92.3. Suermondt, Robert

Suermondt

92.3.      Suermondt,  Robert Friedrich
Sohn von Barthold Suermondt und Amalie Cockerill
Industrieller und Bankier in Aachen
geb. Aachen  24.11.1844,
get. Aachen 02.01.1845 (Unierte Evangelische Lutherische Kirche, Aachen als Frederic Robert)
gest. Aachen  25.05.1919
begr. Aachen Westfriedhof, Grabstätte Suermondt
verh. Warschau  26.04.1879 / Aachen 03.04.1879 (Unierte Evangelische Lutherische Kirche, Aachen)
Rau, Fanny Maria
Tochter v. Wilhelm E. Rau, Fabrikant in Warschau, und Sophie geb. Vetter
geb. Warschau  09.10.1856,
gest.  Bad Nauheim  27.06.1930
begr. Aachen Westfriedhof, Grabstätte Suermondt
1 Sohn

 

Robert Suermondt
Robert Suermondt
Robert Suermondt

Robert Suermondt

 

 

 

 

 

 

 

 

Robert Suermondt

Robert Suermondt

Robert Suermondt

Maria Suermondt,geb. Rau

Maria Suermondt,geb. Rau

Maria Suermondt,geb. Rau

Maria Suermondt,geb. Rau

 

Maria Suermondt,geb. Rau

als Foto und als Ölportrait

Robert Suermondt
Robert Suermondt
Robert Suermondt

Robert Suermondt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Über Robert Suermondt persönlich ist wenig bekannt. Interessant ist hier ein kurzer Auszug aus den Erinnerungen von Karl Jakob Rau (1822-1904) aus dem Jahre 1879:
“Am 15. April nach Frankfurt zum Ankauf 1 Tafelaufsatzes als Hochzeitsgeschenk f. m. Nichte Mania Rau. …….. . Reise nach Warschau zur Hochzeit von Mania Rau [- Robert Suermondt]. Abreise am 21. April mit m. Frau, Stephanie u. Elise nach Warschau; auch Henri kam dorthin …… Hochzeit fand am 26. April statt, zuerst die Trauung in der evangel. Kirche, darauf das Festessen im Hause m. Bruders. Ich saß in der Nähe des Bräutigams neben Frau Lilpop. Außer den Eltern des Bräutigams waren noch 2 Brüder desselben in Uniform erschienen, mein Vetter Henri aus Darmstadt, meine Schwester m. ihren beiden Söhnen, Nicolas m. Frau, Sohn u. Tochter, Frau Vetter die Schwester meiner Schwägerin Sophie und Andere. …
Wir blieben noch bis 02. Mai in Warschau. Ich besprach mit m. Bruder die Romanowski-Angelegenheiten. Außerdem war ich mit Henri in den Fabriken (in der St. Jórska und auf Solec) u. am 28. April in der Stahlfabrik in Praga, welche von H. Pastor geleitet wurde.
Unser neuer Neffe Robert Suermondt war mit Herrn Pastor befreundet [korrigiert: verwandt] … So kam er in das Haus m. Bruders. Wie mir mitgetheilt wurde, fand die Verlobung … auf der Pariser Ausstellung und zwar im Ballon captiv statt, mit dem sie aufgestiegen waren.”
(Kopie erhalten von Frau S.Weberpals, 01/2014)
Zu den Attraktionen der Pariser  Ausstellung 1878 gehörte u.a. ein mächtiger Fesselballon: (http://de.wikipedia.org/wiki/Weltausstellung_Paris_1878)

Geschäftliche Aktivitäten von Robert Suermondt:

- Bankhaus Robert Suermondt & Cie, Aachen, Theaterstr. 9
Bankgeschäft. Collectiv-Procura: Wilh. Boekemann und Eugen Capellmann und Walther Schottler
(Adreßbuch von Aachen und Umgebung 1899 (Seite 359) )
„Eine sehr beachtliche Gründung war ferner die des Bankhauses Robert Suermondt & Cie. im Jahre 1867.(Q1) Persönlich haftender Gesellschafter war Robert Friedrich Suermondt, damals 24 Jahre alt. Sein Vater Barthold Suermondt war Kommanditist mit einer Einlage von 80.000 Florin, die er kurz darauf noch erhöhte. Die Firma blieb im Familienbesitz bestehen bis 1901 und übertrug in diesem Jahre ihre Geschäfte an die Aachener Filiale der Bergisch-Märkischen Bank.
……Im Jahre 1901 übernahm das Unternehmen (Bergisch-Märkische Bank) , wie schon erwähnt, die Geschäfte des in Liquidation tretenden Aachener Privatbankhauses Suermondt & Cie. Im Frühjahr 1914 ging die Bergisch-Märkische Bank und damit auch die Aachener Niederlassung auf die Deutsche Bank über.”

Sicherlich war Barthold Suermondt bis ins hohe Alter die entscheidende Persönlichkeit dieser Bank. In seinem Nekrolog 1887 schreibt Lemke : „ Als Chef eines erst in den letzten Zeiten an einen Sohn abgetretenen Bankhauses …“.(Q2)

Die Suermondtsche Bank versorgte die Spinner und Weber im Aachener Raum mit den nötigen Kapitalien . Die Gründung der Bank war sicherlich auch vor dem Hintergrund zu sehen, dass
Barthold Suermondt seine diversen wirtschaftlichen Aktivitäten und Beteiligungen unter einem
Dach zu bündeln und zu verwalten suchte.

So waren bei der Gründung der Rheinischen Stahlwerke 1870 unter den Erstzeichnern
Barthold Suermondt mit 860 Aktien und das Bankhaus „Robert Suermondt et Cie“  mit 100 Aktien
von insgesamt 2000  Aktien aufgetreten.

Das Algemeen Handelsblad vom 02.10.1901 berichtet über die bevorstehende Liquidation der Bank wie folgt:

Algemeen Handelsblad 02-10-1901

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1. Bruckner, Clemens; Zur Wirtschaftsgeschichte des Regierungsbezirks Aachen. Rheinisch Westfälisches Wirtschaftsarchiv zu Köln, 1967, S.232 + 233+497+498
2.  Beilage zu Allgemeinen Zeitung, 1887. Nr. 90, München, Donnerstag, 31. März. Druck und
Verlag der   J.G.Cotta’schen Buchhandlung in Stuttgart und München.
3.  Algemeen Handelsblad vom 02.10.1901

Palais Suermondt-1925

Palais Suermondt-1925

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- Inhaber der Firmen Webe- und Appreturanstalt Karl Scheins, Karl Scheins,
Färberei und Carbonisir-Anstalt und Karl Scheins 
Webe- und Appretur – Anstalt Karl Scheins
Schleifmühle vor Jacobsthor. Procuristen: Carl Nitzsche, Wilh. Strebel und Heinr. Goedecker
(Adreßbuch von Aachen und Umgebung 1899 (Seite 379)
-die Firma bestand noch 1949:
Webe- und Appreturanstalt Karl Scheins
Aachen, Schillerstr. o. Nr.
Aachener Adreßbuch mit Umgebung 1949 (Seite 164)

-  Karl Scheins; Schleifmühle
Dampf-Seifenfabrik. Specialität: Alle Sorten Textil- und Haushaltungsseifen. Procurist Robert Schleicher
( Adreßbuch von Aachen und Umgebung 1899 (Seite 317) )

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-   “Bergbaumuseum Grube Anna 2″ <grube-anna-2@t-online.de>
“wurde die Grube Maria von der Vereinigungsgesellschaft ab 1887 gepachtet und am 18. Juli 1890 der
Aachen-Höngener Aktiengesellschaft abgekauft.
Mit der Umorganisation der Vereinigungsgesellschaft zum 26. Oktober 1897 wurde Bankier Robert
Suermondt in den ersten Aufsichtsrat gewählt.
Es ist sehr wahrscheinlich, dass der 1899 abgeteufte Suermondtschacht nach Robert Suermondt
benannt  ist, aber 100%ig können wir das nicht bestätigen”

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-  Rheinische Stahlwerke
Bei der Gründung 1870 war das  Bankhaus „Robert Suermondt et Cie“  mit 100 Aktien und der Vater,
Barthold Suermondt mit 860 Aktien von insgesamt 2000  Aktien aufgetreten
Nach dem Tode von Barthold Suermondt 1887 übernahm Robert dessen Sitz im Aufsichtsrat und
war von 1911 bis zu seinem Tode 1919 dessen Vorsitzender.
Die Verhandlungen in Warschau 1878 zur Gründung der Stahlwerke in Warschau-Praga wurden für
Rheinstahl und Cockerill-Seraing von Barthold Suermondt und Robert geführt. George Pastor ging
von Rheinstahl in Meiderich nach Warschau, um das Werk als Generaldirektor zu leiten.
Robert Suermondt  lernte in Warschau die Tochter von Wilhelm Rau, Maria Rau, kennen und
heiratete sie 1879.
Der Schwiegervater, Wilhelm Rau, war Inhaber /Mitinhaber der einflussreichen Firma
“Lilpop, Rau & Loewenstein” Sp. Akc. (Soc. Industrielle des Etablissements Mécaniques
“Lilpop, Rau & Loewenstein” ).
Wilhelm Rau, Rheinstahl und Cockerill waren die massgeblichen  Teilhaber der Stahlwerke
in Warschau Praga.

Mit seiner Heirat erhielt Robert Suermondt einen Anteil von 4,5% an den Werken von
Lilpop, Rau & Loewenstein” Sp. Akc. (Soc. Industrielle des Etablissements Mécaniques
“Lilpop, Rau & Loewenstein” ).

Wilhelm E. Rau
Wilhelm E. Rau

     Gegründet als Eisen- und Buntmetalle-Gießerei 1818 in
Warschau von den engl. Industriellen Evans und
Morris. Ab 1855 neue Teilhaber Stanislaw Lilpop und
Wilhelm Rau. Umstellung der Produktion auf
Waggonbau und Eisenbahnschienen nach Großaufträgen
von der Warschau-Wiener Eisenbahn. Dank dem Beitritt
des Baron Loewenstein als neuer Teilhaber im Jahre 1868,
bekam die Gesellschaft reichliche  finanzielle Unterstützung
und konnte nach Firmenkauf expandieren. Bis zur Liquidierung der Ges. 1944  war sie eine der bedeutendsten Maschinenbaufabriken des Landes und der größte industrielle Betrieb von Warschau.

 

 

Stahlwerke Warschau – Praga (Towarzystwo Warzawskiej Fabryki Stali)
gegründet 1877/1878  von Rheinstahl, Cockerill und Agleur, und Wilhelm Rau
unter Federführung von Barthold Suermondt  und Ernest Nagelmackers. Wilhelm Rau wurde Präsident und Barthold Suermondt Mitglied des Aufsichtsrates. George Pastor wurde der Generaldirektor.-

Wie die Werke in Warschau weiter bestanden ?   In den Aufsichtsratsprotokollen von Rheinstahl
wird 1887 von der Verlegung nach Südrussland gesprochen.
(International Banking and Multinational Enterprise, S. 490/491)

Mitte der 1880ger Jahre verschlechterten sich die Bedingungen in Praga durch die russische Zollpolitik, sodaß die Teilhaber nach Auswegen suchten. Barthold Suermondt, vermutlich zusammen mit Robert, unternahm mehrere Reisen nach Südrußland, um im dortigen Industrierevier nach der Möglichkeit von entsprechenden Investitionen zu suchen. Die Aufsichtsrats-Protokolle bei Rheinstahl berichten darüber.
Barthold Suermondt war im Herbst 1886 noch zu Verhandlungen in Südrussland, kehrte schwer krank
zurück, war über mehrere Monate krank und starb am 1.März 1887 in Aachen. Robert Suermondt führte die Verhandlungen weiter, die  schon im Ende 1887 bzw. im Januar 1888 zur Gründung führten:

Métallurgique Dniéprovienne du Midi de la Russie
Die Süd-Russisch Dnieprower Metallurgische Gesellschaft wurde gegründet im Januar 1888 mit einem Kapital in Höhe von 5 Mio. Rubel. Sitz der Verwaltung war in St. Petersburg. Das Stahlwerk befand sich bei Kamensk, Bezirk Jekaterinoslaw, die Eisengruben lagen in Wierchnie, Dnieprowsker Bezirk, die Manganerzgruben befanden sich im Bezirk Jekaterinoslaw, die Steinkohle wurde abgebaut in den Bezirken Slawianoserb und Bachmut, Gouvernement Jekaterinoslaw. Die Aktien der Ges. wurden an der Börse Warschau gehandelt, ab Ende 1912 auch an der St. Petersburger Börse notiert.
Diese Gesellschaft war eine Gründung unter maßgeblicher Beteiligung der Cockerill-Werke in Seraing, Rheinstahl in Meiderich, der Stahlwerke Warschau-Praga, der Lilpop,Rau & Loewenstein, G.O.Pastor und Robert Suermondt. Der Vater von Robert Suermondt, Barthold Suermondt, hatte die maßgeblichen Verhandlungen geführt, war jedoch nach einer einer Reise im Herbst/Winter 1886 nach Südrussland schwerkrank zurückgekehrt und starb im März 1887 in Aachen.
Robert Suermondt war neben seinem Vetter G.O.Pastor, seinem Schwiegervater Wilhelm E.Rau, dem Generaldirektor der Cockerill-Werke A.Greiner und anderen einer der Administrateure des Unternehmens. Ihre Unterschriften sind teilweise auf den Aktien des Unternehmens zu finden.

 

Obligation1890

Obligation 1890

Aktie 1898

 

Aktie 1906
Aktie 1906
Aktie 1900
Aktie 1900

 

 

Aktie 1902

Aktie 1902

-    AachenMünchener Versicherung AG
Robert Suermondt wurde im April 1915 zum Aufsichtsrats-Vorsitzenden ernannt  und wechselte im April 1918 zum stellvertretenden Aufsichtsrats-Vorsitz . Schon der Vater, Barthold Suermondt, soll an dieser Gesellschaft beteiligt gewesen sein und hatte im Aufsichtsrat gesessen.

(Unternehmenserfolg in der Versicherungswirtschaft ; books.google.de/books?isbn=3503106065
Philip Wältermann- 2007 -Erich Schmidt Verlag.)
http://de.wikipedia.org/wiki/AachenM%C3%BCnchener#Geschichte