4.230. Middendorf, Joachim

Middendorf

13. Generation

4.230.            Middendorf, Joachim
Dr.med., Arzt; Stadtphysikus und Ratsherr zu Hildesheim;
Sohn von Magister Henricus Middendorf, Pastor an St. Georg zu Wismar, und Anna Block.
geb. Wismar 28.10.1568;
gest. Hildesheim, Pest 17.05.1619
<Historie>
imm. Rostock und Helmstedt; 1597 Dr.med. in Helmstedt;
1568, 28.10. geb. in Wismar; (Q.2);
1597, verh. 1. Ehe in Hildesheim mit Margarethe KEGEL; (Q.2);
1601, 15.09. verh. 2. Ehe in Hildesheim mit Adelheit BRANDIS (Q.1)
1619, 17.05. gest. in Hildesheim an der Pest; (Q.1); ;
<Quelle>  1. H.Schlotter. Hildesh. Ratsgeschl.; Hann. 1989,S.51+234;
2. Hildesh. Leichenpr., 1963;S.176;
verh. 1. Ehe Hildesheim 1597
Kegel, Margarethe
-Tochter von Hans Kegel u. Anna Bernigerod; Schwester von Christian Kegel, JUD.
geb. Goslar ;
gest. Hildesheim 25.07.1600;
begr. Hildesheim, St.Paul, i.d.Kirche, 26.07.1600
sie verh. 1. Ehe
.                     Megelius, Friedrich; Dr.med., Arzt in Hildesheim
geb.                 gest.  vor 1597
.
verh. 2. Ehe Hildesheim 15.09. 1601  (nach LP Joachim Middendorf 15.04.1801)
(Brandis Diarium S.487/32 -Q6- September 1601 : “Den 15.  hochzeit mit d. Joachim Middendorp und Adelheit Brandis Bartram dochter. Mine leve husfrue was dar, und ich leit einen fl gold fürehren. Se hadden wein geschenket.”
4.231.           Brandis 2, Adelheid
geb. Hildesheim 02.04.1586;   gest. Hildesheim 16.03.1620 (Pest)
Tochter des Bertram II. Brandis 2, Bürger, Lic.jur. und Wandschneider zu Hildesheim und Margarethe Lüdecke

Kinder nur aus 2.Ehe:
1) Middendorf, Bertram

2) Middendorf, Heinrich 

3) Middendorf, Margarete
geb.
gest. Bockenem 25.01.1629 im Kindbett
verh.   1622
Jordan, Conrad
Dr. med., praktischer Arzt in Hildesheim, Ratsmitglied, erster Archivar
Hildesheims, Verfasser der Stadtchronik “Acta bellorum”.
geb. Bockenem 10.11.1591
gest. Hildesheim  23.10.1659
er verh. 2. Ehe Hildesheim (Andreaskirche) 26.10.1630
Brandis, Ursula
Tochter von Joachim Brandis d. J., Bürgermeister zu Hildesheim und
Anna geb. Wedemeyer (To. v. Conrad Wedemeyer)
geb. Hildesheim 05.08.1604;  gest. Hildesheim 24.11.1667
Kinder: 1.Ehe: 3 Sö., 2 Tö. (alle früh verst.), 2.Ehe 4 Sö.(davon 2 früh verst.), 7 Tö. (davon 4 früh verst.)

4) Middendorf, Anna; geb. Hildesheim um 1600; begr. Hildesheim, Andreas-
Kirchhof 1655
verh. Hildesheim um 1633
Süstermann, Ludolf; Ratsherr; geb. Hildesheim um 1600; begr. Hildesheim, Andr.-
Kirchhof 11.03.1677

Wappenstein Middendorf – Brandis

Hannover Nr. 247 Historisches Museum 1609    (nach Q5)

“Fragmente unbekannter Herkunft, vermutlich von einem Tür- oder Kaminsturz. Sandstein. Der größere Teil des Sturzes ist heute an der Burgstraße vor dem Historischen Museum aufgestellt. Er zeigt von Beschlagwerk umgeben die Inschrift A sowie zwei Wappenschilde. Das kleinere Fragment, das rechts unmittelbar an den größeren Teil anschließt, befindet sich im Lapidarium1). Es trägt die der Inschrift A in der Ausführung entsprechende Inschrift B.
Maße: H.: 47 cm: B.: 205 cm (beide Teile zusammen); Bu.: 2–3 cm.
A  
Joachimvs / Middendorff · D(octor?)
B  Adelheit Brandes / 1609
Wappen:Middendorf (ein Querbalken belegt mit einem Stern umgeben von zwei Monden, darüber zwei Rosen, darunter eine Rose)
Brandes (Schild geteilt, oben ein wachsender Hirsch, unten drei Schrägbalken)”

 

 

” Joachim Middendorf wurde 1568 als Sohn des Pastors Heinrich Middendorf und der Anna Block in Wismar geboren. Nach Besuch der Schule in Wismar und Lüneburg immatrikulierte er sich in Helmstedt und Rostock an der Medizinischen Fakultät. Im Jahr 1597 wurde er in Helmstedt promoviert.15) Nach Beendigung seines Studiums kam er nach Hildesheim und heiratete Margareta Kegel, die Witwe des Arztes Friedrich Megelius. Nach deren Tod heiratete er 1601 Adelheid Brandis, die Tochter von Bertram Brandis. Der Rat berief ihn zum Medicus ordinarius, in den Jahren 1612, 1614, 1616 und 1618 war er Mitglied des Rates.16) Er starb am 17. Mai 1619 im Alter von 51 Jahren und wurde in St. Georg begraben.17) In der Leichenpredigt ist erwähnt, daß er ein fürtrefflicher Poeta war, der in seinen carminibus sehr nervosus und realis gewesen sei.18) Ein Wappenstein mit den Namen Joachimvs Middendorff D(octor) und Adelheit Brandes von 1609 befindet sich im Historischen Museum in Hannover. ” (Q7)

Middendorf baute 1609 in Hildesheim das Haus Marktstr. 25/26 (no. 317/318) (Q7) (vor 1912 abgebrochen). Eine ausführliche Beschreibung siehe unter Hildesheim DI 58: Stadt Hildesheim (2003)

aus “Anwaltsverein Hildesheim”
                     ”Der auch einer alten Advokaten-Familie (Henricus: 1597 – 1625, Johannes: 1637 – 1677, Andreas: 1652 – 1712 und dem Vater Johann Andreas: 1662 – 1720) stammende Hermann Dietrich Willerding (geb. 3.9.1690) sorgte für eine rechtsgeschichtliche Kuriosität ersten Ranges: Er wurde am 29.8.1719 auf Befehl des Stadtrates zwangsgetraut, nachdem er sich trotz wochenlanger Einsperrung bei Wasser und Brot standhaft geweigert hatte, die von ihm geschwängerte Dorethea Catharina Mattaei (auch aus einer Juristenfamilie stammend) zu heiraten. Unter lautem Protest wurde er schließlich in das Haus der Braut geschleppt, wo er vor dem Priester wiederum “nein!” schrie. Daraufhin brüllte der Ratsbote Finderloh auf Beschluß des Rates ebenso laut “Ja!”. Die Trauung wurde sofort vorgenommen. Es war auch allerhöchste Zeit: die Tochter kam unmittelbar darauf zur Welt. Die Ehe muß trotzdem glücklich geworden sein, weil im Laufe der Jahre noch drei Söhne zur Welt kamen.

Ebenso unerschrocken war sein Vorfahr, der Kollege Ulrich Willerding (1598 – 12.6.1642), der gegen die kaiserliche Besatzungsmacht in Gestalt der Pappenheimischen Soldateska laut protestiert hatte. Deshalb wurde er am 8.10.1632 verhaftet und am 7.3.1633 auf Mistwagen als Geisel mit 20 anderen Bürgern, darunter dem Kollegen Dr. Christian Kegel für 26 Wochen auf die Festung Hameln verschleppt. Wir werden noch davon lesen, wie sehr und häufig die Hildesheimer Advokaten gegen Willkür protestierten.

Erster Bewohner des im Renaissance-Stil mit reichlich figürlichen Schmuck am Hohen Weg erbauten “Syndicus-Hauses” war der aus Goslar stammende Dr. iur. utr. Christian Kegel (11.12.1567 – 25.2.1640). Er hat Hildesheim vor allem in Notzeiten immer wieder unschätzbare Dienste geleistet. Auch er war ein weitgereister und studierter Mann, Professor in Kassel und Marburg. Von dort wurde er 1604 zum Stadtsyndikus gewählt. Sofort verhinderte er, daß Hildesheim in die “Braunschweiger Revolution” (1602 – 1604) hineingezogen wurde, wo der Bürgerhauptmann und Advokat Henning Brabant und andere Bürger bereichs durch den auf für Hildesheim zuständigen Herzog Heinrich Julius grausam hingerichtet worden waren. Es gelang Kegel durch geschicktes Taktieren, die formelle Stadtfreiheit und die damit verbundenen Privilegien zu erhalten. 1625 machte er den Kriegsparteien klar, daß Hildesheim neutral bleiben wollte. Das gelang bis 1631, dann mußte er zusammen mit Ulrich Willerding für ein halbes Jahr als Geisel auf die Festung Hameln (“Gibraltar des Nordens” genannt), weil er gegen die Truppen des Kaisers “rebelliert” hatte. Bereits seit 1604 hatte er die Bearbeitung der Rechtssachen der Stadt als Anwalt von dem Kollegen Dr. Sebastian Treschow (25.11.1569 – 22.10.1615) übernommen, der von 1612 – 1614 dann noch Bürgermeister wurde. Kegel war von 1630 – 1640 nur noch Anwalt, mußte als solcher aber z.B. noch die Interessen der Stadt beim “Leipziger Konvent” der evangelischen Stände (Februar – April 1631) gegenüber dem vom Kaiser verkündeten Restitutionsedikt (Rückgabe aller Kirchengüter) vertreten. Ihm wurde die außergewöhnliche Ehre zuteil, in der St. Andreas-Kirche beigesetzt zu werden.”

Die Leichenpredigt für Joachim Middendorf
VD17 23:263434R http://gso.gbv.de/DB=1.28/SET=2/TTL=1/SHW?FRST=7 

Ursinus, David *-1620*
Geistliche SteigeKunst/ Das ist/ Gottselige Erklerung des fünff und zwantzigsten Psalms/ des H. Königli: Propheten Davids … : Bey der ansehnlichen und Christlichen Leichbestattung/ deß … Herrn Joachimi Middendorffs/ Medicinae Doctoris … Welcher in Christo sehliglich entschlaffen Anno 1619. den 17. Maii/ und folgends den 20 huius in S. Georgii Kirch in sein Schlaffkämmerlein … niedergesetzet worden. Gehalten / Durch M. Davidem Ursinum …
Hildeßheimb : Gössel, 1619

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Quellen:

  1. Matrikel Helmstedt, Bd. 1, S. 98, Nr. 10: Immatrikulation am 19. Mai 1592; ebd., S. 134, Nr. 1: Promotion am 8. Juni 1597; Matrikel Rostock, Bd. 2, S. 226a, Z. 87: Immatrikulation im April 1588.
  2. Vgl. Schlotter, Bürgermeister und Ratsherren, S. 348f.
  3. Biographische Daten nach Roth, Leichenpredigten, R 6193.
  4. Leichenpredigt für Joachim Middendorf, gehalten von David Ursinus, Hildesheim 1619. SUB Göttingen: Conc. fun. 6/168, Nr. 9, S. G1.  und Wilckens, Hildesheimer, 1963, S.176- LP Middendorff, Joachim +1619
  5. http://www.inschriften.net/zeige/suchergebnis/treffer/nr/di036-0247.html#content
    DI 36, Stadt Hannover, Nr. 247 (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di036g006k0024703.
  6. Joachim Middendorf wird in dem Diarium auf den folgenden Seiten/Zeilen genannt:
     <Joachim Brandis´d.J. Diarium,Nachdruck-1994,S …
    487/32; 470/30;  403/21;  417/11;  45./44;  455/33;  487/33;  537/12;  550/2. 
  7.  DI 58, Stadt Hildesheim, Nr. 177† (Christine Wulf), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di058g010k0017703.

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