286. Soltau, Martin Wilhelm

Soltau

 9. Generation

Martin Wilhelm Soltau

Martin Wilhelm Soltau

286.       Soltau, Martin Wilhelm
Sohn von Dietrich Soltau, Bürgermeister und Holzhändler zu Bergedorf und seiner Ehefrau Lucia Margareta Elisabeth Heroldt.
Kaufmann und Bürgermeister in Bergedorf.
geb. Bergedorf  25.09.1720 , get. Bergedorf  29.09.1720
gest. Bergedorf  31.07.1801, begr. Bergedorf  04.08.1801
verh. 1. Ehe   Bergedorf  11.02.1744  mit:
287.       Schumacher 1, Engel Margaretha
Tochter von Friedrich Wilhelm Schumacher, Magister phil. et jur.utr. in Lübeck, ab 1710 Amtsschreiber in Bergedorf, und seiner 2ten Ehefrau Metta Dorothea Klessing
geb. Bergedorf , get. Bergedorf  28.06.1724
gest. Bergedorf  21.03.1762, begr. Bergedorf  28.03.1762
verh. 2. Ehe   Bergedorf   18.05.1763
Hochzeits-Aufgebot Bergedorf, 8.5.1763

Engel Margarethe Soltau, geb. Schumacher

Engel Margarethe Soltau, geb. Schumacher

Keller, Catharina Dorothea
Tochter von Johann Andreas Keller, Diaconus, seit 1766  Pastor zu Bergedorf, und seiner Ehefrau NN. Schacht.
get. Bergedorf    14.02.1743
gest. Bergedorf  07.12.1763 an “Kindblattern”.

verh. 3. Ehe   Bergedorf  25.09.1766    (Aufgeb. 14.9.1766 )  mit:
Gräpel, Anna Margarethe
Tochter von Carsten Albrecht Gräpel, Bürgermeister in Bergedorf, und Margaretha Magdalena geb. Schilhorn.
get. Bergedorf 16.03.1743,  gest. Bergedorf  25.09.1825 (5.4.1825 -Dr.Genaust)
Hochzeits-Aufgebot in Bergedorf 14.9.1766;
Am 25.9.1766 schloss Martin Wilhelm SOLTAU seine 3.Ehe mit Anna Margarethe GRÄPEL, die ihm noch 2 Söhne. u. 2 Töchter schenkte.1804 war sie Patin bei der Ur-Enkeltochter Ihres Mannes (aus erster Ehe ihres Mannes), Anna Henriette Auguste Melsheimer, in Braunschweig.

Bild von Anna Margarethe Soltau, geb. Gräpel: Vor dem Kriege existierte ein Medaillon-Oelbild von Dankwerts, Hamburg, auf Elfenbein gemalt, im Besitz von Conrad Gotthard Schramm in HH-Wandsbek. Verbleib unbekannt, kein Foto vorhanden.

Kinder in Geburtsfolge – aus 1. Ehe:

286.1.  Soltau, Dietrich Wilhelm
Kaufmann / Schriftsteller.
geb. Bergedorf  15.03.1745, get. Bergedorf 17.03.1745
Paten:  Herr Henrich Wilh. Schumacher, JUD et Practicus in Lübeck,
Herr Georg SOLTAU JU Lic., Dorothea SOLTAU(en).
gest. Lüneburg  13.02.1827D.W.Soltau
verh. St. Petersburg .  .1788
König, Maria Agathe
geb. Riga 14.06.1771
gest. Lüneburg 16.01.1847
4 Kinder

286.2.  Soltau, Dorothea Margaretha
geb. Bergedorf  28.09.1746, get.  Bergedorf 01.10.1746
Paten: Frau Metta Dor. SCHUMACHERN, Wwe. des Herrn Amtsschreibers, Frau Cath. Soltau(en),
Lic. Georg Soltau, Herr Bernh. Schumacher, Pächter auf Trendhorst und Wulmenau bey Lübeck.
gest. Altona
verh. Bergedorf 19.11.1772            mit:
Krüger, Paul Friedrich
Rats-Apotheker zu Lüneburg.
geb.                gest.

Kinder:  (Q3)
1. Krüger, Georg Wilhelm
geboren 1774 den 10 Febr.
2. Krüger, Anna Dorothea Lucia, geb. 1775 den 19 April
    verheirathet im Jahr     an  sl. Pastor B e r e n s b a c h in Gr. Ösingen,
    gestorben den
3. Krüger, August Georg, geb. 1776 den 3 Decembr.
4. Krüger, Friedr.Theodor, geb. 1778 den 11 Jul.
5. Krüger, Johann Dietrich, geb. 1779 den 3 Nov.
6. Krüger, C a r l  L u d w i g, geb. 1781 den 9 Jan.

286.3.  Soltau, Georg Wilhelm
get. Bergedorf  13.04.1748
Paten:  Chr. Nic. METTE, Organist in Curslack, Adolf Hinr. SCHUMACHER, stud.jur., Jgfr. Maria
Elisabeth SOLTAU(en).
gest. London  14.12.1790
verh.             19.05.1773
Hodgson, Ann; Tochter von William Hodgson
geb. London, UK. 10.08.1754 ; gest. Strand-on-the-Green, Chiswick, UK. 02.12.1829
3 Kinder

286.4.  Soltau, Martin Wilhelm
get. Bergedorf  05.02.1750
Paten: Herr Gerhard BINDER, ältester Bürgermeister, Herr Georg Fr. SCHUMACHER,
Amtsverwalter a. Rethwisch, Frau Anna Ilsabe JÜRGENSEN.
gest. Bergedorf  08.11.1750

286.5.  Soltau, Anna Catharina
= 143   geb. Bergedorf  24.10.1751, get. Bergedorf  27.10.1751
Paten:  Frau Anna Cath. SCHEVIUS, Wwe. des gottseligen Herrn Domprobst et Syndici SCHEEVIUS, Jacob SOLTAU.
gest. Lüneburg  20.07.1832, begr. Lüneburg  22.07.1832 (St.Johannis)
verh.  Bergedorf 05.05.1776  mit:
= 142.  Hase, Ernst Johann Heinrich
Bürger u. Factor in Lüneburg. Kirchenjurat an St.Johannis.
Speditionsgeschäft in Lüneburg “Am Berg”
geb. Lüneburg 17.11.1742, get. Lüneburg 19.11.1742
gest. Lüneburg 17.05.1816, begr. Lüneburg 23.05.1816
4 Kinder

286.6.  Soltau, Margareta Lucia
get. Bergedorf  26.07.1753
Im Jahre 1814 verliess sie Lüneburg und zog nach Altona.
gest. Altona  10.06.1818; begr. Lüneburg 15.06.1818
verh. Bergedorf   21.11.1773
Moser, August Wilhelm
Dr.jur. in Lüneburg
geb.                   gest. Lüneburg – 1809
keine Nachkommen ?

286.7.  Soltau, Anna Engel
get. Bergedorf  23.05.1755 ; Paten:  … Herr Act. Georg SOLTAU, Lübeck.
gest. Bergedorf  15.08.1755

286.8.  Soltau, Anna Engel
get. Bergedorf  26.02.1757 ;  Paten:  Frau Doctorin Anna Cath. SCHUMACHER(in), Lübeck, Frau A.M.HACKEN, Jürgen JÜRGENßEN.
gest. Bergedorf  05.11.1759

286.9.  Soltau, Elisabeth Margarethe
get. Bergedorf  07.09.1758
gest. Lüneburg  29.11.1788
verh. Bergedorf 16.05.1783  mit:
Meyer, Johann Gottfried
Gastwirt / “Herbergier” zu Lüneburg;
+ in Lüneburg Noehx Meyer genannt von wegen der Schweine die dort vulgo Noehx genannt werden und von ihm in groszen Mengen gehalten wurden +
Hochzeitsgedicht-Meyer-Soltau in der K.u.P.B.Hannover, CM 378 :
“Dem Herrn MEYER und der Demoiselle SOLTAU an Ihrem Verbindungstage gewidmet von Denenselben ergebensten Dienern  J.C.H. / J.W.C.B. ;       Lüneburg, den 30.May 1783. ”
geb.                            gest.

Kinder (Q3)
1. Meyer, Margareta Maria Charlotte, gebohren den 7 Jul. 1784
2. Meyer, 
Wilhelm Johann, gebohren den 18.ten Febr. 1786
3. Meyer, 
Friederike,  gebohren den 13.t Nov. 1788

286.10. Soltau, NN. Tochter
geb. / gest. Bergedorf  10.11.1759

286.11. Soltau, Engel Gertrud
get. Bergedorf  27.12.1760 ;
Paten:  Msme. Gerdruth SCHEVIUS aus Lübeck, Herr Nicolaus BINDER.
gest. Bergedorf  20.04.1761

286.12. Soltau, NN. Sohn
geb./gest. Bergedorf  21.03.1762  (Totgeburt)

aus 2. Ehe
286.13. Soltau,  Tochter
Töchterlein  begraben 28.12.1763

4 Kinder aus 3.Ehe:

286.14. Soltau, Carsten Wilhelm
Hamburger Zweig, siehe DGB 21, Bürger, Kaufmann, Träger verschiedener Ämter, 1835 Oberalter in Hamburg (Buek, Die hamburgischen Oberalten, 1857, 340-45);
get. Bergedorf  15.08.1767
gest. Bergedorf  10.11.1836
verh.    16.10.1796Carsten Wilhelm Soltau
Sprockhoff, Johanna Henriette Cath., geb. Braunschweig
6.11.1772 (V: …), gest. Hamburg 19.3.1845

Kinder (Q3)
1. Soltau, Martin Wilhelm,  geb.
2. Soltau, Gustav ; geb. …  gest.+ 6 Septbr  1808
3. Soltau, H e r m a n n

 

286.15. Soltau, Magdalene Agneta
get. Bergedorf  28.05.1769;            gest. Bergedorf,  Kind ▭16.6.1776

286.16. Soltau, Anna Maria Wilhelmina
get. Bergedorf  09.07.1773 ;
Paten: Fr. Bürgermeister Anna Ilsabe Binder; Fr. Magisterin Maria Amalia Rascher aus Hamburg, Herr Lic. Joh. Wilh. Schumacher aus Lübeck.
gest. Bergedorf       1801
procl. Bergedorf  14.08.1795
verh. Vilsen 28.08.1795
Hoppe, Arnold Friedrich;  Bürgermeister zu Bergedorf
aus Vilsen
geb. Vilsen …    gest. Bergedorf 1836; begr. Bergedorf, auf dem Gojenberg

286.17. Soltau, Joachim Wilhelm
get. Bergedorf  16.09.1779                gest.  Bergedorf  20.11.1785

 

Martin Wilhelm Soltau
Kaufmann (Holzhandel) und Bürgermeister in Bergedorf; er gründete dort eine Amidamfabrik (Stärkefabrik) an der Schiffsweide. Die Familie Soltau bewohnte in Bergedorf das Haus Sachsentor 28. (Soltau-Haus)

1720, 25.09. geb. in Bergedorf;  29,09. get. in Bergedorf;
1731 kam er auf das Johanneum in Hamburg und sollte sich  später dem Studium widmen. Jedoch nach dem
Todes seines älteren Bruders nahm ihn der Vater
1736 in sein Geschäft, das in einem schon seit Generationen betriebenen Holzhandel bestand. Nach 4 Jahren, 1740 starb der Vater, Martin Wilhelm SOLTAU, kaum 20jährig, mußte das Geschäft übernehmen.
1744, 11.02. verh. 1. Ehe in Bergedorf mit Engel Margarethe SCHUMACHER;
1755 Schützen-Fähnrich;
1762, 21.03. starb seine 1. Ehefrau Engel Margarethe geb. SCHUMACHER;
1762 Ratmann, Streit mit Ratmann SCHROEDTER;
1763, 18.05. verh. 2. Ehe in Bergedorf mit Catharina Dorothea KELLER;
1766, 29.09. verh. 3. Ehe in Bergedorf mit Anna Margarethe GRÄPEL
1768-1795 Bürgermeister in Bergedorf; legte das Amt wegen Altersschwäche unter Beibehaltung des Titels
nieder;
1801, 31.07. gest. in Bergedorf;1801,04.08. begr. in Bergedorf;

 

Bild: Medaillon-Oelbild auf Elfenbein gemalt von Dankwerts- Hamburg, vor dem Kriege im Besitz von Conrad Gotthard SCHRAMM, Kfm. in  HH-Wandsbek, Verbleib unbekannt. Foto erhalten (I/30); Kopie auf Tasse;

Engel Margaretha Schumacher
Tochter von Friedrich Wilhelm Schumacher, Magister phil. et jur.utr. in Lübeck; Amtsschreiber in Bergedorf  und Metta Dorothea geb. Klessing.
Wappen Schumacher: Drei silberne bourbonische Lilien auf blauem Schilde; (Q.2);

1724, 28.06. get. in Bergedorf; Paten (Q.1): Frau Bgm. Sophia Margaretha Elisabeth SOLTAUEN, Fr. Sara STELLINGS, Wwe. Herrn J. Octavio STELLING,  Bastian REIMERS.
1744, 02.02. Hochzeits-Aufgebot in Bergedorf; (Q.1);
1744, 11.02. verh. in Bergedorf mit Martin Wilhelm SOLTAU; (Q1);
1762, 21.03. gest. in Bergedorf; (Q.1);  28.03. begr. in Bergedorf;

Ihr ältester Sohn, Dietrich Wilhelm SOLTAU schreibt in seinen Lebenserinnerungen über sie:
“Sie war in der That, was von manchen Weibern gesagt wird ein Engel in weiblicher Gestalt, in einem selten hohen Grade, mit den liebenswürdigsten weiblichen Tugenden geziert, eine zärtliche, sanftmütige und aufmerksame Ehefrau, eine treue, sorgfältige Mutter, eine kluge, sparsame Hausfrau, und hülfreich gegen alle ihre dürftigen und notleidenden Nachbarn und Nebenmenschen. Ihre Duldende Sanftmuth, ihre sorgende Zärtlichkeit und nicht selten ihr kluger Rath versüssten ihrem Manne manche bittere Stunde seines Lebens und selten oder niemals unternahm er irgend etwas von Wichtigkeit, ohne es mit ihr zu überlegen.” (Q.3);

Aus dieser Ehe gingen 12 Kinder (4 Söhne und 8 Töchter) hervor. Bei der Geburt des letzten Kindes, eines totgeborenen Knaben, starb sie am 21.3.1762, im Alter von 38 Jahren.; .

Auszug aus Bergedorfer Grundbüchern
VI. Fol 270   Am hohen Stege 4
N.d.K.
883      Am hohen Stege; Garten  m. Geb. 898,7 qm

1 FrKSt           2 Begr.

A 270  Hn. Burgermstr. Martin Wilhelm Soltau Amidams-Fabrique auf der Hude mit dem hinter derselben befindl. Platze, biss am Schleuse Graben, wofür der Eigenthümer am Städtgen Jährlich auf Ostern zu ewigen Tagen 20 Mk Grund Hauz  zu erlegen hat, wie auch den vor der Fabrique liegenden Platz vig. vis.Recess de Ao. 1775, 15.5. u. 12.6.: wie den noch denselben, der Eygner dieser Fabrique zu ewigen Tagen Jährlich an Schoß u. Zulage nicht mehr als 7 Mk 81 zu entrichten hat,  Bergedorf, Anno 1775 Michaelis.

1802, 6.10.  des wohlsel. Herrn Bürgermstr. Martin Wilhelm Soltau Erben dessen auf der Hude beleg. Amidam Fabrique etc. an die Wwe. Frau Bürgm. Anna Margar. Soltau geb. Gräpel

1803, 5.10. Frau Bürgerm. Anna Soltau geb. Gräpel an den H. Rathmann Arnold Friedrich Hoppe
(Hoppe  verh. Anna Maria Wilh. Soltau)

1837, 5.4.  H. Bürgermeister Arnolf Friedrich Hoppe Erben an Joh. Hinrich Röhmer.

Das Bergedorfer Museum (Schloß) hat aus dem Soltauschen Hause, (Sachsentor 28, früher Sparkassen-Gebäude – heute Soltau-Haus, zum Gedenken an Dietrich Wilhelm Soltau) den Gesellschaftsraum als ein Beispiel bürgerlicher Wohnkultur des 18. Jahrhunderts in seine eigenen Räume übernommen. (Wand- u. Deckenstuck). (Fotos ca. 1960)

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 Auszug aus den Aufzeichnungen des Sohnes Dietrich Wilhelm Soltau:

M a r t i n  W i l h e l m  S o l t a u  gebohren den 25 Sept. 1720, war der Jüngste von allen Kindern des sel. Bürgermeisters  D i e t r i c h  S o l t a u .  Im eilften Jahr seines Alters , 1731, ward er von seinem Vater  nach  H a m b u r g  in die Johannisschule gethan, und sollte sich den Studien widmen. Wie aber im Jahr 1736 sein älterer Bruder J o h a n n  C o n r a d  starb, nahm ihn im Anfang des folgenden Jahres sein Vater wieder zu sich, damit er ihm in seinen Geschäften beystände. Allein es waren kaum vier Jahre verfloszen, und er hatte noch nicht sein zwanzigstes Jahr erreicht, wie sein Vater starb und wie die Umstände ihn zwangen, die väterlichen Geschäfte selbst, allein und ohne Beystand zu übernehmen. Diese bestanden in einem nicht unbeträchtlichen Handel mit Bau- und Brennholz, welchen bis dahin der sel. Bürgermeister D i e t r i c h  S o l t a u  fast allein in Händen  gehabt hatte. Jetzt fing aber auch der mit M. W. S o l t a u  verschwägerte  K o p e i s  an, sich mit dem Handel zu beschäftigen, und statt mit seinem Schwager Hand in Hand zu gehen, und diesen Handel mit beyderseitigem Vortheil zu betreiben, welches ihnen ein Leichtes gewesen seyn würde, suchte K o p e i s  seinen Schwager gänzlich aus demselben zu verdrängen,welches ihm zwar nie gelang; wodurch er jedoch diesem (und  zugleich sich selbst) das Leben erschwerte, und den bisher sehr ergiebigen Holzhandel fast gänzlich unter die Füsze brachte.

Im Jahr 1744 den 11 Februar verheirathete sich  M. W.  S o l t a u  mit Jungfer E n g e l  M a r g a r e t a
S c h u m a c h e r, zweyten Tochter des Amtschreibers in Bergedorf, Herrn F r i e dr.  W i l h.
S c h u m a c h e r , und Frauen  M e t t a  D o r o t h e a  S c h u m a c h e r, gebohrenen  K l e s z i n g.  Sie war in der That, was von manchen Weibern gesagt wird ein Engel in weiblicher Gestalt, in einem hohen Grade, mit den liebenswürdigsten weiblichen Tugenden geziert; eine zärtliche, sanftmüthige und aufmerksame Ehefrau, eine treue, sorgfältige Mutter, eine kluge und sparsame Hausfrau, und hülfreich gegen alle ihre dürftigen und nothleidenden Nachbarn und Nebenmenschen. Ihre duldende Sanftmuth, ihre sorgende Zärtlichkeit, und nicht selten ihr kluger Rath,versüszten ihrem Manne manche bittere Stunde seines Lebens; und selten oder niemahls unternahm er irgend  etwas von Wichtigkeit, ohne es mit ihr zu überlegen.

Im Jahr 1752 that ein Freund und Verwandter S o l t a u´s,  sel.  P e t e r  H i n r i c h  J ü r g e n s e n  in Hamburg, ihm den Vorschlag, eine Amidomfabrik in Bergedorf anzulegen, weil diese Waare damahls sehr vorteilhaft in Frankreich zu vertreiben war. Da sich M W  S o l t a u  in dem Holzhandel von seinem Nebenbuhler sehr gedrängt fühlte, so ging er gern in den Vorschlag seines Freundes ein. Die Fabrik ward mit groszen Kosten errichtet, lieferte aber nicht  nur keineswegs den davon gehofften Vorteil, sondern ward vielmehr die meiste Zeit mit Schaden getrieben, und würde ihren Errichter in seinen Umständen sehr zurückgesetzt haben, wenn nicht einige glückliche Unternehmungen, z.B. der Deichbau in Billwärder im Jahr 1756 und bald darauf die Ausbeszerung  des Ausschläger Steinweges, in späteren Jahren aber seine Erhebung in den Rathsstand, seinen Vermögens-Umständen wieder aufgeholfen hätten. Um jedoch seinen Mitbürgern zum Theil Brot und Arbeit zu geben, setzte er die Fabrik so lange fort, als es ohne erhebliche Einbusze geschehen konnte, bis er sie endlich doch muszte eingehen laszen.

Nach einer achtzehnjährigen gesegneten und glücklichen Ehe ward ihm seine theure Gattin  E n g e l
M a r g a r e t a  den 21 März 1762 in ihrem zwölften Wochenbette durch den Tod entriszen. Sieben unmündige Kinder beweinten mit ihm den Verlust einer musterhaften Gattin und Mutter. Folgende Worte hat er selbst zu ihrem Andenken in seinen Familienschriften niedergeschrieben:

„Ein todgebohrenes Söhnlein ward 1762 den 21 März zwar mit groszer Angst und Mühe zur Welt gebracht, verursachte aber auch, leider ! zu meiner gröszesten Bekümmernisz , Abends um 12 Uhr das Ableben meiner t u g e n d h a f t e n  E h e g a t t i n ,  d e r  g r o s z e n  F r a u ,  E n g e l  M a r g a r e t a  S o l t a u, gebohrnen  S c h u m a c h e r. Mein Leben und das Leben meiner Kinder  bilde sich nach dem Leben dieser in Gott seligen Frau, und unser Ende sey wie da Ihrige. Gott belohne ihr aus Gnaden alle an mir und ihren Kindern bewiesene Liebe und Treue, und führe endlich uns zu Ihr in die himmlisch und unaussprechliche Herrlichkeit, wo unsere Gemeinschaft  ewig glückselig und ungetrennt seyn wird! A m e n.“

In dem selben Jahr 1762 ward  M. W. S ol  t a u  zum Rathmann in Bergedorf erwählt.

Im folgenden Jahr 1763 den 18 May  verheirathete sich  M. W. S o l t a u  zum zweyten Mahl mit Jungfer  C a t h a r i n a  D o r o t h e a  K e l l e r, ältesten  Tochter des Herrn  A n d r e a s  K e l l e r,  Predigers in Bergedorf, welche aber noch in demselben Jahre den 7 December an den Kinderblattern starb, und ihn abermahls in den Witwerstand versetzte.

Den 25 September 1766 trat er zum dritten Mahl in den Stand der Ehe mit Jungfer A n n a  M a r g a r e t a  G r ä p e l, zweyten Tochter des damahls bereits verstorbenen Bürgermeisters , Herrn  C a r s t e n  G r ä p e l  in Bergedorf, mit welcher er bis an sein Ende eine höchst zufriedene und glückliche Ehe geführt hat.

Im Jahr 1768 ward  M. W.  S o l t a u  zum Bürgermeister in Bergedorf ernannt, und bekleidete dieses Amt bis 1795, da er es wegen Schwäche des Alters, mit Beybehaltung des Titels niederlegte.

M a r t i n  W i l h e l m  S o l  t a u  war von mittlerer Grösze, und vollkommen wohl gebaut. Seine Gesichtszüge waren ausdrucksvoll und einnehmend. Ernst und Freundlichkeit wechselten in dem lebhaften Blick seiner braunen Augen. Sein Haar und seine frische Gesichtsfarbe waren bräunlich, und sein ganzes Äuszerliches war männlich schön, und sein Anstand edel. Seine Geistegaben waren seinem Körperbau angemeszen. Er war ein verständiger, thätiger, überaus ordentlicher, und in einem hohen Grade wohlwollender Mann. Sei feuriges Temperament ward durch Ernst gemildert. Mit wenigen Mitteln that er sehr viel für die Seinigen, und erfüllte mit gleicher Treue und Klugheit die Pflichten seines Amts und die Pflichten eines rechtschaffenen Hausvaters. Sein Lebenslauf war mühsam, oft kummervoll, seltenfreudenleer. Im Genusz des Guten war er äuszerst mäszig. Standhaft ertrug er die Mühseligkeiten und Widerwärtigkeiten, mit welchen er vielfältig zu kämpfen hatte.
V i r t u s   s i n e   a d v e r s a r i o m a r c e t.
Diesen Wahlspruch hatte er sich auserkoren, und er verlohr ihn nie aus den Augen. Mittenunter Verdrieszlichkeiten und unangenehmen Empfindungen blieb ihm stets die feinste Empfänglichkeit für jede häusliche Freude, und diese blieb dann von ihm nie unempfunden und ungenoszen.

Körperliche Leiden, welche ihm theils die Abnahme seiner Kräfte, theils ein fast beständig anhaltender Badenschmerz  und ein optimer Beinschaden verursachten, verkümmerten ihm die letzten zehn Jahre seines Lebens, wiewohl ihn seine Heiterkeit dabey nie ganz verliesz. Die liebreiche Pflege seiner treuen und musterhaften Ehegattinn gereichte ihm zum kräftigen Trost und zur groszen Lindrung in seinem Greisenalter. Sie litt sehr vieles mit ihm, und für ihn, damit er weniger leiden möchte.

Er endigte seine thätige und redlich durchwandelte Laufbahn, den 30 Jul. 1801. Möge sein Segen auf allen seinen Kindern und auf ihren Nachkommen hier und jenseits des Grabes ruhen !

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Q: 1. AL Ad. Becker;
2. Aufzeichnungen Ad. Becker;
3. Dietrich Wilhelm Soltau: Nachrichten von der Familie Soltau in Bergedorf;
.   Dietr-Wilh_Soltau-Teil 1 - Seite 1 – 22;      Dietr-Wilh_Soltau-Teil 2 - Seite 23 – 46 + Zusatz 1 – 6.
4. G.Hamel, Verbindungen zw. d. Fam. Schumacher u. Schewe, ZfNF, 59.Jg. 1984,S.20;
5. DGB 21,S.419;
6. Staatsarchiv Hbg., Nachk. F.W.Schumacher, Sch 15.319/37;
7. H.Riechert;
8. Biel;
9. Dr.H.Genaust, Email 11.12.2015