Gereuth , Herrschaft und Schloß

Herrschaft und Schloss Gereuth in Unterfranken

Den Erwerb von Herrschaft und Schloss Gereuth durch die Familie Prieger beschreibt Hans Georg Prieger, der letzte Prieger in Gereuth, in einer kurzen Biographie seines Großvaters Ferdinand Carl Prieger:  [1]

„1857, nach dem Tode des Schwiegervaters Johann Erich BANCK , der ein Riesenvermögen hinterlassen hatte, das teils in Holland, teils in Deutschland angelegt war, bevollmächtigte die Witwe BANCK ihn und seinen Bruder, Dr. Oskar PRIEGER, der mit der Tochter aus ihrer 1.Ehe, Friederike de VOS, verheiratet war, mit der Vermögensverwaltung. Ferdinand PRIEGER kehrte nach Deutschland zurück und nahm seinen Wohnsitz vorübergehend in Kreuznach und Hanau. Auf der Suche nach einem Großobjekt bot sich die Herrschaft Gereuth, damals im Besitz der Bankiersfamilie v. HIRSCH in München und Würzburg an. Ursprünglich auf den Namen der Witwe BANCK geb. HOFF erworben, trat diese etwa nach einem Jahr, 1859, den Besitz an die beiden Schwiegersöhne ab und zog sich nach Holland zurück. Die Brüder Oskar und Ferdinand führten die Verwaltung bis 1863 gemeinsam, dann ließ sich Oskar abfinden, zog nach Bonn und verbrachte den Rest seines Lebens im großen Stil als Rentner. Ferdinand blieb somit Alleinbesitzer der Herrschaft Gereuth. Er suchte, obwohl Nicht-Landwirt, sich in die verschiedenen Sparten der verzweigten Betriebe (u.a. Großmühle, Sägewerk, Metzgerei, Brennerei usw.) mit mehr oder weniger Erfolg einzuarbeiten, hatte vor allem gut eingearbeitetes Personal zur Hand.“

Der in verschiedenen Veröffentlichungen dargestellte Kauf von Gereuth durch die wohlhabenden Textilkaufleute Prieger ist nicht richtig. Ferdinand Carl war als Textilkaufmann in Manchester schon zu Wohlstand gekommen, als er 1855 die Tochter des schwerreichen Zuckerfabrikanten und Zucker-Kontraktors Johann Erich Banck heiratete. Priegers Vermögen hätte zum Kauf von Gereuth nicht ausgereicht. Durch den frühen Tod des Schwiegervaters Banck im Jahre 1857 musste die Verwaltung des auch für heutige Zeiten ungeheueren Vermögens neu geordnet werden. Der einzige Sohn, Johann Erich Banck jun., war Jurist, Schwiegersohn Oscar Prieger war Arzt und somit blieb nur der Schwiegersohn Ferdinand, der als erfolgreicher Kaufmann in Manchester  Fachkenntnisse besass. Ferdinand Prieger verlegte seine Tätigkeit zunächst nach Deutschland und suchte für die Witwe Banck eine passende Vermögens-Anlage. Im Jahre 1859 kaufte Prieger die Herrschaft Gereuth von dem Bankier Joul-Jacob von Hirsch für die Witwe  Caroline Wilhelmine Dorothea Banck, geb. Hoff. Offenbar hatte die Witwe zunächst beabsichtigt, ihren ständigen Wohnsitz in Gereuth zu nehmen, übertrug jedoch schon nach kurzer Zeit den Besitz an ihre Schwiegersöhne Oscar und Ferdinand Prieger und zog nach Arnheim, wo ihre Tochter Charlotte Wilhelmina lebte, die im Oktober 1858 den Zuckerfabrikanten Jeremias Adriaan Kolff geheiratet hatte. Sie erbaute sich 1864 dort das Haus “Carolinenburg” am Velperweg No. 23 und lebte dort bis zu ihrem Tode 1883.
Der Sohn J.E. Banck jun. kaufte zu gleicher Zeit 1858 die ganze holländische Insel “Schiermonnikoog” für 100.000 Gulden und ließ 1860 an der Seite des Wattenmeeres einen Deich bauen, wodurch ein Polder entstand, der jetzt immer noch “Banckpolder” heißt.

Die Schwiegersöhne Oscar und Ferdinand Prieger führten die Gutsverwaltung zunächst gemeinsam bis 1863. Oskar liess sich auszahlen und siedelte nach Bonn über, wo er dort die „Villa Prieger“ erbaute.

Hans Georg Prieger berichtet 1984  :    [2]

„Ferdinand C. Prieger war bemüht, sich als zeitgemäßer fortschrittlicher Landwirt zu betätigen, u.a. durch Einführung neuzeitlicher Anbaumethoden, Ackerdränage, besonders durch Verbesserung der einheimischen Viehhaltung mit Einkreuzung fremder Zuchtviehrassen (Simmenthaler, Shorthorn usw.). Er starb 1887 und hinterließ den Besitz seinen acht Kindern, vier Söhnen und vier Töchtern. Die Töchter bestanden nach wenigen Jahren auf Abfindung, die vier Brüder teilten sich in die Verwaltung. Der älteste Bruder, John Prieger, Familienobmann, starb 1899. Die drei Brüder Oskar, Adrian und Karl blieben weiter in Besitz und Verwaltung. Adrian, mein Vater , starb 1928 in Gereuth, Oskar 1939 und Karl Prieger, vormals Landtagsabgeordneter und Präsident der bayerischen Landesbauernkammer, 1942 in Hafenpreppach.
Mit der Fortführung der Erbengemeinschaft ergaben sich Schwierigkeiten persönlicher und wirtschaftlicher Art. Hinzu kam die Inflation der 20er Jahre, danach die Deflation, verbunden mit der Weltwirtschaftskrise anfangs der 30er Jahre, beides verheerend für die deutsche Landwirtschaft. So kam es zuerst zu Verkäufen fast all der Nebenhöfe; auch das Restgut blieb nicht länger zu halten. 1936 kaufte Herr Friedrich Höhn sen., Landwirt und Administrator aus Hohenfinow, Krs. Eberswalde (Mark Brandenburg), Gereuth mit sämtlichen Gebäuden und Zubehör. Die Zeit der Herrschaft Gereuth war zu Ende, die Epoche des landwirtschaftlichen Zweckbetriebes begann. … „

 

Gereuth – Plan 1849

Gereuth – Plan 1849 -2

Gereuth – Plan 1849 -3

 

 

 

 

 

Gereuth – Ende der 1890er Jahre

 

Gereuth um 1920

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Gereut – 2006

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Gereuth-Rückseite-2006

.“Der vermutlich älteste erhaltene Gebäudeteil, der Schüttboden, neuerdings auch Altes Schloß benannt, ist ein Renaissancebau aus der Zeit um 1600 mit typisch fränkischen Giebeln und teilserhaltenen Dachgauben, teils vorgelagertem Säulengang, dahinter Vorratsgewölbe, im Obergeschoß Diele mit Nebenräumen und drei Dachgeschossen. Nach 1700 wurde er im „Geisinger Stil“ verlängert und diente im älteren als Gefängnis und Zehntspeicher, im neueren Teil als Pferdestallung mit darüberliegenden Wohnungen einschließlich Schule.“  [2]

 

Gereuth „Altes Schloß“- Schüttboden

 

Gereuth -Rückseite Schüttboden

 

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Gereuth – Wasserstelle

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Im Hintergrund an der Mauer des Schüttbodens das Zeichen

.                HVH  1833.
Hier hat die Familie von Hirsch
offenbar renoviert oder umgebaut.

 

 

 

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Gereuth – Schweinestall

Gereuth – Türsturz 1866

Gereuth – Schweinestall – Tür

 

 

 

 

 

 

 

 

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Im Jahre 1866 liess Ferdinand Carl Prieger in Gereuth den Schweinestall bauen. Im Türsturz  „A.S.Prieger – 18.April 1866“.
Was das Datum „18.April “ bedeutet, ist nicht bekannt. Der Name von Auguste Sophie Prieger sollte wohl auch daran erinnern, dass Gereuth hauptsächlich das Erbe der Frau war.

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Besuch in Gereuth 1887 mit Hans Gg. Prieger

Gereuth – Einfahrt zum Park 1987

Gereuth – Park 1987

Gereuth – Schweinestall 1987

 

 

 

 

 

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Gereuth – um 1960

 

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Die Familienpapiere zu Prieger und Gereuth befanden sich im Besitz von Hans Georg Prieger. Diese Archivalien hat er 1988
“ im Umfang von ca. 1 lfd. m dem Staatsarchiv geschenkweise zu Eigentum “ übertragen.
Im Vertrag vom 10.Mai 1988 sichert das Staatsarchiv Bamberg zu, dass der Zugang interessierten Nachkommen zum „Nachlaß Prieger“ jederzeit und ohne Benutzungsgebühren offen steht. [3]

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Quellen:
1.  Prieger, Hans Georg  “Die Großeltern Ferdinand u. Auguste Prieger”, handschriftl.
2.  Prieger, Hans Georg:  Die Herrschaft Gereuth im Wandel der Zeiten. In: Historischer Verein Bamberg. 120. Bericht. Festschrift Gerd Zimmermann. Bamberg 1984, S. 199-204.
3.  Vereinbarung zwischen Hans Gg. Prieger und Staatsarchiv Bamberg – Archivdirektor Dr. Franz Machilek – vom 10.5.1988.