46. William Suermondt

  1. Suermondt

6. Generation

46.  SUERMONDT, Charles William James
Sohn von Barthold Suermondt und Amalie Cockerill.
Studium Bergbau in Karlsruhe und Freiberg/Sa. 1865 – 1870 Direktor der “Charbonnage des frères Suermondt” in Wandre/Belgien, 1870–1878 Mitglied des Aufsichtsrates (Verwaltungsrat), der Rheinischen Stahlwerke in Meiderich. Leitet zusammen mit Georges Pastor  das Werk. Beide Familien wohnten im „Schloß Stahlau“; 1872 Mitbegründer und Aufsichtsratsmitglied der “Aktiengesellschaft für Lokomotivbau Hohenzollern”; ab 1878 Direktor der Steinsalzwerke  in Inowrazlaw / Hohensalza, Prov. Posen. Gründete 1879 in Montwy bei Inowrazlaw die Sodafabrik. Ab 1890/91 in Breslau bis 1906, kauft in Potsdam das Haus Alleestrasse 3.
geb. Aachen 02.09.1840 (Adalbertstr. No.653) (Reg.Nr.1204 StA.Aachen)
gest. Potsdam 17.12.1930 , (Alleestr. 3);
begr. Berlin (Domfriedhof – Schwarzkopfstrasse)
verh. Aachen 29 Jan 1865  Unierte Evangelische Lutherische Kirche
Wuppertal‑Barmen 09.02.1865      mit:
(Trauzeugen: Alfred Suermondt, Aachen; G. Pastor, Lüttich)
47.   RIEMA, Emilie
(Tochter v. Gerhard Wilhelm Riema, Kaufmann in Barmen, und Sophie geb. Hürter)
geb.  Wuppertal – Barmen  25.7.1845; get.  Wuppertal – Barmen  02.09.1845
gest.  Potsdam  30.06.1927, (Alleestr. 3); begr.  Berlin (Domfriedhof).

William Suermondt
William Suermondt

 

Emilie Suermondt, geb.Riema
Emilie Suermondt, geb.Riema

 

 

 

 

 

 

 

 

 

6 Kinder:
46.1.     SUERMONDT, Amélie (Lili)           
= 23.     geb. Wandre b/Lüttich 01.03.1866
get. Wandre b/Lüttich  09.06.1866
gest. Hamburg 18.05.1964
begr. Urnenbeisetzung in Mainz, Familiengrab Sauer
verh. Inowrazlaw (Hohensalza) 29.09.1885 mit:
22.       CLAASSEN, Maximilian (Max) Leopold Friedrich
(Sohn v. Friedrich August Claassen, Mennonit, Besitzer der Güter Morroschin, Kahlbude, Brück und Pulvermühle, und Maria Karoline Louise  Oertel) ;
Fabrikant in Warschau, Besitzer von Gut Davidy bei Warschau;
geb. Rittergut Morroschin/Preuß. Stargard  15.12.1847
get. Mewe, Westpr., 04.05.1848, ev. Pfarramt
gest. Zoppot 23.07.1933 (Nacht vom 22. auf 23.7.1933)
begr. Zoppot – Mariental, ev. Friedhof
5 Kinder

46.2.     SUERMONDT, Anita Clara
geb. Wandre/Lüttich  30.03.1867,
gest. Berlin 22.09.1914
unverheiratet

46.3.    SUERMONDT, Georges William 
Dr.jur., Polizeipräsident i.R. in Wiesbaden, bis 1933 in Wuppertal-Elberfeld, vordem kgl.preuß. Landrat in Lyck/Ostpreußen (Suermondt-Brücke) und Landrat und Polizeipräsident in Hindenburg/Oberschl. (Suermondt-Strasse)
geb. Wandre/Lüttich  28.l0.1868,
gest. Wiesbaden  09.01.1943
verh. Berlin  15.11.1899  mit:
von FROWEIN, Alina, gen. Lilli, Selma
(Tochter v. Eduard von Frowein, preuß. Adelsstand 1913, Landrat  des Kreises Kleve, kgl. preuß. Wirkl. Geh. Oberregierungsrat Oberverwaltungsgerichtsrat in Berlin, und Johanna Wülfing)
geb. Wuppertal – Elberfeld  13.12.1876,
gest. Wiesbaden  10.09.1956
6 Kinder

46.4.    SUERMONDT, Emmy Emilie   
geb. Duisburg-Meiderich  12.07.1871;  gest. Bad Aussee  04.03.1960
verh. 1. Ehe  Breslau  01.02.1894  mit:
LINDLEY, Joseph; Ingenieur
(Sohn v. William Lindley aus London, Zivilingenieur, und Julie Heerlein. W. Lindley war mit seinen 3 Söhnen maßgeblich an der Durchführung der Kanalisation und Wasserversorgung zahlreicher europäischer Großstädte beteiligt, u.a. in Hamburg und Warschau.)
geb. Hamburg  18.05.1859,
gest. Hohe Mark/Taunus  20.04.1906
verh. 2. Ehe  Frankfurt/Main  05.03.1908  mit:
FRIEDLÄNDER, Adolf Albrecht Isidor
(Sohn v. Samuel Friedländer, Kaufmann, und Fanny Funk)
Prof.Dr.med., 1904 Erbauer und Leiter der Privatklinik “Hohe Mark”
geb. Dombach/Wien  8.8.1870, gest. Bad Aussee/Stmk. 19.01.1949
4 Kinder ( 2 Kinder aus 1. Ehe; 2 Kinder aus 2. Ehe)

46.5.    SUERMONDT, Walter
geb. Meiderich, 25.12.1873 (Weihnachten)
gest. bei Breslau, Dez. 1891 (1890 ?) (von einer Eisenbahn überfahren, vermutlich Selbstmord)

46.6.    SUERMONDT, Henriette (Henny) Louise Alice
geb. Inowrazlaw  Oct. 1878
gest. Inowrazlaw  01.12.1879

Suermondt-Claassen-Lindley-in Warschau

Suermondt-Claassen-Lindley-in Warschau

William Suermondt wurde am 2. September 1840 „Nachts halb ein Uhr“ in Aachen in der Adalbertstr. No.653.L.A. als zweiter Sohn von Barthold Suermondt und Amalie Elise geb. Cockerill geboren. Er ist im Kadettenkorps Schloß Bendsberg erzogen worden, studierte Bergbau in Karlsruhe und Freiberg in Sachsen (Q1) mit dem Abschluss als Ingenieur.

Studienzeit
William Suermondt studierte Bergbau (bis Mitte 1860) in Karlsruhe an der “Polytechnischen Schule”. Nach dem Verweis von der Hochschule ging er nach Freiberg in Sachsen und macht dort seinen Abschluß als Ingenieur.

Am 14.Juni 1860, während seiner Studienzeit in Karlsruhe (Q2) beabsichtigte er ein Pistolenduell mit einem Mitstudenten – Ignaz Stroof aus Köln . Hierzu heisst es in dem Schreiben des „Grosherzoglich Badischen Stadt Amt Carlsruhe“ an die „Großherzogliche Direction der polytechnischen Schule allda“:

„Beabsichtigtes Pistolenduell zwischen hiesigen Polytechnikern betr.
Benachrichtigen wir Sie, daß zwischen den Polytechnikern Ignaz Stroof von Köln und William Suermondt von Aachen heute in Allerheiligen ein Pistolenduell, dem Vernehmen nach unter scharfen Bedingungen abgehalten werden sollte. Nachdem wir gestern Abend noch davon Kenntnis erhalten, beauftragten wir den Polizeisergeanten Ilschner, die Duellanten wo möglich am Bahnhofe anzuhalten, was demselben auch in soweit gelungen ist, daß er den einen derselben Ignaz Stroof verhaftete, als derselbe gerade im Begriffe war, ein Billet nach Achern zu lösen. Suermondt war bereits gestern Abend nach Achern abgegangen, wurde aber auf telegrafischem Wege heute Morgen zurückgerufen.“

Als Grund für das beabsichtigte Duell gibt Stroof ebenfalls am 14.Juni 1860 zu Protokoll:
„Samstag den 9. d. M. gerieth ich im grünen Hof mit H. Suermondt in einen Wortwechsel während derselbe Schach spielte und äußerte ich mich er sei mir gegenüber nicht satisfaktionsfähig in Anbetracht seiner Jugend und seiner Kränklichkeit. Hierauf schlug er mir zweimal nach dem Gesicht und erklärte mir ziemlich laut, ich sei ein feiger Flegel. Mit Rücksicht auf seine Kränklichkeit und seines zu jugendlichen Benehmens blieb ich ruhig und entfernte mich alsbald. Ich überlegte den Vorfall ruhig.  Da ich jedoch als angehender preußischer Landwehroffizier diese thätliche Beleidigung nicht auf mir sitzen lassen konnte, ich anderseits den meiner obigen Aussage gemäß H. Suermondt nicht für satisfactionsfähig hielt, so glaubte ich diesen Vorfall vor einen Ehrengericht bringen zu müßen. Da Letzteres für die Satisfactionsfähigkeit des H. Suermondt entschied, so blieb mir nach vorheriger Besprechung mit mehreren hiesigen H. Offizieren nicht anders übrig, als meine Aeußerung in Betreff der Satisfactions un fähigkeit zurückzunehmen und H. Suermondt auf Pistolenduell zu fordern, nachdem derselbe zwar Abbitte wegen der thätlichen Beleidigung vor Zeugen geleistet hatte.“
Beide Duellanten wurden zu einer Gefängnisstrafe von 4 Wochen verurteilt, die sie beide vermutlich nicht abgesessen haben, und von der polytechnischen Schule verwiesen.
Seinen Studienabschluß als Ingenieur machte William in Freiberg/Sachsen (nach 1862/63).

Wandre
Von 1865 bis 1870 war William Suermondt Direktor der Kohlengruben von Wandre bei Seraing – Lüttich. Die Kohlengruben von Seraing befanden sich im Besitz der Familie Suermondt. 1827 erhielten John Cockerill und Y.D.C. Suermondt die Konzession der “Charbonnage à Wandre”. Diese ist unter dem Namen “Charbonnage des frères Suermondt” bis  zum Ende des I.Weltkrieges 1918, im Familienbesitz gewesen. Auch der Onkel von William, Robert Suermondt (* 1819 – † Aachen 25.03.1856), Bruder von Barthold Suermondt, war Leiter dieser Kohlengruben gewesen.

William verheiratete sich zu Aachen am 29. Jan 1865 in der Unierten Evangelisch Lutherischen Kirche (die Eintragung erfolgte auch in Wuppertal‑Barmen am 09.02.1865) mit  Emilie Riema, Tochter von Gerhard Wilhelm Riema, Kaufmann in Barmen, und Sophie geb. Hürter. Sie war geboren in Wuppertal – Barmen am 25.7.1845. Das Paar zog nach Wandre bei Seraing, wo auch die ersten drei Kinder geboren wurden. Im Trauregister Wuppertal wird er beschrieben als
“..reform., 24 Jahre, Rentner, Wandre bei Lüttich“. (Q3)

Meiderich – Rheinstahl
Am 27.04.1866 hatte William Suermondt wegen Auswanderung nach Belgien die preussische Staatsangehörigkeit verloren. Am 14.11.1876 hat er die preussische Staatsangehörigkeit für sich, seine Frau Emilie geb. Riema und seine drei minderjährigen Kinder Lilli, Anita und Georg wiedererworben. (lt. Königl. Regierung zu Düsseldorf, Renaturalisations – Urkunde I S. I Nr.2557).
1870-1878 war William zusammen mit Georges Pastor, Sohn von Gustav Pastor – Seraing, Direktor der neu gegründeten „Rheinischen Stahlwerke“ in Meiderich / Ruhrort, deren Hauptaktionär und Aufsichtsrat-Vorsitzender Barthold Suermondt war.
Die Wohnung der Direktoren der Rheinischen Stahlwerke in Meiderich war das „Schloß Stahlau“ in der Stahlstraße 75/77. Die eine Seite (erster Eingang) bewohnte William Suermondt mit Familie, die andere Seite George Pastor.
"Stahlschloß" Meiderich

“Stahlschloß” Meiderich

 

"Stahlschloß" Meiderich

“Stahlschloß” Meiderich

„Stahlschloß“ Meiderich, Stahlstraße 75/77 (Q4)

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AG für Lokomotivbau Hohenzollern

William Suermondt gehörte 1872 zu den Gründern der AG für Lokomotivbau Hohenzollern. Von 1872 bis 1877 war er dort Mitglied des Aufsichtsrates. In den Jahren 1880 und 1881 wurde jeweils eine “Hohenzollern” an William Suermondt in Inowrazlaw, bzw, eine nach Pakosch geliefert.

„Am 8 Juni 1872 wurde von den Familien Haniel, Böninger, Lueg, Waldhausen und Liebrecht, sowie einigen Industriellen aus der rheinisch-westfälischen Industrie die “Aktiengesellschaft für Lokomotivbau Hohenzollern” gegründet. Familien, die alle miteinander verwandt oder befreundet waren und bereits vorher vielseitige Unternehmungen im Bank-, Handel- und Versicherungsgeschäft tätigten und bereits den Ausbau des Eisenbahnnetzes vorangetrieben hatten. Sie wählten ein 150.000 qm großes Gelände am Grafenberg bei Düsseldorf für ihre Unternehmungen, da die Stadt von den drei bereits genannten Bahnlinien berührt wurde.“ (Q5)
Aus dem Haniel-Archiv erhielt ich dazu die Mitteilung: (Q6)
„Zu den Gründern der Lokomotivfabrik gehörte zwar nicht Barthold, wohl aber William Suermondt. In einer Notiz von Hugo (?) Haniel (handschriftlich in der Akte HAA:1618) heißt es wörtlich:
” Für eine zu gründende Locomotivfabrik wurde gezeichnet von
Herrn M.J. Frensdorf  Provinzial-Disconto-Bank Hannover   Th 250.000.-
Familie Haniel    Liebrecht  Böninger                                      Th 530.000,-
Wm. Suermondt                                                                        Th 100.000,-
Das Aktienkapital soll zunächst 1 Million Thaler betragen, so daß also noch 120.000,-  event.[uell] – da die von H[err]n Suermondt gezeichneten Th 100.000,- zweifelhaft sind – Th 220.000,- disponibel wären.”

“Eine Zeitungsnotiz bestätigt, dass William Suermondt im ersten Aufsichtsrat war.
Noch 1875 wird er als Mitglied des AR genannt, jedoch mit dem Hinweis, dass er nicht bei der Sitzung anwesend war. Danach verliert sich anscheinend seine Spur. “ (Q6)

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Inowrazlaw – Hohensalza – Montwy
Als William, nach der schweren Krise von Rheinstahl 1878, Meiderich verliess und im Auftrage seines Vaters das „ersoffene“ Steinsalzwerk in Inowroclaw / Hohensalza, das zum Einflussgebiet der Suermondts zählte, wieder in Ordnung bringen musste, wurde schon im Jahre 1879 unter der Leitung von William Suermondt in Montwy bei Inowraclaw die Sodafabrik unter dem Namen “Chemische Fabrik Robert Suermondt & Co. Montwy”. gegründet. Hier ist mit Sicherheit anzunehmen, dass nicht der Bruder Robert, sondern über das Aachener Bankhaus Robert Suermondt & Cie, der Vater Barthold dahinterstand.
Im Jahre 1907 wurde diese Sodafabrik an die belgische  SOLVAY verkauft. Noch heute besteht diese Fabrik unter der Firma INOWROCŁAWSKIE ZAKŁADY CHEMICZNE “SODA MĄTWY” (Q7)

In Hohensalza wohnte die Familie Suermondt in der Bahnhofstrasse

Hohensalza,Bahnhofstraße

Hohensalza, Bahnhofstraße

Inowroclaw [poln. ] (dt. Hohensalza), Stadt in Polen, an der oberen Netze, 73400 E. Kurort mit jod- und bromhaltigen Solquellen. – Anfang des 15.Jh. zu Polen, ab 1772 zu Preußen (1807-15 zum Hzgt. Warschau), ab 1919 zu Polen.

In den Jahren 1880 und 1881 wurden an William Suermondt jeweils eine „Hohenzollern“ – Lokomotive geliefert. Die Lok mit der Baunummern 129 ging an  W. Suermondt, Inowrazlaw und die Lokomotive Baunummer 132 an W. Suermondt,  Pakosch. (Q8) Nicht sicher ist, ob die Lok Nr. 129 für das Steinsalzwerk oder die Sodafabrik benötigt wurden. Die Lok mit der Baunummer 129 stand noch im Jahre 1990 als Denkmal  im Kraftwerk  Warschau-Sierkierki. Es soll sich dabei um die älteste noch erhaltene „Hohenzollern“- Lokomotive handeln. (Q9)
Die “Hohenzollern-Lok” mit der Baunummer 445 der Baureihe “Victor” wurde im Jahre 1888 von Firma Sander & Co., Hamburg/HongKong, (später Sander, Wieler & Co.) über die P.Herbrand & Co., Ehrenfeld/Köln, die die Ausrüstung und Zubehör lieferte, für Formosa geliefert. Diese Lokomotive ist als Denkmal im Historischen Museum in Taipeh, Taiwan, ausgestellt. Es handelte sich um die erste Lokomotive in Taiwan. Robert Becker berichtet darüber in seinen Ostasien-Erinnerungen.

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Zuckerfabrik Pakosch  in Pakosch
An der Gründung der   Zuckerfabrik Pakosch  war William Suermondt entscheident beteiligt.

Am 4.März 1880 (notariell am 9.3.1880) wird in Pakosch die “Zuckerfabrik Pakosch” AG. gegründet. Einer der beiden ersten Vorstandsmitglieder war William Suermondt. “Die Höhe des Grundcapitals beträgt 500 000 Mark” und wird bereits wenige Tage später, am 15.März 1880, auf 700.000 Mark erhöht.  ”Zufolge Verfügung vom 31. October 1881 eingetragen am 31. October 1881″ wird bekannt gemacht, dass William Suermondt aus dem Vorstand ausgetreten ist. Es wird nicht vermerkt, ob er dem Aufsichtsrat angehörte. Wie lange William Suermondt an der Zuckerfabrik beteiligt war, ist nicht bekannt.  Ab ca. 1902 wird die Firma als “Zuckerfabrik UNION AG, Pakosch” geführt. -Über Pakosch und die Zuckerfabrik siehe Pakosch .

90. Geburtstag

90. Geburtstag

Breslau
Im Jahre 1889, im Alter von 49 Jahren, setzte sich William zeitweise zur Ruhe und zog nach Giessen in die Frankfurter Str. 6 (Q10).
Spätestens Ende 1891, vermutlich schon 1890, zog er nach Breslau. Dort war er bis 1906  in der Bergbau-Industrie als Bergwerksbesitzer tätig. In einem Zeitungsausschnitt  anlässlich seines neunzigjährigen Geburtstages am 02.09.1930 wird erwähnt, dass er „als Industrieller im rheinisch-westfälischen Industriegebiet, in der Provinz Posen und in Oberschlesien jahrzehntelang mit Erfolg tätig“ war. Über diese Tätigkeit in Oberschlesien ist bisher noch wenig bekannt. In der Familie gibt es über diese Zeit keine Aufzeichnungen. Der Artikel zu seinem 90. Geburtstag weckte jedoch Neugier auf das, was dahinter steckt. Tatsächlich war William Suermondt in Schlesien einer der ganz großen Bergwerksbesitzer mit Kohlengruben im Bereich Gleiwitz.

In den Jahresberichten der “Schlesische Gesellschaft für Vaterländische Kultur” 1896 wird  als Mitglied seit 1892 genannt: William Suermondt, Bergwerksbesitzer; Breslau, Kaiser-Wilhelm-Str. 97.

Potsdam
1906 kaufte er in Potsdam das Haus in der Alleestrasse 3. Dort feierte er mit seiner Frau am 9.2.1925 im grossen Familienkreis die Diamantene Hochzeit. In diesem Haus starben er und auch seine Frau. Nach Aussagen eines Enkels liess er in das Haus einen Fahrstuhl einbauen, da seine Frau, im Alter etwas füllig geworden, die Treppen nicht mehr steigen konnte. Das Haus ist heute das „Haus der PDS“ in Potsdam.
Diamantene Hochzeit William-Emilie Suermondt

Diamantene Hochzeit – Potsdam 9.2.1925

Aus verschiedenen Aufzeichnungen seiner Tochter Lili verh. Claassen geht hervor, dass William Suermondt bis zu seinem 50 Lebensjahr kränklich war, asthmatisch, Magenleiden, und häufig zur Kur fuhr. Er war deshalb auch kein Soldat geworden, wie seine Brüder. Vermutlich war auch Williams Gesundheitszustand der Grund, weshalb er die Tätigkeit in Hohensalza, einem damals schon bekannten Solebad, aufnahm, sowie 1889 vorübergehend nach Giessen zog. Verschiedene Erholungsreisen gingen nach Italien. In Ihren Erinnerungen  schreibt sie u.a. „Von den Eltern bin ich oft mit auf die Reise genommen worden, schon als 3jähr. Ding nach Italien, wovon ich noch berichte. In Ems war ich mit den Eltern, Papa gebrauchte eine Kur, ebenso in Kreuznach und in Davos.“  Im Jahr 1875 wieder in Italien. Ein Bild von Emilie Suermondt geb. Riema ist bezeichnet „Rom 1875“.
Im Januar 1900 war William mit Frau und Tochter Anita auf Capri, dort besuchten sie am 5.1.1900 die Villa des Hamburger Malers und Zeichners W.Allers.(Q16)  („Sie umsorgte die Eltern, war ihr Reisemarschall usw.“(Q12)

Capri 1904
Capri 1904

Im April 1904 war William  mit Frau und Tochter Anita wieder auf Capri (Q11). Eine Postkarte an seine Enkeltochter Lotte gibt davon Zeugnis.
Im Jahre 1906 war William wieder mit Frau und Tochter Anita auf Capri. Interessant ist hier der Brief von August Thyssen an Hugo Stinnes, datiert  Capri 15.1.1906 (Briefpapier <Grand Hotel Quisia auf Capri>)(Q13). Es geht u.a. um Beteiligungen an einer Deutsch-Französischen Bergwerksgesellschaft, Gründung einer Lokomotivfabrik, Beteiligung an Banken und Fusionen verschiedener Betriebe. Thyssen schreibt :
„… Hier bin ich vollständig fern von allen Geschäften und bedürfen Briefe und Zeitungen 3 Tage, um nach hier zu gelangen.  Soeben erhalte ich Ihr freundliches Telegramm «Bitte wegen Felder verhan­deln was ich mir bemerkte.
Ich werde mit Herrn Suermondt, der augenblicklich krank ist, Rücksprache nehmen und Ihnen seine Forderung mittheilen.  Herr Suermondt ist sehr umständlich und anscheinend schlecht unterrichtet, weil ihm sein Material, wie er sagte, fehlt.
Ich glaube, daß er gern verkauft, wenigstens schließe ich dieses aus den Aeußerungen von Frau und Tochter. “
Anzunehmen ist, daß die Familie Suermondt im gleichen Hotel logierte. (Auch heute noch ist dieses Hotel das Hotel auf Capri). Es ist bisher nicht geklärt,  an welchen Anteilen Suermondts Thyssen bzw. Stinnes interessiert war. Auch im Thyssen-Archiv sind hierüber bisher keine Unterlagen gefunden worden.
William Suermondt und August Thyssen kannten sich aus ihrer Jugendzeit in Aachen und sie studierten auch zur gleichen Zeit in Karlsruhe.

William Suermondt  war ein guter Reiter, erwarb viele Preise als Rennreiter und gründete 1883 in Bromberg den  “Kujawischen Reiterverein“. Sprachbegabt und interessiert, er sprach 7 Sprachen, studierte er noch im hohen Alter Sanskrit. (Aufzeichnung seiner Tochter Amelie Claassen-Suermondt).
Über den Reiterverein in Bromberg aus dieser Zeit ist leider nichts bekannt. Allerdings berichtet Helene Freifrau von Schlichting-Bukowiec in ihren Erinnerungen von einem ausserordentlich turbulenten Reiterfest 1878 des durch William Suermondt  neu gegründeten “Kujawischen Reiterverein” im “Hotel Bast” in Hohensalza. Das Hotel Bast besteht noch heute (2016) in Inowroclaw.

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William Suermondt als Schauspieler

William Suermondt als Schauspieler

 

William und Emilie Suermondt
William und Emilie Suermondt

 

 

 

 

William Suermondt

William Suermondt

William Suermondt

 

William Suermondt
William Suermondt

 1925 - Diamant-Hochzeit

Emilie Riema wurde am 25. Juli 1845 als Tochter des Gerhard Wilhelm Riema, Kaufmann in Barmen, und Sophie geb. Hürter geboren und am 02. September 1845 in der evangelisch-reformierten Gemeinde Gemarke in Wuppertal-Barmen getauft (Taufreg.1845, Nr.175). Die Paten waren Hermann Riema, Kaufmann in Duisburg, ein Bruder des Vaters, und Johanna Maria Hürter, Elberfeld, die Grossmutter.
Lt. einer Bildrückseite von Emilie Riema  war die Konfirmation im März 1861.

Emilie, geb. Riema

Emilie, geb. Riema

Emilie, geb. Riema

Emilie, geb. Riema

Emilie, geb. RiemaEmilie, geb. Riema

 

Emilie, geb. Riema

Emilie, geb. Riema

 

 

 

William Suermondt und Emilie Riema lernten sich 1864 in Aachen kennen.(Q14)
“Bei Georges Oeders Verwandten Aachen – Bankier Wintgens – lernte mein Vater seine spätere Braut kennen, Mama war zu Besuch bei Wintgens. Papa sah sie zum ersten Mal im Theater, so wie mich  Max im Theater – Warschau -, als Anita und ich bei Onkel Georges Pastor waren.”

“..Weihnachten 1873, 24. Dez. waren viele Besucher bei uns, die auch übernachteten, Georges Oeder aus Düsseldorf usw. Mama ging dann etwas zeitiger als ihre Gäste nach oben und nach einiger Zeit meldete man ihnen, daß ein Weihnachtskind zur Welt gekommen, in der Nacht vom 24-25. Dez. 1873. Mein Bruder Walter. ..”

Wenig bekannt ist über Emilie geb. Riema. Ihren Vater erwähnt Lili Claassen-Suermondt relativ häufig, die Mutter wird aber kaum erwähnt, sodass der Eindruck entstand, sie sei eine zurückhaltende Dame gewesen. Erfreulich offen und mit sichtlichem Genuss berichtet Helene Freifrau von Schlichting-Bukowiec, über eine Episode aus der Zeit der Suermondts in Inowrazlaw, in der Emilie Suermondt als bildschöne und lebenslustige Frau beschrieben wird.

 

 

Williams älteste Tochter Lili, verh. Claassen, schrieb im hohen Alter von über 80 Jahren ihre Jugenderinnerungen auf. Ein Auszug hieraus:
“Am 9. Feb. 1865 heirateten meine lieben Eltern, Mama Emilie Riema, Barmen, geb. 20.7.1845. Eltern Wilhelm Georg Riema und Sophie geb. Hürter, Elberfeld. Papa, William Charles James Suermondt, Aachen, geb. 2.9.1840. Eltern Barthold Suermondt aus Utrecht, Holland und Amalie Elisabeth Cockerill. Großvater Barthold schickte meinen Vater als Leiter der Kohlengrube, Familienbesitz, nach Wandre, bei Liege – Belgien. Am 1.3.1866 erblickte ich in Wandre das Licht der Welt, ebenso am 31.3.1867 meine Schwester Anita und am 28.10.1868 mein Bruder Georges. 1870 zogen die Eltern nach Ruhrort, Großvater Barthold setzte Papa als Leiter (Director) der ,,Rheinischen Stahlwerke” Ruhrort-Meiderich ein. Zuerst wohnten wir in einer Villa, die sogenannte ,,Ölmühle”, Ruhrort, neben Haniels. (Elsie und Ottos’ <Suermondt> Großeltern). Dort besuchten uns die Großeltern von Papa aus Utrecht hochbetagt, Dirk Yman Christian Suermondt und Elisabeth geb. Twiss, meine Urgroßeltern und Paten. Urgroßvater Yman starb 1871, die Urgroßmutter 1873, beide in Utrecht. Urgroßvater in Rotterdam geb. war Director der “Holländischen Münze” in Utrecht, wo auch sein Portrait hängt und verschiedene Andenken an ihn gezeigt wurden. Meine anderen Paten waren die gute Großmama Sophie Riema und ein Studienfreund meines Vaters, Robert Dach (Nachkömmling von Simon Dach, “Ännchen von Tharau”). Diese poetische Ader hatte Robert Dach geerbt, zu meiner Taufe mit Taufbecher, Einsegnung – meiner Hochzeit, Geburt meiner Kinder hat mein treuer Pate mich oft mit Gedichten sinnvoll bedacht. Er war später Director der Kohlengruben in Alstaden, Oberhausen, war verheiratet, hatte Kinder und starb ziemlich alt in Düsseldorf. 1871 wohnten wir provisorisch in einem kleinen Landhäuschen an den “Rheinischen Stahlwerken” da der Bau von “Schloß Stahlau” – Meiderich noch nicht vollendet war. 1869 kam unsere geliebte Mißy zu uns, Mißy, “Elisabeth Eymer”, in Australien geb., ihr Vater war Engländer, ihre Mutter Dänin. Eliza war 3 Jahre bei Elsie und Otto Suermondt auf dem Heidgen, Aachen. Mißy hat uns 9 Jahre betreut, der Abschied von der Guten fiel mir sehr schwer! An den Krieg 70-71 habe ich lebhafte Erinnerungen, wir saßen im Garten, hörten das Donnern der Kanonen, zupften  ( …..!) es wurden Päckchen gemacht für Papas Brüder, die im Krieg waren und alle Offiziere waren – im Kadettencorps Bensberg erzogen, Papa auch, aber zu schwächlich um zu dienen. Am 12. Juli 1870 fuhr der Wagen vor – Mißy packte uns 3 Kinder mit Proviantkörbchen ein und wir blieben den Tag über mit Mißy im “Homburger Wäldchen”. Als wir gegen Abend zurück kamen, zeigte man uns unsere eben geborene Schwester, Emmy. Zum ersten mal sah ich mit Bewußtsein die Ernährung eines Babys, Emmy hatte eine bildschöne Amme. Wohl um Mama reelle Ruhe zu gönnen, wurde beschlossen, daß Mißy und Georges Kinderfrau, Frau Sandkuhl, mit mir, Anita, Georges auf einige Wochen auf ein großes Bauerngehöft im Wald gehen sollten. Unsere Kinderzimmer-Möbel wurden hingeschickt, usw. Als wir dann durch Wiesen und Wälder hinfuhren, erblickten wir ein Bild der Verwüstung! In der Nacht war ein großes Feuer ausgebrochen, hatte Haus, Ställe und Scheunen vernichtet, ein Blitzschlag hatte gezündet. Die guten Leute hatten kaum etwas gerettet, aber all’ unsere Sachen und meine große Wachspuppe gerettet. Furchtbar war in dieser Zeit auch ein Unglück auf den “Rheinischen Stahlwerken”, die Türe eines Hochofens öffnete sich und der flüssige, glühende Stahl verbrannte und begrub einige Arbeiter unter sich. Papa konnte sich lange nicht von diesem Trauerspiel erholen.

Ende 1871 war auch ,,Schloß Stahlau” erbaut. Es war ein Gebäude mit 2 Türmen. Rechts war unsere Seite, Auffahrt – Hauseingang, links Onkel Georges Pastor, der auch Director der Werke war – ein Vetter von Papa. Rechts und links die Obstgärten, Treibhäuser, gemeinschaftlich der Pferdestall, Hühnerhöfe, etc. Hinter dem Schloß der große Park, noch mit den alten Bäumen des Waldes, in der Mitte ein großer Teich mit Enten und ewig quakenden Fröschen, denen Onkel Georges mit einem Gewehr zu Leibe ging. Im Obstgarten reifte Spalierobst und herrliche großen Erdbeeren. Aus Belgien bekamen wir große Karnickel, Perl- und Bamaputra- und Zwerghühnchen geschenkt. Wenn Hochwasser von Rhein und Ruhr und Emscher gemeldet wurde, sattelten Kutscher und Reitknechte die Pferde und ritten die Jagdpferde nach Ruhrort, auf dem Heuboden wurden dann Hühner und alles Kleinvieh verstaut.

“Schloß Stahlau” war ein ganz modernes Wohnhaus, nach englischem Muster eingerichtet, Salon-, Wohn-, Arbeits-, Eßzimmer- und Anrichtezimmer im Souterrain, Wintergarten, Marmorhausflur und Treppe. Marmorbad, Toilette mit Wasserleitung. Ein gedeckter Glasgang führte vom Eßsaal in Anrichtezimmer, Wirtschaftsräume, Küche. Im ersten Stock Schlafzimmer der Eltern, 2 Kinderschlafzimmer, 2 Fremdenzimmer, unser Kinderspielzimmer mit Veranda, Ausblick zum Park. Oben im Turmzimmer war Mißys Reich, Anita und ich schliefen bei ihr, 2 Fremden-, 2-3 Mägdezimmer, 1 großer Boden, 1 Proviantzimmer. Wenn das Hochwasser gefallen war, es kamen Möbel, tote Tiere, allerlei, im Park an uns vorbei, 1 Kahn brachte Milch, Brot, Fleisch, durften wir in Waschbütten im Keller rudern und Weinflaschen und Conserven fischen.

Anita – Georges bekamen eine ansteckende Kinderkrankheit. Mißy pflegte und Mißys Schwester Cordy kam aus Coblenz und betreute mich, Salon und Park durften wir bewohnen. Sehr schön waren die Morgenspaziergänge, kuhwarme Milch wurde getrunken, wo die Herden weideten, herrliche Wiesen, große Körbe Champions wurden gesammelt.

Onkel Georges heiratete Anna Rupé aus Cöln, 1872. Weihnachten 1873, 24. Dez. waren viele Besucher bei uns, die auch übernachteten, Georges Oeder aus Düsseldorf usw. Mama ging dann etwas zeitiger als ihre Gäste nach oben und nach einiger Zeit meldete man ihnen, daß ein Weihnachtskind zur Welt gekommen, in der Nacht vom 24-25. Dez. 1873. Mein Bruder Walter.

Am 28.1.1874 wurde bei Onkel Georges Pastor das erste Kind geboren, meine Cousine Else, später, 1894, an Gustav Cramer verheiratet. Onkel Georges hatte dann noch 3 Töchter, Ada, 1875, Jenny 1876,27.11., bei deren Geburt die liebe Tante Anna starb, 30.11.1876. Anni war die Tochter aus 2. ter Ehe. Onkel Georges heiratete die viel jüngere Schwester der Tante Anna, Jenny Rupé! Alle 4 Töchter heirateten. Else Cramer hatte 3 schöne Töchter, Anita, 1896, Juliette, 1898, Ilse, 1901. Juliette war kurze Zeit verheiratet.

Als Walter 1 Jahr alt war, reisten die Eltern auf einige Monate nach Italien, Papa war leidend, Bronchitis, etc. Mamas Schwester, Auguste Dick und Onkel Henry Dick zogen zu uns, um uns zu behüten. Anita und ich schrieben mit Mißy viele Briefe, und erhielten interessante Berichte von den Eltern, aus Venedig, Rom, usw. Sicilien. Weihnachten brachten Anita und ich bei den Großeltern Riema in Barmen zu, wo Mamas Schwester Ida und Bruder Carl waren. Wir waren immer so gerne in Barmen bei den Großeltern. Großpapa war immer lustig – Großmama still, sie hat von 9 Kindern 6 Kinder verloren. Wilhelm u. Marie als Babies, Fritz und Emil 18 u.16 Jahre, Carl verunglückte mit 25 Jahren und Wilhelm, der Kaufmann in Glasgow, England, war, starb später im 50.ten Lebensjahr. Das Haus, der kleine Garten und Hof – Sternstr. 11, Barmen, kam uns sehr einfach vor, nur 1 Köchin, 1 Zweitmädchen. Verglichen mit der Pracht in Aachen – Utrecht, bei uns. Großvaters Eltern, Pfarrer Georg Riema, Alpen – Moers, und Justina geb. v. Rappard hatten 12 oder 14 Kinder. Großmama war das elfte Kind ihrer Eltern, Adam Hürter in Elberfeld und Frau geb. vom Dorp. Hürters feierten die Goldene Hochzeit. Für jedes Kind wurden die Eltern gemalt, ebenso das Kind. Ich hatte die 2 schönen Pastelle und Großmamas Bild als Kind dazu. Anita und ich wurden oft eingeladen, nach Barmen, Düsseldorf, Aachen, Utrecht, uns begleitete immer Mißy. Nach Ruhrort, Duisburg, Düsseldorf fuhren wir um Einkäufe zu machen. In den Sommermonaten waren wir oft in Kreuznach, Coblenz usw. In Coblenz hatte Mißys Mutter 1 Villa ganz nah an Schloß Stolzenfels der Kaiserin Augusta. In den Anlagen saß die Kaiserin oft, und wir durften einen Knix machen, “wir kleinen Engländerinnen” bekamen Cakes. Der alte Kaiser Wilhelm hat uns vom Wagen aus oft zugenickt. Als ich mit den Eltern in Ems war, habe ich auch oft den Reichskanzler Bismarck gesehen. In Aachen war es immer wunderschön, im Stadthaus in der Adalbertstr. oder auf dem Heidgen. Elsie war schon zu groß um mit uns zu spielen, aber Otto war nur 2 Jahre älter als ich und immer zu Streichen aufgelegt. Elsie und Otto hatten Ponys und ritten, wir beneideten sie, haben aber später in Inowrazlaw auch einen rußischen Kutnik gehabt, auf welchem wir unsere ersten Reitstunden bekamen. In Meiderich ritten die Eltern aus. Mama war eine große, schöne, schlanke, junge Frau. Ich sehe sie noch vor mir, als sie das Malkastenfest in Düsseldorf besuchte, Papa als Mond, Mama als Königin der Nacht in hellblauem Sammet mit goldenen und silbernen Sternen bestickt.

Mit Mißy waren wir dann längere Zeit in Utrecht. Von Großvater Bartholds Schwester, Tante Malvina Twiss geb. Suermondt eingeladen. Tante Malvina war damals schon Witwe, das Stadthaus – Haus meiner Urgroßeltern – lag an der Plompetorengracht, über 1 Brücke ging man in das Haus. Tante Malvinas Kinder waren bis auf Clara erwachsen, John, Elsie (spätere Baronin d’Aulnis de Bourouill), Amy, spätere Mefrow Grothe, eine Tochter Mary war jung gestorben, Clara, spätere M. van Ufford Quarles war unsere Spielgefährtin. Wunderschön war Tante Malvinas großer Landsitz, “Benkenburg”, ein großes flaches Landhaus, mit Obstgärten, Park, grünen Grasteppichen, Wald und Käsereien, Schweine, Kühe, Pferde, ein störrisches Maultier, Jack fuhr uns Kinder spazieren.

Wir besuchten die Käsereien mit den großen Rädern von Käse, die Ställe, eine Riesensau mit unzähligen Ferkeln; die holländischen Bauernkinder mit ihren Hauben, langen Röcken und Holzschuhen. Alles peinlich sauber, blitzblank. – Drollig waren in Benkenburg die Fremdenschlafzimmer. Bunte Tapeten mit Spielen und Blumen, die Betten standen in Alcoven, umgeben von bunten Creton-Vorhängen, mit großen Vorhängen zum zuziehen, in der Wand Schubladen, eine Ampel auch, so wie ein kleines Zimmer. Schon zum Frühstück gab es riesige Obstschüsseln.

In Utrecht in der Münze sahen wir ein altes Dockenhaus,(Puppenhaus), mit vielen Etagen, Zimmern, Küche, alles möbliert, auch Docken, es stammte aus dem 16.ten Jahrhundert.

Ich bin nur als Kind in Holland gewesen, dadurch, daß wir vom Rhein fortzogen, ich jung heiratete, leider nicht mehr. Anita, die nicht heiratete, war später noch oft dort, bei Amy, Elsie d’Aulnis, usw. Benkenburg, Utrecht mit den Grachten – alles blieb in meiner Erinnerung.

Ich war wohl 7 Jahre alt, als Frau Leiter, aus Wandre, ihr Mann war Betriebsführer an der Kohlengrube, uns in Meiderich besuchte. Sie wollte mich als Besuch mitnehmen. – Ich weiß noch, wie schnell ein weißes Alpaccakleidchen mit rosaseidenen Rüschen, ein himmelblaues Kaschmirkleid, genäht wurden und allerlei, sollte ich doch auch in Lüttich bei Bonpapa, Onkel Georges Vater, mich aufhalten. So habe ich denn das Haus, in welchem ich geboren wurde, gesehen. Leiters wohnten darin. Von der Landstraße ging man über eine Brücke in den obersten Stock – die Treppe im Haus herunter führte in den Obstgarten, Hof – und die Magazine, verschiedene Wohnhäuschen, die Kohlengrube. -  Am Magazin war die kl. Kaufmannstochter in meinem Alter, mit Chocolade, Bonbons, Zuckerherzen, wanderten wir dann in die Wiesen am  Maasufer, Jeanette’s Mutter band mir dann 1 gr. bunte Schürze von Janin um, worauf ich sehr stolz war. Aus dem Obstgarten haben wir noch in Inowrazlaw herrliche Birnen – Apfel erhalten – Papa hatte ihn angelegt.

Frau Leiter brachte mich dann nach Lüttich zu Onkel Georges Pastors Schwester, Marie Nagelmackers (etwas älter als mein Vater, seine große Liebe). Nagelmackers bewohnten ein großes Stadthaus, die Kinder Adele, Jeanne, Marthe, Julien (später eingefügt: so alt wie ich), Gerard (später eingef.: jünger) waren alle älter als ich. Gut daß ich fließend englisch sprach, denn ich hörte nur diese Sprache bei Nagelmackers, außer französisch. Jeanne war bildschön, ebenso Julien, in welchen ich mich arg verliebte. Mit den Kindern waren wir dann eine Woche bei Bonpapa und Mammi [15]in Chaudfontain, einem herrlichen Landbesitz, herrlicher Park, Rasen, Obstgärten, Blumen, Treibhäuser. Mammi war eine geb. Hodson, ihre Mutter Hodson war Nancy Cockerill, die einzige Schwester meines Urgroßvaters James Cockerill, und seiner Brüder John und William.

Von den Eltern bin ich oft mit auf die Reise genommen worden, schon als 3jähr. Ding nach Italien, wovon ich noch berichte. In Ems war ich mit den Eltern, Papa gebrauchte eine Kur, ebenso in Kreuznach und in Davos.”

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1. Verzeichnis der auf der Königlichen Bergakademie zu Freiberg im Lehrjahre
1862/63 studierenden Akademisten. : B - Ausländer http://www.tu-freiberg.de/~ub/el-
bibl/jb_sachsen/1863.pdf

2. Im Generallandesarchiv Karlsruhe Bestand TH Karlsruhe (448) Signatur 339
1860 : Beabsichtigtes Pistolenduell zwischen den Polytechnikern Ignatz Stroof aus
Köln und William Suermondt aus Aachen. Den Hinweis verdanke ich Prof.
M. Rasch vom Thyssen-Krupp-Archiv.
3. Auszug aus dem Trauregister der ev. reform. Gemeinde Gemarke in Wuppertal-
Barmen,Jg.1865, Nr.7
4. Architektenzeichnung von C.Schnitzler, veröff. in Architektonisches Skizzenbuch
1876, H.4, Bl.5  -Archiv Rheinstahl, Thyssen-Krupp, Duisburg
5. http://www.hohenzollernwerk.de/html/historie.htm
6. Dr. Bernhard Weber-Brosamer, Archiv-Direktor, Haniel-Archiv, Duisburg ,
31.03.2005 -(„Natürlich bietet die Akte HAA:1618 insgesamt eine Menge Details zu
Hohenzollern“)
7. http://www.inowroclaw.pl/sites/biznes/liderzy/soda.htm
8. Kopie Lieferbuch der Lokomotiv-Fabrik Hohenzollern – Haniel-Archiv
9. http://www.werkbahn.de/eisenbahn/lokbau/museum/pres_hohenzollern.htm
10. Adressbuch Giessen ( nur alle 2 Jahre aufgelegt)  1889   Wohnung in Giessen :
Suermondt, William, Rentner, Frankfurterstr. 6 II.  – 1891 – nicht mehr erwähnt.      Dr.phil. Adolph Mettenheimer (Apotheker) wohnte im I. Stock. Unten im Parterre
vermutlich Hirsch-Apotheke.
11. Bildpostkarte von William an Lotte Claassen.
12. Aufzeichnungen Lili Claassen-Suermondt
13. Manfred Rasch, Gerald D Feldmann (Hrsg.): August Thyssen und Hugo Stinnes.
Ein Briefwechsel 1898-1922. Verlag C.H.Beck, 2003, S.346.
14. Aufzeichnungen Lili Claassen-Suermondt
15. Conrad Gustav Pastor und Adele geb. Hodson
16. Gästebuch der Villa Allers auf Capri 1892-1902. Herausgegeben und kommentiert von Gerd
Fahrenhorst. Auf Basis der handschriftlichen Eintragungen im Gästebuch.
17.Helene Freifrau von Schlichting-Bukowiec, ‎Albrecht von Harnier – 2011; Kujawische Geschichten – Seite 123 – Google Books-Ergebnisseite
18. Sodafabrik Montwy 1892 : http://www.delpher.nl/nl/kranten/view?query=%22Robert+Suermondt%22&page=1&coll=ddd&maxperpage=10&identifier=ddd%3A010146485%3Ampeg21%3Aa0013&resultsidentifier=ddd%3A010146485%3Ampeg21%3Aa0013

siehe auch Wikipedia : https://de.wikipedia.org/wiki/William_Suermondt