92. Barthold Suermondt

Suermondt 

7. Generation

Barthold Suermondt

Barthold Suermondt

92.   Suermondt, Barthold
Sohn von Yman Dirk Christiaan Suermondt, Münzdirektor in Utrecht, und Elisabeth Twiss.
Kaufmann, Bankier und Industrieller in Aachen;
1842 – 1846 Administrateur (einer der 5 Direktoren),  1848 – 1882 Commissaire,  1882 – 1887 Administrateur der S.A.JOHN COCKERILL in Seraing; Mitbegründer und 1870-1887 Aufsichtsratsmitglied, 1870-78 Vorsitzender des AR der RHEINISCHEN STAHLWERKE AG. in Meiderich/Ruhrort. Kunstsammler, Stifter des Suermondt-Museums in Aachen, Ehrenbürger der Stadt Aachen.  Sein Wirken ..
geb. Utrecht/Holland, 18.05.1818 (S.188)(Rotterdamsche courant 21-05-1818)

 

Geburtsurkunde Barthold Suermondt – Utrecht 1818- NL-UtHUA_A126468 (1).pdf

 

Geburtsanzeige Barthold Suermondt-1818

Geburtsanzeige Barthold Suermondt-1818

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gest.  Aachen,  01.03.1887
begr.  Aachen,  05.03.1887 (Familiengruft Suermondt a.d. protestant. Friedhof am Vaalser Steinweg)

Amalie geb. Cockerill

Amalie geb. Cockerill

verh.  I. Ehe  Aachen, 02.08.1838  (Unierte Evangelische Kirche, Film Page 78.012) mit:
93.   CockerillAmalie Elise
Tochter von Charles James Cockerill Industrieller, bis 1823 beteiligt in Seraing, dann in Aachen, und Caroline Elisabeth Pastor.
geb. Aachen,  26.10.1815 (Aachen Stadt, Vial, Film  Page 78.012)
get. Aachen-Burtscheid,   13.11.1815
gest. Aachen, 28.01.1859
begr. Aachen-Burtscheid, zunächst im Erbbegräbnis der Familie Pastor. Nach Fertigstellung   der Familiengruft Suermondt auf dem protestantischen Friedhof am Vaalser Steinweg, dorthin transferiert.

Nancy, geb. Haniel

Nancy, geb. Haniel

verh.  II. Ehe in Aachen (Unierte evang. Kirche ), 08.04.1861  mit: (18.03.1861 ?)
Haniel, Nancy Friederike
Tochter von Maximilian (Max) Ferdinand Haniel und Nancy Friederike Cockerill. (Familie Haniel)
geb.  Ruhrort,  08.04.1843;    gest.  Aachen,  28.02.1896         begr.  Aachen,  (Familiengruft Suermondt a.d. protestant. Friedhof am Vaalser Steinweg)

6 Kinder aus 1. Ehe, 2 Kinder aus 2. Ehe:

Kinder aus der Ehe Barthold Suermondt und
Amalie Cockerill  :

92.1.    SuermondtAlfred Charles Robert 
preuß. Major zur Disposition, Deutzer Kürassier, Herrenreiter
geb. Aachen  31.07.1839,
get.  Aachen 12.09.1839 Unierte Evangelische Lutherische Kirche,
gest. Brühl  25.12.1892
verh. Bad Godesberg 06.10.1871
Rautenstrauch, Emma Emilie  
(Tochter v. Ludwig Theodor Rautenstrauch, Kommerzienrat, und  Fanny geb. Kreglinger)
geb. Godesberg  13.8.1848,
gest. Köln  20.12.1910
ohne Nachkommen

92.2.     SuermondtWilliam Charles James  
=  46.    1865-1870Direktor der “Charbonnage des frères Suermondt”  in Wandre / Belgien,
1870 – 1878 Mitglied des Aufsichtsrates ( Verwaltungsrat), der Rheinischen Stahlwerke in Meiderich. Leitet zusammen mit Georges Pastor  das Werk. Beide Familien wohnten im „Schloß Stahlau“
ab 1878 Direktor der Steinsalzwerke  in Inowrazlaw / Hohensalza, Prov. Posen.  Gründete 1879 in Montwy bei Inowrazlaw die Sodafabrik , ab 1890/91 in Breslau
geb. Aachen  02.09.1840,
get. Aachen
gest. Potsdam  17.12.1930
verh. Wuppertal – Barmen 09.02.1865
Aachen 29.01.1865 (Unierte Evangelische Lutherische Kirche, Aachen)  mit:
Riema, Emilie
Tochter v. Gerhard Wilhelm Riema, Kaufmann in Barmen, und Sophie geb. Hürter
geb. Wuppertal – Barmen  25.7.1845,
gest. Potsdam  30.06.1927
6 Kinder

92.3.      Suermondt Robert Friedrich
Industrieller und Bankier in Aachen
geb. Aachen  24.11.1844,
get. Aachen 02.01.1845 (Unierte Evangelische Lutherische Kirche, Aachen als Frederic Robert)
gest. Aachen  25.05.1919
begr. Aachen, Grabstätte Suermondt
verh. Warschau  26.04.1879 / Aachen 03.04.1879 (Unierte Evangelische Lutherische Kirche, Aachen)
Rau, Fanny Maria  Tochter v. Wilhelm Rau, Fabrikant in Warschau, und Sophie geb. Vetter
geb. Warschau  09.10.1856,
gest.  Bad Nauheim  27.06.1930
begr. Aachen, Grabstätte Suermondt
1 Sohn

92.4.      Suermondt Henry Heinrich John
preuß. Rittmeister, Bonner Husar, Herrenreiter;
Besitzer des Gestütes “Herfs Erb” in Aachen. Henry unterhielt einen unter Leitung von Rudolf Then-Berg stehenden Hindernisstall im westfälischen Werne.
Bankier in Berlin, erwarb um 1890 das Rittergut Hohenschönhausen (Berlin) und gründeten 1893 die “Grunderwerbs- und Bau-Gesellschaft zu Berlin”, der  er bis 1898 vorstand und die die Parzellierung vornahm. Nach Henry wurde in Berlin-Hohenschönhausen die Suermondt-Strasse benannt.
1870 – 1876 Mitglied des Aufsichtsrates ( Verwaltungsrat),
1876 – 1877 Mitglied des Vorstandes der Rheinischen Stahlwerke in Meiderich.
geb. Aachen  03.09.1846
get. Aachen, 03.03.1847 (Unierte Evangelische Lutherische Kirche, Aachen als Heinrich John)
gest. Berlin  03.07.1930
begr. Aachen, Grabstätte Suermondt
unverheiratet, keine Nachkommen

92.5.       SuermondtOtto Yman Emil
geb. Aachen  09.01.1849,
get. Aachen 28.03.1849 (Unierte Evangelische Lutherische Kirche, Aachen).
gest. Rom  09.04.1864,
begr. Rom, Protestantischer Friedhof

92.6.        Suermondt Oscar 
preuß. Rittmeister, Deutzer Kürassier, Herrenreiter
geb. Aachen  09.01.1849
get. Aachen 28.03.1849 (Unierte Evangelische Lutherische Kirche, Aachen)
gest. Berlin  03.06.1922
verh. Wiesbaden  01.02.1882 mit:
van Hoey-Smith van Engelen, Marie
Tochter v. Jan Pieter van Hoey-Smith, Herr van Engelen, Reeder in Rotterdam, und
Jacoba Johanna, gen. Jacqueline geb. Twiss)
geb. Rotterdam  26.08.1863
gest.  Berlin  18.04.1888
2 Töchter

Kinder aus der Ehe Barthold Suermondt und Nancy Haniel:

92.7.      Suermondt Elsie Amalie Nancy
geb. Aachen  30.01.1862
gest. Dresden  14.10.1945
unverheiratet, keine Nachkommen

92.8.        Suermondt Otto Yman
Rittmeister im hessischen Dragonerregiment Nr. 24, bester deutscher Herrenreiter aller Zeiten.
geb. Aachen  20.08.1864
get. Aachen, 08.12.1864 (Unierte Evang. Luth. Kirche, Aachen als Otto Yman)
gest. Berlin  25.01.1941
begr. Aachen, Grabstätte Suermondt
unverheiratet    – eine uneheliche Tochter

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Adalbertstraße - Wohnhaus Suermondt
Adalbertstraße – Wohnhaus Suermondt

 Adalbertstraße - Wohnhaus Suermondt

Adalbertstraße - Wohnhaus Suermondt

Adalbertstraße – Wohnhaus Suermondt

Haus Adalbertstr. um 1900

 

 

 

Haus Adalbertstr. um 1900

 

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Der Versuch eines „Lebensbildes“ von Barthold Suermondt.  (Anm.1)

Barthold Suermondt wurde am 18. Mai 1818 zu Utrecht geboren. Sein Vater war Direktor der holländischen Münze in Utrecht, seine Mutter, Elisabeth geb. Twiss, war Engländerin. „In Holland herrschte durch die französische Königsperiode und die danach eingetretene Vereinigung mit Belgien die französische Sprache mehr denn je. So wuchs der Knabe in reichem Hause vielsprachig und in dieser Beziehung international, wie später sein Wirken wurde, auf. Mit 16 Jahren ging er nach Berlin auf die Bauakademie. Er erzählte, daß er dort Mitglied einer Gesellschaft junger Leute zur Uebung der Conversation in neueren Sprachen – ihm wie die Muttersprache geläufig – gewesen sei. Auch unser Reichskanzler(Bismarck) gehörte derselben an oder hat sie doch mehrfach besucht.“ (Anm.2)

„Mit 18 Jahren trat Barthold Suermondt in das weltberühmte, damals in seiner Art einzige Etablissement zu Seraing ein. Bis zur Losreißung Belgiens (1830) von Holland war der reiche König Wilhelm I. Compagnon der Cockerills gewesen. Sein Austritt und die Erschütterungen durch die Revolutionsjahre waren jetzt in Seraing überwunden; der geniale John Cockerill war der Alleinbesitzer geworden und brachte das gewaltige Unternehmen auf die Höhe seines Rufes, während von seinen mehr als 60 anderen großen Gründungen in verschiedenen Ländern Europas und selbst in Amerika noch sonstige Maschinenbauwerkstätten, Hütten- und Bergwerke, Spinnereien, Tuch-, Glas-, Papierfabriken usw. seiner Leitung unterstanden“.

Der Vater von Barthold, Yman Dirk Christiaan Suermondt, war mit grossem finanziellen Engagement persönlich bei den Cockerillschen Werken beteiligt. In der Familie kursierte die Summe von 1 Million holl. Gulden an Beteiligungskapital. Hierzu schreibt Herbert Suermondt, Enkel von Barthold 1963:  (Anm.3)

„Ich erfuhr nur gelegentlich von Tante Elsie, daß ihr Vater Barthold ihr erzählt hätte, der Münzdirektor Yman Sdt. hätte ihn (seinen ältesten Sohn Barthold) in jugendlichem Alter bei Cockerill untergebracht, angeblich als Privatsekretär von John Cockerill. Aus irgendwelchem Anlaß hätte Yman seinem Sohn Vorhaltungen gemacht, ihn über Vorgänge bei Cockerill nicht genügend orientiert zu haben, worauf er doch Anspruch hätte, da er persönlich mit 1 Million holl. Gulden dort interessiert sei. …“

Vermutlich hatte Yman Suermondt seinen ältesten Sohn Barthold schon in jungen Jahren zu Besuchen nach Seraing mitgenommen. Spätestens aber im April des Jahres 1834 werden Barthold Suermondt und John Cockerill in Berlin zusammen getroffen sein. Barthold als 16jähriger Student der Kunstgeschichte, John Cockerill beim Besuch seiner „Maschinenbau-Anstalt und Wollen-Manufactur“, die er in der Neuen Friedrichstrasse zusammen mit seinem Bruder Charles James betrieb.

In dieser Zeit, am 6. April 1834, errichtete John Cockerill in Berlin sein Testament. Neben vielen verschiedenen Legaten setzt er als Haupterben seines Vermögens die Söhne von Yman D.C. Suermondt ein. Wörtlich heisst es im Testament:

” I bequeath the factory of Charles James and John Cockerill situated at Liege, between the rue de l’Etuve,  the rue de Plate Pierre and the rue de la Regence with the buildings of the inhabited houses and of the  factory, ground and appendages, machinery and utensils of every kind, material such as steel, iron, copper, wood, leather and generally all which is employed in the manufacture of carding machines and  cards, machines finished as well as unfinished, the finish and unfinished cards and generally all which  belong to the said factory on my death. The foundry of Tilleur with appendages, ground residential house, garden and machinery, tools and all which will belong to the said foundry. The active debts of every kind  which are due to Charles James & John Cockerill free of all debts or burden of any kind whatever. The deposits lying either in Russia, Poland, Prussia, France, Spain, ltaly or elsewhere owned by the firm Charles James & John Cockerill at Liege and generally all that concerns that firm to the sons of Monsieur Yman Dirck Christian Suermondt  who will take possession of same and who will undertake to continue the said firm under the same name of Charles James & John Cockerill by themselves as weIl as by their heirs and also not to seIl or rent the said business before 20 years after my death, leaving to them however the option to transfer the said business elsewhere and even abroad. The whole with the burden to pay to  the whole of my succession the sum of four hundred thousand frs. and to continue the pensions which will  be paid by the said firm at the date of my death provided that their amount would not be over four thousand frs. yearly. Will be expected from the said firm the furniture, silver, linen, carriages, horses and  harnesses de luxe.”

” The Sons of Mr. Y. D. C. Suermondt will be bound to declare at least two months after my death if they do not accept those legacies and in case they should be under age their father or guardian will act on their behalf.”

Warum John Cockerill gerade die Söhne Suermondts zu seinen Haupterben machte, ist unklar. Vielleicht hängt es auch mit der grossen finanziellen Beteiligung zusammen. John Cockerill galt allgemein als ein sehr guter Menschenkenner, der die Gabe hatte, tüchtige junge Mitarbeiter in die richtigen Positionen in seinen Werken einzusetzen. Hatte John Cockerill, der keine (ehelichen) Kinder  (Anm.4) hatte, zusammen mit seinem Bruder Charles James und Vater Suermondt schon die Ehen der Töchter von Charles James mit den Brüdern Barthold und  Charles (Carl) Suermondt vereinbart, um das gemeinsame Vermögen zu sichern?

In einem Alter, wo andere zu studieren beginnen, wurde Barthold Suermondt 1836 der Sekretär und damit der Stabschef John Cockerills; dann auch 1838 der Schwiegersohn von Johns Bruder James Cockerill in Aachen, der bereits im Jahre 1837 verstorben war.

In solcher Stellung machte Suermondt dann auch die schwierigen Zeiten durch, die sich nach dem großartigen Aufschwunge an die Zahlungseinstellung der belgischen Bank im Jahre 1839 knüpften. John Cockerill starb 1840 in Warschau, auf der Rückreise von Rußland, wo er neue Anlagen plante.

Auch Barthold Suermondt ist wohl an den Folgen der Überanstrengung auf einer zu gleichem Zwecke unternommenen russischen Reise gestorben. Ob Barthold, immerhin der Privatsekretär von John Cockerill, mit ihm 1840 in Russland war und dessen Tod 1840 in Warschau miterlebt hat, ist nicht überliefert.

Die Monate und Jahre nach dem Tode von John Cockerill waren für die Werke außerordentlich schwierig. Durch den Verkauf aller Beteiligungen ausser Seraing / Lüttich, den Verzicht der Haupterben auf grosse Teile des Erbes und grosse finanzielle Einschnitte gelang es, einen Konkurs abzuwenden und die Firma unter dem neuen Namen S.A. John Cockerill weiterzuführen. Mit 24 Jahren übernahm Suermondt zusammen mit Conrad Gustav Pastor die Leitung des nun in eine Aktiengesellschaft umgewandelten Seraing.

Barthold Suermondt war nach dem Tode von John Cockerill offenbar derjenige, der für die Erbangelegenheiten zuständig war. Georg Preston, der Geschäftsführer von Charles James Cockerill in Aachen, nach dessen Tod auch der Bevollmächtigte für die minderjährigen Kinder Cockerill, schreibt in einem undatierten Brief  (Anm.5) an Max Haniel in Ruhrort : „ Die Vollmacht, die Sie und Ihre Frau Gemahlin Herrn Charles, Herrn Barthold und mir gegeben haben, nützt nichts und wird auch künftig nichts nützen. Alle Kinder des verblichenen Herrn Ch. James Cockerill sind zur Zeit nicht Erben von Herrn John Cockerill – Diese Vollmacht befindet sich in den Händen von Herrn Suermondt, Ihrem Schwager.“

Von 1842 – 1846 war Barthold Administrateur (Vorstandsmitglied),  1848 – 1882 Commissaire (Aufsichtsrat ?) und von 1882 – 1887 wieder Administrateur (Mitglied des Vorstandes/ Verwaltungs-rats, an anderer Stelle wird berichtet, er sei Präsident des Verwaltungsrates gewesen) der S.A.JOHN COCKERILL in Seraing.


Am 02. August 1838 heirateten Barthold Suermondt und Amalie Elise Cockerill in Aachen. Ihr Vater Charles James Cockerill war bereits am 08.05.1837 in Aachen, die Mutter Caroline Elisabeth geb. Pastor schon ein Jahr vorher, am 10.03.1836 in Aachen verstorben. Die Hochzeit fand in einem offenbar grossen Familienkreis statt. Die Heiratsurkunde zeigt als Zeugen:

 

Heiratsurkunde Barthold Suermondt - Amalie El. Cockerill

Heiratsurkunde Barthold Suermondt – Amalie El. Cockerill

 

Y.D.C. Suermondt, Bartholds Vater,
John Cockerill, Lüttich, Onkel der Braut
William Cockerill, Guben, Onkel der Braut
Heinrich Gotthard Pastor, Aachen, Onkel der Braut
Johann Heinrich Christian von Maassen, Regierungsrat zu Arnsberg (Schwager von William Cockerill)
Witwe P. H. Pastor, geb. Platte, die Großmutter der Braut

 

Amalie geb. Cockerill – Rom 1858 -Zeichnung L.Knaus


Am 28.01.1859 starb Amalie Elise Suermondt geb. Cockerill zu Aachen im Alter von 43 Jahren.

„Großmama Amalie war hoch musikalisch, spielte an ihrem Flügel, spielte die Harfe, sang oft in Concerten in Aachen. Papa sagte mir, sie hätte ihr Leiden sich zugezogen, zu früh nach der Geburt der Zwillinge immer ausgeritten. Knaus malte sie kurz vor ihrem Tod in Rom im Morgenkleid.“ (Anm.6)

Sechs Söhne entstammen dieser Ehe.

Im Jahre 1857, Ende Mai, war Franz Liszt zu einem Musikfest in Aachen und wohnte im Hause Suermondt. In einem Brief in französischer Sprache vom 23.Mai 1857 an eine Freundin schreibt er
(in freier Übersetzung): (Anm. 7)

„… Seit meiner Abreise fließen meine Tage ab ins Leere – und Sie wissen, daß die Äußerlichkeiten mich nur an der Oberfläche berühren . Nun, ich habe nicht einmal Notenpapier mitgenommen, da ich im Voraus wußte, daß ich keine Zeit haben würde zum Schreiben.

Mein Gesundheitszustand ist ganz gut. Man findet, daß ich nicht schlecht aussehe und ich verspreche Ihnen, daß ich mich schone. Herr Suermondt, bei dem ich wohne, hat für mich alle Manieren herzlichsten Wohlwollens. Seine Frau ist eine der Cockerillschen Töchter. Es gibt einen Sohn von 16 Jahren und 5 andere Kinder, die ich noch nicht gesprochen habe und die sich wahrscheinlich in ihrem Landhaus aufhalten. Suermondt, der sich nur als Liebhaber betätigt, hat einen sehr ausgeprägten Schönheitssinn für Bilder und besitzt eine wunderschöne Madonna von Murillo, schöne Porträts von Velasquez, Rubens etc. In 3 Tagen erwarte ich die Milde und die Pohl, die ebenfalls in dem Hause wohnen werden, und denen ich natürlich die elegantesten Zimmer überlasse.

Alle Vorbereitungen für das Musikfest sind ausgezeichnet und die Stimmung einer großen Mehrheit des Comités, was mich betrifft, ebenfalls. Ich rechne mit einem guten Ausgang. Der Konzertsaal, von Schinkel erbaut, ist vollkommen, akustisch und vom Aussehen her. Er hat den einzigen Fehler, für die Gelegenheit etwas klein zu sein – aber das ist kein schlimmer Fehler; denn es gibt weniger Unannehmlichkeiten, Eintrittskarten zu verweigern, als davon den Rest zurückzubehalten. Tatsächlich hat man mir an Fremden, die Logen reserviert haben, genannt: James Rothschild und die Gräfin von Outremont (Witwe des Großvaters unserer Gnd. Herzogin).-   Anbei das vorläufige Programm. Wenn dies Sie interessiert, werde ich Ihnen von Bamberg den kleinen Textband schicken mit den Programmen, die erst in einigen Tagen veröffentlicht werden.  …“

Zum Tode von Amalie Elise Suermondt geb. Cockerill erschien am 31.Januar 1859 in der Aachener Zeitung ein Gedicht im Stile der Zeit:  (Anm. 8)

Andenken an die dahingeschiedene  Amalia Suermondt geb. Cockerill

Dumpf und ernst die Glocken hallen,
Welt verkündend Gram und Schmerz,
Tausende zum Friedhof wallen,
Leid erfüllt ist jedes HerzAch ! die Mutter musst erblassen,
Die der Kinder zart gepflegt,
Weinend seh´n sie und verlassen,
Wie zu Grabe man sie trägt.Ach ! die  Gattin schied vom Leben,
Die so treu, so mild und sanft,
Förderte des Gatten Streben,
Hin bis zu des Grabes Ranft.Eine Freundin ist geschieden,
Voll Gefühle rein und warm,
Die mit Innigkeit hienieden
Teilte Freundes Lust und Harm.
Eine Förderin der Armen,
Ging sie ein in Gottes Reich,
Und ihr Herz reich an Erbarmen,
Decket leicht die Erde zu.Mit ihr ist die Kunst gefallen,
Eine Stütze fest und gut,
Ihren Jüngern hat sie allen
Angefacht des Strebens Mut.So ging sie, ein Bild der Frauen,
Liebreich durch das Leben hin,
Und so schied voll Gottvertrauen
Sanften Schlummers sie dahin.Sie ist wert des Strom der Zähren,
Der den Augen reich entquillt,
Laßt den Tränen uns nicht wehren,
Bis die Zeit den Kummer heilt.Ihr ist wohl in jenen Sphären
Wo der Herr die Tugend lohnt,
Wo entschwunden Gram und Zähren,
Wo ein lieber Vater wohnt.

 

Im Jahre 1861 heiratete Barthold Suermondt in zweiter Ehe seine Nichte, Nancy Friederike  HANIEL, Tochter von Maximilian (Max) Ferdinand Haniel und Nancy Friederike geb. Cockerill, (Schwester von Bartholds erster Frau); geb.  Ruhrort,  08.04.1843, gest.  Aachen,  28.02.1896.
Diese Ehe fand offenbar nicht die Zustimmung  vom Vater Max Haniel.

‘“Barthold Suermondt war 43 Jahre, als er die 18jährige Nancy Haniel heiratete. In den Aufzeichnungen der 1951 im Alter von 92 Jahren verstorbenen Emmy Haniel heisst es darüber: “Der alte Max und seine Frau Friederike geb. Cockerill hatten eine Tochter Nancy. Als diese in Paris in Pension war, sollte sie von einem Freund ihres Vaters – Suermondt – abgeholt werden. Er entführte sie jedoch. Max wollte nicht, dass seine Tochter den viel älteren Suermondt heiratet. Es war eine große Liebesgeschichte. Aber sie heirateten doch, was der alte Max seiner Tochter nie verziehen hat. … Noch auf dem Totenbett wollte Max seine Tochter nicht sehen. Als sie bat, zu ihm gelassen zu werden, liess er mit einem kategorischen ‘Nein’ antworten.” (Anm. 9)

 

Zwei Kinder, die Tochter Elsie, geboren 1862 und Otto, der später weltbekannte und beste Herrenreiter (Rennreiter) aller Zeiten, geboren 1864, entstammen dieser Ehe.

Alle Kinder von Barthold und Amalie sind in Aachen geboren worden.  Daraus ist zu schliessen, dass Frau und Kinder in Aachen verblieben, Barthold aber 1838 – 1847 in Lüttich / Seraing seiner Arbeit nachging. Barthold hatte das Haus in Aachen in der Adalbertstrasse No.653.L.A. (später Nr. 55) schon vor 1840 erbaut (durch Andreas Hansen, mit dem er später eine Baugesellschaft betrieb), zumindest der zweite Sohn William ist dort am 2.9.1840 geboren.

 

Von dem Haus sind einige Bilder erhalten. In dem stattlichen Anwesen in der Adalbertstrasse „ließ er in seiner Wohnung einen Oberlichtsaal bauen, in welchem die Aufstellung der Gemälde so günstig und Verständnisvoll bewirkt wurde, daß sie für manchen Nachfolger als Muster gedient hat.“ (Anm. 10)  In den Jahren 1873/1874 beabsichtigte Barthold Suermondt, nach Brüssel überzusiedeln.

Woltmann schreibt 1874 dazu: (Anm. 11)  “Bis vor kurzem, bis zur Auswanderung von Aachen nach Brüssel, stand die Sammlung des Herrn Barthold Suermondt als die erste Privatgalerie im deutschen Reiche da. Im Frühling 1873 ward eine große Anzahl von Gemälden nach Brüssel gesendet, um während einiger Monate den wichtigsten Bestandteil einer Gemälde-Ausstellung zu bilden, welche die Niederländische Wohltätigkeitsgesellschaft veranstaltet hatte. Das große Interesse, welches diese Kunstwerke erregten, rief eine neue Ausstellung der Niederländischen Gesellschaft hervor, die beinahe die ganze Suermondt´sche Sammlung, und nur diese, umfaßte  und Ende December eröffnet ward. Die Bilder werden nicht mehr nach Deutschland zurückkehren. Herr Suermondt hat ein schönes, von Cluysenaer gebautes Haus in der  rue des arts zu Brüssel erworben, in dessen Garten ein besonderes Galeriegebäude errichtet werden soll, und wird hier von nun an seine Wohnung aufschlagen.“

Die dann folgenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten veranlassten ihn, verschiedene Verhandlungen wegen des Verkaufes seiner Sammlung einzuleiten.

In seinem Brief an Dr. J. Meyer, Direktor der Gemäldegalerie in Berlin vom 1.April 1874, die Ausstellung seiner Sammlung in Brüssel näherte sich dem Ende, schrieb Barthold Suermondt u.a.:

„ .. Seitdem bin ich zur Erkenntniß gekommen, welche Schwierigkeiten es hat für eine so große Sammlung einen passenden Ausstellungsraum zu beschaffen.
Meine Sammlungen füllen vollständig drei große Oberlichträume aus mit zusammen mehr als 150 laufende Meter Wandlänge nach Abrechnung der Thüren.
Das von mir in Brüssel angekaufte Haus hat gar keine passende Räumlichkeit zur Aufstellung von Bildern, und der im Garten disponible Raum reicht kaum hin, um ein für meine Bedürfnisse entsprechendes Gebäude zu fassen. …
…und Ihnen Gelegenheit geboten werde, die Sammlung aufgestellt zu sehen, bevor sie auf unbestimmte Zeit aufgespeichert werde bis die eventuell neu herzustellenden Räume zu ihrer Aufnahme fertig werden. …“ (Anm. 12)

Die Übersiedlung nach Brüssel erfolgte jedoch nicht. Barthold Suermondt blieb bis an sein Lebensende in Aachen wohnen. Was ihn bewogen hatte, Aachen den Rücken zu kehren, ist nicht klar.

 

Im Jahre 1866 erwarb Barthold Suermondt das Waldgut Heidgen. Anstelle des alten Gutshauses baute Suermondt ein “Schlößchen” als Sommersitz und legte in den Jahren 1870/71 den Park neu an mit vergrößertem Umfang von 13 ha, in Waldpartien übergehend. (Anm.13) Er lebte mit seiner Familie im Sommer zunächst auf dem Heidgen, im Winter in der Adalbertstrasse, später ständig auf dem Heidgen. (Anm. 14)

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Heidgen – Aachen

 

“Burghaus Heidgen”

 

Innenansicht des Heidgen

vor 1905

“Waldgut Haidchen”

 

 

 

 

 

Das Haus Heidgen wurde in den letzten Kriegstagen 1945 mit unendlichen Kunstschätzen zerstört. Steinplatten mit den Wappen Suermondt und Haniel und den Jahreszahlen  1870 / 1871 überlebten die Zerstörung und sind am heutigen Haus angebracht

 

Schon vor dem Erwerb des Heidgen besassen die Suermondts das Gut „Der Stegh“.
Ein Gut mit diesem Namen konnte in Aachen bisher nicht lokalisiert werden. Jedoch gibt es in Übach-Palenberg, ca.20 km nördlich von Aachen, einen Ortsteil „Stegh“. Könnte hier das Gut gelegen haben? Der Ort wird von dem Fluß Wurm durchflossen, und in dieser Gegend liegen auch die Bergwerke der Vereinigungsgesellschaft, deren Präsident Barthold Suermondt war..


Anmerkungen:

1-   H.Lepper beklagt zurecht in seiner Arbeit über den „Kunsttransfer aus den Rheinprovinzen in die Reichshauptstadt“, Aachener Kunstblätter Nr. 56/57, 1988/89, S.183-342, Anm.6, daß kein   „wissenschaftlichen Ansprüchen genügendes Lebensbild von Barthold Suermondt existiert“. Er verweist u.a. auf Macco 1905 und Sträter 1887. Dieser Versuch genügt ganz sicher nicht „wissenschaftlichen Ansprüchen“, soll jedoch einmal alles zusammenführen, was sich im Verlauf von Jahrzehnten bei mir angesammelt hat. Ergänzungen und Berichtigungen sind sehr willkommen.

2-   C. Lemcke, Stuttgart. Beilage zur Allgemeinen Zeitung, 1887. Nr. 90, München, Donnerstag, 31. März. Druck und Verlag der J.G.Cotta’schen Buchhandlung in Stuttgart und München.

3-   Brief Herbert Suermondt, Aachen, an Egbert Suermondt, Burg Drove, 12.04.1963

4-   Noch nicht nachgewiesen, jedoch als sehr wahrscheinlich gilt Marie Elisabeth Cockerill als uneheliche Tochter von John Cockerill. Hierzu die Forschungen von + Margarita Hannen.

5-   Schreiben von George Preston, Aachen, an Max Haniel, undatiert (nach dem 19.Juni.1840), Original Französisch, Übersetzung. Haniel Archiv, 97.48/1

6-   Aufzeichnungen von Lili Claassen-Suermondt. – Nur eine Kopie der Skizze von Knaus liegt vor.

7-    „Franz Liszt´s Briefe an eine Freundin“. Herausgegeben von La Mara, Leipzig, Breitkopf & Härtel, 1894.

8-   „Abgeschrieben von der Aachener Zeitung vom 31. Januar 1859 am 2.October 1939 von Amélie Lili Claassen – Suermondt, Enkelin“ ; handschriftl. Abschrift.

9-   Schreiben von Theobald Liebrecht, Ingelheim, 13.04.1966, an Egbert Suermondt, Drove. – gleichlautend in “Notizen zur Geschichte der Familie Haniel“ Klaus Haniel, Ruhrort 16.7.1966; Erbstamm Max Haniel, S.8, maschinenschriftl. – Haniel-Archiv, Ruhrort Nr.91.617.

10- Nekrolog Dr. Straeter 1887, Kunstchronik 1887 p. 441 – 443

11-  Alfred Woltmann: Die Galerie Suermondt; Zeitschrift für bildende Kunst, Bd. IX, S.193 ff., 1874.

12- H.Lepper, Aachener Kunstblätter, Bd. 56/57, 1988/89, S.218

13- Koppen, Bodo von, Alt-Aachener Gärten. Ein Streifzug durch die Hausgärten und privaten Parks einer alten Stadt. Aachen, Georgi 1987. 4°. 128 S., S.120

14- Aufzeichnungen von Enkelin Lili Claassen-Suermondt

15. Geburtsurkunde  Utrecht/Holland, 18.05.1818 – (S.188) -NL-UtHUA_A126468_000188.jpg