40. Römer, Hermann

Roemer

6. Generation

 

Hermann RoemerMathilde Roemer, geb. Richter

40.       Römer, Hermann Christoph Georg
Sohn von August Christian Johann Römer und Eleonora Louisa Elisabeth Rexrodt.
Landwirt, Besitzer von Rittergut Groß Schönwalde / Westpreußen und Gut Weidenhof, Kreis Kulm / Westpr. Von Ostern 1844 bis Ostern 1849 Ökonomie-Inspektor bei von Blücher in Rosenow bei Stavenhagen / Meckl.-Schwerin. Ab Johanni 1849 Administrator bei C. von Blücher in Ostrowitt /Westpr..  Er kaufte sich später zusammen mit seinem Bruder August das Rittergut Groß Schönwalde/ Westpr. Wann die Brüder sich trennten ist nicht bekannt. 1880/81 übergab er Groß Schönwalde an seinen Sohn Louis und übernahm von diesem das kleinere Gut Weidenhof im Kreis Kulm. (Weidenhof –heute Wierzbowo – hatte 1905  115 Einwohner)

geb.  Parchim, 21.06.1816,
get.   Parchim, 24.06.1816
Taufzeugen:
1. Herr Johann Hermann Trechow, Schlächter
2. Christoph Lorenz Pfennigschmidt, Tobackspinner
3. Georg August Neumann, Schießhauspächter
gest.  Weidenhof, Kreis Kulm / Westpr. 13.12.1887, begr. Groß Schönwalde, …12.1887
verh. Myrczinek -KB.Bischofswerder / Westpr./Biskupic/Polen, 20.05.1851  mit:

41.     RichterMathilde Juliane
Tochter des Ludwig Adolf Johann Carl Richter, Gutsbesitzer, und Valentina Cholojewska.
geb.  Koithen / Krs. Stuhm, 08.01.1827
get.   Lichtfelde / Westpr.   08.02.1827 (Ev.-luth. Pfarramt)
get.   Posilge / Westpr.       10.02.1827 (Kath. Pfarramt)
gest. Groß Schönwalde / Westpr. 24.01.1911, begr. Groß Schönwalde / Westpr.   .01.1911

40. Römer, Hermann – Geb-Taufe- Parchim 21. /24.06.1816

40.-41. Roemer, Hermann – Richter, Mathilde – verh. Myrczinek -KB.Bischofswerder / Westpr./Biskupic/Polen, 20.05.1851

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über
Mathilde Römer geb. Richter
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Kinder:
40.1.  Roemer, LOUIS August Karl Wilhelm
= 20.  Landwirt; Gutsbesitzer auf Weidenhof / Krs. Kulm / Westpr. und Rittergut Groß
Schönwalde, Westpr.; Rittmeister d. Landwehr;
geb. Ostrowitt / Westpr.,  05.04.1852
get. Bischofswerder / Westpr., 30.05.1852 (ev.-luth.)
gest. Suggenthal / Baden (Krs. Freiburg)  15.08.1896
begr. Groß Schönwalde / Westpr. 19.08.1896
verh.  Schloß Gereuth, Bez. Ebern / Unterfranken, 27.09.1879  mit:
Prieger, AUGUSTE Louise
Tochter von Ferdinand Carl Prieger, Kaufmann in Manchester, Rittergutsbesitzer von
Schloß Gereuth, und Auguste Sophie Banck.
geb. Bad Kreuznach, 18.10.1858;      get. Bad Kreuznach, 10.03.1859 (ev.-luth.)
gest. Marienau b/ Marienwerder, 27.07.1899 (Diakonissenhaus)
begr. Groß Schönwalde / Westpr., 31.07.1899

40.2.     Roemer, Elise Julie Auguste Johanne
geb. Ostrowitt/Westpr. 18.05.1853 [3]
get.  Bischofswerder 21.06.1853 Patin: “Frau Rittergutsbesitzer Julie Richter”
gest. Ostrowitt/Westpr. 09.09.1853 – 3 Monate, 22 Tage alt -
begr. Bischofswerder-Kirchhof 12.09.1853 – KB Biupiec /Ostrowitt-Westpr.

40.2. Roemer, Elise Julie Auguste Johanne
geb. Ostrowitt 18.05.1853- get. Bischofswerder 21.06.1853

 

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40.2. Roemer, Elise Julie Auguste Johanne – Taufe 21.06.1853 -gegenüberl.Seite
Patin: “Frau Rittergutsbesitzer Julie Richter”

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40.2. Roemer, Elise Julie Auguste Johanne
gest. Ostrowit /Westpr. 09.09. / begr. 12.09.1853 Bischofswerder auf dem Kirchhof

 

 

 

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Hermann Roemer
Besitzer von Rittergut Groß Schönwalde / Westpreußen und Gut Weidenhof, Kreis Kulm / Westpr. Von Ostern 1844 bis Ostern 1849 Ökonomie-Inspektor bei von Blücher in Rosenow bei Stavenhagen / Meckl.-Schwerin. Ab Johanni 1849 Administrator bei C. von Blücher in Ostrowitt /Westpr..  Er kaufte sich später zusammen mit seinem Bruder August das Rittergut Groß Schönwalde/ Westpr. Wann die Brüder sich trennten ist nicht bekannt. 1880/81 übergab er Groß Schönwalde an seinen Sohn Louis und übernahm von diesem das kleinere Gut Weidenhof im Kreis Kulm. (Weidenhof –heute Wierzbowo – hatte 1905  115 Einwohner)

Rosenow – Gutsgelände – Nov.2016

Gutshaus Rosenow – Nov.2016

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Im Jahre 1874 erfolgte ein Vertrag zwischen der “Katholische Pfarre in Groß Schönwalde ./. Gebrüder Roemer als Besitzer des Rittergutes in Groß Schönwalde”  bezüglich der “Naturalabgabenablösung.”
Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz  I. HA Rep. 170, Nr. 10117).
Eine Trennung der Brüder Römer war also 1874 noch nicht erfolgt.

Groß Schönwalde - 1904 Aquarell Louise Roemer

Groß Schönwalde – 1904 Aquarell Louise Roemer

 

In seinem Antrag zur Naturalisation vom 24.04.1851 „Um als Unterthan in dem Königl. Preußischen Staate aufgenommen zu werden“, schreibt Hermann Römer einen kurzen Lebenslauf:
„Laut Taufschein bin ich zu Parchim im Grhzgth. Meckl. Schwerin geboren, evangelischer Religion, im 35sten Lebens-Jahr, habe auf dem Friedrich Franz Gymnasium zu Parchim Schulunterricht genoßen, und bin auch dort confirmirt, habe seit dem 27sten März 1849 die diesseitige Grenze betreten und seit jener Zeit hier in Ostrowitt gewesen. Ich bin nun Willlens mich hier Häuslich nieder zu laßen und die Mathilde Richter, Tochter des Gutsbesitzer Richter zu Myrczinnek zu ehelichen.“

Seine Enkeltochter Louise, verh. Peltzer schreibt: (Q1)
„ ..  Im übrigen kam Grossvater, der Landwirt war, durch Herrn von Blücher von Mecklenburg nach Westpreussen, wo er für ihn ein Gut verwaltete. Dort lernte er Mathilde Richter kennen, und in Ostrowitt wurde unser Vater Louis Roemer geboren. Nun war Grossvater Roemer ein hervorragender Landwirt und kaufte mit seinem Bruder August gemeinsam das Rittergut Gross-Schönwalde, er bearbeitete die Landwirtschaft, August, der Kaufmann gewesen war, wandte sich der Politik zu, ganz links, und wurde auch als Abgeordneter für den Kreis gewählt. Für Grossvater ergab das eine unangenehme Lage, da er konservativ war. Und noch schwerer war es für meinen Vater bis ein freund-nachbarliches Verhältnis hergestellt war. Grossvater war ein ruhiger, gütiger Mensch. Ich besinne mich gut auf sein Aussehen und seine Stimme. Er machte Schönwalde zu einem Mustergut, setzte auf das geräumige Wohnhaus noch ein Stockwerk und baute eine Glasveranda vor die ganze Länge des Saalbaus mit 2 schönen schlanken Säulen und einer breiten 7-stufigen Freitreppe. Die Teppichbeete davor waren wieder Grossmutters Werk, aber dann kamen wieder 2 grosse Freitreppen von 11 Stufen, die in den tiefer gelegenen Teil des Gartens führten.

Grossvater hatte 3 Brüder: August, der Politiker, Ferdinand, Kaufmann, erblindet, und wohnte auf einem Gut ganz in der polnischen Gegend bei einem mecklenburgischen Vetter, der auch Junggeselle war, und 3. Louis, der war Rektor einer Schule in Parchim oder Grabow (weiss nicht mehr) und war natürlich auch Junggeselle. Er wäre  reizend gewesen, ähnlich wie Grossvater, sehr belesen, man hätte fragen können, was man wollte, er wusste immer Bescheid. Für Grossmutter war es nicht ganz leicht, immer mit diesem Stab von Herren, denn der katholische Pfarrer kam auch fast täglich herüber und sie spielten L’Ombre und Préférence etc. und rauchten lange Pfeifen, und sie sass allein und machte Hohlsäume in feine Leinenwäsche oder las. Wie Vater heranwuchs kam dessen Hauslehrer auch noch dazu !

Wie Vater heiratete, kaufte Grossvater ihm ein kleineres Gut,  Weidenhof, im berühmten Kulmer Kreis, mit Boden wie Gartenland und er tauschte 1881 mit Vater u. ist auch dort 1887 gestorben u. nur in Schönwalde begraben. Dort haben wir schöne Sommerwochen verlebt, denn sowas von volltragenden Kirschbäumen, dunklen und hellen, und Erdbeerfeldern kannten wir in Schönwalde nicht, es gab auch mindestens 3x am Tag welche zu essen. Das Obst wurde täglich nach Kulm geschafft. Hier in Weidenhof habe ich meine lebhafteste  Erinnerung an Grossvater, wie er die 3-jährige, vor Vergnügen quietschende Aenni um den Esszimmertisch unter Händeklatschen herumjagte. Er starb 1887 kurz vor Weihnachten an Blinddarmentzündung und Mutter erzählte, eine endlose Reihe von Wagen wäre als Geleit bis zur Bahnstation gefahren. Mutter mochte ihn sehr gern.

40. Roemer, Hermann; Weidenhof - Gutshaus 1995

40. Roemer, Hermann; Weidenhof – Gutshaus 1995

Etwas hatten diese Roemers, Grossvater ausgenommen, gemein: den Zug, sich abzuschliessen, daher all die Junggesellen. Bruder Luck gehörte auch dazu.“

Auszug aus dem Zollenkopf-Familienbuch (Q2):
“ … Da diese Niederschrift für kommende Generationen geschrieben ist, damit sie das Schicksal so manches Sippenverwandten daraus ersehen können, ist absichtlich der Kreis der Anverwandten hier erweitert worden. Deshalb sei noch besonders in dankbarer Verehrung der Frau Mathilde Römer geb. Richter gedacht, da sie viel gutes an der Verwandtschaft getan hat, insbesondere an den vielen Kindern ihrer Halbschwester Emilie Zollenkopf geb. Richter.

1850. – Mathilde Richter aus Mierczynnek heiratete den Landwirt Hermann Römer, der Verwalter des Rittergutes Ostrowitt war, der Familie v. Blücher gehörig. Er kaufte die Güter Weidenhof im Kulmer Lande und Gr.Schönwalde Kreis Graudenz mit zusammen ca. 6000 Morgen. Das Ehepaar Römer war ungemein tüchtig und sparsam, sie wurden und waren sehr wohlhabend. –

Hermann Römer war ein Freund Fritz Reuters; seine vielen Briefe von Reuter, die meist politischen Inhalts waren, hat Römer leider verbrannt.
(Nachforschungen haben eine Freundschaft bzw. einen Briefwechsel von Hermann Roemer mit Fritz Reuter bisher nicht bestätigt. Im Reuter-Archiv in Stavenhagen liegen hierüber keine Belege vor.)

Der einzige Sohn der Römers mit Namen Ludwig wurde Landwirt, studierte in Halle Landwirtschaft, wo er zum Freund den Bruder seiner späteren Ehefrau Gustel Prieger aus Schloss Gereuth in Bayern hatte. Sein Jahr diente er bei den Cassler Husaren ab, die Übungen bei den schwarzen Husaren und dann bei den 5. Kürassieren. Der Vater Römer übergab seinem Sohne Ludwig zunächst das kleinere Gut Weidenhof in Grösse von 1130 Morgen. Ludwig war etwas leichtlebig, dazu der nachbarliche Verkehr von schlechtem Einfluss. Um ihn diesem zu entziehen, wechselten Vater und Sohn die Güter. Ludwig bewirtschaftete Gr.Schönwalde nach modernen Anschauungen mit starkem Hackfruchtbau; es wurden zuletzt ca. 1000 Morgen Zuckerrüben angebaut. Die Intensivierung verlangte aber ausserordentliche Anschaffungen und viel Arbeitskräfte. Es wurden zwei Dampfpflüge gekauft und alles moderne sonstige Ackergerät, sehr viel teure, polnische Arbeiter beschäftigt. Ein Erschwernis zur Durchführung dieser Wirtschaftsweise war der abgelegene Bahnhof und die schlechten ungepflasterten Wege. Die Wirtschaft ging zurück, durch die Sorgen wurde Ludwig Römer zuckerkrank und starb mit 44 Jahren, ihm folgte seine Ehefrau in ca. 2 Jahren nach. Aus der Ehe stammen 5 Kinder:  Hermann  mit 25 Jahren verstorben, Liesel verw. Pelzer ( Professor in Heidelberg), Ludwig besass das Rittergut Näglack im Kreise Mohrungen, gedient bei Ulanen Regmt. 4. Offizier beim Train. Ferner Änny Römer  in 1. Ehe mit Kaufmann Peltzer  … verheiratet, geschieden, in 2. Ehe mit Major a.D. Blumstengel verheiratet. Fritz Landwirt, Res.Offizier bei Kürassier Regmt. 5. besass ca. 1000 Morgen in Schlesien, heiratete eine Claassen aus Zoppot, verkaufte das Gut, ging nach Ostafrika in die Burenrepublik. Dort kaufte er 2 räumlich weit auseinanderliegende Farmen; es soll ihm dort schlecht gehen.

Anm: Gr. Schönwalde ist parzelliert, Weidenhof hat der ursprüngliche Käufer Brandes noch im Besitz. – Zaskocz verkaufte Louis Richter 1905, es wurde Kgl. Pr. Domäne, der erste Pächter Albinus. Von den Polen ist Zaskocz z.T. parzelliert.  ”

Die Enkeltochter Louise Roemer schreibt in ihren Jugenderinnerungen:
“Wenig Erinnerungen habe ich an Großvater Roemer, obwohl er doch sicher oft in Schönwalde gewesen sein muß und wir in Weidenhof. Genau weiß ich nur noch, wie Aenny als lebhafter kleiner Quirl jauchzend um den großen Eßtisch in Weidenhof herumlief und Großpapa immer hinter ihr her, wobei er in die Hände klatschte, und “Puttchen, Puttchen” rief. Auch an sein Aussehen erinnere ich mich genau und an seine gute, ruhige Stimme. Von den anderen Großeltern ist mir aus dieser Zeit nichts Besonderes im Gedächtnis geblieben. –
Nun war Großvater mit einem Mal tot! Wir saßen mit den Mädchen im Wohnzimmer, gleich am ersten Fenster. Es war kurz vor Weihnachten, und die Mädchen sangen Weihnachtslieder. Draußen fielen dichte große Flocken, aber ich fand alles so bedrückend und traurig: den inzwischen auf dem Schoß eingeschlafenen Luck, das Wetter und das “Ihr Kinderlein kommet”. Die Eltern waren in Weidenhof. An einem Abend kam ich vom Treppenhaus in das Entree, wo nur ein kleines Lämpchen brannte; dort ging Großmutter langsam auf und ab, sie sah mich nicht, denn sie hielt sich das Taschentuch vor das Gesicht. Ich ging leise, damit sie mich nicht merkte, durch die Diele in das Wohnzimmer; ich glaube, sie war sehr unglücklich. Nebenan im Saal stand der Sarg mit Großvater. Am anderen Tag kam sehr viel Verwandtschaft, man wurde dauernd hochgehoben und geküßt, was man gar nicht mochte, mußte knicksen und Händchen geben. Dann nahm Mutter Aenny und mich in den Saal. Es war niemand da. In der Mitte stand der schwarze Sarg mit sehr vielen Blumen und brennenden Kerzen. Mutter legte unsere Hand nacheinander auf den Sarg und sagte: “Adieu, Großpapachen”; dabei liefen ihr die Tränen immerzu über das Gesicht. Dann kam noch Onkel P., er trug einen großen Palmwedel mit einem Blumenstrauß, und wir wurden wieder hinausgeführt. Wenig später sah ich vom Eßzimmerfenster zwei schwarze Straußfederbüschel auftauchen, mit was Großem, Langen bis auf die Erde, und unten sah man Pferdehufe; dann kamen nochmal zwei Pferde, und an jedem ging ein Mann in einem langen schwarzen Mantel und einem sonderbaren Hut. Dem Ganzen folgte ein flacher Wagen mit Großpapas Sarg und vielen, vielen Blumen. Sie fuhren die Auffahrt hinauf, denn sie kamen ja von der Gartenterrasse und mußten durch das Hoftor auf die Landstraße zum Wald, wo der Friedhof lag. In den nächsten Tagen kamen noch viele Kränze, ‑und einmal wurde ich im Wagen mitgenommen und mußte auch einen Kranz tragen. Er hatte eine lange weiße Schleife, und ich trat versehentlich drauf, weil es bergauf ging. Von dem Weihnachten weiß ich nicht mehr viel ‑ aber dann kam das neue Jahr, ‑ und ich fing an zu lernen. Unsere Erzieherin, Fräulein Montua, kam; ….”

1. Auszug aus Brief von Louise Peltzer, geb. Roemer an GBs vom 8.12.1959
2. Auszug aus dem Zollenkopf-Familienbuch: S. 240 / 241
3. familysearch AncestryKB Biskupiec /Bischofswerder
4. Jugenderinnerungen an GroßSchönwalde – geschrieben von Louise Roemer, verh. Peltzer, 1955
5. Geschichte von Groß Schönwalde, angelegt 1887 vom Lehrer J. Lorenz; handgeschriebenes
Manuskript in Deutscher Schrift, 
erhalten als PDF-Kopie im April 2015