑‑‑‑‑‑‑‑

Unter solchen Umständen – auf die hier zuerst in den Weender Akten anklingende “Lumpennot” der vorindustriellen Papiermacherei wird zurückzukommen sein – war “leichtlich zu vermuthen”, daß sich “insonders an dem auf hiesiger Universität gebrauchenden sogenandten Zeitungs-Papier” auch künftig um so häufiger “ein Mangel finden” werde, als man “das Disputieren und Drucken auf alle Weise befördert haben” wollte. Tatsächlich ist schon für den Sommer 1738 nicht nur ein weiteres Mal belegt, daß die Stadtkämmerei “kein Schreib Papier zu Weende bekommen” konnte und deshalb “zum Vorrath annoch 1 Ballen vor 10 rthlr 15 mgl von (dem Papiermeister) Christoph Fusch zu Heiligenstadt behandeln” mußte; vielmehr hatte das Amt Harste zu gleicher Zeit erneut “eine Notiz von denen um Göttingen belegenen Papiermühlen” einzuziehen, damit man diese über “den Professor Köhler in Göttingen” den Buchdruckern zukommen lasse und “sie sich selbst so gut sie könnten”, nach dem benötigten Papier “zu erkundigen” vermöchten.  …

Unterdessen war  der “Papiermüller Johannes Becker”, nachdem “er schon eine Zeitlang sehr schwach gewesen, an einer obstruction gestorben” und (am 18.Mai 1742) in Weende begraben worden. Von seinen (in der Papiermühle an der Garte geborenen) fünf Söhnen scheint der älteste, Johann Jacob (getauft 7.Dezember 1701), mit dem “Papiermacher Johann Jacob Becker von Heiligenstadt” identisch zu sein, von welchem die Kämmerei der Stadt Göttingen zwischen dem 6.August 1729 und dem 31. August 1734 wiederholt Schreib- und Rechenpapier bezog. Über den zweiten, Johann Conrad (getauft 9.Dezember 1703), und den vierten, Johann Heinrich (getauft 2.Mai 1708), hat sich weiteres bisher nicht ermitteln lassen,(Anm.: Nach Abschluß des Manuskripts konnte ermittelt werden, daß Johann  Heinrich Becker seit 1740 als Tuchmacher in Göttingen nachweisbar ist und hier am 27.März 1760 starb.), während der dritte, Johann Siegmund (getauft 19.Februar 1706) die Nachfolge in Weende antrat und auch der jüngste, Johann Gottfried (getauft 8.Mai 1713), als Papiermacher in Waake bzw. Moringen in diesen Mitteilungen noch weiter zu nennen ist. …

Nach dem Tode von Johannes Becker übernahm der 3.Sohn, Johann Siegmund die Papiermühle Weende für den Betrag von Rthlr. 2700…

Hinzu kam, daß sich spätestens in der Zeit des “Papier Müllers Georg Heinrich Rusteberg” die “am obersten Ende des Dorfes Weende unter einem kleinen Gehölze nahe bey einer angenehmen romantischen Quelle” liegende Mühle auch zu dem “Belustigungsort” für “ganze Caravanen von Musensöhnen, Professoren und Frauenzimmern” entwickelte, als welcher sie später von J.C.Müller (1790), C.Meiners (1801) u.a. so anmutig und liebevoll beschrieben worden ist.

Die Papiermühle Weende

Die Papiermühle Weende

In diesem Zusammenhang lasse ich vorerst unberücksichtigt, daß mir kürzlich ein einzelnes Aktenstück vom 28.Juni 1738 in die Hand gekommen ist, nach welchem schon damals der “Papiermeister (Johannes) Becker alda” begonnen hatte, den Krügern in Weende “zum Nachtheil und Abbruch ihrer Nahrung Bier Brantwein und dergleichen” zu versellen. Denn nachdem die Krüger darüber “sich beschwehret”, hatte Becker auf Befehl des Amtes Harste “sich obberührter Versellung bey Vermeidung wilkürl. Straafe gäntzl. zu enthalten”, (Anm.:StA.Hannover.Hann.74 Göttingen C Nr.300); auch ist bis jetzt nicht zu sagen, ob und ggf. seit wann sich der Sohn Siegmund Becker ungeachtet dessen “derselben weiter anzumaaßen” unternommen hat und dadurch etwa seinem “irregulairen Leben” Vorschub geleistet worden ist.  …
Stammbuchblätter, gezeichnet von Heinrich Grape um 1810.
Ein weiteres Stammbuchblatt findet sich bei “Kulturerbe Niedersachsen“..

Die Papiermühle Weende

Die Papiermühle Weende

 

Die Papiermühle Weende

 

Papiermühle Weende

Papiermühle Weende

 

http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Weende_Papiermuehle_01.jpg#mediaviewer/File:Weende_Papiermuehle_01.jpg

Weende Papiermühle

Weende Papiermühle

 

Weende Papiermühle

Weende Papiermühle

 

Weende und Göttingen

 

JOHANNES BECKER und seine Frau als Paten

1692, den 28.Febr. – KB Klein Lengden – Taufen  Nr.1
“Johann Friderich Ernst Kerls Schulzens Söhnlein,
Paten Johannes Becker Pappier Machers Sohn und Friedrich
Degenhart von Kerstlingerode”

Becker, Johannes, Pate1692

Becker, Johannes, Pate1692

1701, den 27.Juni  – KB Kl.Lengden – Taufen   Nr.2
“Johann Jacob, Johann Ernst Kolbens Söhnlein   Pate Jacob
Becker des Kindes Mutter Bruder,  welch der Selbe aber absens
war, aber Johannes Becker Verrichtet.”

1703, den 13. Mai  – KB Klein Lengden – Taufen   Nr.6
“Johannes Johann Ernst Kolbens Söhnlein
Pate Johannes Becker.”

1708, den 28. Decemb: KB Klein Lengden – Taufen  Nr.9
“Johann Sigemund, Johann Ernst Kolbens Schulmeisters in
Kl.Lengden Söhnlein, Pate Johannes Becker PappierMacher u.
SigMund Spangenberg,Eichenkrüg.”

1731, 30.10. Pate in Bettenhausen bei der Tochter von Andreas Becker, Anna Catharina Becker
            get. 30.10.1731 Bettenhausen
“Herr Andreas Becker, fürstl.Papiermacher, ein Töchterlein Anna
Catharina”, Patin: “dessen H(errn) Bruder(s) (Johannes) Beckers,
Papiermachers zu Lütgenlengden Ehefrau” ( Tacke, 21.2.1972)

——————–
zu Weende siehe auch:

Dorf und Kloster Weende

https://www.google.de/search?q=Papierm%C3%BChle+weende&oq=Papierm%C3%BChle+weende&aqs=chrome..69i57j69i60l2.5967j0j8&sourceid=chrome&es_sm=122&ie=UTF-8