38. Keitel, Johann Christian August

Keitel

6. Generation

38.                 Keitel, Johann Christian August
Sohn von Johann Christian August Keitel, Bürger und Seifensieder in Salzwedel, und Marie Elisabeth Freydanck.
Kaufmann und Bankier i.Fa. J.C. Praesent Wwe. in Uelzen.
geb. Salzwedel, Altmark 09.01.1816;
get. Salzwedel, Altmark, (St.Katharinen) 20.01.1816;
gest. Uelzen 17.03.1887;
begr. Uelzen, (Grabstein) 20.03.1887

Verlobungsanzeige-Riebe-Keitel

verh. Uelzen 03.05.1842
39.                Praesent, Marie Elisabeth (Elise) Christine Margarethe
Tochter von Johann Christian Praesent, Kaufmann in Uelzen, u.s. Ehefrau Auguste Henriette Dorothea Bütemeister.
Kauffrau i.Fa. J.C. Praesent Wwe. in Uelzen. – Erbin des Handelshauses ihrer Eltern.
geb.  Uelzen 16.06.1813;            get.  Uelzen 18.06.1813;
gest.  Uelzen 17.12.1894;           begr. Uelzen, (Grabstein) 20.12.1894
sie verh. 1. Ehe Uelzen 03.12.1834  mit
Riebe, Johann Joachim Heinrich
Sohn von Zimmermann Johann Heinrich Riebe in Neustadt-Glewe, und Anna Sophia Elisabeth geb. Schnetter.
Kaufmann i.Fa. J.C. Praesent Wwe. in Uelzen.
geb.  Neustadt-Glewe/Mecklenburg 23.04.1807
get.   Neustadt-Glewe/Mecklenburg 26.04.1807
gest. Uelzen  04.12.1839; begr. Uelzen 08.12.1839

38 August Keitel - Elise geb. Praesent

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Kinder Keitel:     (Kinder Riebe – unter 39. Elise Praesent)

August Keitel jun.

August Keitel jun.

1) Keitel, Johann Christian August
Kaufmann
geb. Uelzen 08.03.1843;   get. Uelzen 25.04.1843
gest. Uelzen 07.02.1883;
begr. Uelzen, (Grabstein)

38.1. Keitel, August geb. Uelzen 1843

“Merchant August Keitel” wanderte 1875 in die USA aus. Mit dem Schiff “Klopstock” von Hamburg über Havre und Cherburg traf der 32jährige am 27 Aug 1875 in Castle Garden /New York ein. Er kehrte krank nach Uelzen zurück und starb dort.

“Der älteste Sohn Keitel, August, ging nach Amerika und kam krank zurück, um sich, wie er zu Mutter sagte, von ihr zu Tode pflegen zu lassen. Damals war Mutter
schon längst verheiratet, und ich weiß noch, wie wir Kinder darunter litten, daß unsere Mutter immer in das großelterliche Haus geholt wurde, um zu helfen, und sie war dann immer so traurig. Kurze Zeit darauf wurde der Bruder Carl, ein bildhübscher Mensch, der verlobt war, nervenkrank und starb bald in seinem Elternhaus.” (Jugenderinnerungen Frida Becker – 1944)

2) Keitel, Johanne Marie Elisabeth
geb. Uelzen 13.12.1844;  get. Uelzen 09.01.1845
gest. Uelzen 11.02.1851

38.2. Keitel, J.M.E. geb. Uelzen 1844

38.2. Keitel, J.M.E. gest. Uelzen 1851

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3) Keitel, Emilie Adelaide Dorothea Elise (Elisabeth)
geb. Uelzen 13.01.1847;
get. Uelzen, (St.Marien) 02.03.1847;
gest. Uelzen 14.10.1922;
begr. Uelzen 17.10.1922
verh. Uelzen, St.Marien 10.11.1868
Becker, Friedrich August Gerhard
Ökonomierat; Landwirt;
geb. Hannover 17.02.1835; get. Hannover, Neustädter Kirche 01.05.1835;
gest. Uelzen 24.03.1916;     begr. Uelzen 28.03.1916

4) Keitel, Friedrich Fritz Ferdinand
Kaufmann und Bankier i.Fa. J.C. Praesent Wwe. in Uelzen;
geb. Uelzen 12.03.1849; get. Uelzen 24.04.1849;
gest. Uelzen 09.08.1911; begr. Uelzen 1911
verh. Norden, Ostfriesland 05.05.1880
Uven, (Käthe) Catharina Beatrix Jacobs
geb. Norden, Ostfriesland 18.03.1857;
gest. Uelzen 19.02.1941

Carl Keitel
   Carl Keitel

5) Keitel, Louis Carl
geb. Uelzen 03.04.1851;
gest. Uelzen 09.10.1882;
begr. Uelzen, (Grabstein)
“Kurze Zeit darauf wurde der Bruder Carl, ein bildhübscher Mensch, der verlobt war, nervenkrank und starb bald in seinem Elternhaus.” (Jugenderinnerungen Frida Becker – 1944)

6) Keitel, Anna Marie Elisabeth
geb. Uelzen 15.10.1853;
gest. Uelzen 22.03.1863

7) Keitel, Johannes Heinrich Ferdinand
Kaufmann; geb. Uelzen 08.11.1856;
gest. Uelzen 27.01.1898
verh. Uelzen 06.11.1891
Engelking 2, Carla; geb. Hoya 12.11.1869

Kinder aus Ehe Praesent – Riebe: siehe auch unter 39. Elise Praesent
1. Riebe, Heinrich
Kaufmann in Indien
geb. Uelzen,  14.01.1837;  gest. Bombay /Indien 29.08.1875
unverheiratet

2. Riebe, Georg Friedrich August
geb. Uelzen,  05.07.1838, gest. Uelzen,  20.11.1839

3. Riebe, Auguste Wilhelmine
geb. Uelzen,  01.03.1840, gest. Hannover,  13.05.1929   (89 Jahre alt)
begr. Uelzen,              sie lebte unverheiratet in Hannover.

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Keitel, Johann Christian August

Historie ;
1816, 09.01. geb. in Salzwedel;   20.01. get. in Salzwedel, St.Katharinen;
1830, Ostern, bis 1834 bei dem Braunschweiger Kaufmann Friedrich SIMONIS in der Lehre. Seine Lehrzeit endet mit dem Lehrbrief des Kaufmann-Vereins Braunschweig.
1837 leistete er seine militärische Dienstzeit bei der 6. Kompanie des 26. Magdeburger Infanterie-Regimentes in  Magdeburg ab. Noch während seiner Militärzeit bewarb sich der zwanzigjährige Salzwedler am 12.Juni bei dem Uelzener Handelshaus PRAESENT um eine Stelle als kaufmännischer Mitarbeiter. Geschäftsführer der Firma war Johann Heinrich RIEBE, der das Bewerbungsschreiben ausführlich beantwortet. Dieses Schreiben vom 24.Juni 1837 ist noch erhalten. (Q.3);
Anschr.: Adr. Logis Brauner Hirsch Str.N.12,Magdeburg(Q4);
1837 , im August, trafen sich KEITEL und RIEBE auf der Messe in Braunschweig und KEITEL nahm die Stellung bei der Firma PRAESENT an. (Q.3);
1839 starb Johann Heinrich RIEBE;
1842, 3.05. verh. in Uelzen mit Elisabeth PRAESENT, verw. RIEBE; (( Am 5.Mai brannte Hamburg, am Tage danach reiste er per Wagen nach Hamburg zur Schwester BREWITT. (Q.5) -< das kann so nicht stimmen, da die Schwester erst 1848 heiratete>))
1847, 01.01. Mitinhaber d. Fa. JOH.CHRST.PRAESENT, Uelzen.
1848, 09.01. Pate in Uelzen bei Carl Adolph August PRAESENT,;  (+1849) Sohn von Joh. AUGUST PRAESENT u. Adelaide CLAREN; “August KEITEL, Kaufmann”; (Q.2);
1855 wird August Keitel  als Agent der Versicherung  ”Union in Weimar ” bei Hagelschäden in Uelzen tätig. (Q6)
1856 Allein-Inhaber der Firma J.C.PRAESENT;
1857, “Unter August Keitel ist wohl das Lager vom Hauptgeschäft in der Gudesstraße in die Achterstraße verlegt worden. Es wurde bereits im Jahre 1857 eingerichtet”(Q1)
1884 Mitgründer der Zuckerfabrik und der Uelzener Molkerei;  “Bei der Gründung zweier wichtiger Unternehmen, der Uelzener Zuckerfabrik und der Uelzener Molkerei im Jahre 1884, war er wesentlich beteiligt. Seit seiner Zeit ist das Handelshaus Praesent Aktionär der Uelzener Zuckerfabrik. August Keitel und sein Sohn Fritz, dessen Schwager Oekonomierat Gerhard Becker der Hauptbegründer der Uelzener Zuckerfabrik war, saßen beide im Vorstand und im Aufsichtsrat dieses Industrieunternehmens.
Der Zuckerrübenanbau, der sich in Deutschland während der Kontinentalsperre Napoleons entwickelt hatte, als es vom Bezuge des Rohrzuckers abgeschnitten war, spielte in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts im Raum zwischen Weser und Elbe eine bedeutende Rolle. Hier wurde vor dem letzten Kriege 20% der gesamten Zuckerrübenproduktion Deutschlands erzeugt. August Keitel hatte sich bei der Uelzener Zuckerfabrik, die übrigens wie alle im Besitze der rübenanbauenden Bauern ist, an einem außerordentlich zukunftsträchtigen Unternehmen beteiligt. Heute ist sie die größte in ganz Norddeutschland. Wohl kaum weniger bedeutend aber waren seine Anregungen und wirtschaftlichen Beihilfen bei der Gründung der Uelzener Molkerei. Aus Dankbarkeit für die Hilfe überweist diese bis auf den heutigen Tag der Firma Praesent die Milchgelder der Bauern. August Keitels besondere Neigung galt dem Bankfach, für das er trotz seiner umfangreichen Handelsgeschäfte noch Zeit fand. Seine genaue Kenntnis der Finanzwirtschaft kam in den fast 30 Jahren seines Wirkens dem Handelshause außerordentlich zugute. ….“ (Q.1)

39. Elise Keitel geb. Praesent

38. Keitel, August

 

August Keitels Enkeltochter Frida Becker schreibt 1944 in ihren Jugenderinnerungen:
„ … Leicht hat meine Urgroßmutter ihrem Schwiegersohn und ihrer Tochter das Leben wohl nicht gemacht, und das Herbe, Harte, mit dem das Leben und Schicksal die weichen Regungen des Herzens zum Schweigen gebracht hatten, haben sich vielleicht auf meine Großmutter vererbt, die ihrem Mann, meinem lieben, gütigen Großvater, das Leben auch nicht immer leicht gemacht hat. Großvater Keitel war der zärtlichste, gütigste Großvater, den man sich denken kann. Wir durften bei ihm spielen im Kontor, hatten unseren kleinen Tisch und unser Stühlchen bei ihm stehen. Aus dem Papierkorb durften wir uns all’ die schönen Siegel und Marken heraussuchen, und ich vergesse nie, daß ich eines morgens ein wunderschönes Blättchen im Papierkorb gefunden hatte und voller Freude fragte: „Großpapa, darf ich das haben?“ und ängstlich an zu weinen fing, als ein barsches „wo hast Du das her, das ist nichts für Dich“ die Antwort war. Den ganzen Morgen hatte man nach dem – 5 Thalerschein – gesucht, der versehentlich in den Papierkorb gewandert war. Am Abend bekam ich aber meinen Lohn, da kam Großpapa persönlich und brachte mir ein schönes blankes Geldstück für meine Sparbüchse. Ich sehe ihn noch heute, wie er ins Eßzimmer kam, ich saß zwischen Vater und Mutter als Jüngste der Tischgesellschaft, und bei Großvaters Anblick fürchtete ich schon es gäbe Schelte.  Das großelterliche Haus war ja dem unseren sehr nah, als Kinder waren wir täglich dort, sonst war Großvater nicht zufrieden. Zum Empfang wurden wir dann erst tüchtig abgeknutscht, was uns gar nicht lieb war. Im Kontor und dem dahinterliegenden Wohnzimmer spielte sich das Leben der Familie ab, d.h. es gab noch neben dem Schlafzimmer eine Morgenstube, die mit “hinten“ bezeichnet wurde und ein Eßzimmer, gegenüber der Küche. Das Wohnzimmer hatte zwei „Throne“ auf denen Nähtischchen und schwarz bezogene Sessel standen, dazwischen ein Vogelbauer mit einem Kanarienvogel. Dann stand ein Sofa mit Mahagonitisch, ein Spieltisch, Eckschrank in dem Zimmer und das Klavier. Wieviel schöne Konzerte sind in dem Raum gespielt! Die Musik wurde sehr gepflegt im großelterlichen Hause. Meine Mutter hatte eine wunderbare Sopranstimme und in ihrer Jugend wurde allabendlich musiziert. Die Großeltern hatten Mutters Stimme bei einem tüchtigen Italiener, der in Hannover als Musiklehrer tätig war, ausbilden lassen. Ein Musikverein unter tüchtiger Leitung gab jeden Winter Konzerte, Oratorien wurden geübt, und Mutter sang mit ihrer zu Herzen gehenden Stimme die Sopransolis. Mein Großvater besonders hatte große Freude an Mutters Gesang. Mutter erzählte, wie er dabeigesessen, wenn sie Übungen von Coucona gesungen und wie ihm die dicken Tränen über die Backen gelaufen seien – sie konnte mit ihrer Stimme zu Tränen rühren, die liebe Mutter! Großvater war am glücklichsten, wenn er im Kreise der Familie saß. Dann zog er nach des Tages Mühen den Schlafrock an, steckte die lange Pfeife an. „“T’is noerens bäter as in Püggen“ pflegte er dann zu sagen. Auch las er mit Vorliebe Reuter vor, daran habe ich sogar noch eine schwache Erinnerung. Meine Großeltern haben viel Leid durchkosten müssen. Großmutters ältester Sohn, Heinrich Riebe starb in Indien, nachdem er durch Untreue und falsche Spekulation sein Vermögen und größere Summen, die Großvater ihm gegeben, verloren hatte. Nach Jahrzehnten, als Großvater längst tot war, bekam meine Großmutter einen Teil des Geldes ganz unvermutet von dem Sohn des ehemaligen Compagnon des Heinrich Riebe zurück. Der älteste Sohn Keitel, August, ging nach Amerika und kam krank zurück, um sich, wie er zu Mutter sagte, von ihr zu Tode pflegen zu lassen. Damals war Mutter schon längst verheiratet, und ich weiß noch, wie wir Kinder darunter litten, daß unsere Mutter immer in das großelterliche Haus geholt wurde, um zu helfen, und sie war dann immer so traurig. Kurze Zeit darauf wurde der Bruder Carl, ein bildhübscher Mensch, der verlobt war, nervenkrank und starb bald in seinem Elternhaus. Das hat wohl auch meinem Großvater die Lebenskraft gebrochen. Kurz vor seinem 70. Geburtstag bekam er auf seinem morgendlichen Spaziergang durch den Fischerhofswald einen Schlaganfall, von dem er sich nicht wieder erholte. Er lag fast zwei Jahre gelähmt, zuerst wurde er noch im Rohrstuhl gefahren, dann lag er monatelang oben im Saal, nach meiner Erinnerung war es ein trostloses Daliegen, und es war eine Erlösung, als er hinübergeschlummert war.”

1887, 17.02. gest. in Uelzen;   20.03. begr. in Uelzen,(Grabstein erhalten);

36. Keitel, Johann Christian August

36. Keitel, Johann Christian August

36. Keitel, Johann Christian August

 

 

 

 

 

 

 

 

 

38. Keitel,August -Todesanzeige

Bilder:
1. Zusammen mit Ehefrau, Elisabeth geb. Praesent, 1842, auf der Hochzeitsreise in Frankfurt.;
2. Foto, Brustbild;
3. Foto, Ganzportrait, stehend an einer Säule, den linken  Arm aufgelehnt.
4. Zeichnung von Wilhelm Thiermann
5. Foto – sitzend

 

38. Keitel, August – Geburt-Taufe 1816

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

38-39. Keitel-Riebe – Hochzeit 1842

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

38. Keitel, August -Sterbeurkunde – Uelzen 1887

38. Keitel, August -Sterbeurkunde – Uelzen 1887

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Heidewanderer-30.06-1979

 

Heidewanderer-30.06-1979

 

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Quellen:
1. Festschrift Praesent, 1949;
2. KB-Auszug Uelzen,9.1.1848;
3. Ein Uelzener  Kaufmann “in der guten alten Zeit”; Günter Bismark, in: Der Heidewanderer, 30.6./1.7.1979;
4. Abschrift des Schreibens von Joh. Heinr. Riebe an Aug. Keitel;
5. Handschriftl. Aufzeichnungen Rolf Becker.
6. Magistratsakten im Stadtarchiv Uelzen, Archivfach 224, Vol. 20. (27-04-2016)