Gleiwitz – Gliwice

William Suermondt in Schlesien – 1890/91 bis 1906

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Schon Anfang der 1870er Jahre hat William Suermondt in der Gegend von Gleiwitz Felder aufgekauft  und Bohrungen durchführen lassen.  Als studierter Bergbauingenieur und langjähriger Direktor der Kohlengruben in Wandre suchte er offensichtlich in Schlesien eigene Kohlengruben. Für die Kohle bestand jedenfalls auch gute Verwendung bei den Rheinstahl-Werken in Meiderich, wo er seit 1870 zusammen mit Gustav Pastor die Leitung des Werkes inne hatte.
In seinem Besitz waren ab 1873 bis 1901  16 Felder, die er dann zu einem Großteil verkaufte an die Oberschlesische Eisenindustrie AG (Obereisen), den damals größten Konzern in Oberschlesien.

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Breslau – Gleiwitz
Im Jahre 1889, im Alter von 49 Jahren, setzte sich William zeitweise zur Ruhe, nachdem er die Leitung in Inowrazlaw und Montwy, wohl auch aus gesundheitlichen Gründen, abgegeben hatte und zog nach Giessen in die Frankfurter Str. 6 (Q10).

90. Geburtstag

90. Geburtstag

Spätestens Ende 1891, vermutlich schon 1890, zog er nach Breslau. Dort war er bis 1906  in der Bergbau-Industrie als Bergwerksbesitzer tätig. In einem Zeitungsausschnitt  anlässlich seines neunzigjährigen Geburtstages am 02.09.1930 wird erwähnt, dass er „als Industrieller im rheinisch-westfälischen Industriegebiet, in der Provinz Posen und in Oberschlesien jahrzehntelang mit Erfolg tätig“ war. Über diese Tätigkeit in Oberschlesien ist bisher noch wenig bekannt. In der Familie gibt es über diese Zeit keine Aufzeichnungen. Der Artikel zu seinem 90. Geburtstag weckte jedoch Neugier auf das, was dahinter steckt. Tatsächlich war William Suermondt in Schlesien einer der ganz großen Bergwerksbesitzer mit Kohlengruben im Bereich Gleiwitz.

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http://dingler.culture.hu-berlin.de/journal/page/pj273?p=185
Retrodigitalisierung des Polytechnischen Journals
Band 273, Seite 154/155 ;  1889
Neuerungen in der Tiefbohrtechnik; von E. Gad in Darmstadt

„Seit Anfang April 1889 wird bei Gleiwitz sehr eifrig nach Kohle gebohrt. Der preuſsische Fiskus hatte zunächst im dortigen Kreise 4 Bohrungen bei Schönwald, Nieborowitz, Deutsch-Zernitz und Gieraltowitz unter Oberleitung des Herrn Oberberginspektor Köbrich mit dem geübten Personal und dem bewährten Geräth von Schönebeck begonnen, wozu im Mai noch eine fünfte Bohrung bei Sczyglowitz getreten ist. Die Versuche haben unter den bäuerlichen Besitzern der Umgegend ein förmliches Kohlenfieber entfacht, das sich in 10 oder 12 verschiedenen Bohrunternehmungen, oft mit recht unzulänglichen Mitteln, äuſsert. Inzwischen ist Anfang Mai in einem dem belgischen Groſsindustriellen Suermondt gehörigen Bohrloche bei Trynek in dortiger Gegend in 181mTiefe Steinkohle gefunden worden, welche abbauwürdig zu sein scheint.“

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In dem Buch von Prof.Max Krahmann (1909) wird die Lage der Felder, an denen Suermondt beteiligt war, beschrieben (Q2)

Nr. 9 – Suermondt

 

 

Nr. 9 – Suermondt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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In einem Artikel über „Oberschlesiens Steinkohlenbergbau und Eisenindustrie nach der Teilung“  [5] (nach WK I. Teilung Deutschland/Polen) ist eine Karte abgebildet, die die Lage der Felder unter Angabe der Besitzer zeigt. Unter der Nr. 31. wird angeführt „Suermondt“. Diese Felder nördlich von Gleiwitz, nach der Abstimmung noch im deutschen Gebiet, zeigt eine erhebliche Größe, die offenbar noch immer im Besitz von Suermondt waren. Welche Felder hatte Suermondt 1903 verkauft ?

Glückauf – 1925 – Seite 1330

 

Glückauf – 1925 Ausschnitt

 

Glückauf – 1925 – Ausschnitt

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Über das Steinkohlenbergwerk Gleiwitz wird in Wikipedia berichtet: (Auszug -19.11.2017)

„Bergwerk Gliwice

Das Steinkohlenbergwerk Gliwice (poln. Kopalnia Węgla Kamiennego Gliwice; deutsche Bezeichnung bis 1945 Gleiwitzgrube) ist ein stillgelegtes Steinkohlenbergwerk im Ortsteil Trynek von Gliwice.

Geschichte

Das Bergwerk wurde am 26. Juni 1901 durch die Konsolidierung von 16 Grubenfeldern, die in den Jahren 1873 bis 1900 gewährt worden waren, gegründet; dadurch entstand eine Gesamtberechtsame von 24,09 km². Diese Felder gehörte William Suermondt aus Breslau sowie einigen Geschäftsleuten aus dem Rheinland, wurden aber schon 1909 zum großen Teil (64 %) an Obereisen für eine Kaufsumme von 2,7 Mio. RM abgegeben, weil Suermondt das notwendige Kapital zur Errichtung eines Bergwerks fehlte. Fast 36 % hielt ein Bankenkonsortium, 2,5 % verblieben bei Suermondt. Später kamen noch weitere Kohlenfelder hinzu und die Grube erreichte eine Größe von 30 km²[1].

Im Jahr 1909 begann man nach mehreren Probebohrungen mit der Errichtung der Tagesanlagen und der Niederbringung zweier Schächte (Carl-Fürstenberg-Schächte) in der Nähe des Bahnhofs Gliwice-Trynek (♁Lage). Da die Teufarbeiten stark durch Wasserzuflüsse und Schwimmsandeinbrüche behindert wurden und deshalb der Schachtausbau mit Tübbingen erfolgen musste, konnte erst Ende 1911 die erste Sohle in 185 m Teufe aufgefahren werden. …..“

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Auf einer polnischen Internetseite wird kurz die Geschichte der Gleiwitzer Grube dargestellt und einige Bilder der Industrieanlage gezeigt (Auszug 22.11.2017)  (http://www.bytom.webd.pl/index.php?menu=gliwice&podstrona=gliwice_kopalnia)

Gleiwitzer Grube – polnisch-deutsch

 

Gleiwitzer Grube

 

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Auf der Internetseite von Tomasz Marcin Dudzinski “ Gruss aus Gleiwitz. Spis osób i ulic. Bibliogrfia“,
Gliwice 2011 wird angeführt :  (http://sbc.org.pl/Content/35581/GRUSS%20AUS%20GLEIWITZ_00_bibliografia_SBC.pdf  )

„Suermondt William, przemysłowiec, właściciel kopalni – 1873, 1901“
[William Suermondt, Industrieller, Eigentümer der Mine – 1873, 1901]

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Auf der Internet-Seite der „Industrialna“   http://www.industrialna.com/index.php/2017/07/26/gliwice-kopalnia-gliwitzer/
(ausgez. 22.11.2017) unter dem Titel – GLIWICE – KOPALNIA GLIWITZER wird ein kurze Geschichte und Bilder der rekonstruierten Anlage gezeigt.

„Budowę kopalni Gliwitzer Grube rozpoczęto w 1901 roku – powstała z połączenia szesnastu sąsiadujących ze sobą pól górniczych, których właścicielem był Wiliam Suermondt. Wzniesiono zabudowę, jednak drążenie szybów rozpoczęto dopiero dziewięć lat później przez co wydobycie ruszyło w 1911 roku na głębokości 185m. Niewielkie z początku wydobycie węgla przekroczyło w 1930 roku 500 tysięcy ton. Podczas II Wojny Światowej produkcja osiągnęła prawie 900 tysięcy ton. W 1945 roku zakład zmienił nazwę na KWK Gliwice. Kopalnię wyłączono z użytku w 2000 roku, wyposażenie oraz maszyny usunięto, a teren stał się własnością miasta Gliwice. Przetarg na realizację projektu rewitalizacji i adaptacji zachowanych obiektów wygrało biuro MEXEM. Rewitalizację przeprowadzono w latach 2005-2008.“

Google-Übersetzung:

Der Bau des Gliwitzer Grube-Bergwerks begann 1901 – ein Zusammenschluss von sechzehn benachbarten Minenfeldern von Wiliam Suermondt. Die Gebäude wurden errichtet, aber die Aushöhlung der Schächte begann nur neun Jahre später und der Abbau begann 1911 in einer Tiefe von 185 m. Kleine Kohlebergwerke in den frühen 1930er Jahren überschritten 500 Tausend Tonnen. Während des Zweiten Weltkriegs erreichte die Produktion fast 900 Tausend Tonnen. 1945 änderte das Werk seinen Namen in KWK Gliwice. Die Mine wurde im Jahr 2000 von der Nutzung ausgeschlossen, Geräte und Maschinen wurden entfernt und das Gebiet wurde Eigentum der Stadt Gliwice. Das Büro MEXEM gewann die Ausschreibung für das Projekt der Revitalisierung und Adaptierung von erhaltenen Objekten. Die Revitalisierung wurde 2005-2008 durchgeführt.

 

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Die Beteiligungen an den Kohlengruben im Bereich Gleiwitz, die 1906 noch im Besitz von Suermondt waren, scheinen das gewesen zu sein, an denen Hugo Stinnes interessiert war ?  Hierzu ist der Briefwechsel von August Thyssen und Hugo Stinnes interessant:

Im Jahre 1906 war William wieder mit Frau und Tochter Anita auf Capri. Interessant ist hier der Brief von August Thyssen an Hugo Stinnes, datiert  Capri 15.1.1906 (Briefpapier <Grand Hotel Quisia auf Capri>)(Q3). Es geht u.a. um Beteiligungen an einer Deutsch-Französischen Bergwerksgesellschaft, Gründung einer Lokomotivfabrik, Beteiligung an Banken und Fusionen verschiedener Betriebe. Thyssen schreibt :
„… Hier bin ich vollständig fern von allen Geschäften und bedürfen Briefe und Zeitungen 3 Tage, um nach hier zu gelangen.  Soeben erhalte ich Ihr freundliches Telegramm <<Bitte wegen Felder verhan­deln>>  was ich mir bemerkte.
Ich werde mit Herrn Suermondt, der augenblicklich krank ist, Rücksprache nehmen und Ihnen seine Forderung mittheilen.  Herr Suermondt ist sehr umständlich und anscheinend schlecht unterrichtet, weil ihm sein Material, wie er sagte, fehlt.
Ich glaube, daß er gern verkauft, wenigstens schließe ich dieses aus den Aeußerungen von Frau und Tochter. “
Anzunehmen ist, daß die Familie Suermondt im gleichen Hotel logierte. (Auch heute noch ist dieses Hotel das Hotel auf Capri). Es ist bisher nicht geklärt,  an welchen Anteilen Suermondts Thyssen bzw. Stinnes interessiert war. Auch im Thyssen-Archiv sind hierüber bisher keine Unterlagen gefunden worden.
William Suermondt und August Thyssen kannten sich aus ihrer Jugendzeit in Aachen und sie studierten auch zur gleichen Zeit in Karlsruhe.

 

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Quellen:
1. Wikipedia: Bergwerk Gliwice – (Auszug 19.11.2017)
2. Krahmann, Max, Prof.; Dozent für Bergwirtschaftslehre an der Bergakademie, Privatdozent an der TH Berlin:
.   Fortschritte der praktischen Geologie und Bergwirtschaft; 2.Band. 1903-1909. Seite 98-99.
3. Manfred Rasch, Gerald D Feldmann (Hrsg.): August Thyssen und Hugo Stinnes.
.   Ein Briefwechsel 1898-1922. Verlag C.H.Beck, 2003, S.346.
4. Berg- und Hüttenmännische Zeitung, Band 34, 1875,  Seite 141
.   https://books.google.de/books?id=R2CrKUJpFZ0C&pg=PA141&dq=Berg-++H%C3%BCttenm%C3%A4nnische+Zeitung+Suermondt&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwjk1_fWmcvXAhWGZFAKHT9PCBkQ6AEIKzAB#v=onepage&q=Berg-%20%20H%C3%BCttenm%C3%A4nnische%20Zeitung%20Suermondt&f=false
5. GLÜCKAUF , Berg- und Hüttenmännische Zeitschrift, Nr. 42, 17.Oktober 1925, 61.Jahrg., S.1229ff.