84.2.2. Prieger, Ernst – und Nachkommen

Prieger

84.2.2.        Prieger, Ernst
Sohn von Heinrich Prieger, Dr.med. in Kreuznach.
Artillerie-Offizier, später Natur-Arzt in Kreuznach. Häufiger Gast bei Roemers in Groß Schönwalde.
Die Briefe an seinen Vater in Kreuznach schildern das Leben auf dem Gut  in Westpreussen.

geb. Kreuznach 25.02.1857
gest.                02.01.1945
verh.
Wohlgemut, Gisela
geb.
gest.  06.05.1954

2 Kinder

84.2.2.1.  Prieger, Auguste (Gustel)
geb.     05.11.1897;                gest.
lebte in Falkenstein/Ts

84.2.2.2.   Prieger, Erhard
Offizier, Rennreiter
Nachruf Sport-Welt 1939 [2]
geb.     1899
gest.    25.08.1939
verh.  mit
Pauly, Herta –
lebte in Frankfurt
geb.     1903;
gest.

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Gustel + Erhard Prieger_Weihnachten 1903 Bad Kreuznach
Paula -unbekannt

 

Prieger, Ernst  -   84.2.2.

Familie Roemer auf der Terasse
Familie Roemer auf der Terrasse

.                                  auf der Terrasse in Groß Schönwalde ca. 1890/1892
.                        Ernst Prieger     Luck …..      ..?..                 Fritz    Auguste,  geb. Prieger   Louis Roemer

Aus den Jugenderinnerungen an Groß Schönwalde,von Louise Peltzer, geb. Roemer :
„ .. Es gab kaum ein Weihnachten ohne Logierbesuch. Am häufigsten kam Onkel Ernst Prieger aus Kreuznach, den wir alle sehr gern mochten, und mit ihm Onkel Adrian aus Gereuth, Mutters dritter Bruder (sie hatte deren vier). Wenn die Beiden da waren und immer für einige Wochen, denn besonders Onkel Adrian machte gleich mehrere von den großen Treibjagden mit (auch auf den Nachbargütern), dann gab es immer eine besonders fröhliche Zeit. Onkel Adrian wurde von uns Onkel “Kußchen” genannt, denn er war sehr zärtlich, manchmal fast stürmisch, und so ging dann die Jagd tobend um das Billard oder den Eßtisch, er, mit seinem bayrischen ”gäb Kuuschen” und unser antwortendes Gekreische. Meistens kriegte er Fritz zu fassen. Onkel Ernst war schlank, dunkelblond, sah recht gut aus, war Vegetarier und hatte erstaunliche Kräfte. Wenn er mit den schweren geschnitzten Eichensesseln aus dem Entree jonglierte, sperrten wir Mund und Nase auf. Er hatte auch eine hübsche Baritonstimme, konnte sich selbst begleiten und sang eigentlich jeden Abend. Wenn sie in der Nachbarschaft eingeladen waren, mußte er immer seine Noten mitbringen. Immer freundlich und offen in seinem Wesen, recht intelligent und an allem interessiert, eifriger Politiker, früherer Artillerieoffizier, stand er mit Vater auch besonders gut. Wir Kinder bekamen von beiden Onkels meistens ein Weihnachtsgeschenk für uns alle zusammen. Mal war es eine “laterna magica”, die Vater dann vorführte. Ein grosses Laken wurde aufgespannt, das Licht wurde gelöscht, wir Kinder sassen vorne, die Grossen hinter uns, und dann ging es los: bunte Sterne, die sich bewegten, dann Schlösser, ich besinne mich besonders auf Schwerin am See, Glücksburg und Babelsberg, wo der alte Kaiser gelebt hatte, und noch viel Ähnliches – alles schön, gross und farbig. Zum Schluß kam für uns das Beste, die komischen Sachen, die sich bewegten: ein Flick-Schuster mit Brille auf der Nase, der mit beiden Armen seinen Pechdraht auszog, ein Professor mit Schirm und dem dazugehörigen Regen- und eine Dame, der im Sturm die Röcke hoch und Hut und Perücke davonflogen. Einmal zu Weihnachten bekamen wir von den Onkels einen richtigen Leierkasten, einen Ariston, und dazu gleich ein Dutzend Platten. ….“
„Um nochmals zu den Priegers zurückzukehren: einen mochte Grossmutter gern, das war Ernst aus Kreuznach, der sogen. “Vetter Ernscht”, der Sprössling des ältesten Sohnes des Geheimrats, in dessen hübschem Kreuznacher Hause er auch wohnte. Der hatte nun garnichts von “Angeben”. Er war früher Offizier gewesen, dann eine Art Naturarzt geworden. Sein Vater war auch Mediziner und kam fast jedes Jahr zu Weihnachten zu uns, oft mit Onkel Adrian, blieb wochenlang da, zur Freude von uns Kindern, stand sich sehr gut mit unserem Vater und war ein treuer selbstloser Verehrer meiner Mutter – kurz ein Mann zum “Pferdestehlen”. Den Prieger mochte auch Grossmutter gern: Ob es nun die Durchkreuzung ihrer Heiratspläne war, ich weiss es nicht, die ganze Art der Priegers lag ihr nicht, dazu kam ihr sehr ostdeutsches Wesen – ich will noch nicht sagen “ostelbisch” mit dem gewissen politischen Beigeschmack, den gabs damals noch nicht, nur den Gegensatz zum Süddeutschen. …“ (Brief Louise Peltzer geb. Roemer, 1959)

Während des Logierbesuches von Ernst Prieger in Groß Schönwalde/Westpreußen bei Louis Roemer und Auguste geb. Prieger vom 12. Dezember 1891 bis zum 19. Februar 1892 schrieb Ernst mehrere Briefe an seinen Vater, den Dr.med. Heinrich Prieger in Kreuznach. Von diesen Briefen machte Louise Pelzer geb. Roemer, Tochter von Louis und Auguste, Auszüge, die einen kleinen Einblick in das Leben auf dem Gut in den Wintermonaten geben. Die Briefe befanden sich offenbar im Archiv des Prieger´schen Familiengutes Schloß Gereuth in Unterfranken. Die Auszüge-Ernst Prieger-1891-92 sind angehängt. 

Schon der Geheimrat Prieger hat in Kreuznach Weinberge besessen. Seine Tochter Elise schrieb:
„Im Herbst, wenn Weinlese in Priegers Weinbergen war, zogen die Kinder mit den Lesern dort hin, und
besonders den Knaben wurde teilweise die Beaufsichtigung der Arbeiter übertragen.“

Die Weinberge in Kreuznach erbten der Sohn Heinrich und später dessen Sohn Ernst Prieger, der die 105 Ar große Rebfläche “am Kauzenberg (unterm Tempelchen und im Belz)” 1899 verkaufte.
Ernst Prieger, der in den Wintermonaten häufiger Gast auf dem Gut Groß Schönwalde in Westpreußen, bei Louis Roemer, verh. mit Auguste geb. Prieger war, orderte in seinen Briefen an den Vater Heinrich mehrfach einige Fäßchen Wein, auch für die Nachbargüter.

 

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Quellen:

[2] Den Nachruf aus der Sport-Welt 1939 verdanke ich Herrn Gert von Ende