256.3.1. Becker, Johann August

256.3.1. Becker, Johann (Justus) August

Sohn von Johann Siegmund Becker,  (256.3.) Papiermüller in Weende und

Spätestens seit Anfang 1769 als Papiermacher in Herzberg “bis in die 1790er Jahre hinein”, danach in Weende. Ab Frühj./Sommer 1800 wird sein Sohn Heinrich August Becker als “Papierfabricant” in Weende genannt.

get. Weende 22.10.1743
gest.                (Weende um 1800 ?)
verh. Herzberg 29.11.1774 mit:
Rohrmann, Johanne Dorothee
“Tochter eines Trompeters”
geb. (errechnet 18.05.1752)
gest. Weende 19.04.1833; begr. Weende 23.04.1833
sie verh. 1. Ehe   ..     mit:
Fueß, Heinrich Ludwig
Papiermeister in Herzberg
geb.   um 1751
gest. Herzberg 30.12.1773 (32 Jahre alt) (“in der Ruhme ersoff[en]“)

1 Sohn aus der Ehe  Rohrmann- Fueß:
Fues, NN.
geb.  (Herzberg um 1770/1773)
gest.  vor 1833 (Tod seiner Mutter)
—– ein Nachkomme 1833 Papierfabrikant in Moringen

“Gestorben sind ao 1833: Becker, Johanne Dorothea, des weyland Papiermachers auf der hiesigen benachbarten Mühle Becker hinterlassene Witwe. Sie war die Tochter eines Trompeters, Namens Rohrmann, heyratete zum ersten Mahle einen Papiermacher in Herzberg, Namens Fuß, der im Wasser seinen Tod fand, und mit dem sie nur Einen Sohn gezeugt hat, von dem noch ein männlicher Nachkomme, der Verstorbenen Großkind, ietzt in Moringen als Papierfabrikant lebt. Nach dem Tode dieses ihres ersten Mannes heyratete sie zum zweiten Male den Papiermacher Becker hier auf der genannten Mühle.
Morbus: Wassersucht
Dies Morty : am 19.April Abends 9 Uhr
Dies Sepult: am 23.April
Aetas:  81 Jahre künftigen 18.tem May  ”  [5]

nur ein  Sohn aus der Ehe Becker/Rohrmann lt. Tacke. [2]  (Töchter ?)

256.3.1.1.       Becker, Heinrich August
“Papierfabricant” in Weende ab Frühj./Sommer 1800;
geb. Herzberg 27.05.1780
gest. Weende 05.11.1821    (“Vita dissoluta praecipue ebritati dedita eum destruxit”)
verh .Moringen 29.04.1808  mit:
Düvel, Marie Louise
Tochter des Georg Ludwig Düvel, angesehener Papierfabrikant in Moringen.
geb.  Moringen  err. 1787
gest. Weende 09.02.1836 (Gallenfieber) 49 J. alt

3 Söhne u. 2 Töchter in Weende geboren. Namen ?

 

 

 

“Als der Papiermüller Johann Siegmund Becker [1] elf Jahre nach den zuletzt berichteten ‘Verhandlungen’ am 8.September 1765, noch nicht volle 60 Jahre alt, in Weende starb, (für die Zeit zw.1755 und 1765 liegen Akten zur Geschichte der Papiermühle Weende bisher nicht vor), mag sich der (am 22.Oktober 1743 getaufte) älteste Sohn Johann August nach den üblichen Lehr- und Wanderjahren bereits ‘geraume zeithero’ zur Nachfolge in der Mühle bereitgehalten haben. Indes behielt die Mutter ‘Elisabeth Siebrecht, Wittwe Beckern‘, ‘die Direction ihrer Papiermühle und Besorgung aller einschlagenden Geschäfte’ in der Hand, bis sie sich am 23.Oktober 1768 mit dem (am 25.Dezember 1725 als Sohn des Papiermachergesellen Philipp Rusteberg in Osterode getauften) Papiermacher Heinrich Georg Rusteberg wiederverheiratete und damit dem Sohne den väterlichen Platz in der Mühle am Weendespring endgültig versperrte: Spätestens seit Anfang 1769 arbeitete Johann August Becker als Papiermacher in Herzberg, wo er – nachdem der zeitige Papiermeister Heinrich Ludwig Fueß am 30.Dezember 1773 im Alter von 32 Jahren ‘in der Ruhme ersoff(en)’ war – am 29.November 1774 dessen Witwe Johanne Dorothee geb. Rohrmann heiratete und dann noch bis in die 1790er Jahre hinein der alten Papiermühle unter dem Lonauwasserfalle als ‘Meister Johann August Becker‘ bzw. als ‘H(err) Becker in der Papiermühle’ vorstand.”

 

Wie Tacke oben schreibt, wurde die Mühle in Weende nach dem Tode von Rusteberg bzw. seiner Witwe, der Anna Elisabeth geb. Siebrecht, verw. Becker, an den Meister Johann Ephraim Stahl verpachtet.

Die genauen Daten, wann Stahl in Weende anfing und wann er wieder fortging, sind nicht bekannt. Bekannt von ihm ist, daß er

“zuerst zum 12.8.1787, wo er als “Papiermacher in Goslar auf dem Walle” mit Johanne Henriette Grove, einer Tochter des Papiermeisters Johann Emanuel Grove in Veckenstedt (Krs. Wernigerode) aufgeboten wurde, in Niedersachsen nachgewiesen ist. Dreieinhalb Jahre später (20.Febr.1791) befand sich an seiner Stelle als Papiermeister in Goslar der “Herr Georg Friedrich Grove, gebürtig von Grüningen” (Gröningen, Krs. Oschersleben, Bez. Magdeburg), während Stahl fast gleichzeitig (2.März 1791) vom Kirchenbuche in Weende erstmals als “Papiermeister hieselbst” beurkundet wurde.

In Weende verlor “Herr Johann Ephraim Stahl, hiesiger Papiermacher” schon im folgenden Jahre (8.August 1792) die “Frau Johanne Henriette Cathrine, alt 29 Jahr, (bei der Geburt des vierten Kindes) im Wochenbette”. Am 22.Januar 1795 wurde er daraufhin in Herzberg mit der “Jungfer Johanne Wallis, Bürgers und Brauers daselbst ehel. Tochter, zur zweiten Ehe copuliert”. Und in dieser wurden ihm sodann drei weitere Kinder geschenkt, bevor er (wohl im Frühjahr oder Sommer) 1800 die Papiermühle in Blankenburg/ Thüringen übernahm, während mit dem (einzigen) Sohne des Herzberger Meisters Johann August und Enkel des Weender Meisters Johann Siegmund Becker noch einmal ein Papiermacher dieses Namens als “Eigenthums-Herr” an die Weender Bütte trat.” (=Heinrich August Becker)  [2]

Bei dieser Pächter-/ Besitzerfolge lässt Tacke jedoch einen Kirchenbucheintrag aus 1833 beim Tode der Witwe des Johann August Becker unberücksichtigt: [3]

“Gestorben sind ao 1833: Becker, Johanne Dorothea, des weyland Papiermachers auf der hiesigen benachbarten Mühle Becker hinterlassene Witwe. Sie war die Tochter eines Trompeters, Namens Rohrmann, heyratete zum ersten Mahle einen Papiermacher in Herzberg, Namens Fuß, der im Wasser seinen Tod fand, und mit dem sie nur Einen Sohn gezeugt hat, von dem noch ein männlicher Nachkomme, der Verstorbenen Großkind, ietzt in Moringen als Papierfabrikant lebt. Nach dem Tode dieses ihres ersten Mannes heyratete sie zum zweiten Male den Papiermacher Becker hier auf der genannten Mühle.
Morbus: Wassersucht
Dies Morty : am 19.April Abends 9 Uhr
Dies Sepult: am 23.April
Aetas:  81 Jahre künftigen 18.tem May  ”  [5]

 

 

Hiernach muß der Papiermacher Johann August Becker, nach seiner Zeit in Herzberg, die Papiermühle in Weende übernommen haben, die dann danach auf seinen Sohn Heinrich August Becker überging. Wann und wo Johann August gestorben ist, muß noch geklärt werden!

 

v.Hößle berichtet über die Weender Papiermühle[4], welche zum “Amte Harste” gehörte. “An dieses gelangte im Jahre 1790 der Befehl seitens der Kgl. Großbrit. Braunschweig-Lüneburgischen Regierung, der seit 1790 dort wirkende Pächter Johann Ephraim Stahl sollte auf vorgelegte 48 Fragen Auskunft geben, ‘ob bei den deuschen Papiermachern besondere Gildegebräuche bestehen’. Geehrt durch die ihm von höchster Stelle gewordene Aufgabe, aber auch wohl orientiert über die Verhältnisse seiner Fachgenossen, sandte er einen erschöpfenden Bericht ein. (Zweimal gedruckt in: C. Hofmanns Papier-Zeitung, Jahrgang 1898,Nr.83-88,und Professor Kirchner “Das Papier”, 4.Bogen, 1905.)  Johann Ephraim Stahl, zu Gotstadt im Brandenburgischen geboren, hatte bei Meister Stolze in Friesdorf in der Mark gelernt, war zur Zeit genannter schriftstellerischer Arbeit angeblich 38 Jahre alt und übersiedelte Anno 1800 nach Blankenburg im Thüringer Wald, woselbst die von ihm käuflich erworbene angesehene Papiermühle 70 Jahre im Besitz seiner Familie blieb. .. ”

 

 



[1] Tacke, Papiermacher in Weende, Seite 100ff.
[2] Tacke, Papiermacher in Weende, Seite 105;
[3] Klermann, Th. : 1973
[4] Hößle, Friedr. v. : Papiermühlen d. Prov. Hannover, 1932
[5] Kirchenbuch Weende Jahrgang 1833 Nr.14,