80.4. Römer, Ludwig (Louis)

Roemer

80.4     Römer, Johann Gottfried Heinrich Ludewig (LOUIS)
Sohn von August Römer, Gärtner, dann Kaufmann in Parchim, und Luise geb. Rexrodt.
Rektor  der Stadtschule in Grabow; Vorsteher der Ersparnis-Cassen zu Grabow. Testament datiert Grabow, den 16.6.1884, Unverheiratet.
Stud. theol. Wintersemester 1821 in Rostock (Matrikel d. Universität Rostock, 1821/22;  dort als
“ Johann Christian Gottfried Ludwig RÖMER aus Parchim“)
geb. Parchim, 12.09.1805;         get. Parchim, 13.09.1805;
Taufzeugen:
der Friesmacher H. Gottfried Poggensee
Johann Römer, Pächter zu Lehsen
der Organist zu Vellahn H. Heinrich Ritter
des Cantor Wittwe Tilemann zu Boizenburg
2. u. 3. abwesend, statt dessen
Frau Poggensee
Mamsell Rexroth
gest. Grabow,  06.05.1886;   begr. Grabow, 10.06.1886

1821 : Johann Christian Gottfr. Ludwig RÖMER aus Parchim
stud. theol.  W 1821 in Rostock (aus der Matrikel d. Univ. Rostock 1889)
1830 ist er Cantor in Grabow
(Testament von Henr. Anna Elisab. Rexrodt geb. Thielemann vom 27.9.1830)
„Auf Requisitation der Frau …

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Jahresbericht des Vereins für meklenburgische Geschichte und Alterthumskunde, 1838
S. 6 – . Ordentliche Mitglieder.
Nr. 53  Römer, Conrector, Grabow

Jahrbücher des Vereins für meklenburgische Geschichte und Alterthumskunde,1874
Seite 222
Siegel des Bernhard v. Falkenberg.
Nachtrag zu Jahrb. XXXVIII, S. 221.

“Ueber dieses bei Neu=Brandenburg gefundene Siegel giebt Herr Rector Römer zu Grabow folgenden willkommenen Aufschluß. “Der in Jahrb. XXXVIII, S. 221, beschriebene “Siegelstempel gehörte ohne Zweifel dem Bernhard von Falkenberg, welcher 1355 (11. April) und 1356 als “Altarist, Priester der Pfarrkirche, in Neu=Brandenburg vorkommt. Dieser Falkenberg dürfte vielleicht Stadt=Schreiber “oder Secretair (secretarius) der Stadt Neu=Brandenburg gewesen sein, da die Stadt=Secretaire gewöhnlich Geistliche waren und Vicareien (Commenden) inne hatten. Die in Jahrb. a. a. O. angegebene Zeitbestimmung des Siegelstempels (Mitte des 14. Jahrhunderts) trifft also genau zu.”

Friedrich Wigger :
Quartal- und Schlussbericht des Vereins für meklenburgische Geschichte und Alterthumskunde : Schwerin, am 12. Juli 1880
In: Jahrbücher des Vereins für Mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde, Band 45 (1880), S. 1-42

Rector Römer aus Grabow ist zum Ehrenmitglied des Vereins ernannt worden.

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Allgemeine Deutsche Biographie
Band 29 (1889), S. 124–125.
“Römer: Johann Gottfried Heinrich Ludwig R. wurde geboren zu Parchim in Mecklenburg
am 12. September 1805.Er gehört in die lange Reihe von Kindern, welche aus der Ehe des August Römer mit Luise, geb. Rexrodt hervorgingen. Letztere stammt aus einer Försterfamilie, ihr Gatte war Gärtner (später Kaufmann und Rathsherr). Von beiden Seiten mag sich also der Zug von Pflegsamkeit und die Neigung zur Beobachtung auch des Kleinen ergeben haben, welche dem Sohne eigen sind.  Der Eintritt in eine gelehrte Laufbahn wurde dem hochbegabten Knaben durch die bescheidenen Vermögensverhältnisse des Hauses erschwert. Nach Absolvirung des Gymnasiums in der Vaterstadt hat er nur noch die Landesuniversität Rostock kennen gelernt; von da aus begab er sich (1825) als Privatlehrer auf das Land. Mit seiner dann folgenden Uebersiedelung nach Grabow hört aller Ortswechsel in seinem Leben auf. 1829 als „Cantor“, d. h. dritter Lehrer, an die Schule dieser Stadt berufen, rückte er bald zum Conrector und 1842 zum Rector auf. 1854 zwang ihn ein fast zur Erblindung führendes Augenleiden, verbunden mit Magenschwäche, sich in den Ruhestand zu begeben. Die ihm nun noch bis zu seinem am 6. Mai 1886 erfolgten Ableben vergönnten Jahre hat er, unbekümmert um seine schwache körperliche [125] Disposition und um pecuniäre Vortheile, einer mühevollen und um sein engeres Vaterland verdienstreichen Gelehrtenthätigkeit gewidmet. Weitgediehene etymologische Vorstudien, welche zusammen mit dem Parchimer Oberlehrer Steffenhagen unternommen waren und die Grundlage zu einem Wörterbuche der romanischen Sprachen abgeben sollten, wurden überrascht durch das Erscheinen eines gleichartigen Werkes; ohne Murren legte R. die Arbeit bei Seite. Materiell ist sie jedoch demjenigen Unternehmen zu gute gekommen, dem er jetzt seinen ganzen Fleiß zuwandte: dem Mecklenburgischen Urkundenbuche. Von der Redaction desselben aufgefordert, übernahm er es, für die erste bis 1300 reichende Abtheilung dieser umfänglichen Publication das Personenregister herzustellen. Das Interesse an der biographisch-genealogischen Disciplin hatte R. schon früher zur Anlegung reicher Sammlungen auf diesem Gebiete geführt; sie halfen ihm und vervollständigten sich bei Lösung der neuen Aufgabe. Als 1867 seine Arbeit im Druck erschien, sprach dieselbe derart an, daß die Urkundenbuchs-Redaction nicht bloß das Personen-, sondern auch das Wort- und Sachregister zu der neuen Abtheilung (1300–1350) in seine Hand zu legen beschloß. 1878 und 1882 sind die beiden Bände fertiggestellt worden, welche, wie man sagen kann, das Lebenswerk Römer’s enthalten. Der Bestimmung eines derartigen Hülfsmittels: eine sichere Controlle alles des Aeußerlichen und Formelhaften zu ermöglichen, was uns in Gestalt der mittelalterlichen Urkunden übermittelt ist, hat er in origineller und mit solcher Consequenz bisher wohl nicht durchgeführter Art genug zu thun gewußt.”
Saß, Johann, “Römer, Johann Gottfried Heinrich Ludwig” in: Allgemeine Deutsche Biographie 29 (1889), S. 124-125 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/ppn138018332.html?anchor=adb
Saß.       Von „http://de.wikisource.org/wiki/ADB:R%C3%B6mer,_Ludwig

 

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Testament von Louis Römer

Abschrift
Ro  1 Anlage                                                                                  No. 533.

 Großherzogliches Amtsgericht Grabow.                   Grabow, den 11.“ Mai 1886

 Gegenwärtig
Amtsrichter Hundt,
als Richter
Act.Geh. Allwardt,
als Gerichtsschreiber

Zur Publication des letzten Willens des am
6. d. Mts.  verstorbenen
Rectors a.D. Ludwig Römer
aus Grabow         war
auf heute Termin angesetzt und zu demselben er-
schienen:
1. der H. Senator Bibelje von hier,
2. der H. Hermann Römer zu
Weidenhof  W.Preußen

Das sub Nr. 134 deponirt gewesene Testament ist praevia exdepositione und, nachdem man sich allerseits von der Unverletztheit des dasselbe einschließende Couvertes nebst Siegel überzeugt, mittelst Durchschneidens des Couvertes eröffnet, durch Verlesen publiciert und demnächst mit dem Couverte diesem Protocolle
sub A

angelegt.

Comparenten erklären:
Der Verstorbene war nie verheirathet, und hat   dementsprechend auch erbberechtigte Nachkommen nicht hinterlassen; ebensowenig unseres Wissens spätere letztwillige Verfügungen als das soeben verlesene Testament vom 16. Juni 1884. Unter den eingesetzen Erben befinden sich keine minderjährige oder aus anderen Gründen unter Vormundschaft stehende Personen.
Vorg. an Eides statt genehmigt, treten beide Comparenten die ihnen aus dem anliegenden Testamente deturirte Erbschaft rein und ohne Vorbehalten, und acceptirt der H. Rittergutsbesitzer Hermann Römer aus Weidenhof das Amt eines Testamentsvollstreckers und bittet um beglaubigte Abschrift dieses Protocolles nebst Anlagen; ferner beantragt derselbe Erbenzeugniß zu seinen Händen, sobald die sämtlichen Erben sich definitiv über den Erbschaftsantritt erklärt haben.
Beglaubigt
F. Allwardt
Act.Grh.

Grabow, den 16. Juni 1884

Großhzl. Amtsgericht
Gegenwärtig
Amtsrichter Hundt,
als Richter
Actuar Peters
als Gerichtsschreiber

Auf bezügliche mündliche Ladung trat vor der dem Gerichte von Person wohlbekannte und wie man sich durch extraprotocollarische Besprechung überzeugte im vollen ungestörten Besitze seiner Geisteskräfte befindliche
Herr Rector Ludwig Römer von hier.

Derselbe erklärte wiederholt seine Absicht, seinen letzten Willen zu errichten und überreicht als solchen das hier

sub A

anliegende fünffach mit seinem Privat-Siegeln verschlossene Schriftstück, mit dem hinzufügen, daß in diesem verschlossenen Couverte sein wahrer letzter Wille enthalten sei.

Nachdem dieser ganze Testamentsact  an demselben Tage und Orte ohne Unterbrechung vor sich gegangen ist
concedirt:  daß dies Protocoll nebst Anlage A mit
der Aufschrift versehen:

Hierin der letzte Wille des Rectors Ludwig Römer errichtet am 16. Juni 1884,
versiegelt zum gerichtlichen Depositum genommen und das Depositionsattest ertheilt werden solle.
Von Rechts Wegen !

Quo publicato ist nach verlesenem und genehmigtem Protocolle geschlossen, nachdem Herr Rector Römer Inventur und Versiegelung seines dereinstigen Nachlasses verlesen und sein Vermögen auf mehr als 30.000 Mark angegeben.

Beglaubigt

H. Hundt                                                                                Peters,
G.Actuar
No. 134.

Hierin der letzte Wille des Rectors Ludwig Römer in Grabow, errichtet am 16. Juni 1884.
H. Hundt                                                                    Peters,
G.Actuar

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Mein letzter Wille ist folgender.

§  1.

Zu meinen Universalerben setze ich hiermit ein, und ernenne als solche:
I.          Die Kinder meiner weiland Schwester
Adolphine Bibelje, geborene Römer, als
1. August Bibelje, Senator hierselbst.
2. Wilhelmine Bibelje, verwittwete Vagt, hieselbst
3. Louis Bibelje, zu Pokszydowo in West Preußen
4. Helene Bibelje, verehelichte Martienssen, hieselbst

II.         meinen Bruder August Römer in Dresden,

III.        meine Schwester Christiane Römer, hieselbst,

IV.       meinen Bruder Ferdinand Römer in Marienwerder

V.        meinen Bruder Hermann Römer auf Groß-Schönwalde, jetzt in Weidenhof West Preußen

VI.       meine Schwester Wilhelmine Römer, Wittwe des Consuls Hofmann, in Dresden.

Solchen meinen instituirten Erben substituire ich deren eheliche Descendenz, welche in die Rechte ihrer Ascendenz  eintreten sollen, falls jene vor mir verstirbt.

Mein Nachlaß soll in sechs Theile getheilt und in derselben nach stirpes surredirt werden.

 § . 2.

Zu meinem Testaments-Vollstrecker ernenne und bestelle ich hiermit meinen oben sub V. genannten Bruder Hermann Römer auf Groß Schönwalde, jetzt in Weidenhof Westpreußen.

Derselbe soll befugt sein, nach meinem dereinstigen, Gott gefälligen Ableben meinen gesamten Nachlaß zu sich zu nehmen, sämmtliche zu demselben gehörenden Mo- und Immobilien öffentlich meistbietend oder zur freien Hand zu verkaufen, zu vertauschen, dieselben eigenthümlich auf Dritte zu übertragen, zu Stadtbuch zu verlassen, Rechte, Ansprüche und Forderungen

zu verfolgen, auf Dritte zu übertragen, zu cediren, Pfand- und sonstige Rechte zu erwerben, Gelder zu erheben, darüber zu quittiren; kurz, ich ertheile demselben die Befugniß, über meinen gesamten Nachlaß und dessen einzelnen Theile so nach seiner freiesten Entschließung zu disponiren, als wenn er gleich der allein Berechtigte sei, und gebe ihm hiermit die Ermächtigung sich einen Substituten zu bestellen, auch über seine Lebenszeit hinaus, und demselben die gleichen Befugnisse zu übertragen, wie ich sie ihm als executor testamenti im Vorgehenden zu gewiesen habe.

Mein Testaments – Vollstrecker soll nicht verpflichtet sein, ein Inventarium zu errichten, Rechnung zu führen oder abzulegen, wohl aber verbunden sein, meinen Nachlaß in Maßgabe dieses meines letzten Willens nach seinem besten Wissen und Gewissen

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zu requiriren, die darauf haftenden Schulden zu bezahlen, namentlich auch die Collateral-Erbsteuer zu liquidiren und zu berichtigen. Ich bemerke hiemit, daß in dem Wohnhause der Wittwe Graack hierselbst ein Kapital von 1050 Mk zinsbar zu 4 pct. auf meinen Namen eingetragen steht, dasselbe jedoch materiell mir nicht zusteht und zu meinem Nachlasse nicht zu zählen ist.

§. 3.

Werden sich in meinem Nachlasse eigenhändig von mir geschriebene und unterschriebene letztwillige Verfügungen vorfinden, so sollen dieselben cadreillarische  (??) Kraft haben und durch dieses mein Testament hiemit bestätigt sein.
Grabow d. 16. Juni 1884
Ludwig Römer
Rector                        A.         Fin.

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Einliegend mein Testament welches ich dem verehrlichen Amtsgerichte mit der Bitte überreiche dasselbe in das Positum zu nehmen.
Ehrerbietigst
Grabow, d. 16. Juni                           L. Römer, Rector
1884.

Die Uebereinstimmung der vorstehenden Abschrift mit den Originalien bescheinigt.
Grabow, den 11. Mai 1886.
Der Gerichtsschreiber:                                              (Siegel)
F. Allwardt,
G actuariar Geh.

 

 

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