256.3. Becker, Johann Siegmund

Becker I 

256.3. Becker, Johann Siegmund
Sohn von   Johannes Becker Papiermüller in Klein Lengden, ab 1732 inWeende und Anna Catharina Kabold.
Papiermacher-Meister in Weende, Nachfolger seines Vaters.
get. Klein Lengden 19.02.1706

“Johan Sigmund Johanes Beckers PappierMachers Söhnlein
Paten Hanß Kerl, Steinsmüller und Siegmund Spangenberg, Eichenkrüger”.
gest. Weende 08.09.1765
verh. Weende 13.09.(11.? [1]) 1742  mit
Siebrecht, Anna Elisabeth
“aus der Mahlmühle Katlenburg”
geb. ..   um  1727
gest. Weende 04.03.1790 (63 Jahre alt)
sie verh. 2. Ehe Weende 23.10.1768  mit
Rusteberg, Heinrich Georg
Sohn des Philipp Rusteberg, Papiermachergeselle in Osterode.
Papiermacher in Weende
1777 besitzt er in Weende 14.1/2 Morgen Erbenland.[2]
get. Osterode 25.12.1725;  gest. Weende 10.09.1789

 

 

KB Klein Lengden, Taufen, Anno 1706, den 19 Febr.  Nr. 2

4 Kinder –
256.3.1. Becker, Johann (Justus) August
spätestens seit Anfang 1769 als Papiermacher in Herzberg “bis in die 1790er Jahre hinein”, danach in Weende.
get. Weende 22.10.1743
gest.    (Weende ?)
verh. Herzberg 29.11.1774 mit:
Rohrmann, Johanne Dorothee
geb. (errechnet 18.05.1752)
gest. Weende 19.04.1833
begr. Weende 23.04.1833
sie verh. 1. Ehe   ..     mit:
Fueß, Heinrich Ludwig [3]
Papiermeister in Herzberg
geb.   um 1751
gest. Herzberg 30.12.1773 (32 Jahre alt)
(“in der Ruhme ersoff[en]“)

256.3.1.1.      Becker, Heinrich August
“Papierfabricant” in Weende ab Frühj./Sommer 1800;
geb. Herzberg 27.05.1780
gest. Weende 05.11.1821    (“Vita dissoluta praecipue ebritati dedita eum destruxit”)
verh .Moringen 29.04.1808  mit:
Düvel, Marie Louise
Tochter des Georg Ludwig Düvel, angesehener Papierfabrikant in Moringen.
geb.  Moringen  err. 1787
gest. Weende 09.02.1836 (Gallenfieber) 49 J. alt
3 Söhne u. 2 Töchter in Weende geboren.

256.3.2. Becker, Johanne Margarethe
geb. Weende 05.02 1753
gest. Weende 06.01.1792
verh. Weende 09.09.1790  mit:
Rusteberg, Heinrich Burchard
Sohn des Heinrich Andreas Rusteberg, “Bürger und Zeugfabrikant” in Osterode.
Papiermacher, später Mahlmüller in der Weender Obermühle
1792, beim Tode seiner Frau als “gewesener Papiermacher” im Kirchenbuch aufgeführt.
geb. Osterode
gest. Weende 23.02.1797

256.3.3. Becker, Johanne Charlotte
geb. Weende 18.10.1755
gest. Weende 29.11.1776
unverheiratet

256.3.4. Becker, Johann Henrich (Heinrich)
Papiermacher, 1789 noch in Weende bezeugt
(1789, Juni: “Papiermacher Heinrich Becker” als Taufpate bei Struve)
1792, 02.08. heiratet er als “der hiesige Bürger und Brauer H[err] Johann Heinrich
Becker” in Königslutter.
geb. Weende 23.01.1764
gest.
verh. Königslutter 02.08.1792 mit:
NN., Witwe des Bürgers und Brauers
Steinhausen, Friedrich Christian
geb.                 gest.

 

Tacke beschreibt die Familie Johann Siegmund Becker und die Mühle Weende  [4] sehr ausführlich:

“Was zunächst den Nachfolgerin der väterlichen Mühle betrifft, so wurde Johann Siegmund Becker knapp vier Monate nach dem Tode des Vaters am 13.September 1742 in Weende mit Elisabeth Siebrecht aus der Mahlmühle in Katlenburg getraut und dabei im Kirchenbuche als ‘der hiesige Papiermacher’ bezeichnet. Am 22. Oktober 1743 ließen die Eheleute ihren ersten Sohn Johann Justus (August) in Weende taufen. Dann blieb ihnen weiterer Kindersegen zunächst versagt, bis am 5. Februar 1753 und am 18. Oktober 1755 zwei Töchter, Johanne Margarethe und Johanne Charlotte, geboren wurden, denen schließlich am 23. Januar 1764 noch einmal ein Sohn Johann Henrich folgte. Weder der Papiermeister Johann Siegmund Becker ‘zu Wehne’ noch ‘dessen jüngster Bruder’, der als ‘Johann Gottfried Becker, Papiermacher im Gerichte Waaken’, im Frühjahr 1747 zusammen mit seinem Schwiegervater, dem Bäckermeister Caspar Griese in Moringen, die ‘nahe bey dieser Stadt’ unter dem Hagenberge belegene Wedemeyersche Oelmühle kaufte, ‘um eine (eigene) Papiermühle daselbst anzulegen [5], haben sich indessen auf dem Wege ihres tüchtigen Vaters gehalten.      ….

Mittlerweile war nun aber auch der ‘jetzige Papier Müller zu Weende’ längst ‘in Schulden gerathen’. Und mochte man dem Bruder in Moringen – trotz jener Nachrede – immerhin noch zugute halten können, daß der geführte ‘kostbahre process’ zu seinem Unglück beigetragen haben werde, so war es hier, ‘dem Vernehmen nach’, allein das ‘irregulaire Leben, so bey diesem Papiermacher (bereits) zur ohnveränderlichen Gewohnheit worden’ war, was den Betrieb in den Krebsgang brachte und für die ferneren Bemühungen um eine ausreichende Papierversorgung ‘dasiger Gegend’ nur entsprechend unsicher in Rechnung bleiben ließ.”

 

Diese ausreichende Papierversorgung, besonders benötigt für die neugegründete Universität in Göttingen, war über einige Jahre ein Problem, mit dem sich auch der hannoversche Minister Frh. von Münchhausen bekümmern mußte. Er hatte befohlen, ein Papier-Magazin in Göttingen anzulegen.

“Ohne auf die weiteren Einzelheiten hier näher eingehen zu können, sei hinzugefügt, daß die Stadt – wenn auch erst nach nochmaliger ‘Erinnerung’ Münchhausens und unter Inanspruchnahme eines von der Regierung ‘aus der Manufaktur-Casse vorzuleihenden Capitals’ von 500 Rthlr – den gewünschten Vertrag schließlich zum 27.September 1747 mit dem Kaufmann und Kornschreiber Johann Heinrich Ehrhardt zu Stande brachte. Aber auch dann dauerte es noch lange, ehe es dem ‘Entrepreneur’ gelang, ‘beregtes Magazin (einigermaßen zufriedenstellend) mit erforderlichem Papier anzufüllen’. Dabei hatte Ehrhardt – nach einer Aufstellung vom 15.Januar 1748 – schon ‘zu Anfangs’ auch von dem ‘Wehndischen Papiermacher’ zwar ‘etwas bekommen’. Größere Lieferungen hatte Becker indessen auch jetzt von entsprechenden Vorschüssen abhängig machen wollen. Außerdem hatte er sich nicht weiter ‘verbindlich zu machen’ vermocht, als daß ‘solches Papier vor Johanni (d.h. bis Mitte des Jahres 1748), nicht ehender, verfertiget und geliefert werden könte’.  ”

 

Um die Schwierigkeiten zu beheben, erwägt v. Münchhausen, “wie die Weendische papier Mühle in geheim angekauffet werden könne”.

“Hieran scheint die umfangreichste Spezialakte des Staatsarchivs Hannover ‘betr. die Papiermühle zu Weende’(Hann.93,35 Nr.10) anzuknüpfen, mit derem ersten Vorgang der Amtsschreiber Otto Ludewig Voigt [6]  zu Harste am 20.November 1749 dem ‘Hochgebornen Freyherrn, Gnädigen und Hochgebietenden Herrn Geheimen-Raht’ berichtete, wie er  ‘per tertium indifferentem’ und ‘ohne auch diesem die wahre Absicht zu eröffnen’ an diese Mühle heranzukommen versucht, den beabsichtigten Erfolg – trotz der bekannten schwierigen Lage des `Papier Machers’- indessen noch nicht zu verzeichnen habe.”

(Gleichzeitig schlägt Voigt den Bau einer neuen Papiermühle an der Rase vor, wo Quantität und Qualität des Wassers dem der Weender Mühle entsprechen sollten. Der Baumeister Henrich Christian Körtje in Hannover war mit entsprechenden Untersuchungen und Gutachten beauftragt. Er brachte auch eine neu zu errichtende Papiermühle an der Grone, sowie den Umbau einer Säge-, Öl- und Schleifmühle auf dem Weender Amts-Hofe zum Vorschlag).

“Hinzu kam, daß die nach den Vorstellungen Körtjes ‘hieselbst massive zu erbauende’ sowie ‘zum halben Zeuge mit Teutschen und zum gantzen Zeuge mit Holländischen Geschirren’ auszurüstende Mühle nach ‘ohngefehrlichem Anschlage’ fast 3700 Rthlr. kosten sollte. Andererseits war dem jedoch entgegen zu halten, daß ‘die Ankaufung der (bestehenden) Weender Papier-Mühle, als wozu sich der Müller anjetzo (vielleicht) verstehen’ würde , nach dessen ‘Meinung (mittlerweile nicht weniger als) 3874 rthl gelten’ sollte. Dabei war diese ‘Weendische (Mühle), die der jetzige Besitzer als Sohn (seinerzeit) für 2700 rtl angenommen’ hatte, ‘nur aus Holtz aufgebauet’; auch würden vorab ‘wohl noch bis 400 rtl darin zu verwenden (gewesen) seyn, bis alles in recht guten Stand (hätte) gesetzet’ gelten können.” …

(Keiner der Vorschläge wird durchgeführt).

“Nun hätten sich ‘bei den wiederholten Untersuchungen’ indessen nicht zu beseitigende Schwierigkeiten ‘geäußert’ und so wohl die Anrichtung einer neuen Mühle überhaupt bedenklich, als insoweit am ‘vorgeschlagenen Orte gantz ohnmöglich’ gemacht. Danach bleibe ‘kein ander Mittel übrig, als bei vorfallender Gelegenheit den Ankauf einer schon vorhandenen guten Mühle zu versuchen’. Gegenwärtig habe man – nachdem dem mehrfach ‘geschehenen Vorschlage des Ankaufes der alten Papiermühle’ am Weendespring wegen der ‘auf eine exorbitante Weise hinausgespannten Forderungen des Eigentümers’ nicht hatte ‘beigetreten’ werden können – ‘auch solches noch verfehlen müßen’ und bleibe ‘der Königlichen Societät ein solches ohnvorbehalten’, damit sie ‘des etwa nöthigen Papieres halber, sonsten ihre Anstalt zeitig treffen möge’.”

 

“Als der Papiermüller Johann Siegmund Becker [7] elf Jahre nach den zuletzt berichteten ‘Verhandlungen’ am 8.September 1765, noch nicht volle 60 Jahre alt, in Weende starb, (für die Zeit zw.1755 und 1765 liegen Akten zur Geschichte der Papiermühle Weende bisher nicht vor), mag sich der (am 22.Oktober 1743 getaufte) älteste Sohn Johann August nach den üblichen Lehr- und Wanderjahren bereits ‘geraume zeithero’ zur Nachfolge in der Mühle bereitgehalten haben. Indes behielt die Mutter ‘Elisabeth Siebrecht, Wittwe Beckern‘, ‘die Direction ihrer Papiermühle und Besorgung aller einschlagenden Geschäfte’ in der Hand, bis sie sich am 23.Oktober 1768 mit dem (am 25.Dezember 1725 als Sohn des Papiermachergesellen Philipp Rusteberg in Osterode getauften) Papiermacher Heinrich Georg Rusteberg wiederverheiratete und damit dem Sohne den väterlichen Platz in der Mühle am Weendespring endgültig versperrte: Spätestens seit Anfang 1769 arbeitete Johann August Becker als Papiermacher in Herzberg, wo er – nachdem der zeitige Papiermeister Heinrich Ludwig Fueß am 30.Dezember 1773 im Alter von 32 Jahren ‘in der Ruhme ersoff<en>’ war – am 29.November 1774 dessen Witwe Johanne Dorothee geb. Rohrmann heiratete und dann noch bis in die 1790er Jahre hinein der alten Papiermühle unter dem Lonauwasserfalle als ‘Meister Johann August Becker‘ bzw. als ‘H(err) Becker in der Papiermühle’ vorstand.”

1768 berichtet das Amt Harste an die Regierung in Hannover, “der hiesige Bezirk besitze ‘eine Privat-Mühle’, die ‘zwischen Göttingen und Weende’ liege und ‘ppter seit 1734′ bestehe. Sie gehöre der ‘Witwe Siegmund Becker’,beschäftige ’4 Gesellen und 1 Lehr Jungen’ und verfertige ’9 Arten Papier’, wovon ‘schlecht und gut gegeneinander gerechnet, ppter 150 Ballen’ im Jahr verkauft würden.

Vergleicht man diese Angaben mit den …Meldungen der benachbarten Bezirke …, so scheint sich die Weender Werkstätte jetzt bereits wesentlich mehr ‘hervorgethan’ zu haben als in den 1740er und 1750er Jahren unter der ‘dissoluten Aufführung’ des Meisters Siegmund Becker. Hierzu paßt, daß die Kämmerei der Stadt Göttingen in der gleichen Zeit (1766/67) die Masse des benötigten Schreibpapiers direkt von der ‘Witwe Becker’ zu beziehen begann und daß diese Direktlieferungen sodann auch auf Rusteberg übertragen wurden und von diesem bis zu seinem Tode im Herbst 1789 Jahr für Jahr mit großer Regelmäßigkeit ausgeführt worden sind.

Hinzu kam [8], daß sich spätestens in der Zeit des “Papier Müllers Georg Heinrich Rusteberg” die “am obersten Ende des Dorfes Weende unter einem kleinen Gehölze nahe bey einer angenehmen romantischen Quelle” liegende Mühle auch zu dem “Belustigungsort” für “ganze Caravanen von Musensöhnen, Professoren und Frauenzimmern” entwickelte, als welcher sie später von J.C.Müller (1790), C.Meiners (1801) u.a. so anmutig und liebevoll beschrieben worden ist.

In diesem Zusammenhang lasse ich vorerst unberücksichtigt, daß mir kürzlich ein einzelnes Aktenstück vom 28.Juni 1738 in die Hand gekommen ist, nach welchem schon damals der “Papiermeister (Johannes) Becker alda” begonnen hatte, den Krügern in Weende “zum Nachtheil und Abbruch ihrer Nahrung Bier Brantwein und dergleichen” zu versellen. Denn nachdem die Krüger darüber “sich beschwehret”, hatte Becker auf Befehl des Amtes Harste “sich obberührter Versellung bey Vermeidung wilkürl. Straafe gäntzl. zu enthalten”, (Anm.:StA.Hannover.Hann.74 Göttingen C Nr.300); auch ist bis jetzt nicht zu sagen, ob und ggf. seit wann sich der Sohn Siegmund Becker ungeachtet dessen “derselben weiter anzumaaßen” unternommen hat und dadurch etwa seinem “irregulairen Leben” Vorschub geleistet worden ist.

Auch dann bleibt indessen bis auf weiteres bestehen, daß für keinen der nachmals so zahlreichen ‘Belustigungsörtern’ im engeren und weiteren Umkreis der Stadt Göttingen eine frühere ausführliche Nachricht vorliegt als für diesen. Sie findet sich in einem Reskript der Regierung in Hannover an das Amt Harste vom 29.März 1776, nach welchem ‘vorgekommen’ war, ‘welchergestalt (das Amt) auf Veranlaßen der Wehnder Bauer-Krüger (nunmehr auch) dem dasigen Papier-Müller Rusteberg die Fortsetzung seiner (inzwischen) seit langen Jahren betriebenen Kleinen Wirtschaft, welche hauptsächlich nur darin bestehen soll(e), daß er denen von Göttingen dann und wann dahinkommenden Litteratis auf Verlangen ein Glaß Wein, Kaffee, eine Schale Milch und ein Butterbrodt vorsetze, bei fünf Rthlr Strafe habe untersagen laßen’.

Weil ‘nun (jedoch) die angenehme Lage der Wehnder Papiermühle und die schöne Gegend bey denen Litterartis in Göttingen zur recuration (=Erholung) und unschuldigen Vergnügen die beste Gelegenheit darbiete, ohne alle daselbst zu findenden Erfrischungen aber solches denen Studirenden wohl zu gönnende Vergnügen gar sehr eingeschränkt werden würde’,  die Regierung auch ‘nicht ab(zu)sehen (vermöge), wie das Interesse der Bauer-Krüger in Wehnde darunter versiren könne, wenn ein und andere die Dorf-Krüge ohnehin nicht besuchende Honoratiores auf der Papier-Mühle ein Butterbrodt und ein Glaß Wein bekommen’ könnten – aus diesen Gründen werde das Amt, ‘falls die Sache sich angebrachter maaßen’ verhalte und ‘der Papier Müller Rusteberg in den gehörigen Schranken geblieben’ sei, ‘die Inhibition wieder aufheben, widrigenfalls aber oder wenn sonst Bedenklichkeiten dabey ein- treten sollten, davon fordersamst berichten’.

Zu entsprechenden Bedenklichkeiten hat sich indessen das Amt weder ‘dermalen’ noch später ‘gemüßiget’ gesehen, so daß die Papiermüller in Weende  – wie es in einem ‘Tabellarischen Verzeichnis sämtlicher im District Göttingen befindl. Papiermühlen’ vom Jahre 1808 heißt – auch fernerhin ‘einen nicht unbeträchtlichen Nebenerwerb durch die Wirthschaft’ hatten, ‘indem die angenehme Lage der Mühle (nach wie vor) vielen Besuch dahin’ zog. Ein besonderes Abbild dieser Verhältnisse sind die – von der ‘Pappiermühle bey Göttingen’ in mehreren Ausführungen vorliegenden – Wiederholdschen Stammbuchblättern, die – z.T. beiderseits mit Widmungen und Mitteilungen beschrieben – um die gleiche Zeit weit in die Welt hinausgingen und in mancherlei Hinsicht kultur- und wirtschaftsgeschichtliches Interesse verdienen. Eins dieser Stammbuchblätter, gez. Heinr. Grape um 1810, sei auch hier wiederholt; für ein weiteres sei u.a. auf den Abdruck in der ‘Geschichte der Stadt Göttingen’ von Saathoff (1940)[9]  verwiesen. [10]

Unterdessen[11] war “Herr Georg Heinrich Rusteberg, Papiermachermeister, ein Ehemann”, am 10.September 1789 im Alter von 62.3/4 Jahren gestorben und nur ein halbes Jahr später, am 4.März 1790, war ihm im Alter von 63 Jahren auch die “hinterlaßene Witwe Anna Elisabeth Rusteberg” nachgefolgt. Nun lebten derzeit aus deren erster Ehe mit dem Meister Siegmund Becker außer dem “zeitigen Papiermeister zu Herzberg H[errn] Johann August Becker” zwar noch die Tochter Johanne Margarethe, die am 9.September 1790 in Weende mit dem “Papiermacher Heinrich Burchard Rusteberg hieselbst”, einem Sohne des “Bürgers und Zeugfabrikanten” Heinrich Andreas Rusteberg in Osterode, getraut wurde, sowie der jüngste Sohn Johann Heinrich Becker, der ebenfalls Papiermacher war und als solcher noch im Sommer 1789 in Weende bezeugt ist. (Anm. 1789, Juni: “Papiermacher Heinrich Becker” als Taufpate bei Struve.)

Aus bisher nicht näher zu erkennenden “Rücksichten” trat jedoch keiner von ihnen die Nachfolge in der Weender Werkstätte an. Vielmehr wurde diese – während Heinrich Burchard Rusteberg als Mahlmüller in die Weender Obermühle überwechselte und Johann Heinrich Becker (erneut) auf Wanderschaft ging  (Anm. Am 2.August 1792 findet er sich in Königslutter wieder, wo er als “der hiesige Bürger und Brauer H[err] Johann Heinrich Becker” die Witwe des Bürgers und Brauers Friedrich Christian Steinhausen heiratete.) – nunmehr an den Meister Johann Ephraim Stahl verpachtet, ..”

 

 

 

 

 

 

http://books.google.de/books?id=DUZEAAAAcAAJ&pg=RA4-PA547&lpg=RA4-PA547&dq=Becker+weende+papierm%C3%BChle&source=bl&ots=KEoXfuO58o&sig=52drAIg6RrYiVXAEDutHKJb2o90&hl=de&sa=X&ei=RmD8U6fjFaqn4gSIgYGYBQ&ved=0CD4Q6AEwBg#v=onepage&q=Becker%20weende%20papierm%C3%BChle&f=false

 

 


 

Über die Papiermühle Herzberg schreibt v.Hößle [12] :

“6. Nächstfolgender Besitzer wurde … anläßlich seiner Verheiratung mit Benedikta Ernestine Hotzen der Stabssecretarius Georg Wilhelm Mertens. Zu dessen Zeit flüchtete der Pächter Alk als Schuldner für rückständigen Zins; als Ersatz für denselben fand Mertens

7. den Papiermacher-Meister Heinrich Ludwig Fues, welcher die “über Herzberg” belegene Papiermühle in dem sogenannten Holländer und drei umgehenden Geschirre, jedes mit Dreiloch in Erbpacht übernahm.  Dieser einer altangesehenen Papiererfamilie entstammende Fachgenosse war gewiß der Urheber maschineller Verbesserungen des Werkes; denn wir sehen wegen Einbau des leistungsfähigeren Holländers die Stampfgeschirre von früher fünf Loch auf drei Loch verkleinert. Nach traditioneller Überlieferung nutzte die Papiermühle die 17-m-Gefälle des Wasserfalles mit Wasserrädern, welche “untereinander” liefen; das obere Rad mit 6 m Durchmesser war mittelschlächtig, das obere Rad mit über 10 m Durchmesser war oberschlächtig, und nachdem zum oberen Rad ein Gebäude, zum unteren Rad zwei Gebäude gehörten, muß die Anlage malerisch gewesen sein. Sowohl der Besitzer Mertens als auch sein Pächter Fues werden nach 1773 in einem Briefwechsel genannt; ob der erste zu den Hasseröder Papiermüllern in verwandtschaftlicher Beziehung stand, ist nicht bekannt.

..  Von den oben genannten Gebäuden ist eines wegen Baufälligkeit seit 1921 abgerissen worden, ein anderes trägt heute (1931) noch den Charakter aus früherer Zeit mit den langen Dachluken der Trockenböden. Die Herstellung von Büttenpapieren währte bis zum Jahre 1857, um welche Zeit eine Firma Westermann und Bösch eine Färberei mit Tuch- und Wollgarnfabrikation einrichtete. – Heute arbeitet auf dem Anwesen, welches immer noch den Hausnamen Papiermühle führt, eine Maschinenfabrik.”

 


Er wird erwähnt im Kirchenbuch Weende, bei der Beerdigung seiner Mutter: [13]

sie  “heyratete zum ersten Mahle einen Papiermacher in Herzberg, Namens Fuß, der im Wasser seinen Tod fand, und mit dem sie nur Einen Sohn gezeugt hat, von dem noch ein männlicher Nachkomme, der Verstorbenen Großkind, jetzt in Moringen als Papierfabrikant lebt.”

 

Bei diesem Sohn handelt es sich um

 

Heinrich Otto Ludwig Fueß [14]

NN. FUES [15]  [16] Papierfabrikant in Moringen

geb. Herzberg 15.08.1800

gest. Moringen 03.12.1874

 

Über diesen Papiermacher Fues schreibt v.Hößle bei der Beschreibung der Papiermühle Moringen, daß Fues der Nachfolger des G. L. DUVEL war.(Schwiegervater des HEINRICH AUGUST BECKER – sein Onkel – verh. 1808 mit MARIE LOUISE DÜVEL)

“Dann wird Papierfabrikant Fues von 1830 bis 1833 als “Pächter” genannt, doch geht aus dem im Stadtarchiv aufgefundene Schriftstück Auskunft.

 

Bericht des Amts Moringen-Hardegsen

an die Königliche Landdrostei in Hildesheim

vom 29.November 1838.

Indem wir das vorrubrizierte Gesuch, mit dessen Anlagen, wieder vorlegen, berichten wir über die Verhältnisse des “Bittstellers” und über seine Papierfabrik so weit uns dieselben bis jetzt haben bekannt werden können, ganz gehorsamst: (Der Bittsteller hatte jedenfalls um staatliche Subvention nachgesucht.)

Der Fabrikant Fueß hat die Papiermühle zuerst in den Jahren 1830 bis 1833 in Pacht gehabt, sodann aber dieselbe für 6000 rf. Gold gekauft. Von diesem Augenblick an hat sich der Umfang und der Betrieb der Mühle ausnehmend erweitert und gehoben. Gleich im ersten Jahre wurde eine chemische Bleiche und ein großes Hängehaus angelegt und neu gebaut. Im vergangenen Jahre erweiterte sich die Mühle durch zwei neue Holländer und zwei Pressen, außerdem wurde das Geschäft durch Anlage einer zweiten Bütte, unter aber maliger Vermehrung des Hängewerks verdoppelt. Außer dieser, der Hauptmühle, legte der pp. Fueß im Jahre 1835 eine zweite Mühle mit Lochstampfgeschirr samt Wehr und Wassergraben von Grund auf neu an, welche Mühle hinwiederum im gegenwärtigen Jahre durch einen neuen Holländer und Hederschneider, sodann durch ein zweites Gebäude nebst einer zweiten größeren Bleiche und großen eisernen Kessel zum Auskochen der Heden erweitert worden.

pp.                  pp.

gez. (Unterschrift)

 

Diese Verbesserungen und Einbau einer neuen Bütte nebst “Lochstanzwerk” in den dreißiger Jahren, wo viele Fachgenossen schon die Einführung von Papiermaschinen in Erwägung zogen, kennzeichnen den mit Vertrauen zum allezeit bewährten Handwerk erfüllten alten Papiermacher; es ist nicht unmöglich, daß sein  “Löcherbaum” der allerletzte war, der in Deutschland vom Mühlenbauer behauen und ausgehöhlt wurde: Hatten doch beispielsweise die Haynsburger Papiermühle in Sachsen und die Papiermühle Weiher im Odenwald von Steinmetzen rechtwinklig ausgemeißelte “Stampftröge aus Sandstein” zu dieser Zeit in Benutzung, aber Fueß fand im Sollingerwald noch die ihm liebgewordenen dicken Eichenstämme; der eingangs schon erwähnte Buntsandstein, auf dem die Eichen standen, konnte ja beim Stampfen viel Sand in den “Zeug” hineinfallen lassen.

So schöpfte er also unverdrossen aus Bütten und vermutlich mit Erfolg bis zum Jahre 1870.

Vom Jahre 1872 liegt die Unterschrift eines Papierfabrikanten L.Paulin zu Moringen vor, ..  ”

 

 

 

v.Hößle berichtet über die Weender Papiermühle[20], welche zum “Amte Harste” gehörte. “An dieses gelangte im Jahre 1790 der Befehl seitens der Kgl. Großbrit. Braunschweig-Lüneburgischen Regierung, der seit 1790 dort wirkende Pächter Johann Ephraim Stahl sollte auf vorgelegte 48 Fragen Auskunft geben, ‘ob bei den deuschen Papiermachern besondere Gildegebräuche bestehen’. Geehrt durch die ihm von höchster Stelle gewordene Aufgabe, aber auch wohl orientiert über die Verhältnisse seiner Fachgenossen, sandte er einen erschöpfenden Bericht ein. (Zweimal gedruckt in: C. Hofmanns Papier-Zeitung, Jahrgang 1898,Nr.83-88,und Professor Kirchner “Das Papier”, 4.Bogen, 1905.)  Johann Ephraim Stahl, zu Gotstadt im Brandenburgischen geboren, hatte bei Meister Stolze in Friesdorf in der Mark gelernt, war zur Zeit genannter schriftstellerischer Arbeit angeblich 38 Jahre alt und übersiedelte Anno 1800 nach Blankenburg im Thüringer Wald, woselbst die von ihm käuflich erworbene angesehene Papiermühle 70 Jahre im Besitz seiner Familie blieb. .. ”

 

 

 


[1] F.Schubert, Traureg. Südniedersachsen, Weende Nr. 358

[2] Fahlbusch, Otto : Weende, 1966

[3] http://www.blogus.de/Pwan.html  Aus dem Tagebuch eines wandernden Gesellen

(Heinrich Otto Ludwig Fueß)

[4] Tacke, Papiermacher in Weende, Seite 95ff

[5] Hinweis auf St.A. Hannover, Hann.74 Northeim E Fach 50 Nr.8

[6] Otto Ludewig Voigt ist ein Enkel von Jobst Heinrich Voigt, dem Bruder von Johann Georg Voigt zu Ricklingen     (siehe Familie VOIGT)

[7] Tacke, Papiermacher in Weende, Seite 100ff.

[8] Tacke, Papiermacher in Weende. Seite 103

[9] Saathoff, A., Göttingen, 1940

[10] Vgl. auch die reichhaltigen Sammlungen im Städt. Museum. -

( – Drei verschiedene Original-Stammbuchblätter von der Mühle in Weende sind im eigenen Besitz.)

[11] Tacke, Papiermacher in Weende, Seite 104

[12] Hößle, Friedr. v. : Papiermühlen d. Prov. Hannover, 1932, S.365;

[13] Klermann, Th. : 1973

[14] http://www.blogus.de/Pwan.html  Aus dem Tagebuch eines wandernden Gesellen
(Heinrich Otto Ludwig Fueß)

[15] Klermann, Th. : 1973

[16] Hößle, Friedr. v. : Papiermühlen d. Prov. Hannover, 1932

[17] Tacke, Papiermacher in Weende, Seite 100ff.

[18] Tacke, Papiermacher in Weende, Seite 105;

[19] Klermann, Th. : 1973

[20] Hößle, Friedr. v. : Papiermühlen d. Prov. Hannover, 1932

[21] Tacke, Papiermacher in Weende, Seite 105;