82. Richter, Ludwig

Richter

7. Generation

Ludwig Richter

Ludwig Richter

82.      Richter, Ludwig Adolf Johann Conrad
Landwirt auf Petersdorf, später Ludwigslust, in Westpreußen.
geb. Warschau  04.07.1801
get. Warschau 23.07.1801 (ev. Augsburger Gemeinde)
Paten: Conrad Ernst von Miller; Johann Gottfried Stenzel;
Frau Christiana Beate Gräfin v. Salis;  Christiana Leikenin.
gest. Ludwigslust/ Westpr. 17.05.1893
(91 J., 10 Mon. 13 Tage)
begr. Ludwigslust / Westpr.  1893
verh. 1. Ehe       1826  mit:
83.     Cholojewska, Valentina
geb. Grodziczno    1807
get. Grodziczno    (kath.)
gest. Grodziczno  20.07.1834;     begr. Grodziczno
Leider besitzen wir keinerlei weitere Daten oder Bilder .

verh. 2. Ehe Jeskendorf  02.07.1835  mit:
Abramowska, Julie Amalie
Tochter des Adam Abramowski (1784-1834) , Besitzer von Steenkendorf, und Karoline Fehlau (1784-1852)
geb. Steenkendorf  01.01.1812
gest. Petersdorf 10.06.1858;     begr. Petersdorf

verh. 3. Ehe    03.1866  mit:
Kummer, Elise
geb. Langfuhr  06.11.1847
gest. Ludwigslust  20.07.1916

Die Nachkommen von Ludwig Richter  >>>

Ludwig (Louis) Adolf Johann Conrad RICHTER         

Taufurkunde Ludwig Richter

Taufurkunde Ludwig Richter

1801 – geboren in Warschau am 04.07.1801, getauft in  Warschau am 23.07.1801 (Evangelisch – Augsburgische Gemeinde, Geburts und Taufnotiz Nr. 84 Jahrgang 1801), als Sohn des „Christian Richter eines Kameralist allhier und seiner Ehefrau Katharine Elisabeth geb. Dieck.“
Taufpaten:   Conrad Ernst von Miller; Johann Gottfried Stenzel;
Frau Christiana Beate Gräfin v. Salis;  Christiana Leikenin.
1826 – verheiratet er sich in I. Ehe ( .. .. 1826)  mit:
Cholojewska, Valentina

Grodziczno-Kirche

Grodziczno-Kirche


geb. Grodziczno    1807;
get. Grodziczno   (kath.)
gest. Grodziczno  20.07.1834
begr. Grodziczno (kath. Friedhof)

1827 – Verwalter in Koiten Krs. Stuhm, Westpr.
dort wird am 8.1.1827 seine Tochter Mathilde geboren
1831 – Pächter des Gutes Pomehlen,
1832 – Besitzer des Gutes Lichtfelde.
Nach Aufgabe der Pachtung Pomehlen kaufte er das Gut Lichtfelde, Kreis Stuhm, das er aber bald wegen schlechter Leuteverhältnisse aufgab.

Lichtfelde bestand aus einem Hof von 334 Morgen, wozu Ludwig Richter durch Kontrakt vom 12.Mai 1832 – 134 Morgen 71 Ruten „kullmisch“ von dem in der Subhastation befindlichen Rittergut Lichterfelde zuerwarb, welches dem Hauptmann Anton von Danielski gehörte. Einen zweiten Teil erhielt der Hofbesitzer Michael Zimmermann. Dadurch erhielt die ev. Kirche zu Lichtfelde „nach mehr denn 100 Jahren zwei evangelische Patrone“ (Chronik der ev. Kirche Lichtfelde 1833 Seite 19.) Am 13. September 1833 veräusserte Ludwig Richter mit seiner Ehefrau das nunmehr 574 Morgen, 82 Ruten „preussisch“ grosse Gut an Heinrich Samuel Thimm. Die zugekauften Ländereien hatten den Charakter eines Rentengutes, wofür 33 Taler 10 Silbergroschen Rente gezahlt wurden.

1834 – Generalpächter von Grodziczno bei Löbau, für drei Jahre.
Die Landschaft als Verpächterin bot ihm das Gut zum Kauf an. Die Verhandlungen darüber zerschlugen sich wegen – 800 Taler – die Ludwig Richter nicht über den Preis geben wollte, den er für den richtigen hielt!

1834 – In Grodziczno stirbt am 20. Juli 1834 die Ehefrau Valentine Choloiewska und  der Sohn Gustav Ludwig Constantin am 26. August 1834; Mutter und Sohn sind  auf dem
katholischen Friedhof  von Grodziczno beerdigt und im dortigen Totenregister eingetragen.
Auch der Sohn Heinrich Richter (geb. 16.08.1830  wohl in Koiten – Choiten /
Krs. Stuhm) starb am 07.11.1835 in Grodziczno

4 Kinder gingen aus dieser ersten Ehe hervor.

1835 – verheiratet er sich in II. Ehe  zu  Jeskendorf am 02.07.1835  mit:

Julie Abramowska

Julie Abramowska

Abramowski, Julie Amalie
Tochter des Adam Abramowski (1784-1834) , Besitzer von Steenkendorf, und
Karoline geb. Fehlau (1784-1852).
geb. Steenkendorf  01.01.1812
gest. Petersdorf 10.06.1858;       begr. Petersdorf

1837 – Februar 2. kauft  Ludwig Richter das Rittergut Mierzynek (= Petersdorf) mit seiner Ehefrau Julie Abramowski für 15.500 Taler. Er kauft hinzu das Vorwerk Zacharzyzna Nr. 1 (später Julienhof genannt) – Rudtka Mühle Nr. 1 und die Freischulzerei Lippinken Nr. 9., die ihm auf Antrag lt. Verfügung vom 17. Juni 1861 zugeschrieben werden.
Die Gesamtgrösse  des Gutes ist nunmehr 649,71,10 ha.

1845 – Durch Vertrag vom 28. Mai 1845 kaufte der Gutsbesitzer Ludwig Richter und Ehefrau Julie geb. Abramowska  das Gut Mroczno, Kreis Löbau, Wpr. von der Frau Justine von Kaminski für 18.000 Taler. Die Eintragung im Grundbuch erfolgte auf Grund der Verfügung vom 14. Februar  1847. Durch Vertrag vom 28. September 1849 verkauften die Richterschen  Eheleute das Gut Mroczno an Franz Friedrich Alexander Hanckwitz und Frau für 13.000 Taler.

1851 – stirbt in Myrczinek (Petersdorf);- am 5.1.1851 – seine Mutter,
Katharina Lisette Wewetzer, verwitwete Richter, geb. Dieck ( Dyck)
     (ev. Pfarramt Bischofswerder, Krs. Löbau/Westpr.);

1853 – erwarb er Bagno hinzu, wohin er 1860 übersiedelte.
Später (wohl 1882) hat er Bagno in Ludwigslust umbenannte.

Das Gut Bagno = Sumpf –  ist erst durch ihn urbar gemacht. Er legte den Wald an, entwässerte auf den Rat von Theodor Zollenkopf – Buczeck, der ihm den Abzugsgraben vermessen hat, einen grossen, flachen See, wodurch er Wiesen und viele Torfvorkommen gewann.
Dort baute er eine Spiritusbrennerei und kaufte die an Bagno angrenzenden Vorwerke Schalenetz und Orlau hinzu.
Das Gutshaus ist heute nicht mehr vorhanden.

1858 – stirbt zu Petersdorf am 10.06.1858   seine zweite Ehefrau Julie Amalie geb. Abramowski an
Tuberkulose. Sie wird in Petersdorf begraben.
6 Kinder gingen aus dieser zweiten Ehe hervor.

1860 – Übersiedelung von Myrczinek (Petersdorf) nach Bagno (Ludwigslust)

Ludwigslust vor 1945

Ludwigslust vor 1945

1866 – im März verheiratet er sich in III. Ehe  zu …. mit:
Kummer, Elise
geb. Langfuhr  06.11.1847
gest. Ludwigslust  20.07.1916; 
begr. Ludwigslust
 

 

 

 

Ludwigslust ca. 1995

Ludwigslust ca. 1995

 

 

 

 

 

1866 – Verkauf von Petersdorf (Myrczinek); an den Landrat des Kreises Löbau, den Grafen v. Posadowski-Wehner.

Der Verkauf von Mierzynek an den Landrat Grafen v. Posadowsky-Wehner erfolgte durch Vertrag vom 26. November 1866 für 105.000 Taler. Der Besitz des Erbkirchhofs der Richters in Mierzynek ist nicht durch Eintragung im Grundbuch gesichert!

1879 – „Im Sept. 1879 fand die Hochzeit (von Louis Roemer mit Auguste Prieger) in Gereuth statt und die Grosseltern Roemer fuhren nach Bayern, verschiedene Richters auch, denn Jahrzehnte später fand ich unter alten Papieren in Gereuth die Tischordnung für das Polterabendsouper und las dabei auch Urgrossvater Ludwig Richter und den getreuen August.“(lt. Luise Pelzer geb. Roemer). August Richter war auch Trauzeuge in Gereuth.

1893 – gestorben in Ludwigslust am  17.05.1893 (91 J., 10 Mon. 13 Tage),
(beurkundet in Jamielnik am 18. Mai 1893 Nr. 11)
begraben in Ludwigslust   .1893.  Auf seinen Wunsch ist er im Walde von Ludwigslust auf einem neu angelegten Familienkirchhof beerdigt und nicht auf dem Mierczyneker. Neben ihm ruht seine dritte Frau Elise geb. Kummer.

Ludwig Richter
Ludwig Richter

Ludwig Richter war von eiserner Gesundheit, da er stets mässig lebte und selbst auf seinem Gute tagsüber tätig war. Er ritt viel und gerne und bevorzugte junge Pferde, was schliesslich sein Verhängnis wurde. In seinem Haushalt ging es sehr sparsam zu! Vom 1. Mai bis 11. November gab es jeden Abend zu Tisch Buttermilch und Stampfkartoffeln ohne jede Beilage! Er rauchte alltags nur Pfeife und gönnte sich an Getränken seinen „Daubitz“, aus mit Wasser verdünntem Kartoffelspiritus auf Wacholderbeeren abgezogen. Die sog. Sonntagszigarre bestellte er in Kisten zu 1000 Stück, an die sich seine Enkelsöhne heranmachten, indem sie den Boden abhoben und den Inhalt von unten her aushöhlten ! Die Enkel hörten andächtig zu, wenn er aus der Franzosenzeit erzählte. —–

Das Gut Bagno = Sumpf – ist erst durch ihn urbar gemacht. Er legte den Wald an, entwässerte auf den Rat von Theodor Zollenkopf  Buczeck, der ihm den Abzugsgraben vermessen hat, einen grossen, flachen See, wodurch er Wiesen und viele Torfvorkommen gewann.

Dann baute er eine Spiritusbrennerei und kaufte die an Bagno angrenzenden Vorwerke Schalenetz und Orlau hinzu. Neben seiner eisernen Sparsamkeit und einfachen Lebensweise liebte er auch wieder einen gewissen Komfort. Er fuhr zu den Kreistagen und zu Besuch „vierlang“ mit silberbeschlagenen Geschirren; sein Kutscher hiess Pantalon. -  Als Vater war er sehr strenge und von den Kindern gefürchtet. Sein Lieblingssohn war Eugen, mit dem er sich aber wegen seiner dritten Ehe überwarf. Auf seinen Wunsch ist er im Walde von Ludwigslust auf einem neu angelegten Familienkirchhof beerdigt und nicht auf dem Mierczynneker. Neben ihm ruht seine dritte Frau Elise geb. Kummer. – In seinem Testament hatte er gewünscht, dass Ludwigslust ein „Familiengut“ bleiben sollte, natürlich für den Namen Richter. Entsprechend diesem Wunsche wurde sein Erbnachfolger und Sohn August im Testament bevorzugt. Das Schicksal hat es anders gefügt. Seine Ehefrau Elsbeth verw. Döring geb. Manecke schenkte ihrem Manne August Richter keinen Erbfolger. August R. adoptierte die Tochter seiner Ehefrau aus deren erster Ehe, die den Doppelnamen Richter – Döring führte. Diese verheiratete sich z.Zt. der polnischen Regierung über Ludwigslust – Bagno mit einem Engländer – Rassmussen. – Während der Krankheit des August Richter und nach seinem Tode verwaltete Bagno der Gutsbesitzer Hollatz aus Gut Buczeck – eine seltsame Fügung des Schicksals!

Luise Pelzer, geb. Roemer erinnert sich an ihren Urgrossvater:

„Als die von Grossmutter sehr geliebte 2. Frau Urgrossvaters auch an Schwindsucht starb, heiratete er ein drittes Mal, ein Frl. Kummer, die als “Tante Elise” bei der ganzen Familie sich grosser Beliebtheit erfreute, sie hatte einen offenen Verstand, Humor und ein gutes Herz. Und mit ihr feierte Urgrossvater Richter im Jahre 1892 seine Silberne Hochzeit, und Aenni und ich, als die ältesten Urgrossenkel, waren ausersehen, das Sträusschen und den Kranz und Schleier zu überreichen – selbstverständlich mit einem Gedicht. Es gab neue weisse Kleider, blassblaue Moireeschärpchen von phantastischer Breite und wie erledigten unsere Aufgabe mit Würde.

Urgrossvater war ein stattlicher Hochzeiter mit vollem weissen Lockenhaar. Er hatte noch mit 80 Jahren seine selbstgezogenen Remonten zugeritten, war dabei gestürzt und hatte einige Rippen gebrochen.

Todesurkunde Ludwig Richter
Todesurkunde Ludwig Richter

Seitdem liess er das Reiten. Nach seinem Tode im darauf folgenden Jahre übernahm sein jüngster Sohn, eben Onkel August, Ludwigslust, und Tante Elise blieb bei ihm, und er wurde von den Richters eigentlich als Erbonkel betrachtet. So war es noch, als ich 1907 von Westpreussen fortging. Er hat aber bald darauf geheiratet, eine Witwe mit einer Tochter. Diese Tochter verlobte sich mit einem Engländer, den sie später auch geheiratet, und so kam der alte Familienbesitz endgültig in fremde Hände.“

 

 

In ihren Erinnerungen an Groß Schönwalde schreibt Louise Roemer/Peltzer auch noch ausführlicher über
“D i e S i l b e r ‑ H o c h z e i t
des Urgroßvaters mit seiner dritten Frau:
Im allgemeinen wurden wir Kinder zu Familienfeiern nicht mitgenommen, zumal nicht, wenn sie in die ungute Jahreszeit fielen. Aber 1892 hatte Urgroßvater Richter (der Vater von Großmutter Roemer aus erster Ehe) in Ludwigslust seine Silberhochzeit, mit Tante Elise, seiner dritten Frau. Da das etwas Besonderes,  und er schon 91 Jahre alt war, mußte eine besondere Feier daraus werden. Aenny und ich, als die ältesten Urenkel, wurden also mitgenommen. Vorher gab’s neue weiße Kleider, mit blaßblauen Moire‑Schärpen, unser ganzer Stolz, und von Fräulein Montua gemachte Gedichte, Ich glaube, es war im März. Wir fuhren nicht im Wagen wie sonst, sondern mit der Bahn. Auf der vorletzten Kreuzungs‑Station trafen wir schon viele Verwandte, unser Coupé wurde ganz voll. Aenny saß ganz still und sah immer auf einen Punkt, bis sie plötzlich laut und stolz verkündete: “Da steht Abort”, was allgemein eine kleine Stille und dann Schmunzeln ringsum hervorbrachte. Von dem Durcheinander des ersten Abends weiß ich nicht mehr viel, nur, daß eine sehr schöne alte Spieluhr da war und ein amerikanischer Schaukelstuhl, der so ganz anders war, als der unsere. Dann weiß ich noch, daß eine Schwester von Tante Elise uns in der Speisekammer eine riesenhaft große Schüssel mit Vanille‑Sauce zeigt, und sagte: “Das wird das Eis für morgen.” Am nächsten Vormittag war die kurze feierliche Überreichung. Wir wurden dazu in die Festtagsgewänder gesteckt und bekamen jeder ein seidenes Kissen. Auf meinem lag ein winziges silbernes Myrtchensträußchen, auf Aennys ein Kranz ‑ wie ein Diadem ‑ auf einem Schleier (was ich sehr viel schöner zum Überreichen fand). Immerhin durfte ich anfangen. Unsere Gedichte gingen glatt, und nachdem wir vom Jubelpaar gerührt bedankt und von der zahlreich umstehenden Verwandtschaft gelobt wurden, konnten wir wieder abtreten. Das Fest fand im Saal bei Kerzen‑Beleuchtung an einer großen Hufeisen‑Tafel statt. Tante Elise, die wir alle sehr gern mochten, weil sie so nett war und viel Humor hatte, sah so hübsch aus mit dem Silberkranz und Schleier wie eine Kaiserin fand ich. Wir durften auch an einem Ende der Fest‑Tafel sitzen, denn es war viel junges Volk da, von den Enkeln (zweite Frau) Richter´s und Zollenkopf´s usw. Der Jüngste von den elf Brüdern, Jorrek (Georg), ein zierliches Kerlchen mit großen dunkelblauen Augen, saß zwischen uns, und ich konsternierte, daß er, wohl mein rechtmäßiger Onkel, aber elf Monate jünger war als ich. Nachher sahen wir dem Tanz zu, was mich immer interessierte, besonders “Contre” und “Quadrille”, ebenso die teils feierliche, teils verschlungene Polonaise ‑ und ich konnte nicht verstehen, daß Kusine Martha Richter (jetzige Frau v. Madeyki, lebt noch in Hannover) mit ihren vierzehn Jahren in einem abgelegenen Zimmer auf dem Sofa saß ‑ umgeben von dicken Gartenlauben‑Bänden  ‑ und Romane las! In folgenden Jahr starb Urgroßvater ‑ 92 Jahre alt.”