160.8. Römer, Adolph

Roemer

160.8.   Römer, ADOLPH Friedrich Ferdinand
Sohn von August Römer, Landwirt, und  Dorothea Auguste Lübow

Landwirt; 1803 Wirtschafts-Inspektor in Klefeld; 1814 Inspektor in Badow ;
1823 Pächter in Badow; 1824 – 1841 Pächter in Pogress.
geb. Schwechow,  ..04.1774;  get. Pritzier, 25.04.1774
(1774, 25.4. “Adolph Friederich Ferdinand; Gottlieb Römers Sohn. Pritz.”)
(KB Pritzier ,1774, Taufen)
Gev.:
Johann Adolph Cohn, Org. Pr.
Friedrich Kruse, Verw. Pr.
Ferdinand Munter, Pr.
gest. Pogress, 22.03.1841 (67 Jahre alt, an den Folgen des Schlages)
begr. Parum, Präp. Wittenberg, 27.03.1841
(“der Pensionär Adolph Friedr. Ferd. RÖMER zu Pogrehs”)
verh. Hagenow, 19.04.1816   mit:
Dimpfel, Wilhelmine  
Tochter des Pächters Hans Christian Dimpfel
geb. Oldendorf b/Hamburg 18.09.1790
gest. Bredentin (Lüssow) 14.01.1868

Wilhelmine Römer, geb. Dimpfel, muss eine sehr tüchtige Landfrau gewesen sein. Nach dem Tode ihres Mannes im März 1841 übernahm dessen unverheirateter Bruder Philipp Römer die Pachtung Pogress. Philipp starb schon 3.1/2 Jahre später im Oktober 1844. Daraufhin wurde Pogress 1845 anderweitig verpachtet. Wie lange Wilhelmine Römer mit ihren Kindern noch in Pogress lebte, ist nicht bekannt.Spätestens aber nach 1844 hat sie eine eigene Pachtung in Bredentin angenommen.

Bei der Volkszählung  -03.12.1867- wird die verwitwete Frau Wilhelmine Römer als Pächterin von Bredentin, D.A. Güstrow, Lutherischer Konfession, geb. 1790, als Haushaltsvorstand angegeben.

Im Haushalt war ausserdem der Sohn Adolph und die Tochter Luise. Weiterhin werden sechs weibliche und sechs männliche Personen im Haushalt aufgeführt. Im Januar 1869 starb Wilhelmine Römer und ihr Sohn Adolph führte die Pachtung fort.

Kinder:
160.8.1.           Römer, Adolph
geb.  1817              gest.

1867 ist seine Mutter die Pächterin, er der Wirtschafter. Nach dem Tode der Mutter übernimmt er die Pacht.
Pächter zu Bredentin.

1869 im Streit mit der Kirche in Parum wegen der Verlegung der Begräbnisstätte seines Vaters Adolph Ferdinand Römer und seines Onkels Philipp Römer.[1]

Bei Ferber “Die Seidels” heißt es bezüglich der Ausbildung von Heinrich Seidel:
“… Die Hauptstimme im Rate hatte Frau Johannes Bruder, der Landwirt Adolf Römer. Er entschied Heinrichs Hannoversches Studentenleben sei überflüssig.  …”  [2]

160.8.2.      Römer,  Wilhelm

geb.     1827            gest. vor 1890
Pächter zu Kneese bei Gadebusch
Bei Ferber: Die Seidels heißt es auf S.81 in Bezug auf Heinrich Seidel (1842-1906):
“… Er lebt wie ein Einsiedler und das Geld reicht selten für abendliche Kunstfreuden. Zweimal besucht er, durch den Musikenthusiasten Hennemann veranlasst, Symphonie-konzerte, und als Wilhelm Römer (Bruder seiner Mutter, Pächter von Kneese bei Gadebusch, in >Leberecht Hühnchen< als Nebendahl dargestellt) mit Frau durchreist …“
verh.   1856
Koch, Emma Maria Wilhelmina
Tochter des Christian Koch (1794-1872) u. der Sophie Römer (1805-1885), (Nr.160.5.2.)
geb.   1833;      gest. nach 1890

bei der Volkszählung am 03.12.1867 war der Haushaltsvorstand in Kneese-Hof, D.A. Gadebusch:  Wilhelm Römer, geb. 1827. Ehefrau Emma Römer, geb. 1834.
Sonstige Bewohner : Wilhelmine Löding, Gottlieb Bunkenburg, Wilhelm Römer, Wilhelmine Börnken, Marie Frenz, Lena Dunkelmann.

Bei der Wilhelmine Löding handelt es sich um eine der Töchter von Wilhelmine Löding geb. Römer Nr. 160.5.5. Der ebenfalls genannte Wilhelm Römer könnte ein Sohn von Wilhelm+ Emma (oo1856) sein.

Bei der Volkszählung 1890 wird Emma Koch geb. Römer (geb. 28.04.1833 Gadebusch) mit Wohnsitz in Schwerin aufgeführt.

 

 160.8.3.    Römer Johanne Auguste

geb. Badow, 12.06.1823
gest. Braunschweig, 04.03.1896
verh. Parum       08.10.1841   mit:
Seidel, Heinrich Alexander Georg
Sohn von Heinrich August Seidel, Dr.med., und Amalie Hermes;
1839, 17.11. Pfarrer in Perlin /Meckl., 1851,14.12. Pastor an St. Nikolai und
Garnisonsprediger in Schwerin, 1856, 15.11. zum Divisionsprediger ernannt.
geb. Goldberg, 02.02.1811
gest. Schwerin,  30.01.1861

            6 Kinder:
            160.8.3.1. Heinrich SEIDEL, Schriftsteller- *1842  † 1906
            160.8.3.2. Werner SEIDEL, Kapitän- *1845  † 1883
            160.8.3.3. Frieda SEIDEL- *1846  † 1898
            160.8.3.4. Clara SEIDEL- *1848  † 1879
            160.8.3.5. Hermann SEIDEL, Dr.med., Arzt  *1855  † 1895
            160.8.3.6. Paul SEIDEL, Kunsthistoriker- *1858  † 1929

 

160.8.4.           Römer, Luise
geb.  1830;
1867 im Haushalt der Mutter in Bredentin

 


ADOLPH Friedrich Ferdinand RÖMERAuszug aus: Geschichte des Kirchspiels Parum: [1]
Die Kirche in Parum

Die Kirche in Parum

“  …  . In dieser Weise ist dann die Renovierung der Kirche dann auch ausgeführt worden. Wohl kann man das völlige Verschwinden des uralten Feldsteinaltarchores bedauern, aber er war schließlich zu baufällig geworden und beengte den Innenraum der Kirche zu sehr. Zu Ende 1868 waren die Vorbereitungen soweit gediehen, dass das Amt Wittenburg am 16. Dezember dieses Jahres dem Pastor den Beginn des Baues zu Anfang 1869 ankündigen konnte. Ende März 1869 wurde der Ortsvorsteher Gressmann in Parum damit beauftragt, den Platz um den alten Altarchor her zu planieren, die dort befindlichen alten Gräber zu versetzen und die alten Totengebeine, die sich sonst beim Ausgraben unter und neben dem Altarchor finden würden, in einem Sammelgrabe abseits zu bestatten.  Nachdem dies in den ersten Apriltagen ausgeführt war, wurde der Gottesdienst feierlich in das Schulhaus verlegt, in welchem zu diesem Zweck die Wand zwischen Schulstube und Industriestube eingerissen war, um dadurch einen grösseren Versammlungsraum zu gewinnen. Am 5. April (1869) wurde mit den Abbruchsarbeiten am alten Felsengemäuer begonnen. Doch hatte sich in diesen Tagen ein Zwischenfall ereignet, der die Gemüter aller beim Bau Beteiligten in Erregung versetzte. Herr Römer zu Bredentin, der Sohn des 1841 verstorbenen Progresser Pächters Römer (des Grossvaters von Heinrich Seidel), dessen Vater und Onkel in einem gemeinsamen ausgemauerten Grabe, hart an der Mauer des alten Altarchors lagen, hatte von der Anordnung der Gebeinumbettung gehört und sandte am
1. April entrüstete Protesttelegramme an den Oberkirchenrat und Pastor Mangold: das Grab sei käuflich erworben und ausgemauert, und niemand habe ein Recht, die Särge umzubetten. Darauf ordnete der Oberkirchenrat am 10. April an, dass die Särge der Gebrüder Römer, wenn dies unabwendbar wäre, nur mit grösster Vorsicht und in Gegenwart der Erben umgebettet werden sollten. Herr Römer selbst kündigte in einem Schreiben vom 11. April Pastor Mangold seine Ankunft in Parum zum 17. an, um bei der Umbettung zugegen sein zu können. Da aber die Bauarbeiten drängten, und seit dem 1. April, seit dem ersten Römerschen Telegramm keinerlei Nachricht in Parum eingetroffen war, hatte Förster Gressmann schließlich am 12. April die Römerschen Särge ausgraben und am Westende der Kirche, gerade vor dem Turm von neuem begraben lassen, kurz bevor die beiden Schreiben vom 10. und 11. in Parum anlangten. Auf diese Nachricht hin schäumte Römer und verklagte den Förster Gressmann und Pastor Mangold, die die Grabesruhe seiner Verwandten in roher Weise gestört hätten. Der Oberkirchenrat entschied, dass diese zwar nicht ganz korrekt gehandelt hätten, ihre Handlungsweise aber in Anbetracht der Dringlichkeit der anbefohlenen Bauarbeiten nicht weiter straffällig sei. Auf Antrag RÖMERS befahl der Oberkirchenrat am 26. Mai noch, dass das neue Römersche Grab als Erbbegräbnis zu betrachten sei. Zwar protestierte die Eingepfarrten hiergegen, da der Parumer Kirchhof sonst keine Erbbegräbnisse habe, doch wies der Oberkirchenrat diesen Protest ab. So ist denn das Römersche Doppelgrab bis heute das einzige “Erbbegräbnis” auf dem alten Teil des Parumer Kirchhofs. Herr Römer liess das Grab dann hübsch herrichten, mit einem Eisengehege einzäunen und mit Trauereschen bepflanzen. Auch setzte er seinem Vater und Onkel eine neue steinerne Gedächtnistafel, auf der er es leider nicht unterlassen konnte zu vermerken, dass der “Umbau der Kirche die Grabesruhe störte” und dass die Gebeine “von kalter Hand” umgebettet wurden. Mit dieser eigentümlichen Grabtafel ruht der Grossvater des berühmten Dichters Heinrich Seidel nun auf unserem Parumer Kirchhof.    ….“

Das Erbbegräbnis der Brüder Römer ist nicht mehr erhalten. Bei meinen Besuchen in Parum 1990 und 1998 stand auf dem Kirchhof nur noch die Marmorplatte vom Grabstein  mit der Inschrift:

Parum - Kirchhof - Gedenktafel Römer

Parum – Kirchhof – Gedenktafel Römer

 

-          Erbbegräbnis der Gebrüder
-          ADOLPH & PHILIPP ROEMER
-          Der Kirchenbau störte Ihre Grabes-
-          Ruhe die sie erst hier fanden
-          AM 27“ APRIL 1869
-          Und nur durch fremde Kalte Hand
          Ach´ Diese geliebten Todten zu be-
-          Gleiten war den Ihrigen nicht ver-
-          Gönnet´  Sie trauern um so tiefer
-          Ruhet in Gottes Frieden

 

 

“Pogress war seit 1824 an den aus Pritzier stammenden Landwirt Adolf  Friedrich Ferdinand Römer verpachtet, der die Pacht 17 Jahre bis zu seinem am 22.3..1841 erfolgten Tode behielt. Eine Tochter dieses Adolf Römer, Johanna Auguste, wurde am 8. Okt. 1841 von Pastor Zeller in der Parumer Kirche mit dem jungen Prediger der Perlinschen Nachbargemeinde, Heinrich Alexander Seidel, getraut. Der älteste aus dieser Ehe entsproßene Sohn war kein anderer als der später geradezu berühmt gewordene Dichter Heinrich Seidel. Nach Adolf Römers Tode übernahm dessen Bruder Philipp Römer die Pachtung, starb aber schon 3 1/2 Jahre darauf, am 15. Oct. 1844 zu Pogress und wurde an der Seite des Bruders auf dem Parumer Kirchhof begraben. Daraufhin verpachtete Graf Bernstorff Pogress 1845 an den Pächter Samuel Wilhelm Döhn. ”  [1]

 



[1] Geschichte des Kirchspiels Parum in Mecklenburg-Schwerin (Präpositur Wittenburg), S.204-206,241,  Verfasst 1921 – 1922 von W.Th.Gaehtgens, Pastor zu Parum. Manuskript, maschinenschriftl.

[2]  Ferber: Die Seidels, S. 58

[3]  Volkszählung 1867 : https://familysearch.org/ark:/61903/1:1:KT3Y-344
“Deutschland, Mecklenburg-Schwerin, Volkszählung, 1867″, database with images, FamilySearch (https://familysearch.org/ark:/61903/1:1:KT3Y-34H : accessed 26 January 2016), Adolph Römer in entry for Wilhelmine Römer, 1867.