548. Voigt, Johann Georg

Voigt

10. Generation

548.  Voigt, Johann Georg
Sohn von Jacobus Voigt,  Oberamtmann zu Schloß Ricklingen und Neustadt a/Rbg., und
Maria Catharina Brauns.
Churfürstlich Braunschweig-Lüneburgischer Oberamtmann zu Schloß Ricklingen und Neustadt/Rbg. Erbherr auf Rittergut Neuhof/Weser.
geb.  Schloß Ricklingen, 06.02.1646
gest.  Schloß Ricklingen; 28.12.1707
begr.  Schloß Ricklingen, 15.01.1708; (in der Kirche, vor dem Altar)
verh.  Horst; 22.08.1676
549.  Cumme (Kumme). Dorothea Ilse
Tochter des Hermann Cumme (Kumme), Amtmann und Klosterverwalter in Barsinghausen,
und  Dorothea Magdalene geb. Bengehals.
geb.  Hannover, 18.07.1659 (St. Aegidien)
gest. Schloß Ricklingen, 21.08.1687;  begr. Horst, 01.05.1687 (Grabkapelle Voigt)

Kinder:
548.1. Voigt 2, Catharina Magdalene Margarethe  – geb.1677 +1746
548.2. Voigt, Johann Heinrich – amtmann – geb.1679 + nach 1723
548.3. Voigt, Jobst Friedrich - Oberamtmann – geb.1681 +1755
548.4. Voigt, Hermann Ludwig - Oberamtmann – geb.1682 +1747
548.5. Voigt, Arnold Christian - Oberamtmann – geb.1685 + nach 1747
548.6. Voigt, NN.
(bei der Geburt ihres 6. Kindes starb Dorothea Ilse geb. CUMME,
am 21.04. 1687,  in Schloß Ricklingen)

Johann Georg Voigt

Johann Georg Voigt

 

Dorothea Ilse  geb. Cumme
Dorothea Ilse geb. Cumme

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Johann Georg VOIGT
Oberamtmann zu Schloß Ricklingen und Neustadt/Rbg. Erbherr auf Rittergut Neuhof/Weser.

“Er erwarb das alte Herrengut Schloss Ricklingen, wo er aus eigenen Mitteln die Kirche, Pfarre und Schule erbaute und dotierte, sowie am 20.8.1697 das Rittergut Neuhof bei Schlüsselburg a/d. Weser. Im Jahre 1692 wurde der Bau der Kirche begonnen und am 16.10.1694 feierlich eingeweiht. Er muss seine Mittel vollkommen damit verbraucht haben. In der von ihm eigenhändig auf Pergament geschriebenen Urkunde über die Stiftung der Kirche stattet er das Gelübde ab :
”damit er in dieser unruhigen Zeitlichkeit der wahren gemühtsruhe in etwas geniessen, Unglücksfälle so sehr nicht empfinden, Ein gutes Gewissen behalten und seinen lieben Kindern anstatt überflüsssigen, schädlichen reichthumbs Gottessegen als den besten schatz anerben möge’.” (Q.5)
Die Geschichte der Familie Voigt in Ricklingen wird ausführlich beschrieben in
Linnemeier, Bernd-Wilhelm: Das Amt Ricklingen und die Familie Voigt; (Q13)

Dissertation Joh.Georg Voigt
Dissertation Joh.Georg Voigt

 1667 – Dissertation , jur., Universität Jena(Q11)

1687 – “Dudensen (Q8)(Amt Neustadt) war tatsächlich ein adliges freies Gut mit eigener Gerichtsbarkeit. Schriftstücke aus dem Jahre 1687 beweisen das. Damals hatte der Amtmann Georg Voigt versucht, die Dudenser Bauern zum Brücken- und Wegebau heranzuziehen. Ihr Gutsherr, Christian von Holle, verbot ihnen, dem Befehl Folge zu leisten. Er beschwerte sich beim Herzog Ernst August, der daraufhin einen mit Vorwürfen geladenen Brief an den Amtmann richtete:
<Ihr sollt in Zukunft die Dorfschaft Duensen in ihrer Freiheit nicht turbieren (bedrängen, beeinträchtigen). Es sind dem Fürstlichen Amt von alters her da keine Dienste verstattet und auch von Gerichts wegen bei 20 Rthlr. Strafe, nach Ueberantwortung dieses unseres fürstlichen Briefes obgedachte Einwohner des Dorfes Duensen in ihrer angegebenen possession (Besitz) und Dienstfreiheit nicht zu beeinträchtigen!>”

1689    Kopfsteuerbeschrbg: T. 4, S.93, Amt Ricklingen: Amtsbedienstete: (Q.4)
“Amtmann Johann Georg VOIGT (10Th.).Johann Hinrich (10J), Jobst Friedrich (8 J.), Hermann Ludwig (6 J.), Arnold Christian (4 J.)”  insgesamt mit 36 Personen.
(Ehefrau war 1687 gestorben. Nicht angeführt die Tochter Catharina Magdalene (*1677, also 12 Jahre alt) 1689    dto.,  S.94; Ricklingen (Schloß Ricklingen):
“Johann Georg VOIGT ist beim Amt beschrieben (41.1/3 Mg)
(Anmerkung 1): Frau lebt noch 1686″.              (Q.4)

1688/89 “durch die Kirchenakten zu Basse (Q9), wird überliefert, daß unter dem Amtmann Voigt von Ricklingen in den Jahren 1688/89 die Kirche in Basse, Amt Ricklingen, neu aufgebaut sei.” (Fälschlicherweise wird in den Kunstdenkmalen des Kreises Neustadt a. Rbge Jacob Voigt als der Amtmann bezeichnet. Dieser war jedoch bereits 1681 in Ricklingen gestorben. Dessen Sohn Johann Georg Voigt war 1688/89 der Amtmann.)

1692-
1694    Erbauer und Stifter der Kirche, Pfarre und Schule zu Schloß Ricklingen;Im Turmraum der Kirche
hat der Stifter eine Totenkammer bestimmt, in der die Mitglieder und Nachkommen der Familie
Voigt ihren letzten Platz finden sollten. In einer Aufstellung der Särge-SchlossRicklingen werden die teilweise aufwändigen Schmuck-Särge aufgeführt. Inzwischen ist der größte Teil der Särge dort entfernt worden.
Über die Kirche zu Schloß Ricklingen ist in Wikipedia geschrieben.

Kirche Schloß Ricklingen

Kirche Schloß Ricklingen

Glocke mit Wappen Voigt

 

Amtshaus-Schloß Ricklingen
Amtshaus-Schloß Ricklingen
Schule -Schloß Ricklingen
Schule -Schloß Ricklingen

 

 

 

 

 

 

Dorothea Ilse Cumme
Bei der Geburt ihres 6. Kindes starb Dorothea Ilse Kumme

Trauergedicht für Dorothea Ilse Kumme
Trauergedicht für Dorothea Ilse Kumme

Nach dem  Trauergedicht/ Epitaphium am 13.4.1687 gestorben; “Als dieselbe am 13. April ihre harte Geburts-Arbeit mit einem sanfft- und seeligen Ende beschlossen …”; es steht aber auch weiter: “..in ihr Gewölbe zu Ricklingen beygesetzt worden /…” (Q.2);    (Die Kirche zu Schloß Ricklingen wurde erst 1694 fertiggestellt. Gemeint ist hiermit die Grabkapelle an der Kirche in Horst – dem Kirchort für Schloß Ricklingen.)

“Klag- und Trostreimen / über den unverhofften doch seligen Abschied / Der Edlen, Gross Ehr- und Tugendreichen / Frauen Fr. Dorotheen Ilsen KUMMEN / Des Edel Vest und Hochgelahrten Hn. Johann Georg VOIGTS / Fürstlich Osnabr. Braunschweig.-Lüneb. wolverdienten Ambtsmanns zu Ricklingen / wie auch Neustadt am Rübenberge / Weiland hertzlich geliebten Ehegenossin / Als dieselbe am 13. April ihre harte Geburts-Arbeit mit einem sanfft- und seeligen Ende beschlossen / und darauf am 1.Maii mit christlichen Ceremonien in ihr Gewölbe zu Ricklingen beygesetzt; worden /. Zu Bezeugung / Eines auffrichtigen, schmerzlichen Mitleides / entworfen / Von einem guten Bekannten.” (Q.2)

 

Kirche-Engel
Kirche-Engel
Engelskopf-Ricklingen

Engelskopf-Ricklingen

Ein geschnitzer Engelskopf in der Kirche zu Schloß Ricklingen :
“Neben dem schlichten Altartisch aus Sand­stein beginnen schon die schönen Schnitzereien in Form von Engels­kopf und Flügel mit umgehängter Blumengirlande. Darüber verkröpfte Felder mit Landschaftsbildern sind eine ruhige Basis für die aufwendig gearbeitete Kanzeletage. Die im Halbrund vorspringende Kanzel schmückt ein Engel mit Halskette, der ein Abbild der früh verstorbenen Dorothea Voigt ist. ”
Die Beschreibung >>>

Gratulation 1696 zum Bau der Kirche

Gratulation 1696 zum Bau der Kirche

Am 28.12.1707 ist Johann Georg Voigt in Schloß Ricklingen verstorben und am 15.01.1708 in seiner Kirche zu Schloß Ricklingen vor dem Altar begraben worden..
“Das Turmgewölbe zur Schloss-Ricklinger-Kirche, in das man durch 2 verschlossene Türen vom Schiff der Kirche aus gelangt, ist von Johann Georg VOIGT als Grabstätte für ihn und seine “descendentes” bestimmt. Dieser schmucklose Raum trägt in seiner hinteren Hälfte in halber Höhe einen Holzboden, der durch eine kleine hölzerne Stiege zugängig ist. In dem dadurch geschaffenen unteren und oberen Raum befinden sich die Särge der Familie VOIGT und zwar unten 13 Särge von Erwachsenen, oben 13 Särge von Kindern.”   (Q.5).
Die Kirchengemeinde schreibt zum Friedhof:
“Als Johann Georg Voigt  1692 – 1694 die Kirche erbauen ließ, stiftete er gleichzeitig den Friedhof um die Kirche. Er wies allen Familien in Schloß Ricklingen acht Grabstellen zu und ließ sie mit den Hofstellennummern kennzeichnen. In der Südwestecke des Friedhofs findet man unter acht großen Sandsteinplatten die Grabstelle des Jobst Fridrich Voigt und seiner drei Ehefrauen, einem Bruder des Stifters.
Nahe dabei ist seit 1970 die Grabstelle der Mitglieder der Familie Voigt, die bis dahin ihre letzte Ruhe im Turmraum der Kirche hatten. Links vor dem Haupteingang der Kirche befindet sich die Grabstelle des General Eberhard Freiherr von Brandis und seiner Ehefrau. Er war bis 1866 hannoverscher Kriegsminister.
Viele der ursprünglichen Grabstellen sind im Laufe der Zeit an den Friedhof zurückgefallen, so dass es heute sehr viele freie Grabstellen gibt.” (Q12) Hierbei ist allerdings zu beachten, daß Jobst Friedrich der Sohn des Stifters war und selbst Patron der Kirche gewesen ist, nicht ein Bruder.

1695   Im Hauptstaatsarchiv Hannover befindet sich eine Akte
“Bericht des Amtmanns Johann Georg Voigt und Begleitschreiben des Oberforst- und Jägermeisters von Wangenheim über die Anlage eines Dammes im Moore bei Ricklingen (sicherungsverfilmt Nr. 8699)” – Best.-Nr. Cal. Br. 2 Nr. 2260 (Ämtersachen des Fürstentums Calenberg-Göttingen) (Q10.)
- nicht eingesehen -

Gut Neuhof bei Schlüsselburg

1697    am 20.8.1697 kaufte er das Rittergut Neuhof bei Schlüsselburg a/d. Weser
“Johann Georg (VOIGT), Amtmann zu Neustadt, kaufte 1697 v. Bernhard Idel von SCHORLEMMER das Rittergut Schlüsselburg (- nicht richtig, er kaufte das Rittergut Neuhof – siehe “Familienstiftung Gut Neuhof” – im Anhang) und erhielt 1708  für sich, seine Brüder und Vettern die landesherrliche Belehnung.”     (Q.3, S.541)
Die Geschichte des Gutes – von der Gründung durch die von Klenckes, den Kauf durch Voigt von den Schorlemmers, die Hintergründe und Zusammenarbeit der einzelnen Pachtungen und Eigengüter der Voigts, die gemeinsame Verwaltung des (hoch verschuldeten) Nachlasses von Johann Georg Voigt durch seine Söhne, Übernahme 1747 durch den Sohn Jobst Friedrich, Umwandlung in ein “Fidei Commissum Familiae” zu Gunsten seiner Töchter und deren Nachkommen, bis zur Auflösung der Familienstiftung 1932 wir sehr umfangreich beschrieben in
Linnemeier, Bernd-Wilhelm: Ein Gut und sein Alltag. Neuhof an der Weser, Coppenrath,1992
Linnemeier konnte hier u.a. auf das Archiv von Gut Neuhof zurückgreifen.

Neuhof - ca. 1895

Kaufvertrag 1697

Kaufvertrag 1697

Die Originalurkunden über den Kaufvertrag des Gutes 1697, den Auseinandersetzungs-Vertrag der Gebrüder Voigt 1747, die Stiftungs-Urkunde von 1748, die Genehmigungs-Urkunde mit der Original-Unterschrift des Landesherrn Friedrich d.Gr. vom 23.07.1749, die Urkunde über den Vergleich vom 05.10.1755 zwischen der Witwe von Jobst Friedrich, Eleonore Maria geb. Chappuzeau mit den sieben Töchtern , in dem die Schwiegersöhne Wedemeyer und von Strauß zu Verwaltern in Neuhof eingesetz werden, sind in den Kriegswirren verloren gegangen. Bei der Auflösung der Familienstiftung 1932 gingen diese Unterlagen in die Verwahrung von Prof. Dr.med. Adolph Becker, Hannover, dessen Haus 1943 bei einem Bombenangriff total zerstört wurde und viele Familienpapier verloren gingen. Allerdings sind die Seiten dieser Urkunden mit den entsprechenden Unterschriften fotografiert worden - diese Amateurfotos sind zum Glück erhalten.
Eine Zusammenstellung zur Familienstiftung Neuhof erfolgte, bevor die Arbeit von B.-W.Linnemeier bekannt war. Hier sind vor allen Dingen auch die  Hintergründe zu der Auflösung der Familienstiftung aufgeführt.

Die wirtschaftlichen Aktivitäten von Johann Georg Voigt werden dokumentiert und hervorgehoben durch B.-W.Linnemeier  in dem Kapitel:    Das Gut (Neuhof) als Teil des Voigt´schen Güter- und Betriebsverbandes. (Q7, S.60)
“Es wäre falsch, das Gut Neuhof während der ersten sechs Jahrzehnte des 18. Jahrhunderts als selbständige wirtschaftliche Einheit zu sehen; zu eng war seine Einbindung  in den Verband der landwirtschaftlichen Großbetriebe seiner Besitzer, die diese teils als Eigengüter, teils als Pachtung landesherrlicher Amtsdomänen innehatten.
So bewirtschaftete Johann Georg Voigt, als er den Neuhof im Jahre 1698 erwarb, neben dem Stammhof zu Ricklingen die dortige herrschaftliche Amtsdomäne sowie den Amtshaushalt zu Neustadt am Rübenberge. Für beide Pachtungen hatte er insgesamt 3.935 Rth. an jährlichem Pachtzins zu entrichten; dagegen konnte er eine aus diesen Pachten erzielte jährliche Gesamteinnahme von 8.565 Rth. veranschlagen. Die noch hinzuzurechnende jährliche Besoldung in Höhe von 448 Rth. welche Johann Georg Voigt  für die Verwaltung der Ämter Ricklingen und Neustadt zustanden, fällt hierbei kaum ins Gewicht. Noch in seinen letzten Lebensjahren dehnte Voigt seine Pachtunternehmungen aus: Im Jahre 1705 übernahm er das herrschaftliche Vorwerk Schäferhof vor den Toren der Stadt Nienburg und wohl noch 1707 in Kombination mit der Neustädter Pacht das Vorwerk Mecklenhorst nordöstlich von Neustadt am Rübenberge. ”

 

Bilder:
1. Die Oelbilder des Ehepaares, bis 1932 auf Gut Neuhof, dann im Besitz von Adolph Becker,
1943 in Hannover verbrannt.
2. Bild auf Tasse, nach Oelbild;
3. Geschnitzer Engelskopf mit Perlenkette, Altar Kirche Schloß Ricklingen

1. AL. Ad. Becker;
2. LP für Dorothea Ilse Cumme, Ehefrau;
3. J. Lampe, Aristokratie, Hofadel und Staatspatriziat in Kurhannover, T. 100, S.261, + S.541;
4. Kopfsteuerbeschreibung 1689, Teil 4,   S. 93+94, Ricklingen;
5. Aufzeichnungen Ad. Becker;
6. AL Hoppe (dort als Sterbedatum 24.12.1708 und Geburtsdatum 28.2.1646);
7. Linnemeier, Bernd-Wilhelm: Ein Gut und sein Alltag. Neuhof an der Weser, Coppenrath,1992
8 Heimatkalender für den Kreis Neustadt a.Rbge., 1961, S.38: Wilhelm Winkel, “Wie das adlige
Gut Dudensen Vorrechte und Freiheiten verlor”
9. Die Kunstdenkmale des Kreises Neustadt am Rübenberge, Textband, 1958, Deutscher
Kunstverlag, S.9ff.
10.  http://aidaonline.niedersachsen.de/
11. Dissertation Joh.Georg Voigt: http://gso.gbv.de/DB=1.28/SET=4/TTL=1/SHW?FRST=2
( VD17 14:022737H  )  eingeben:   >>>  Voigt Johann Georg   >>>
12. http://www.kirche-schloss-ricklingen.de/index.php?option=com_content&view=article&id=100&Itemid=49
13. Linnemeier, Bernd-Wilhelm: Das Amt Ricklingen und die Familie Voigt;
Schriftenreihe zur  Stadtgeschichte, Heft 4, Garbsen 1993;
14.  Aufstellung der Särge-SchlossRicklingen .
Kirche Schloß Ricklingen im Internet:

1. Wikipedia http://de.wikipedia.org/wiki/Kirche_Schlo%C3%9F_Ricklingen
2. Foto des Deckengewölbes bei Deutsche Stiftung Denkmalschutz
3. Kirchengemeinde Schloß Ricklingen:  http://www.kirche-schloss-ricklingen.de/