67.660. Hans Brandis d.Ä.

 

17. Generation 

67.660.    Brandis, Hans d.Ä.
Sohn von  Tilo Brandis, Bürger und Ratsherr in Alfeld, und Leveke Konsen.
Tuchhändler in Hildesheim
geb. Alfeld um 1415;
gest. Hildesheim 01.04.1481;
begr. Hildesheim, (St.Andreas) 02.04.1481 (Grabstein)

1415, ca., geb. in Alfeld; (Q.2);
1443 Bürgerbrief zu Hildesheim;
1444, ca., verh. in Hildesheim mit Ilsabe Winkelmann;
1466 od. 1467 Mitglied der Wandschneidergilde (Tuchhändler);
1470, Kauf eines Meierhofes in Dolgen mit 3 Hufen Landes und drei Teilen des Korn- und Fleischzehnten; 1478 Mitgl. des Ständekollegiums der 24 Mann (24er Rates);
1481, 01.04. gest. in Hildesheim; (Q.2); 02.04. begr. in Hildesheim, St.Andreas;
- Wohnung in der Neuen Straße zu Hildesheim;
Durch enge Verbindung zum Bischof gelangte er zu großem Vermögen; Lehn von Spiegelberg.

Bei Wiederherstellungsarbeiten an der durch Bomben zerstörten Haupt- u Marktkirche St.Andreas zu Hildesheim wurde 1964 die Grabplatte des Hans BRANDIS und seiner Ehefrau Ilsabe geb. WINKELMANN gefunden. Die Grabplatte ist 250 cm lang, 145 cm breit und 38 cm dick, an allen 4 Seiten abgefast (abgeschrägt) und auf der Fläche in Flachrelief das kniende Ehepaar unter dem von Schutzpatronen flankierte Kreuz und dem Brandis’schen Wappenschild (Schild geteilt; oben: wachsender Hirsch; unten: 3 Schrägbalken). Auf den Fasen ist die Widmung für das Ehepaar angebracht. Der ältere Teil dieses Schriftbandes lautet:; “Anno domini MCCCCLXXVII des mandages na der mentweken starf ylsebe, Hans Brandes elike husfruwe, der got gnedich sy.”(Q.3);
(mentweken = Gemeine Woche = volle Woche nach Michaelis <28.9.>)

verh. Hildesheim um 1444
67.661.    Winkelmann, Ilsabe
270.841.  Tochter von Henning Winkelmann und Lucke Lanchreder

Urkundliche Nachrichten über Ilsabe geb. WINKELMANN finden sich sonst nur in den. Aufzeichnungen des Sohnes Henning BRANDIS an zwei Stellen seines “Diariums”:
1. Im jare na Christi unses heren und salichmakers gebort Xiiij Iiiij des vridage na Reminiscere efte des dages Benedicti up de silben ne bun ick Henning Brandis geboren unde myn moime was Ilsebe Winkelmans.
2. In demsulven jare Ixxvij up sunte Calixti twischen mandach unde dinsdach in der nacht de klocke na elven starfmyne leve moder, de got gnedich sy.

gest. Hildesheim, (13. od. 14.10.)1477;
begr. Hildesheim, (St.Andreas) 15.10.1477 (Grabstein)
sie verh. 1. Ehe Hildesheim um 1439/1440
270.840.    von Hagen 2, Hinrik
gest. Hildesheim um 1441

Kinder:
1) Brandis, Tile (Tilemann); Propst; geb. Hildesheim 1445; gest. Hildesheim 08.07.1524
            Tile, geb. 1445; gest. Jul 1524 in Hildesheim. Im Herbst 1462 Student zu Erfurt, dann Magister artium zu Köln a. Rh.; Doktor der Rechte zu Padua; 1470 zu Rom; seit 1475 zu Hildesheim; Domherr zu St. Andreas ebd.; Erzpriester zu Stockheim, Probst zu Nörten, 1479 Probst zum heiligen Kreuz zu Hildesheim, stiftete 1520 an der Universität Erfurt das Collegium Saxonicum mit Wohnhaus für acht Hildesheimer Studenten, daraus stammt das Stipendium Collegii Saxonici für studierende Nachkommen der Brandischen Sippe, auch der weiblichen Nachkommen, unter Aufsicht des Rats zu Hildesheim, letztwillig stiftete er zwei Kanonikate am heil. Kreuzstift zu Hildesheim, daraus stammt das kleinere Kreuzstift-Stipendium für Studierende des Namens Brandis unter Aufsicht des Landrates des Kreises Hildesheim.

2) Brandis, Hans d.J.; Wandschneider; 1474 Brauer zu Hildesheim, 1487 Kämmerer ebd.;
1507 im Exil zu Braunschweig; geb. Hildesheim um 1449; gest. Braunschweig 18.06.1511
verh. Hildesheim 03.11.1471
Wirsing (Wiry), Margareta, To. von Eggert Wiry (Wirsing), gest. Braunschweig, (2./3.)12..1512

Nachkommen:
1. Ilsabe verh. I. Hans Luzeke; verh. II. 1504 Ludeke von Peine, zu Braunschweig
2. Geseke, 1503 Jungfrau zu Hildesheim, verh. Kort Döring (Wappen: in Rot ein silberner
Löwe), zu Braunschweig
3. Johannes (+1531), Dr. jur. 1524 Vollstrecker des letzten Willens seines Onkels
Tilo Brandis,           verh. 1518 Margarethe von Damm, aus Braunschweig

3.1. Hans verh. Margarethe Kniephoff;
.      3.2. Bartam (1525-1566), Dr.jur. verh. Adelheit Varhicker;
.             3.2.1. Klaus (Nikolaus) (+1653), 1623 Ratsherr zu Hildesheim, dann Riedemeister,
.             später Bürgermeister zu Hildesheim verh. Anna Brandis (1571-1615);

33.830.  3) Brandis; Henning d.Ä.; Bürgermeister; geb. Hildesheim 22.03.1454;
gest. Hannover 04.03.1529; begr. Hannover, St.Jürgen 05.03.1529
verh. 1. Ehe Hildesheim 17.09.1475
von Alten, Anna; gest. Hildesheim 14.12.1478
              verh. 2. Ehe Hildesheim 23.01.1480
33.831.  Breier, Gesche (Gese); geb. Hildesheim um 1448; gest. Lamspringe, (Pest) 04.08.1507;
begr. Lamspringe, (im Kloster)
verh. 3. Ehe Hildesheim 02.11.1508
Blome, Adelheid (Alheit), Schwester von 16.914. Blome, Tönnies d.Ä. (Antonius);
Tochter von Hans IV.(d.J.) Blome und Gesche von Wintheim;
geb. Hannover, (um 1475?) 1489; gest. Hildesheim 21.11.1559;
begr. Hildesheim, St.Andreas 22.11.1559

Q: 1. AL Ad. Becker;  2. H.Schlotter, Geneal. Hildesh. Ratsgeschl. bis 1802, S.35+99;  3. H.Schlotter, Ilsabe Winkelmann. Ahnmutter Hildesheimer Bürgermeister. Bürgermeisterfrauen, Genealogie, 1971, S. 641f;   4. DGB 21/1912, S.106;  5. DGB 158, S.355;
6. http://www.inschriften.net/hildesheim/inschrift/nr/di058-0195.html

 

 

Grabstein Brandis-Winkelmann

Grabstein Brandis-Winkelmann

 

Grabstein Brandis-Winkelmann

Grabstein Brandis-Winkelmann

 

 

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http://www.inschriften.net/hildesheim/inschrift/nr/di058-0195.html
DI 58, Nr. 195 St. Andreas 1477, 1481

Grabplatte für Ilsabe und Hans Brandis. Sandstein. Die hochrechteckige Platte, die bei Grabungen im Turmbereich im Jahr 1964 gefunden wurde,1) ist in der nördlichen Chorkapelle angebracht. Sie zeigt unter einer gotischen Bogenarchitektur in Ritzzeichnung Christus am Kreuz mit dem Titulus (A). Unter dem Kreuz Maria und Johannes. Auf der Seite der Maria kniet der Ehemann, von dessen Mund aus zu Christus ein Schriftband mit der Inschrift B verläuft. Auf der Seite des Johannes kniet die Ehefrau, von ihrem Mund geht ebenfalls ein Schriftband aus mit der Inschrift C. Die Figuren ebenfalls in Ritzzeichnung. Am Fuß des Kreuzstammes das Wappen des Verstorbenen. Die Inschriften D und E sind auf den abgeschrägten Kanten des Steins angebracht und zeigen nach außen. Die Grabschrift der Frau (D) beginnt links unten an der Schmalseite und endet in der Mitte der oberen Schmalseite. Die Grabschrift des Mannes (E) beginnt in der Mitte der oberen Schmalseite und endet unten an der linken Langseite. Mit Ausnahme der erhaben ausgeführten Grabinschrift des Mannes (E) sind alle Inschriften eingehauen. Die Inschriften der Spruchbänder (B, C) und der Titulustafel (A) heben sich vom weißen Schriftgrund ab.

Maße: H.: 265 cm; B.: 155 cm; Bu.: 4,5 cm (A–C), 6,5 cm (D, E).

Schriftart(en): Gotische Minuskel mit Versalien.

A

i(esus) n(azarenus) r(ex) i(udaeorum)2)

B

miserere mei deus

C

miserere mei deus

D

anno d(omi)ni M° cccc° l xx vii des mandages / na der mentwekena)3) starf ylsebe hans brandes elike husfruwe der got / genedich sy

E

Anno d(omi)ni M° cccc l xxxi / in dem daghe letare4) sterf ha(n)s bra(n)des de elder dem god gnedich sy

Übersetzung:

Erbarme dich meiner, Gott. (B, C)

 

Wappen
Brandis*

Hans Brandis und Ilsabe Winkelmann waren die Eltern des Hildesheimer Ratsherrn und Bürgermeisters Henning Brandis.5) Hans Brandis wurde um 1415 in Alfeld/Leine geboren, erhielt im Jahr 1443 oder 1444 das Bürgerrecht in Hildesheim und heiratete 1444 Ilsabe Winkelmann. 1466 wurde er in die Tuchmachergilde aufgenommen, 1469 stiftete er eine Kommende am St. Matthäus-Altar in St. Andreas. Für das Jahr 1478 ist er als Mitglied des Vierundzwanziger-Kollegiums belegt.6)

Die vorliegende Platte entspricht in der Art der Anbringung der Inschriften und in ihrer Gestaltung derjenigen Platte, die Henning Brandis für seine erste Frau Anna im Jahr 1478 (Nr. 193) setzen ließ. Auch das verwendete Formular ist weitgehend identisch. Das merkwürdige für i verwendete y und das in Form eines w gestaltete u sind in dieser Inschrift nicht zu finden.

Das Ehepaar Brandis wurde to sunte Andrease benedden der kerken by dat slingk ‚unterhalb der Kirche bei der Einfassung‘ begraben,7) also wahrscheinlich in einer außerhalb der Kirche befindlichen Grablege. Die sorgfältige Gestaltung der Grabplatte und ihr guter Erhaltungszustand machen es allerdings wenig wahrscheinlich, daß sie längerfristig ein Grab außerhalb der Kirche abgedeckt hat. Eine Grablege im Innern der Kirche ist für die Familie Brandis erst seit dem Jahr 1501 nachgewiesen.8)

Anhand der Buchstabenformen ist nicht zu entscheiden, ob die Grabplatte komplett im Jahr 1481 nach dem Tod des Ehemannes ausgeführt worden ist oder ob sie bereits 1477 entstanden ist und die Grabschrift des Hans Brandis nachgetragen wurde.

 

Textkritischer Apparat

des … mentweken] Fehlt von Jan.

 Anmerkungen
Helmut von Jan: Zwei Grabplatten der Familie Brandis aufgefunden. In: Alt-Hildesheim 36 (1965), S.9–11, hier S.9.
Io. 19,19.

mentweken oder ‚gemeine Woche‘ bezeichnet die erste volle Woche nach Michaelis (29. September), folglich wäre der Todestag der 13. Oktober 1477; nach dem Eintrag in Henning Brandis’ Diarium (S. 36) verstarb Ilsabe up sunte Calixti (14. Oktober) twischen mandach unde dinsdach in der nacht de klocke na elven.

1. April 1481.

Henning Brandis’ Diarium, S.45.
Deutsches Geschlechterbuch. Bd. 21. Görlitz 1912, S. 106; dass.: Bd. 171. Limburg/Lahn 1975, S. 72.

Henning Brandis’ Diarium, S. 36 u. S. 45. Die Wortbedeutung von slingk läßt sich mit Hilfe von Schiller/Lübben sowie den Glossaren zu UB Stadt (Hermann Brandes: Glossar. Hildesheim 1897) und zu Henning Brandis’ Diarium nicht sicher bestimmen, die Grundbedeutung ist ‚Rand, Einfassung, Schlagbaum, Gitter‘. Auffälligerweise situieren sowohl Henning als auch Joachim Brandis alle später erwähnten Grablegen der Familie in der kerken, so daß benedden der kerken wohl tatsächlich einen Begräbnisort auf dem Friedhof andeutet. Für freundliche Hilfe bei der lexikalischen Klärung dieser Stelle danke ich Herrn Dr. Christian Fischer, Münster.

UB Stadt 8, Nr. 450 (Anm.) und 451. Das Erbbegräbnis wurde am 5. März 1501 von Bischof Barthold gewährt. Seit dem späten 16. Jahrhundert lassen sich als Begräbnisort der Familie Brandis zwei der Chorkranzkapellen nachweisen, u. a. die östliche Scheitelkapelle, der sogenannte Schülerchor, vgl. Härtel, St. Andreas, Kap. V 1.1.5 u. Anhang 3.

Quellen
Helmut von Jan: Zwei Grabplatten der Familie Brandis aufgefunden. In: Alt-Hildesheim 36 (1965), S. 11, Abb. S. 10.
Hildesheimer Friedhöfe, S. 180.
Zitierhinweis:
Christine Wulf, DI 58, Nr. 195, in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di058g010k0019509.