548.2. Voigt, Johann Heinrich

Voigt

548.2. Voigt; Johann Heinrich
Sohn von Johann Georg Voigt und Dorothea Ilse Kumme
Amtmann zu Westerhausen bei Quedlinburg, auch zu Weferlingen nördlich von Helmstedt.

geb. Schloß Ricklingen 17.07.1679
gest.  1723
verh. Bündheim-Harzburg 13.07.1707
von Uslar, Anna Sophia
Tochter von Andreas Caspar von Uslar, Oberamtmann in Bündheim (+ 04.J2.l706) und  Catharina Sophia geb. Knorre.
geb. Bündheim-Harzburg 04.11.1688
gest. Rethen 25.01.1747;   begr. Schloß Ricklingen, Gewölbe
Kirchenbuch Grasdorf: „Am 25. Januar 1747 ist die Frau Amtmannin VoigtzuRethen gestorben, welche von dem Herrn Oberamtmann Voigt zu Coldingen, seiner Frau Schwester, wird nach Schloß Ricklingen gebracht und daselbst im Gewölbe beigesetzt.“

Kinder:

1. Voigt, Johann Friedrich
geb. Bündheim 03.10.1708
gest. Bündheim 18.10.1709

2. Voigt, Conrrad Ludwig
geb. Bündheim 09.10.1709
gest. Westerhausen  01.09.1717
Im Taufbuch der Kirche ist folgendes vermerkt: „Die Gevatter waren die Witwe des Oberamtmannes
von Uslar, Herr Conrad Wedemeyer, Amtmann zu Lauenstein und Herr Ludwig Voigt“.

J. H. Voigt sollte am 4. September 1717 persönlich auf der Königlichen Kammer in Halberstadt zur Klärung einiger Punkte erscheinen. Am 3. Septernber 1717 teilte J. H. Voigt Seiner Königlichen Majestät mit , “ dass vor zwei Tagen ein Sohn von ihm gestorben sei und er deshalb um Terminaufschub bat. Ein Begräbniseintrag wurde im Kirchenbuch vcn Westerhausen nicht gefunden.

3. Voigt, Sophia Magdalena
geb. Westerode Ende 1710
gest. nach 1756
verh.
Thönen, NN.
Kaufmann in Hildesheim.

4. Voigt, Georg Christian
geb. Westerhausen 19.11.1711
Paten: Arnold Christian Voigt, des Amtmanns Bruder, Amtmann zu Etgersleben im Magdeburgischen, Georg Christian Kumme, Hauptmann und Jungfrau Johanna von Uslar, der Frau Amtmännin Schwester
gest. Westerhausen 04.10.1714

5. Voigt, Heinrich Caspar
Russischer Kapitänleutnant und Meier (Bauer) in Upjever/Friesland.
geb. Westerhausen 23.12.1712
gest. Upjever
begr. Schortens/Friesland 29.05.1762
„Am 29.Mai 1762 wurde Herr Kapitänleutnant Voigt, gewesener Meier zu Upjever, in der St. Stephanus-
Kirche zu Schortens/Friesland, gleich vor dem Kreuz, beerdigt.
Von 1756 bis 1762 war er Patron der Kirche zu Schloß Ricklingen.
Der Erbauseinandersetzungs-Vertrag der Gebrüder Voigt von 1747 wird auch unterschrieben von dem Sohn von Johann Heinrich, Heinrich Caspar Voigt, der nicht mehr beteiligt wird, da die Gebrüder Voigt die Schulden des Johann Heinrich gemeinsam getilgt hatten.
Unverheiratet, seine Erbin war seine Schwester Johanna Louise  Friederike Heidelmann, geborene Voigt.

6. Voigt, Justus Friederich
geb. Westerhausen 02.01.1714
gest. Westerhausen 02.08.1714

7. Voigt, Johanna Louise
sie war 1762 die Erbin ihres unverheirateten Bruders Heinrich Caspar Voigt.
geb. Westerhausen 23.12.1714
gest. Jeinsen 14.08.1798
verh. 1. Ehe  Koldingen 04.04.1747
Hübener, Gottfried August
Amtmann in Meinersen
geb. 1697
gest. 1749
verh. 2. Ehe Gestorf 13.10.1750
Heidelmann, NN.
geb.              gest.

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Johann Heinrich Voigt war nach seinem Studium, 1703, bei dem Oberamtmann in Bündheim-Harzburg Andreas Caspar von Uslar, als Amtsschreiber tätig, von Uslar starb am 04.12.1706. Anfang 1707 erhielt J.H.Voigt die Bestallung zum Fürstlich-Braunschweigisch-Lüneburgischen Amtmann in Bündheim-Harzburg. Am 13.07.1707 heiratete er in Bündheim die Tochter Anna Sophia seines verstorbenen Vorgängers. Voigt lebte auf großem Fuße und konnte nicht mit Geld umgehen. Herzog Anton Ulrich zu Braunschweig-Lüneburg  forderte ihn auf, seinen Dienst zu quittieren, da er seine hohen Verbindlichkeiten nicht begleichen konnte. Am 14. Oktober 1709 quittierte er seinen Dienst in Bündheinm-Harzburg.
Danach lebte er mit seiner Familie, seiner Schiegermutter, der Schwester seiner Ehefrau und seinem Bruder Hermann Ludwig Voigt, den er schon vorher als Amtsschreiber nach Bündheim-Harzburg geholt hatte,  in Westerode. 1710 ersteigerte er das Amt Westerhausen zu einem wesentlich  überhöhten Preis.

1714 übernahm Voigt zusammen mit einem anderen Amtmann das Amt Weferlingen. Die hohen Kosten beider Ämter, das Verschwinden des Partners und die Unfähigkeit, fällige Pachtzahlungen zu erledigen, haben 1717 die Sequestration zu befürchten. Nach Beratung mit Bruder Hermann Ludwig, der inzwischen Amtmann in Neustadt a. Rbg. ist, täuscht er seinen Selbstmord vor und verschwindet ins Ausland. Hermann Ludwig Voigt nimm seine Schwägerin und die Kinder zu sich nach Neustadt. Nach dem Umzug von Hermann Ludwig nach Koldingen verschafft er ihnen eine Unterkunft in Rethen/Leine.

Linnemeier dagegen schreibt, „die Frau und Kinder von Johann Heinrich fanden 1717 nach seinem Weggang Obdach auf Neuhof von 1718 bis 1724 auf Kosten der Familie.“

Johann Heinrich Vogt, der älteste der Gebrüder Voigt „übernahm zwar 1708 die Trägerschaft der zu Neuhof gehörigen Lehen, scheint sich jedoch später nicht mehr sonderlich um das Gut gekümmert zu haben.“ (Q1)
Bei der Teilung der Güter des Vaters 1747 (Neuhof – Ricklingen) wurde Joh. Heinrich nicht mehr berücksichtigt. „Er war schon 1717 als Bankrotteur unter abenteuerlichen Umständen ins Ausland entwichen. und inzwischen verstorben. . ..
Voigt hatte sich unter Vortäuschung eines Selbstmordes durch Ertränken sowie unter Hinterlassung hoher Schulden ins Ausland abgesetzt. Die übrigen Brüder Voigt hatten alle Mühe, anschließend die Reputation des Namens zu wahren.“ (Q1)

Der Bruder Hermann Ludwig kümmerte sich nach dem unrühmlichen Abgang von Johann Heinrich ab 1717 um den großen Pachtbetrieb Weferlingen bis zum Ablauf der Pachtjahre 1726.
„Hermann Ludwig hätte diese lukrative Pachtung, wie er gegenüber seinem Bruder Jobst Friedrich äußerte, gerne weitergeführt; sein Vorhaben wurde jedoch durch konkurrierende Standesgenossen vereitelt.“ (Q1)

Die Frau und Kinder von Johann Heinrich fanden 1717 nach seinem Weggang Obdach auf Neuhof von 1718 bis 1724 auf Kosten der Familie. Anderweitig bewohnt war das Gutshaus wärend der Lebenszeit von Johann Georg und Jobst Friedrich nicht. Erst nach dem Tode von Jobst Friedrich bezog dessen Witwe das Gutshaus.

Erbauseinandersetzungs-Vertrag 1747

Erbauseinandersetzungs-Vertrag 1747

Der Erbauseinandersetzungs-Vertrag von 1747 wird auch unterschrieben von dem Sohn von Johann Heinrich, Heinrich Caspar Voigt, der nicht mehr beteiligt wird.

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1. Linnemeier, B.-W.; Ein Gut und sein Alltag; Neuhof an der Weser, Coppenrath, 1992, S. 57ff.