80.4. Römer, Ludwig (Louis)

 

Roemer 

80.4.     Römer, Johann Gottfried Heinrich Ludewig (LOUIS)
Sohn von August Christian Johann Römer, Kaufmann in Parchim, und Eleonora Louisa Elisabeth Rexrodt
Rektor  der Stadtschule in Grabow; Vorsteher der Ersparnis-Cassen zu Grabow. Testament datiert Grabow, den 16.6.1884, Unverheiratet.
Stud. theol. Wintersemester 1821 in Rostock (Matrikel d. Universität Rostock, 1889;  dort als “ Johann Christian Gottfried Ludwig RÖMER aus Parchim“)

geb. Parchim, 12.09.1805;         get. Parchim, 13.09.1805;

Taufzeugen:
der Friesmacher H. Gottfried Poggensee
Johann Römer, Pächter zu Lehsen
der Organist zu Vellahn H. Heinrich Ritter
des Cantor Wittwe Tilemann zu Boizenburg
2. u. 3. abwesend, statt dessen
Frau Poggensee
Mamsell Rexroth

gest. Grabow,  06.05.1886;   begr. Grabow, 10.06.1886

Bei der Volkszählung 1867 wohnt der ledige  Ludw. Römer  ”Langes Viertel Nr. 16/17″ in Grabow.
Im Nebenhaus Nr. 17/18  wohnt seine verwitwete Schwester Adolphine Bibelje und ihr Sohn August mit Familie.

Die Großnichte Louise Roemer, verh.Peltzer beschreibt ihn ganz kurz in ihren Jugenderinnerungen:
“ Grossvater hatte 3 Brüder: August, der Politiker, Ferdinand, Kaufmann, erblindet, und wohnte auf einem Gut ganz in der polnischen Gegend bei einem mecklenburgischen Vetter, der auch Junggeselle war, und 3. Louis, der war Rektor einer Schule in Parchim oder Grabow (weiss nicht mehr) und war natürlich auch Junggeselle. Er wäre  reizend gewesen, ähnlich wie Grossvater, sehr belesen, man hätte fragen können, was man wollte, er wusste immer Bescheid. ”

 

 

 

Eine ausführliche Biographie von Ludwig Römer findet sich  bei
Wikisource und gleichlautend in der “Deutschen Biographie”  :

Römer: Johann Gottfried Heinrich Ludwig R. wurde geboren zu Parchim in Mecklenburg am 12. September 1805. Er gehört in die lange Reihe von Kindern, welche aus der Ehe des August Römer mit Luise, geb. Rexrodt hervorgingen. Letztere stammt aus einer Försterfamilie, ihr Gatte war Gärtner (später Kaufmann und Rathsherr). Von beiden Seiten mag sich also der Zug von Pflegsamkeit und die Neigung zur Beobachtung auch des Kleinen ergeben haben, welche dem Sohne eigen sind. Der Eintritt in eine gelehrte Laufbahn wurde dem hochbegabten Knaben durch die bescheidenen Vermögensverhältnisse des Hauses erschwert. Nach Absolvirung des Gymnasiums in der Vaterstadt hat er nur noch die Landesuniversität Rostock kennen gelernt; von da aus begab er sich (1825) als Privatlehrer auf das Land. Mit seiner dann folgenden Uebersiedelung nach Grabow hört aller Ortswechsel in seinem Leben auf. 1829 als „Cantor“, d. h. dritter Lehrer, an die Schule dieser Stadt berufen, rückte er bald zum Conreetor und 1842 zum Rector auf. 1854 zwang ihn ein fast zur Erblindung führendes Augenleiden, verbunden mit Magenschwäche, sich in den Ruhestand zu begeben. Die ihm nun noch bis zu seinem am 6. Mai 1886 erfolgten Ableben vergönnten Jahre hat er, unbekümmert um seine schwache körperliche [125] Disposition und um pecuniäre Vortheile, einer mühevollen und um sein engeres Vaterland verdienstreichen Gelehrtenthätigkeit gewidmet. Weitgediehene etymologische Vorstudien, welche zusammen mit dem Parchimer Oberlehrer Steffenhagen unternommen waren und die Grundlage zu einem Wörterbuche der romanischen Sprachen abgeben sollten, wurden überrascht durch das Erscheinen eines gleichartigen Werkes; ohne Murren legte R. die Arbeit bei Seite. Materiell ist sie jedoch demjenigen Unternehmen zu gute gekommen, dem er jetzt seinen ganzen Fleiß zuwandte: dem Mecklenburgischen Urkundenbuche. Von der Redaction desselben aufgefordert, übernahm er es, für die erste bis 1300 reichende Abtheilung dieser umfänglichen Publication das Personenregister herzustellen. Das Interesse an der biographisch-genealogischen Disciplin hatte R. schon früher zur Anlegung reicher Sammlungen auf diesem Gebiete geführt; sie halfen ihm und vervollständigten sich bei Lösung der neuen Aufgabe. Als 1867 seine Arbeit im Druck erschien, sprach dieselbe derart an, daß die Urkundenbuchs-Redaction nicht bloß das Personen-, sondern auch das Wort- und Sachregister zu der neuen Abtheilung (1300–1350) in seine Hand zu legen beschloß. 1878 und 1882 sind die beiden Bände fertiggestellt worden, welche, wie man sagen kann, das Lebenswerk Römer’s enthalten. Der Bestimmung eines derartigen Hülfsmittels: eine sichere Controlle alles des Aeußerlichen und Formelhaften zu ermöglichen, was uns in Gestalt der mittelalterlichen Urkunden übermittelt ist, hat er in origineller und mit solcher Consequenz bisher wohl nicht durchgeführter Art genug zu thun gewußt.          Saß.


 

Quellen:

1. Artikel „Römer, Ludwig“ von Johann Saß in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 29 (1889), S. 124–125, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:R%C3%B6mer,_Ludwig&oldid=1705227 (Version vom 4. Juni 2015, 13:19 Uhr UTC)

2. Saß, Johann, “Römer, Johann Gottfried Heinrich Ludwig” in: Allgemeine Deutsche Biographie 29 (1889), S. 124-125 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/ppn138018332.html?anchor=adb