Castorp, Hinrich

 

Castorp (Kastorp) 

Siegel Hinrich Castorp

Siegel Hinrich Castorp

 

 

Hnrich Kastorp (senior). Siegel rund; ein hockender, geflügelter Löwe, den Kopf in einem Helm, der mit zwei Flügeln besteckt ist, verborgen, hält einen Schild, der gespalten ist, vorne einen halben Adler und hinten zwei Querbalken zeigt. Die Umschrift auf einem fliegenden Bande lautet:  S x hinrich x kastorp .

17. Generation

 73.530.          Castorp, Hinrich
Sohn von Leonhard Castorp und Metta von Corven.
Bürgermeister in Lübeck;
gest. Lübeck 14.04.1488;
begr.  Lübeck, St.Katharien, Grabstein
verh. 1. Ehe  Lübeck 1451
73.531.          Vockinghausen (Vickinghusen), Adelheid (Taleke)
gest. Lübeck  (1471)
verh. 2. Ehe Lübeck  – seit 1472 –
Kerkring, Adelheid (Taleke)
Tochter von Johann Kerkring (tot 1471)
geb.                  gest.
sie verh. 1. Ehe 1462
von Thunen, NN.
sie verh. 2. Ehe 1463
Lamm, Michael
(bei Melle irrtüml. angegeben, dass M. Lamm der 1. Ehemann von Taleke Vickinghusen war, fälschliche Übernahme auch bei Fehling und weiteren Stammtafeln. ) -siehe Q1. S.105,Anm.68 -

Kinder:
1. Castorp, Hinrich II.
1500 Ratmann in Lübeck; 1512 Bürgermeister in Lübeck
gest. Lübeck 09.10.1512
verh. 1. Ehe
Wickinghoff, Margarete; To. v. Bgmst. Joh. Wickinghoff
gest.   (1506 tot)
verh. 2. Ehe
Brutzkow, Anna; To.v. Bgmst. Bruno Brutzkow
gest.  (1512 tot)

2, Castorp, Hans
1489 tot

3) Castorp, Anna
verh. Lübeck um 1494
Geverdes, Georg (Jürgen) #73.558. ; geb. Lübeck um 1440; gest. Lübeck vor 1504
er verh. 1. Ehe Lübeck   um 1475
73.559. von Lüneburg, Adelheid (Taleke)
geb. Lübeck  ca. 1450/1460; gest. Lübeck  vor 1494

4) Castorp, Adelheid (Taleke) #36.765.
verh. Lübeck 1477
Kerkring, Johann; Ratsherr; geb. Lübeck ; gest. Lübeck 26.11.1516

5) Castorp, Gheseke (Gertrud)
verh.
Bere, Johann; Ratmann in Lübeck

6) Castorp, Engelbrecht
Senior der Domkirche
gest. 13.03.1530

7) Castorp, Katharina
wird nur erwähnt im NStB 1472 Pentecoste

In Lübeck eingewandert aus der Gegend von Dortmund. 1447 – 1450 Ältermann der Deutschen in Brügge.  1451 zuerst in Lübeck genannt. Palmarum 1452 Ratsherr und Mitglied der Zirkelgesellschaft, 1462 Bürgermeister zu Lübeck. Wohnung : Königstr. 42

Sein Bild an der Nordfassade des Rathauses. Gemälde in Mineralmalerei von W. Leo von Lützgendorff-Lemberg. Es handelt sich jedoch nicht um historisch richtige Bilder, sondern um spätere Fantasie-Kompositionen.

Hinrich Castorp war Kirchenvorsteher von St. Marien – Lübeck und veranlaßte den Bau des Sakramentshäuschens, welches am 9. Juli 1479 an der Brotseite des damals mit prächtigen Silberfiguren (91 Stück) geschmückten Hauptaltares , errichtet wurde. Das Sakramenthäuschen nahm die Hostie auf.
(siehe Katalog I. Marienarchiv, folio 122 Nr. 1: „Contract über die Anfertigung des Sakramentshäuschens. Errichtet ist dieser Contract von den Vorstehern Hinrich Castorp, Ludeke Bere und dem Werkmeister von St. Marien, Paul Plagge.)

Das Sakramentshäuschen wurde von Lübecker Handwerkern geschaffen. Der Goldschmied Nikolaus Rughese entwarf und vergoldete es. Der Erzgießer Nikolaus Grude goß die ca. 1000 Einzelteile. Der Tischler Waster schnitzte für N. Grude die Vorlagen für die Gießformen. Das

Castorp-Sakramenthäuschen
Castorp-Sakramenthäuschen

Häuschen ist 9.5 m hoch und wiegt ca. 3000 kg.

Liegende Löwen tragen den „Turm“, der reich an Figuren und von schlanker Architektur ist. Schmuckmuster , Maßwerk, Baldachine und Nebentürme bilden mit Kreuzblumen, Krabben und gotischen Verzierungen ein reizvoll gegliedertes Bauwerk. Auf der Tür des eigentlichen Hostienschränkchens,, der auf seine Wundmale weisende Christus.

1855 restaurierte C. Milde das Tabernakel. Nach dem Brand von 1942 wurde das Sakramenthäuschen, das unter einsturzbedrohtem Gewölbe stand, sicherheitshalber abmontiert. 1954 wurde es wiedererrichtet und feierlich enthüllt.
(Wegweiser durch die St. Marienkirche – Lübeck, von H. Weimann, 4. Auflage )

Neben dem Dom entwickelte auch die Marienkirche bald nach ihrer Vollendung künstlerischen Ehrgeiz. Schon 1462 hatte der Bürgermeister Hinrich Castorp gemeinsam mit vierzig Notabeln der Stadt eine täglich „singende“ Messe  zu Ehren der heiligen Jungfrau gestiftet, die in der Kapelle hinter dem Hochaltar abgehalten wurde. Für diesen Gottesdienst wurden acht bezahlte Sänger – sechs Knaben und zwei Erwachsene – angestellt: der Keim einer Sängerkapelle, für die man sich bald zwei „Sangmester“ hielt. Daß man dieser Stellung besondere Wichtigkeit beilegte, geht daraus hervor, daß sie mit auswärtigen Kräften besetzt wurde; u.a. wurde ein Kleriker aus der durch ihre Sängerschule berühmte Diözese Tourney  berufen. Eine Singschule wurde dieser Sängerkapelle im Jahre 1502 angegliedert.

Handelsverbindungen lübischer Kaufleute mit den Niederlanden scheinen dann früher als nach anderen Gegenden Norddeutschlands die Kenntnis der Figuralmusik, die den gregorianischen Choral ablöste, nach Lübeck getragen zu haben. Derselbe Hinrich Catorp bestimmte 1486 in einem Vermächtnis, daß alljährlich am Annentage eine feierliche Messe „mit Figuralgesang“ gesungen werden solle. Das ist aber auch alles, was von der Pflege des spätmittelalterlichen Kirchengesanges in Lübeck bekannt geworden ist. Verzeichnisse, Abschriften oder gar Drucke der ausgeführten Chormusik sind nicht erhalten. …

(aus: Geschichte der Freien- und Hansestadt Lübeck, von Dr. Fritz Endres, Otto Quitzow Verlag / Kom.-Ges., Lübeck 1926; Aufsatz von Fritz Jung.)

 

Warnke:
Auf seinem Grabe zu St. Katharinen, vor dem Gotteskasten, stand um sein, und seiner beiden Ehefrauen Bildniß:
„ Anno Domini M.CCCC.L.XXX.VIII.  … April starff Herr Hinrich Kastorp (Borgermester).  Anno Domini M.CCCC.LXX  …. starf Taleke Kastorpis sine erste Husvruwe .  Anno Domini M.V. c  …. starff …..in Kastorpis sine andere Husvruwe.  Biddet Got vor se alle “
“Sein Schild hangt auch alda”

Bau- und Kunstdenkm. Bd. IV 1,
S.137 f.: Grabstein 1,95 x 3,14 m. Im stark abgetretenen Mittelfeld sind unter einem Doppelbaldachin auf der vom Beschauer aus linken Hälfte der Bürgermeister, auf der anderen die beiden Frauen im Hochrelief dargestellt. Die Vertiefungen sind neuerdings mit Zement ausgegossen. Im Mittelschiff unweit des 1. nördl. Pfeilers.

S.128:  Sein Schild “an der Südseite des I. nördl. Mittelschiffpfeilers“  

Castorp-Fenster

Castorp-Fenster

 

S. 88f:  Wappen Kastorp: vorn ein halber schwarzer Doppeladler auf Gold, hinten dreimalige Teilung von rot und blau.  Stiftete das Fenster 6 – 8. St. Anna selbdritt auf breitem Trohne. Das mittlere Wappen darunter : Kastorp, die beiden anderen Wappen der Familie Witik. (Abb. S. 91)

 Ratslinie (533) Heinrich Castorp.                                                     Ratsmitglied 1452 – 1488
“1452 Ratsmitglied, 1462 Bürgermeister. Von 1447 – 50 war er Ältermann der Deutschen in Brügge gewesen; 1451 wird er zuerst in Lübeck genannt. Bekannt ist sein Wahlspruch: „latet uns dagen, wente dat vänlein is licht an de stange gebunden, aver it kostet vel, it mit ehren wedder af to nehmen.“ In seiner Stellung als lübeckischer Bürgermeister war er der Leiter der lübschen und hansischen Politik. So ist er fast bei allen bereits genannten Missionen der beiden Jahrzehnte 1460 – 80 Teilnehmer, bei den meisten Führer gewesen. Außerdem seien noch erwähnt die 1462 in Hildesheim und Braunschweig mit Vertretern der sächsischen Städte gepflogenen Verhandlungen über die Maßregeln, die gegen Herzog Friedrich von Braunschweig wegen seiner Störung der hansischen Unternehmungen zu ergreifen seien; seine 1463 in Groningen mit dem Herzog von Burgund und den Holländern geführten Verhandlungen, seine Beratung mit König Christian 1469 in Kopenhagen über Beilegung der Irrungen in Schleswig-Holstein; die von ihm namens der Hansestädte 1473 in Utrecht mit den Königen von England und Frankreich und den holländischen Städten gepflogenen Verhandlungen. Auf den Hansetagen, die im Mai und Juni 1476 in Lübeck und im August und September desselben Jahres in Bremen abgehalten wurden, führte er den Vorsitz. –

Castorp war aus Dortmund eingewandert. Seine kaufmännischen Unternehmungen, die er auch als Bürgermeister fortsetzte, hatten einen sehr großen Umfang. Er war aber auch ein Freund der Künste. Seine Neigung zur Musik wird gerühmt; auch soll er mathematischen Studien sein Interesse zugewandt haben. Er ist einer der Stifter der Kaufleute-Kompagnie. In die Zirkel-Gesellschaft ward er 1452 aufgenommen. Er stand an der Spitze der Bürger, die 1462 in der Kapelle hinter dem Hauptaltar der Marienkirche einen regelmäßigen feierlichen Gottesdienst zu Ehren der Jungfrau Maria einrichteten. –

In erster Ehe war er mit Adelhaid, Tochter des Engelbert Vockinghusen, Witwe von Michael Lamm, in zweiter Ehe (seit 1472) mit Adelheid Kerkring verheiratet. Seine Wohnung: Königstr. 42.
Wappen: – vorne ein halber Adler, hinten zwei Querbalken – L.B.S. 6,.33.  + 12 April 1488.
Sein Bild an der Nordfassade des Rathauses.”

Lübecker Bürgersiegel 6,33
Hnrich Kastorp (senior). Siegel rund; ein hockender, geflügelter Löwe, den Kopf in einem Helm, der mit zwei Flügeln besteckt ist, verborgen, hält einen Schild, der gespalten ist, vorne einen halben Adler und hinten zwei Querbalken zeigt. Die Umschrift auf einem fliegenden Bande lautet:
S x hinrich x kastorp .   verschiedene Urkunden tragen sein Siegel.

 

Brüstungsfeld von der Empore der Sängerkapellenorgel
Beschreibung:
Eines von ehemals insgesamt elf architektonisch gestalteten Blendfeldern der Emporenbrüstung. An drei Seiten die Zarge erhalten. Die Eckverbindungen mit Zapfen und Dübeln. Das untere Rahmenholz war in den Schwellenkranz der Tragwerkskonstruktion eingelassen, worauf ein großes Bohrloch und Abdrucksspuren hinweisen; das 
seitliche Rahmenholz rückwärtig abgefast; das obere Rahmenholz mit zwei Bohrlöchern zur Aufnahme des mittlerweile verlorenen profilierten Handlaufs der Brüstung versehen. In der Zarge hochrechteckige durchbrochene Maßwerkfüllung, bestehend aus vier schlanken zweibahnigen Lanzetten mit gegenständigen Spitzbögen und einem Couronnement in Gestalt eines mit Fischblasen gefüllten sphärischen Dreiecks.
Aus: Albrecht 2005, Kat. Nr. 137

Objektgeschichte
Aus der Marienkirche von der Orgelempore der Sängerkapelle. Das Blendfeld, ursprünglich an der Schauseite der Orgelempore plaziert, die über der Alen-Kapelle dem nördlichen Chorumgang der Marienkirche zugewandt war, wurde offenbar im Zuge der Restaurierung der Brüstung im 19. Jahrhundert ausgewechselt. Nach dem Brand in der Nacht vom 28./29. März 1942 ist es das einzige sicher erhaltene Teilstück der 1492 durch den damaligen Vorsteher der Kapelle, Hinrich Castorp, gestifteten Anlage (vgl. Bau- und Kunstdenkmäler der Freien und Hansestadt Lübeck 2, mit Hinweis auf das Stiftungsbuch der Sängerkapelle, Bl. 19). 1892 im Sammlungsbestand. St. Annen-Museum

 

 

 

 

Im Jahre 1452 brannte in Lüpbeck das Haus von Hinrich Castorp ab: (Q3)

Castorp-Haus -1452-abgebrannt

 

1452 wird Hinrich Castorff erstmals in den Lübecker Rat gewählt:  (Q3)

Castorp-1452-Ratswahl

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Quellen und  Literatur:
1. HINRICH CASTORP, Ein Lübecker Bürgermeister aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts, Gerhard Neumann, Lübeck 1932;  Verlag des Staatsarchivs zu Lübeck.
2. Sozialer Aufstieg: Funktionseliten im Spätmittelalter und in der Frühen Neuzeit; herausgegeben von Günther Schulz; H.Bold Verlag, München 2002; S.100
3.  Compendium Historiae Lubecensis, Oder Außzug vnd Historischer Kern Lübischer Chroniken;  von Gottschalck Kirchring,Gottschalck Müller; Lübeck 1667;  S.105/106