22. Claassen, Max

Claassen

5. Generation

Max Claassen

Max Claassen

22.         Claassen, Maximilian Max Leopold Friedrich
Sohn von Friedrich August Claassen, Gutsbesitzer, und
Maria Karoline Louise Oertel;
Fabrikant in Warschau, Besitzer von Gut Davidy
bei Warschau;
geb. Rittergut Morroschin/Preuß. Stargard  15.12.1847,
get.  Mewe, Westpr., 04.05.1848, ev. Pfarramt
gest. Zoppot 23.07.1933 (Nacht vom 22. auf
den 23.7.1933),
begr.  Zoppot – Mariental, ev. Friedhof
verh. 1. Ehe in Warschau 1877/1878, mit:
Fuchs, Clara
Tochter des Julius Fuchs,(geb. Danvitsch, gest. Dez. 1890 in Warschau), Fabrikant und  Brennereibesitzer in Warschau und Auguste geb. Heisler (geb. Gr. Glogau, 26. 05. 1832,
gest. Warschau, Febr. 1891) (Q2)
geb. Warschau 15.05.1855, gest. Warschau 05.05.1880

Clara Claassen-Fuchs
Clara Claassen-Fuchs

verh. 2. Ehe Inowrazlaw (Hohensalza), Prov. Posen,
29.09.1885 mit:
23.         Suermondt, Amélie Lili
Tochter von William Suermondt;
Bergwerksbesitzer, und Emilie geb. Riema
geb. Wandre b/Lüttich  01.03.1866, get. Wandre bei Lüttich  09.06.1866
gest. Hamburg 18.05.1964, Urnenbeisetzung in Mainz – Familiengrab Sauer.

Sohn aus 1. Ehe
1) Claassen, Alexander (Alex) Maximilian
Fabrikant in Leipzig
geb. Warschau, 28.03.1880;  gest. Leipzig,
März 1954
verh. 1. Ehe  Leipzig, 1913  mit:
Schwanitz, Minnie   geb. 02.11.1878
gest. Leipzig, 11.03.1933

Lili Claassen-Suermondt
Lili Claassen-Suermondt

verh. 2. Ehe  in Leipzig, 02.05.1934
Fischer, Marietta,
geb. 16.10.1891; gest. (Leipzig, nach 1964)
war in 1. Ehe verh. in ..(um 1917)…mit :
NN.NN.
Sie wohnte 1964 in Leipzig 05, Kohlgartenstr.  31b keine Nachkommen

Sohn aus ihrer I. Ehe
NN.NN. ; geb. (um 1918);
gest.  22.12.1937
( mit 19 Jahren)

Kinder aus 2. Ehe

2) Claassen, Henning William
geb. Warschau 16.11.1886;
gest. Berlin, Wannsee 10.07.1907

3) Claassen, Erich Hermann
geb. Warschau 26.12.1887;
gest. Zoppot, Danzig 25.03.1906

4) Claassen, Günther Barthold Maximilian
Landwirt; Polizeipräsident;
geb. Warschau  01.12.1888; gest. Kornwestheim 22.07.1946;
begr. Mainz, Familiengrab Sauer.
verh. Lauersfort 28.08.1919 / geschieden
Liebrecht, Irmgard Louise Caroline Maria
geb. Lauersfort 06.04.1898; gest. Rheinhausen 27.10.1972

5) Claassen, Lotte Maximiliane; geb. Warschau 06.03.1890;
gest. Nienburg, Langendamm 13.03.1955, verh. Zoppot, Danzig 28.06.1913

Ilse u. Lotte Claassen

Ilse u. Lotte Claassen

Schwahn, Erich Johann Hermann Ludwig
Oberst und Kommandeur der Schutzpolizei, Lehrer an der Kriegsschule in Danzig;
Sohn von Hermann Schwahn, Superintendent, und Clara Pelkmann.
geb. Groß Neudorf, bei Bromberg 28.06.1877;
gest. Nienburg, Langendamm 03.04.1956

6) Claassen, Ilse Gustava Maximiliane
geb. Warschau, Polen 07.04.1891;
get. Warschau, Polen, ev.Augsburg.Gem. 18.05.1891;
gest. Otjiwarongo, Namibia 27.07.1985;
begr. Omaruru, Namibia 05.08.1985
verh. Zoppot, Erlöserkirche 25.09.1911
Roemer, Friedrich Fritz Wilhelm; Landwirt;
Sohn von Louis Roemer, Rittergutsbesitzer auf Groß Schönwalde/ Westpr., und Auguste geb. Prieger
geb. Groß Schönwalde, Westpreußen 08.07.1888;
get. Groß Schönwalde, Westpreußen 18.07.1888;
gest. Windhoek, Namibia 16.03.1965; begr. Omaruru, Namibia, Namibia   .03.1965

Max Claassen
ist als drittes Kind und ältester Sohn von insgesamt 10 Kindern seines Vaters, des Rittergutsbesitzers Friedrich August Claassen und seiner zweiten Ehefrau, Maria Karoline Louise Oertell, am 15.12.1847 auf dem Rittergut Morroschin bei Mewe, Krs. Preußisch Stargard in Westpreußen geboren, und am  4.5.1848 in Mewe getauft worden.

Über die wirtschaftlichen Aktivitäten von Max Claassen, auch über seine Jugendjahre, ist nur wenig bekannt. Vermutlich hat er eine kaufmännische Ausbildung gemacht, wann und wo, wissen wir nicht. Bei seiner Eheschließung mit Amélie Lili Suermondt im Jahre 1885 wird er als Kaufmann bezeichnet. Max Claassen diente als Reserveoffizier bei den Tilsiter Dragonern und machte den Krieg 1870/71 als Leutnant mit. In seinem Regiment brachte er es bis zum Rittmeister d.R. An der Kaiserproklamation in Versailles am 18.01.1871 nahm er als Vertreter seines Regimentes teil.
Es ist nicht bekannt, wie er nach Warschau, damals zu Rußland gehörig, gekommen ist.

Fabrik in Warschau Polna von Max Claassen

Fabrik in Warschau Polna von Max Claassen

Max Claassen war als Fabrikant in Warschau tätig. Die Metallwarenfabrik hatte er von seinem Schwiegervater Fuchs übernommen, mit dessen einziger Tochter er in 1. Ehe verheiratet war. In dieser Fabrik wurden nach Erzählungen unserer Urgroßmutter Lili Claassen-Suermondt  Plomben (?) und Staniolkapseln für Flaschen hergestellt. In Polen mußten offenbar alle Lebensmittel plombiert werden. Das Hauptgeschäft seines Schwiegervaters Fuchs bestand sicherlich in der Herstellung von Branntwein.

Die Mitarbeiter der Metallwaren-Fabrik

Die Mitarbeiter der Metallwaren-Fabrik

Nach vorhandenen Fotos aus den Jahren 1897 und 1898 befand sich seine Fabrik in Warschau – Polna. Das Foto von 1897 zeigt das Innere der Fabrik mit Maschinen und den Arbeitern, meistens Frauen. Ein Foto von 1898 zeigt Max Claassen inmitten seiner Belegschaft in der Fabrikhalle. Ein weiteres Bild aus dem Jahre 1898 zeigt eine Familien – Kaffee – Gesellschaft  “in unserem Fabrikgarten”.

im Fabrikgarten

im Fabrikgarten

Weiterhin war Max Cl. Besitzer von Gut Dawidy, südlich von Warschau. Auf diesem Gut hat die Familie Claassen häufig einen Teil der Sommermonate verlebt.

Ein Foto zeigt das Wohn- und Geschäftshaus unserer Urgroßeltern in Warschau, am Alexanderplatz. Die Familie Claassen bewohnte die gesamte erste Etage des Hauses.  In der oberen Etage wohnten die Schwiegereltern Fuchs, mit dem Sohn Alex aus der ersten Ehe von Max.

Viele weitere Fotos zeigen die Wohnräume des Hauses.

Wohn- und Geschäftshaus am Alexanderplatz - Warschau

Wohn- und Geschäftshaus am Alexanderplatz – Warschau

Über dem Eingangsportal des Wohn- u. Geschäftshauses in Warschau kann man auf dem Foto entziffern:

über dem Eingang

über dem Eingang

                                                                                         DYSTYLARNIA
                                                                                               J. FUCHS

Der Schwiegervater Fuchs hatte also eine Brennerei in Warschau und muß allem Anschein nach außerordentlich wohlhabend gewesen sein. Die Metallwarenfabrik war danach nur eine von mehreren Unternehmungen. In den Erzählungen von Lili Claassen ist  m.W. nie von der Brennerei die Rede gewesen. Es ist auch nicht bekannt ob Max Claassen diese Brennerei weitergeführt hat. Der Enkel Joachim Roemer spricht in seinen Erinnerungen allerdings davon, dass der Großvater in Warschau eine Schnapsbrennerei besessen hätte. Dieses könnte er nur aus den Erzählungen seiner Mutter, Ilse geb. Claassen, erfahren haben. Soweit bekannt, hatten die Schwiegereltern Fuchs außer der Tochter Clara keine weiteren Kinder .

Warschau - Ecke Zurawia und Bracka

Warschau – Ecke Zurawia und Bracka – 2015

“Das Haus von Julius Fuchs (?-1890) an der Ecke Żurawia und Bracka (am ehemaligen Alexander-Platz, heute der Drei-Kreuze-Platz) wurde in den Jahren 1865-1866 erbaut. Es ist ein zwei-Speicher-Gebäude im klassizistischen Stil, entworfen vom Architekten Adolf Wolinski. Es brannte in 1944, wieder  aufgebaut in 1948 mit kleinen Zusatz auf der Oberseite.” (Q1)

..

Um 1910/1912 verkaufte Max Claassen seinen Besitz in Warschau und zog nach Zoppot, wohin seine Familie schon 1905 übergesiedelt war.

Zoppot - Rickertstraße
Zoppot – Rickertstraße
Zoppot-Rickertstraße

Zoppot-Rickertstraße

 

 

 

 

 

 

 

 

 

1914 legte Max Claassen seine Gelder in Kriegsanleihen an und verlor dadurch sein gesamtes Vermögen.  Durch eine Rente der  ADELE – COCKERILL -STIFTUNG in Aachen an seine Frau war die Existenz gesichert. Bis zu ihrem Tode 1964 erhielt Lili Claassen aus dieser Stiftung noch regelmäßige monatliche Zahlungen, die ihren Lebensunterhalt sicherten.. Nach den Erzählungen von Lili Claassen war er bei Kriegsausbruch 1914 noch in Warschau tätig, mußte dort dann alles zurück lassen, floh von dort nach Zoppot zu seiner Familie und war völlig verarmt. Von der befreundeten Familie Krupp wurde er zunächst noch unterstützt.
Um 1877/1878 verheiratete er sich in Warschau mit Clara Fuchs, die am 15. Mai 1855 in Warschau geboren wurde und dort bereits am 05. Mai 1880 im Kindbett starb.

Max und Clara
Max und Clara
Aus dieser  1. Ehe stammt der am 28.03.1880 geborene Sohn Alex Claassen, der von den Großeltern Fuchs erzogen wurde.

In ihren handschriftlichen Aufzeichnungen berichtet Lili Claassen auch über die Beerdigung von Clara Claassen geb. Fuchs und über ihre eigene Verlobung mit Max Claassen in Warschau:

“   John´s (Cockerill) Sekretär Wilhelm Rau ist dann der Schwiegervater von Papa´s Bruder Robert Suermondt geworden. Marie Rau, geb. 1856, war eine Freundin von Clara Claassen-Fuchs, Max´ erste Frau. Tante Marie heiratete Onkel Robert 1878. Sie bekam ein einziges Kind, Juli 1886, zu gleicher Zeit, wie ich meinen Henning November 1886 erhielt. Anita und ich besuchten Raus in Warschau  1880, Pfingsten. Lili Rau war in unserem Alter – sie verlobte sich an Hennings Taufe, 1.3.1887 mit Viceconsul Heinrich Mamach, der Jahre lang, bis zu seinem Tode 1906, in  Langfuhr – Danzig  Landrat war.
1880 sahen wir ein großes Begräbnis einer jungen Frau ! Es war Alex´ Mutter. Ich erfuhr es 1885, als wir, Anita und ich bei Onkel Georges Pastor in Warschau waren. Onkel Georges, ein Vetter meines Vaters, Sohn von Gustav Pastor, Seraing. Onkel Georges war mit Papa Director der Rheinischen Stahlwerke. Als Papa nach Inowrazlaw ging 1879, wurde Onkel Georges Director der gr. Pragaer Stahlwerke in Warschau – Praga und belgischer Consul.  Die deutsche Gesellschaft war jeden Abend im großen Theater, die Meininger waren dort zu Gast. Max sah mich in der Loge mit Pastors im Theater. Vier Wochen später verlobten wir uns bei Onkel Georges, im Mai. Papa war damals in Petersburg, im Juni 1885  Verlobung in Inowrazlaw, September 1885 Hochzeit.  Als ich den Schwiegereltern Fuchs von Max Besuch machte, fiel es mir wie Schuppen von den Augen, daß ich den Trauerzug, weißen Sarg, mit  weißer Trauerschleppe, die aus dem Sarg hing, Warschauer Sitte, gesehen und Tränen 1880 über das fremde Schicksal vergossen hatte.”   (Dieses ist so nicht richtig. Maria (Manjia) Rau war die Tochter von Joh.Wilhelm E. Rau jun., Fabrikant in Warschau, und Sophie Emma Vetter. Dieser Wilhelm Rau jun.  war ein Neffe des Wilhelm Rau sen.)
Aus der Aussteuer von Clara geb. Fuchs stammt eine Leinen-Damast-Tischdecke 220 x 325 cm,
gezeichnet C.F. Diese Tischdecke befindet sich in unserem Besitz.

Wappen
Wappen

Max Claassen führte ein Wappen mit einem Hirschkopf. Es ist nicht
bekannt,  woher dieses Wappen stammt und ob seine Vorfahren dieses Wappen auch schon geführt haben. Das Foto stammt von einem Abdruck seines Siegelringes.

Max Claassen war befreundet mit dem Großindustriellen Friedrich Alfred Krupp (*1852, +1902). In der Sonderausgabe der Berliner Illustrirte Zeitung vom 7.12.1902, aus Anlaß von Krupps Tod, ist auf dem Titelblatt ein Foto von Krupp und Max Claassen in Arbeitskleidung abgebildet, mit der Unterschrift:

Max und Krupp 1885

Max und Krupp 1885

“ Eine Erinnerung an Krupp. Der Kanonenkönig und einer seiner  Freunde als Kurgäste in Homburg 1885. Die beiden Herren mußten dort gesundheitshalber ein Feld umgraben.” Nach dem Tode Krupps bekam Max Cl. von der Familie Krupp eine silberne Plakette zum Andenken an Friedrich Alfred Krupp. Diese Plakette war im Besitz unserer Urgroßmutter und ist 1944 in ihrer Wohnung in Berlin verbrannt.

 

Am 29.September 1885 verheiratete sich Max in 2. Ehe mit Amélie Lili Suermondt standesamtlich und in der evangelischen Kirche in Inowrazlaw.

Die Bescheinigung über die Eheschließung lautet in Abschrift:

„Zwischen dem Wittwer, Kaufmann Maximilian, Friedrich, Leopold  C l a a s h e n  wohnhaft zu Warschau, Alexanderplatz und der ledigen Bergwerks-Direktor(tochter)   Amalie  S u e r m o n d t  wohnhaft zu Jnowrazlaw, Bahnhofstraße  ist vor dem unterzeichneten Standesbeamten heute die Ehe  geschlossen  worden.
         Jnowrazlaw  am 29.September 1885
         (Siegel)          Der Standesbeamte.
                               In Vertretung       v.Radoßewski “

“Es wird hiermit amtlich bescheinigt, daß Herr Maximilian, Leopold  Friedrich   C l a a h s e n  und Fräulein Amalie S u e r m o n d t  am  29.September cr. Kirchlich getraut sind.
                               Jnowrazlaw den 12.Oktober 1885
                            Der evangelische Pfarrer,   Kolbe. „

Max und Lili - 1885

Max und Lili – 1885

 

Max Claassen
Max Claassen

Max, Inge + Jochen -Zindel 1917

Max, Inge + Jochen -Zindel 1917

Max Claassen
Max Claassen

 

 

 

 

 

Max + Lili auf Rügen

Max + Lili auf Rügen

 

Max + Lili auf Rügen

Max + Lili auf Rügen

 

 

 

 

 

 

 

Max in Kl. Zindel

Max in Kl. Zindel

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

In der Nacht vom 22. auf den 23. Juli 1933 starb Max Claassen in Zoppot und wurde auf dem ev. Friedhof in Zoppot-Mariental beigesetzt. Auf dieser Grabstelle waren schon vor ihm seine Söhne Henning und Erich beerdigt worden.

Grabstein in Zoppot
Grabstein in Zoppot

Auch seine Ehefrau Amelie Lili Claassen-Suermondt wollte hier beigesetzt werden und hatte schon ihren Namen mit auf den Stein setzen lassen. Wie konnte sie auch ahnen, daß sie ihren Mann fast 31 Jahre überleben würde und nach Ausbombung in Berlin, Verlust ihres Vermögens und Flucht aus Danzig 1945, im hohen Alter von 98 Jahren in Hamburg sterben würde.

Grabstein

Grabstein

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Quellen:
1. Foto und Beschreibung verdanke ich Herrn Prof. Ryszard Żelichowski -27.09.2015
2.  http://www.ancestry.co.uk/genealogy/records/julius-fuchs_124229691