92.4. Suermondt, Henry

Suermondt 

zu Otto Suermondt
zu Oscar Suermondt

92.4.      Suermondt,  Henry (Heinrich) John
Sohn von Barthold Suermondt und Amalie Elise Cockerill

preuß. Rittmeister, Bonner Husar, Herrenreiter;
Besitzer des Gestütes “Herfs Erb” in Aachen. Henry unterhielt einen unter Leitung von Rudolf Then-Berg stehenden Hindernisstall im westfälischen Werne.
Bankier in Berlin, erwarb um 1890 das Rittergut Hohenschönhausen (Berlin) und gründeten 1893 die “Grunderwerbs- und Bau-Gesellschaft zu Berlin”, der  er bis 1898 vorstand und die die Parzellierung vornahm. Nach Henry wurde in Berlin-Hohenschönhausen die Suermondt-Strasse benannt.
1870 – 1876 Mitglied des Aufsichtsrates ( Verwaltungsrat) der Rheinischen Stahlwerke in Meiderich.
1876 – 1877 Mitglied des Vorstandes der Rheinischen Stahlwerke in Meiderich.
geb. Aachen  03.09.1846
get. Aachen, 03.03.1847 (Unierte Evangelische Lutherische Kirche, Aachen als Heinrich John)
gest. Berlin  03.07.1930
begr. Aachen, Grabstätte Suermondt
unverheiratet, keine Nachkommen

Henry Suermondt

Henry Suermondt als Schauspieler

Henry Suermondt als Schauspieler

Henry Suermondt
Henry Suermondt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Henry Suermondt

Henry Suermondt

Henry Suermondt

 

Auf dem Gut Herfs Erb und in Weierhof-Gürzenich unterhielt Henry Suermondt einen Rennstall, sowie einen unter Leitung von Rudolf Then-Berg stehenden Hindernisstall im westfälischen Werne.

Herfs Erb

Herfs Erb

 

Henry und Otto Suermondt mit Charlatan -1898

 

Henry Suermondt  – 1925
Henry Suermondt 1925

 

Henry Suermondt
Henry Suermondt

 

 

 

 

 

 

 

Henry Suermondt 1925 bei der Diamantenen Hochzeit
seines Bruders William Suermondt in Potsdam
(Ausschnitt)

Henry Suermondt -1875

Henry Suermondt -1875

 

Bleistiftzeichnung 1875 von Ludwig Knaus
Größe 29 x 27 cm
Versteigert 2015 bei Artnet
http://www.artnet.com/artists/ludwig-knaus/portrait-henry-suermondt-acdN6XhU2env8r8xNBRwXw2

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F-Freund-Rennsport+Wette:  Verlag Hugo Steinitz, Berlin

Rennsport+Wette Henry Suermondt

Rennsport+Wette Henry Suermondt

Ein kurzer  Überblick über die Tätigkeiten von Henry Suermondt ist bei Wikipedia zu finden.
Nach Henry Suermondt wurde in Berlin-Hohenschönhausen die Suermondt-Straße benannt.
Über den Aachener Rennsport und die besonderen Leistungen der Suermondt-Brüder berichtet Will Hermanns in ”Aachener Pferdesport im 19.Jahrhundert”; S. 344ff.

 

Henry Suermondt wurde am 3.September 1846 als 4. Sohn von Barthold Suermondt und seiner Ehefrau Amalie geb. Cockerill in Aachen geboren. Als Offizier war er bei den 7. (Bonner) Husaren aktiv und schied als Rittmeister aus. Nach anderer Quelle war er erst 8. Kürassier, dann Züllichauer Ulan. Vermutlich erhielt er eine kaufmännische Ausbildung denn später wird er als „Bankier aus Aachen“ bezeichnet.
Schon als 24-jähriger sass er von 1870 – 1876 als Mitglied im Aufsichtsrat (Verwaltungsrat), und von 1876 – 1877 als Mitglied im Vorstand der Rheinischen Stahlwerke in Meiderich, deren Mitbegründer und Hauptaktionär sein Vater Barthold Suermondt gewesen ist.

Am Krieg gegen Frankreich (1870/1871)  „nahm als Vierundzwanzigjähriger Henry Suermondt teil, der Träger eines Namens, der für die Aachener Reitsportgeschichte gleichermaßen bedeutsam geworden ist wie für das Kunstleben der Stadt: Henrys Vater, Barthold, wurde Hauptstifter des Museums, das heute noch seinen Namen trägt. Henry Suermondt, der Gründer der Gestüte Weierhof bei Düren und Gut Haidchen bei Linzenshäuschen, dem ehemaligen Wachtturm am Landgraben der freien Reichsstadt Aachen und der Eupener Straße, hat entscheidend in die Entwicklung der deutschen Pferdezucht eingegriffen. Zusammen mit dem bekannten Züchter Then Bergh wies er der Heranbildung von Pferden für den Hindernissport ganz neue Wege. Das ,,Album des deutschen Rennsports” von 1900 sagt darüber:
,,Die beiden Herren gingen von der Erwägung aus, daß das von den Flachrennställen abzugebende Material in gewissem Sinne verbraucht sei, und hielten es für dringend geboten, ihrem gemeinsamen Hindernisstall einen wirklich frischen Nachwuchs zuzuführen, dem vorher überhaupt keine anderen Aufgaben gestellt sein durften. So kauften sie ein größeres Lot von Jährlingen zusammen, um die jungen Tiere in vollkommener Freiheit weiter aufwachsen zu lassen. Sie wurden untergebracht in Weierhof-Gürzenich, der bei Düren gelegenen schönen Besitzung des kühnen Afrikaforschers C. G. Schillings, der von seinen Reisen im dunkelen Erdteil eine gleich große Ausbeute auf jägerlichem wie wissenschaftlichem Gebiete heimgebracht hat. Auf den weiten Koppeln, die den romantischen, von zahlreichen Wasserspiegeln durchzogenen Naturpark von Weierhof mit seinen uralten Riesenbäumen umgeben, lernen die jungen Pferde sozusagen von selbst das Springen. Kleine Gräben, Hecken und Wälle fordern sie auf, ihre Geschicklichkeit spielend zu erproben. So kommen sie auch bereits mit einer gewissen Vorbereitung für ihren künftigen Beruf ins Training.” …
Henry Suermondt unterhielt damals in Werne bei Dortmund den ,,weitaus größten Stall von ganz Deutschland”. Sein Trainer, Wilhelm Printen, ein gebürtiger Aachener, galt als einer der besten seines Fachs und ritt die Suermondtschen Farben – grün-weiß mit schwarzer Kappe – auf manchen deutschen Rennplätzen zum Siege. Aber auch Henry Suermondt selbst saß bei vielen Rennen im Sattel. In den Jahren 1887 und 1888 hielt er mit 25 bzw. 28 Siegen das deutsche Herren-Championat, gewiß eine Leistung für den 41- bzw. 42jährigen! “ (Q1)

Insgesamt hat Henry Suermondt  bei 420 Ritten  152 Siege davongetragen.(Q2)

„Schon als Fähnrich kam Otto Suermondt in den Besitz seines Vermögens, schaffte sich einige Vollblüter an und gewann in Darmstadt fast ausnahmslos die kleinen Rennen, die die 23. und 24. Dragoner veranstalteten. Bruder Henry, erst 8. Kürassier, dann Züllichauer Ulan, hatte inzwischen seinen Rennstall, den der äußerst tüchtige Manager R. Then-Bergh leitete, auf eine immer breitere Basis gestellt, ritt 420 Rennen, von denen er 152 gewann, konnte aber leichtere Gewichte nicht in den Sattel bringen. Henry wurde schließlich auf seinen kleinen Bruder Otto aufmerksam, dem er seine Pferde anvertraute, und Otto gelang es, auf dem vorzüglichen Material des Werner-Stalles den größten Teil der 506 Rennen zu gewinnen, die er in Deutschland bei 1468 Ritten gewann. Da Suermondt 297 zweite Plätze besetzte, kommt ein Durchschnitt heraus, der beweist, daß der 24. Dragoner seine Chancen wahrzunehmen verstand.
Einst debütierte Otto Suermondt in Berlin. Sein Bruder Henry sollte die Engländerin Wegda von Lord Gough-Away im Großen Berliner Jagdrennen zu Charlottenburg reiten. Henry stürzte kurz vorher, konnte den Ritt nicht ausführen und telegraphierte an Otto, der sofort nach Berlin reiste. Die Berliner kannten die Uniform der 24. Dragoner nicht. Sie rieten auf Ulan, was die Sachverständigen bestritten, da die Ulanka fehlte. Einige ganz kluge erklärten, daß der Offizier zum Seebataillon gehöre und beseitigten die Einwände damit, daß sie behaupteten, daß das Seebataillon auch eine reitende Abteilung habe. Wegda gewann, der grüne Junge, wie die Berliner sagten, blieb in Front, und in der Reichshauptstadt kannte man von jetzt ab die deutsche Uniform, die von Otto Suermondt zu so vielen Erfolgen getragen wurde.“ (Q3)

Im Jahre 1867 wurde in Berlin der Dachverband aller Rennvereine in Deutschland, der “Union Club”, gegründet.Der westdeutsche Raum wurde bei dieser Zusammenkunft in Berlin vertreten durch Henry Suermondt, den ehrenamtlichen Sekretär dea Kölner Rennvereins. (Q9)

Das “Zentral-Blatt für die Gesammt-Interessen der Deutschen Pferde-Rennen” – Der Sporn-  vom 12. Mai 1894 berichtet über die Eröffnung und das erste Rennen auf der neuen Bahn in Carlshorst. Otto Suermondt war der erste Rennsieger, Henry der erste siegreiche Rennstallbesitzer .

 

Im Jahre 1921 wurde Henry Suermondt zum Ehrenmitglied des Vereins für Hindernisrennen ernannt.
(Deutscher Sport -6.3.1921) (Q4)

Dt.-Sport-6-3-1921

“Um 1890 erwarb der Aachener Bankier Henry Suermondt vom Gutsbesitzer Puchmüller das ca. 400 ha große Hohenschönhausener Rittergut.  1892 stellte er beim Landratsamt den Antrag, auf einem Teil seines am Orankesee gelegenen Besitzes eine Kolonie anlegen zu dürfen. um das parzellierte Gelände ab 1893 zum Verkauf anzubieten. 1893 gründete er die “Grunderwerbs- und Bau-Gesellschaft zu Berlin”, der er bis 1898 vorstand und die die Parzellierung vornahm. Anschließend übergab er den Posten an den Rechtsanwalt Julius Grosse-Leege.
So entstanden um die Jahrhundertwende südlich der heutigen Suermondtstraße die beiden Landhauskolonien am Orankesee (ab 1893) und am Obersee (nach 1900). 1897 erhielt der Ort mit der “Elektrischen Kleinbahn Berlin-Hohenschönhausen” erstmals eine Verkehrsverbindung zum Stadtzentrum. Ab 1900 wurde auch die der Bahn als Trasse dienende Verbindungsstraße nach Berlin, heute Konrad-Wolf-Straße, stärker bebaut. 1910 erfolgte die Gründung der Gartenstadt Hohenschönhausen am östlichen Ende der Gehrenseestraße.

Suermondtstraße in Berlin

Die Suermondtstraße  – nach einer Ansichtskarte aus der Vorkriegszeit

„Das Rittergut Hohenschönhausen, das jahrhundertelang im Besitz des alten märkischen Adelsgeschlechtes von Röbel war und vom 18. Jahrhundert an wechselnde Eigentümer hatte, wurde 1892 von dem Aachener Bankier Henry Suermondt erworben. Der gründete die “Grunderwerbs- und Baugesellschaft zu Berlin” und begann mit der Parzellierung des Gutslandes. Später übernahm Justizrat Julius Grosse-Leege die Leitung des Unternehmens. Die Namen beider Männer sind heute noch im Straßenbild des Bezirkes lebendig. Mit ihren Bodenspekulationen in großem Stil forcierten sie den Bau von Wohnhäusern und die Ansiedlung von Industrieunternehmen. Erste Industriebetriebe. Das erste war 1894/95 die Aktienbrauerei Hohenschönhausen in der heutigen Konrad-Wolf-Straße. Um den hohen Wasserverbrauch der Brauerei zu sichern, wurde damals am Fuße des Lindenwerderberges ein künstlicher See angelegt. Den Namen “Obersee” erhielt er, weil sein Wasserspiegel anderthalb Meter über dem des nahegelegenen Orankesees lag. Dort war um die Jahrhundertwende ein Ausschank der Aktienbrauerei Hohenschönhausen eröffnet worden. Das “Wirtshaus am Orankesee” avancierte schnell zu einem beliebten Ausflugsziel der Berliner. ” (Q5)

„Die Große-Leege-Straße ist ein richtiger Querschnitt durch die Wohnbaugeschichte Berlins. Je weiter ich nach Norden komme, umso stärker denke ich das. Also zuerst der Namensgeber, ein Jurist, Julius Große-Leege, ein Mann des [vor]vorigen Jahrhunderts. Zusammen mit Henry Suermondt, dem Bankier, und Fedor Goecke (Q6) , seinem Vertreter, betrieb er eine Spekulations-Gesellschaft, die das Gebiet des Rittergutes Hohenschönhausen erschloss. Dann eben die 30er Jahre. Dann die DDR-Bauten. Dann die heutigen. Hier in der Straße des juristischen Spekulanten sehen wir das Alte, Verfallene, dort das Erneuerte und Neue.“  (Q7)

Henry Suermondt starb in Berlin am 03. Juli 1930 und wurde in Aachen, im Familiengrab Suermondt beigesetzt. Er war unverheiratet und hatte keine Nachkommen.

 

Algemeen Handelsblad – Amsterdam 10-07-1930    (Q11)

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UNION-KLUB 1867

Aufnahmen 1889 in den Klub – Oscar und Henry Suermondt

 

 

 

 

 

 

 

 

Aufnahme in den UNION-KLUB von Oscar und Henry Suermondt 1889

vorgeschlagen wurde Oscar von den Herren   …..     und Kurt von Tepper-Laski
vorgeschlagen wurde Henry von den Herren  Graf Bismarck und Ulrich von Oertzen

Mitgliederverzeichnis Union-Klub 1899

Mitgliederverzeichnis Union-Klub 1899


Mitgliederverzeichnis Union-Klub 1929
Oscar Suermondt war bereits 1922 verstorben.

Mitgliederverzeichnis Union-Klub 1929

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1. Will Hermanns, Aachener Pferdesport im 19.Jahrhundert; S. 344ff
2. (http://www.amateurrennsport.de/erfolgreichen/unsterblich.htm)
3. Abschrift aus „Deutsche Allgemeine Zeitung“  vom 31.Januar 1935 – w/Otto Suermondt
4. Dt.Sport  6.3.1921  – Mitt. von Herrn G.vEnde-2012-10-27
5. www.BerlinOnline.de (c) 2001 G+J BerlinOnline GmbH & Co. KG
6. Anm. : Bei Fedor Goecke handelt es sicherlich um den Generalbevollmächtigten der Rheinischen, Stahlwerke Feodor Goecke * 1836 + 1907;  siehe auch:  Neue Deutsche Biographie 6, 1964, S.508 (Hedwig Behrens)  und  Hedwig Behrens: Feodor Goecke 1836-1907), ein verdienter Duisburger Bürger, Duisburger Forschungen, Band 8, 1965, S.34 ff.
7. Berlin Street -Spaziergänge
8. Will Hermanns, Aachener Pferdesport im 19.Jahrhundert; S. 344ff.
9. Oscar Christ: Die Geschichte des Armee-Jagdrennenens1862 – 1914; Ruhmesblätter deutscher Reiterei.
10. Gerd vom Ende: Passion – Im Banne schneller Pferde; Vom deutschen Turf 1821 bis 1939.
DSV Deutsche Sportverlag 2013, S.365-366.
11. ”HENRY SUERMONDT OVERLEDEN.”. “Algemeen Handelsblad“. Amsterdam, 10-07-1930. Geraadpleegd op Delpher op 02-11-2015,  http://resolver.kb.nl/resolve?urn=ddd:010661069:mpeg21:a0111

Die Rennsport-Daten verdanke ich Herrn Gerd von Ende.