Geschichte von Groß Schönwalde

Groß Schönwalde das Gut der Roemers

ABSCHRIFT

 

 

Geschichte von Groß Schönwalde,
           angelegt 1887 vom
        Lehrer J. Lorenz

handgeschriebenes Manuskript, teileise in Deutscher Schrift
erhalten als PDF-Kopie im April 2015…
Das Original ist offenbar im Besitz von  …
Abschrift von Gernot Becker, Norderstedt : http://gebe.paperstyle.de/orte/gros-schonwalde-szynwald/

Nur wenige Seiten sind auf dieser Kopie nummeriert.
Bedingt durch das Format sind häufig oben und/oder unten Zeilen abgeschnitten.
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Deckblatt
” Mit Gott ”
mit Ornamenten verziert, darunter handschriftlich
” angelegt 1887 vom Lehrer J. Lorenz ”
mehrere Rund-Stempel auf dem Deckblatt
- Szkola Powszechna Szynwald – pow. Grudziadz – in der Mitte: aufgeschlagenes Buch.
- Der Leiter der Volksschule Groß-Schönwalde, Kreis Graudenz – Reichsgau Danzig-Westpr.
mit Reichsadler und Hakenkreuz
- zwei abgeschnittene Stempel sind am oberen Rand zu sehen:
“Szynwaldzie” und “Szynwa ..02″
ausserdem handschriftl. ” Nr. 21 VI/ 2 ” durchgestrichen
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Geschichte des Dorfes Gr. Schönwalde.
Groß Schönwalde hat seine Benennung nicht von dem umfangreichen schönen Walde, in
dem es einstens entstanden, und welcher sich sogar noch 1848 von der Sawdiner und
Körberroder Grenze bis in unmittelbare Nähe des Dorfes zog und die Mühlenschlucht
(sogenannte Mühlenparowewe) einschloß. Dieser Wald wurde allmählig gelichtet und der
Boden urbar gemacht. Im Jahre 1864 waren davon nur noch Hufen übrig, die sich im
Norden der Sawdiner Grenze (Feldmark), zwischen den Wegen nach Sawdin (im Osten)
und dem nach Heinrichsfelde (im Westen) hinzog. Im 13. Jahrhundert führte das Dorf den
Namen “Shonewald”.
Im Jahre 1312 verlieh der Landmeister Hellwig von Goltbach einem gewissen Johann
Barthold von Okenitz hier 70 Hufen. Davon wurden für die Pfarre 6, für die Verwaltung des
Schulzenamtes (das heutige Kl. Schönwalde) 7, und zur Anlegung eines
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eines Kolonistendorfes 57 Hufen bestimmt. Jede der Kolonistenhufen mußte dem Komthur
von Roggenhausen 1/2 M. Zinsen zahlen wie von jedem Pfluge 1 Schfl. Weizen, 1 Schfl.
Roggen und von jedem Haken 1 Schfl. Weizen liefern. Genannter Lokator und Schulze
erhielt gleichzeitig die Erlaubnis hier einen Krug, eine Brot- und Fleischbank zu errichten, in
hiesigem See (Cernicin genannt), die Fischerei, jedoch nur für den Bedarf seiner eigenen
Küche, zu treiben. Von Okenitz erbaute sich auch mit Genehmigung über dem Flüßchen
Verbindungsflüßchen des Sawdiner und Gr. Schönwalder Seees) unterhalb des Walles der
ehemaligen Burg ( in derzeitigen Mühlenschlucht) eine Wassermühle.
Diese Burg neben dem kleinen Flüßchen welche den ersten Christender Gegend Zuflucht
und Schutz gewährte, scheint schon vor 1222 hier gegründet gewesen zu sein, welche
aber bei einem der vielen Raubzüge heidnischer Horden, ihren Untergang gefunden hatte.
Im Jahre 1314 finden wir das Dorf mit Shonewald benannt. Nach der Schlacht bei
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Seite 3
Tannenberg wurde es und dessen Einwohner von der Brandfackel furchtbar betroffen. Sie
hatten einen Schaden von 2800 M erlitten. Drei Einwohner wurden getötet.
Im Jahre 1429 erhielt Nicolaus von Schönwalde von dem Voigt Bichau von Roggenhausen
zwei hier besitzlos gewordene Hufen. In dieser Zeit finden wir die Benennung in
“Schönwalde” verwandelt.
Bald darauf wurden auch die besitzlos gewesenen 7 Schulzenhufen an Konrad von
Grünberg seiner Staatsverdienste halber überwiesen.
Im 13jährigen Kriege (1454-1466) wurde Schönwalde, dessen Häuser sich damals
meistenteils an dem Wege zwischen der Kirche bis Kl. Schönwalde hinzogen, von Grund
aus zerstört. Die Pfarrkirche , die am Ortsende des Dorfes stand, (an der Abzweigung des
Weges nach Sawdin) verschwand in dieser traurigen Zeit für immer. Von der Klosterkirche
(der jetzigen Pfarrkirche), blieben nur die Umfassungsmauern. Schönwalde hörte nun auf
als Kolonistendorf zu existiren und fiel an den Landesherrn zurück.
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Es wurden nun als Gratialgut auf Lebenszeit an folgende Personen verliehen, welche sich
dem Staate verdient gemacht hatten. Die Beliehenen führten den Namen Teutarien oder
Starosten. Als solche wohnten von 1616 – 1621 in Schönwalde der Generallandbote Fabian
Komorowski und nach ihm dessen Kinder. Im Jahre 1567 finden wir in Schönwalde den
Woyewod Johann Sluzybra von Brzesz. Ihm folgte der Königliche Sekretair und
Kammerherr Samud Laski. Dieser erbaute wieder1590 die noch in Ruinen gelegene Kirche
mit eigenen Mitteln. Gr. Schönwalde war in seinen eigenen Besitz übergegangen. Im Jahre
1624 hatte Otto von Medin Schönwalde und Jankwitz im Besitze. Am Ende des 17.
Jahrhunderts ging es an Woyewod Kossund, nach ihm an dessen Witwe über. 1772 finden
wir hier die Familie Karewski.
1734 gehörten zu dem Schönwalde Güterkomplexe: Gr. Schönwalde, Jankowitz, Blonowo
(Blumenau) und Wydrno (Wiedersee). Dernach folgten 1754 – 1762 die Baron von
Steinschen Eheleute, dernach der preußische
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General Franz von Gruszczynski, darauf Schröder, Medding, Roemer. Letzterer starb 1888
( korr.- 1887 – GB) und hinterließ das Gut dem einzigen Sohn Louis Roemer.

Geschichte der Schule.
Die erste Schule in Gr. Schönwalde wurde zur Zeit des Besitzers von Gruszczynski Ende
des 18. Jahrhunderts gegründet. Als Schulhaus resp. Lehrerwohnung diente eine alte, dem
Verfalle nahe Kathe. Diese stand am Wege nach Wiedersee, dem herrschaftlichen Garten
gegenüber. Der erste angestellte Lehrer hieß Majewski. Dieser mußte aber bald eine
andere Kathe der Hufe beziehen, weil sein Wohnhaus teilweise eingestürzt war. Nach
einem Jahre zog er in das erste Gebäude, welches repariert worden war, zurück und zwar
aus dem Grunde, weil auch dieses höchst reparaturbedürftig geworden. Der Besitzer
Schröder zog es vor, aus dem Schulhause einen Schafstall zu machen und verlegte
selbiges daher in eine auf einer Anhöhe, östlich vom See und am Wege nach Lessen
befindliche Kathe. Dies war ein äußerst zweckwidriges , feuchtes und ungesundes
Gebäude. Die sehr dicken Lehmwände mit ihren kleinen Fenstern, dem über 1.1/2 Meter
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über den niedrigen Rumpf hinüberragenden Rohrdach ließen nur mangelhaft Sonnenlicht in
die inneren Räume treten. Dieses Haus bewohnten die Lehrer- und zwei Justmannsfamilien
bis zum Jahre 1878. Majewski ließ sich im Anfange des 19. Jahrhunderts versetzen. Nach
ihm folgte Dziengietewski und dernach dessen Bruder Dziengietewski II. Dann folgte von
Jakubowski, der gleichzeitig auch Organist war. Da zwischen Jakubowski und dem
Ortspfarrer Jelenski immer Hader, Zwistigkeiten und Unfrieden war, zog es Ersterer vor,
nach cr. 25 Jahren seines Hierseins, sich nach Kiewo, Kreis Culm, versetzen zu lassen.
Dernach zog der Lehrer Hakrzewski an. Im Jahre 1861 verzog er jedoch wieder nach
Schwarzenau und Lehrer Wydra (aus Schlesien) nahm seine Stelle ein. Doch schon im
Jahre 1863 ließ auch er sich nach Thorn-Papau versetzen. Die Stelle blieb nun 3/4 Jahre
ohne Lehrer, bis 1864, am 1. Mai Lehrer Lorenz sie bezog.
Der ausführende Schulpatron war der Rittergutsbesitzer von Gr. Schönwalde. Zum Schulverbande
gehörten folgende Ortschaften:
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1. Gr. Schönwalde
2. Gr. Kl. Schönwalde
3. Probst. Schönwalde
4. Wiedersee
5. Gordons Hof
6. Gr. Nogath
7. Heinrichsfelde.

Der Schulbesuch war bei den weiten, mitunter sehr schlechten Wegen, namentlich im
Frühlinge, Herbste und Winter furchtbar mangelhaft und betrug nicht selten unter 70%. Die
Ortsschulinspektion war in den Händen der Herrn Ortsgeistlichen bis zum Jahre 1873, die
Kreisschulinspektion in den der Herrn Dechanten des Lessener Dekanats !
Beim Bewerben um die Stelle wurde zuletzt genanntem Lehrer vom Schulpatrone Herrn
Roemer ein neues Schulgebäude verheißen. Trotzdem verzögerte die vielen Verhandlungen
den Neubau bis 1878. Vierzehn Jahre hindurch hin- (!!!) durch wirkte daher noch
Lehrer Lorenz in jener Kathe. Das Schulzimmer war 7 M lang, 5 M breit und nur 2 M hoch
und hatte mithin 70 (cb)m Raum. In diesem wurden unterrichtet 120 – 150 Kinder. (!!!)
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Auf jedes Kind kam daher weniger als 1/2 Raummeter Raum.
Unzählige andere Hindernisse standen der Entwickelung der Schule entgegen. Sowohl die
Herrn Kreisschulinspektoren wie Ortsschulinspektoren thaten nichts zur Beseitigung der
Mängel. DieKinder hatten nur teilweise Sitze. Viele saßen auf dem schmutzigen,
durchlöcherten Fußboden. Im ganzen Schulverbande wohnten nur lose Justleute, welche
ununterbrochen ihre Wohnsitze wechselten, durch welchen Umstand die Schule
jährlich durchschnittlich 50 Kinder verlor, welche Anzahl wieder durch andere ersetzt
wurde. Fast jedes Kind brachte daher ein anderes Lesebuch mit. Der Lehrer hatte keinen
Lehrsitz, die Schule weder Lern- noch Lehrmittel. Es kümmerte sich niemand um die
Schule und über allwurden die Gesuche des Lehrers um Abhilfe abgewiesen oder er
vertröstet.
In 15 Jahren meines Wirkens sah ich nur ein mal im Schulzimmer den Ortsschulinspektor,
Herrn Dechanten Jelenski, und zwar bei der Einführung.
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1873 wurde die Ortsschulinspektion dem Ortsgeistlichen Herrn Dechanten Jelenski
abgenommen und dem Rittergutsbesitzer H. Hollmann aus Gr. Nogath übertragen. Die
Kreisschulinspektion erhielt der in Pr. Holland gewesene Seminarlehrer Karassek, der in
Marienwärder seinen Wohnsitz hatte. Bei Herrn Hollmann, der abfangs 2 – 3 mal
wöchentlich meine Schule besuchte, machte ich sofort Antrag um Beseitigung der furchtbar
hindernden Klassen- und Baumangel. Er sah die schreiende Notwendigkeit derselben ein,
that jedoch zur Abschaffung derselben nichts, sondern vertröstete mich nur mit der Zukunft.
So quälte ich mich hoffend und auch die armen Kinder noch 8 Monate. Darnach erklärte ich
Herrn Hollmann, den Unterricht schließen zu müssen und selbigen nicht ehr aufzunehmen,
bis alle Mängel beseitigt sein würden. Er fühlte sich dadurch sehr beleidigt, wurde
ungemütlich und drohte gegen mich mit Beschwerde vorzugehen. Tags darauf schickte ich
auch die Kinder nach Hause, machte auch sofort davon der Königlichen Regierung Anzeige
und legte meine Beweggründe auseinander. Nach 8 Wochen der Ruhe erhielt ich die
Antwort, daß der Schulvorstand aufgefordert sei, die Mängel schleunigst abzuschaffen und
daß ich dernach den Unterricht wieder aufzunehmen habe. Herr Hollmann hatte
(??? Ende der Seite —)
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Im Jahre 1878 wurde an der Straße nach Kl. Schönwalde ein neues Schulhaus erbaut. Die
Ländereien wurden vom Rittergutsbesitzer Römer der Schulgemeinde geschenkt. Sie
umfassen 54 a. Die Gebäude umfassen das Wohnhaus und die Wirtschafts Gebäude.
Vom Gute Gr. Schönwalde wird das Holz und Heu u. Stroh geliefert. Getreide geben auch
Kl. Schönwalde u. Gr. Nogath. 1894 wurde endlich in Gr. Nogath eine Schule erbaut.
Dadurch wurde die Schule durch die Nogathe Kinder entlastet. Der Schulverband blieb
bestehen. Trotzdem verbleibt in hiesiger Schule immer noch eine große Schülerzahl.
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Im Jahre 1904 am 1. Oktober wurde Lehrer Lorenz pensioniert. Bis 1. Januar 1905 bleibt
die Lehrerstelle unbesetzt. In dieser Zeit wurde der Unterricht von den benachbarten
Lehrern aus Fankowitz und Paulsdorf erteilt. Am 1. Januar 1905 bezog Lehrer Gerth, vorhin
in Burg Bilchau, die Lehrerstelle. 125 Kinder gehörten zur Schule. Nach der Aufnahme am
1. April bezifferte sich die Zahl der Kinder auf 144.
Am 13. April 1905 besuchte Herr Geheimrat Triebel Marienwerder, im Beisein des Herrn
Kreisschulinspektors Komorowski Lessen die hiesige Schule. Am 26. Juni hielt der Herr
Kreisschulinspektor die erste Hauptrevision ab.
Am 26. November 1906 brach hier ein Schülerstreik aus. Von 77 Kinder
Forderung: (am Rand eingefügt)
Erteilung Religionsunterricht in polnischer Sprache
der Ober- und Mittelstufe, unter denen 9. evangelischer Religion waren, nahmen 48 Kinder
am Streik teil. Am 30. desselben Monats wurde eine Schulvorstandssitzung unter Leitung
des Herrn Kreisschulinspektors Komrowski abgehalten,
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Seite 12
welche den Erfolg hatte, daß noch am selbigen Tage die Eltern der Kinder aus Wiedersee
ihre Forderung zurück zogen.
Am 3. Dezember war der Schülerstreik beendet. Am 1. März 1907 wurde die
neugegründete Schulstelle in Wiedersee eröffnet. Die 50 Kinder aus Wiedersee, welche bis
dahin die hiesige Schule besuchten, wurden mit genannten Tage der Schule Wiedersee
überwiesen.
Nach Abgang dieser Zahl verblieben der Schule Gr. Schönwalde noch 96 Kinder. Zum
1. April wurden 5 Schüler aus der Schule entlassen und 13 Neulinge aufgenommen, so daß
die Schülerzahl am 1. April 1907 104 betrug. Am 16. Februar 1907 verließ der bisherige
Kreisschulinspektor Komorowski den hiesigen Bezirk und siedelte nach Flatow über. Als
Nachfolger wurde Stadtschulinspektor Ambrassat Graudenz berufen.
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Seite 13
Am 27. Mai fand in hiesiger Schule ein Termin statt, welchen die Königliche Regierung
anberaumt hatte. Es nahmen an demselben Teil der Herr Oberregierungsrat von Steinrück,
die Regierungs-Assessoren Wehrmann, von Laer, die Regierungsbauräte Behrend, Pabst,
Kreisschulinspektor Ambrassat-Lessen, die Schulvorstandsmitglieder Prange Kl.
Schönwalde, Nagorski Probstei Schönwalde. Es wurde verhandelt wegen Ausscheidung
von Gr. Nogath aus dem Schulverbande Gr. Schönwalde. Das Nähre ergibt das
Verhandlungsprotokoll, welches hier folgt.
Gr. Schönwalde d. 27. Mai 1907.
Zu dem heutigen von der Königl. Regierung Abteilung für Kirchen- und
Schulwesen anberaumten Termin waren die Nebengezeichneten erschienen.
Der Verlau…….
(im Original nicht weiter ausgeführt)
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Seite 17 (!!!)
Am 1. November 1908 ging das Rittergut Gr. Schönwalde in den Besitz der Königlichen
Ansiedlungs-Kommission über. Ebenso erfolgte am 1. Juni 1909 die Übernahme des
Rittergutes Klein Schönwalde seitens der Königlichen Ansiedungs-Kommission. 1909
wurde Heinrichsfelde, welches zu Gr. Schönwalde gehörte, besiedelt und zwar durch
2 Besitzerstellen und 4 Arbeiterstellen (6 Morgen).
Am 1. Oktober 1908 verließ Kreisschulinspektor Ambrassat – Lessen und ging nach
Graudenz zurück. Als Nachfolger war Rektor Frey aus Thüringen ernannt. Dieser behielt
die Kreisschulinspektion bis 1. Juni 1910. Er übernahm die Kreisschulinspektion Schwetz
Weichsel. Sein Nachfolger war Seminaroberlehrer Schauerhammer Mühlhausen
Thüringen.
Im Jahr 1910 wurde Kl. Schönwalde besiedelt und Teile von Gr. Schönwalde mit 7 Stellen.
In Gr. Schönwalde wurden 2 Arbeiterhäuser gebaut zu je 2 Familien.
Die Kinderzahl betrug am 1.Juli 121.
Ausgangs (26.) Juli 1912 wurde mit dem Umbau bezw. Anbau der Schule begonnen.
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Seite 18
Während der Bauzeit bewohnte der Lehrer eines der Arbeiterhäuser, welche der Schule
gegenüber liegen. Der Unterricht wurde im Saale des Gasthauses abgehalten. Am 16.
Dezember 1912 war der Bau so weit, daß der Lehrer wieder ins Schulhaus einziehen
konnte.
Der Unterricht im Schulhause erfolgte erst den 13. Januar 1913.
Da durch den Umbau die Schule ein II. Klassenzimmer und Wohnungen für einen
II. Lehrer erhielt, so wurde die Stelle am 1. Juni 1913. durch einen II. ev. Lehrer (Willy
Gerth) besetzt. Ich lasse noch den Grundriß vom alten und neuen Schulgebäude nebst
Liegenschaften folgen.
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Alte Schule in Gross Schönwalde

Alte Schule in Gross Schönwalde

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Seite 19

Neue Schule in Gross Schoenwalde

Neue Schule in Gross Schoenwalde

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Seite 20
Lange währte die Freude der zweiklassigen Schule nicht. Als nach drückender Schwüle,
die Ausgangs Juli über Europa, ja weit hinaus über seine Grenzen lagerte, plötzlich und
ganz unerwartet der heiße und uns (auf- !!!) aufgedrungene Krieg ausbrach, mußte gleich
am 1. Mobilmachungstage Sonntag den 2. August 1914 unser lieber Kollege Willy Gerth
und folgende Reservisten des Ortes : Richard Hübschmann, Postbote Paul Papke,
Wilhelm Behnke, Albert Samtleben, Johann Schwarz, Eduard Netz, Leopold Reinhardt,
Christian Reinhardt, Otto Malzahn, Otto Rietdorf, Johann Sonnenfeld, Willy Gattan zur
Fahne eilen. Bei Ausbruch des Krieges dienten folgende aktiv: Stanislaus Kuschajewski
Grenadier Regt 5 Danzig, Wilhelm Grosch
” ” 34 Rastenburg, Johann Meyer
Inf. Regt 141 Graudenz, Wilhelm Behnke
Inf. Regt. 128 Danzig, Viktor Napolski, Feld-
Artellierie Regt. 35 Dt. Eylau, Adam Stoll
Leib-Husaren Regt. 2 Danzig-Langfuhr
und Friedrich Lauenstein Luftschiffer-
Abteilung Königsberg i.Pr.
Als Landsturm verließen am 1. Mobilmachungstage folgende Einwohner den Ort: Franz
Sonnenfeld, August Dickau, Karl Gust, Robert Scherz, Franz Süllwold und Franz
Macidlowski.
Acht Tage später zogen als Landwehrmänner nachstehende ins Feld:
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Hermann Feldmann, Peter Foos, Erich Bebel, Karl Sahlke, Wilhelm Tönshost, Julius Hintz.
Als Kriegsfreiwilliger eilte Anton Kockla zur Fahne.
Von den Landwehrleuten kamen Fritz Süllwold und Robert Scherz als krank entlassen
zurück.
Später wurden nachstehende Personen zur Ausbildung einberufen:
Samuel Treichelt, Wilhelm Wegehöft, Erwin Stötzner, Julius Büttner, Otto Münch, Julius
Hintz, Adolf Netz, Friedrich Graß, Karl Wilmsmann, Johann Pibulski, Adolf Guttan, Wilhelm
Behncke, Wilhelm Lagler, Karl Lagler, Adolf Richter, Michael Fetter, Adolf Schulz, Pelikarg
Redzimski , Gustav Rotzoll, Reinheld und Konrad Maschke.
Die Mobilmachung wurde in banger Fassung mitgenommen, ja erschreckend wirkte sie auf
viele Einwohner. Abschiedfeier und Festgottesdienste wurden wegen der Kürze der Zeit
nicht abgehalten. Die Spannung ließ nach, als die ersten Siegesnachrichten ankamen.
Von den ins Feld gezogenen starben gleich im ersten Treffen den Heldentot fürs Vaterland
Kollege Willy Gerth in der Schlacht bei Gumbinnen am 20. August 1914.
Er war in der Gemeinde Grünwaitschen bei Augstopönen von ….. personen auf einem
Kleeacker bestattet. Im Oktober desselben
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Jahres ließ ihn seine Ehefrau Frau Lehrer Ella Gerth, geb. Krönke, als sie seinen Tod durch
Flüchtige, die ihm Briefe bei der Beerdigung abgenommen hatten, erfuhr, wo er beerdigt
war, auf dem Friedhofe in Grünwaitschen beisetzen.
Verwundet und in russische Gefangenschaft gerieten Stanislaus Kuschajewski, und
Wilhelm Grosch auch gleich in den ersten Treffen. Seit November 1914 ist
Reinhard vermißt.
Verwundet waren bis 1. April 1915 folgende: Wilhelm Behnke, Otto Rietdorf, Johann
Sonnenfeld 2 mal, Anton Kuckla, Wilhelm Wegehöft, Julius Büttner, Johann Cubalski,
(erhielt das eiserne Kreuz II. Klasse) Wilhelm Behncke, Pelikarg Redzimski, Ed. Netz, Karl
Schultze, Paul Papke, Gustav Rotzoll. Krank aus demFelde kam ausgangs Januar Erwin
Stölzner zurück. Ebenso ist Edmund Nötz, dem der rechte Zeigefinger bis zum ersten
Gelenk in der Schlacht bei Tannenberg abgeschossen wurde, als Invaliede zur dauernden
Entlassung.
Aufregend war der 22. August für die hiesigen Einwohner, als von der Behörde der Befehl
zur Räumung eintraf, ebenso der 26. August. Verschiedene Einwohner verließen nach
Bekanntwerden den Ort und begaben sich nach Westen. Die Ernte wurde gut geborgen.
Auch die Herbstbestellung ging gut von statten, da das Wetter günstig war.
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Im ersten Kriegsjahre schon mußten die Behörden, um der Ausbeutung der Bevölkerung
durch wucherische Preistreibereien vorzubeugen, Höchstpreise auf verschiedene
Erzeugnisse, bes. Kolonialwaren, einführen.
Der Höchstpreis für den Zentner Roggen beträgt 11 M., für Weizen 15 M. Zu Anfang des
2. Kriegsjahres wurde die Brotkarte eingeführt, die jedem 1400 g Mehl wöchentlich zumißt.
Da wir uns infolge der Absperrung vom Auslande mit unseren Vorräten einschränken müssen,
wurden nach und nach verschiedene Reichsstellen eingesetzt, so die Reichsgetreide-
, die Reichskartoffel-, die Reichsbekleidungs-. die Reichsfleischstelle, um das Vorhandene
nach Beschlagnahme gleichmäßig unter die Bevölkerung zu verteilen. Besonders wurde
das nötig infolge der Mißernte des Sommers 1915, die einen großen Ausfall von
Brotgetreide und Futtermitteln brachte und im Frühjahr und Sommer 1916 eine fühlbare
Knappheit an den notwendigsten Lebensmitteln hervorrief. Dagegen ist die Ernte des
Jahres 1916 als eine gute Mittelernte zu bezeichnen. Deshalb soll die Brotration für
schwerarbeitende Personen und Kinder von 12 – 17 Jahren erhöht werden. Anderseits
bringt uns der 2. Oktober die Reichsfleischkarte, nachdem schon im Frühjahr die
Zuckerkarte, am 1. August die Seifenkarte und die Kleider- und Wertstoffbezugskarte in
Kraft getreten und die Fleischversorgung unter Verbot der Hausschlachtung durch eine
seitens des Kreises eingeführte und nur in diesem geltende Fleischkarte geregelt worden
war. In Berlin ist ein Kriegsernährungsamt mit einem Präsidenten an der Spitze eingerichtet
worden ………(? hier fehlt was)
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des Herrn Ministers den Schulkindern reichlich Urlaub ganzj. (??)
Bei der herrschenden Knappheit an Beleuchtungsmitteln wurde es für nötig befunden, die
Sommerzeit am 1. April einzuführen, die am 30. September ihr Ende erreicht. Im Sommer
1916 war der Verkauf von Petroleum ganz untersagt; Brennspiritus wird bei einem Preise
von 55 Pfg. den ??? gegen Bezugsschein verabfolgt. Da kommt uns die Anlage der
elektrischen Überlandzentrale sehr zustatten, die ihre ….. aus dem Schwarzwasser
erhält. Das Ortsnetz soll noch im Herbst …. fertiggestellt sein. Die meisten Besitzer haben
sich anschließen lassen und werden außer dem Vorteil der bequemen Beleuchtung noch
den einer billigen Menschen, Pferde und Heizmaterial sparenden Maschinenkraft genießen.
Am 28. Januar 1916 wurde Lehrer Gerth schwer krank und mußte in eine Graudenzer
Klinik, später in ein Danziger Krankenhaus gebracht werden. Er wurde durch den Lehrer
Etmanski – Wiedersee und Schulz – Alt Blumenau vertreten, die 3 mal wöchentlich je
5 Stunden hier Unterricht erstritten. Später wurde der Lehrer Gorski aus Ottlotschin, Kr.
Thorn mit der Vertretung des Lehrers Gerth beauftragt.Er begann am 15. Juni und hatte
zunächst Halbtagsschule. Am 1. September nahm Lehrer Gerth den Unterricht in der I.
Klasse wieder auf.
Am 1. Dezember 1916 verließ der Vertreter Gorski wieder Gr. Schönwalde und Lehrer
Gerth unterrichtete wieder beide Klassen. Am 29. März 1817 (!! -1917) erkrankte Lehrer
Gerth wiederum. Da die Osterferien anfingen, fiel der Unterricht auch nach denselben bis
1. Mai aus. Bis zum 10. Mai vertrat Lehrer Etmanski – Wiedersee in 3 Tagen
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der Woche. Am 10. Mai wurde Lehrer Solchiwa aus Gr. Rogau Kreis Thorn als Vertreter
nach hier geschickt. Vier Wochen blieb er nur hier. Am 16. Juni wurde er zum Heeresdienst
einberufen und Lehrer Etmanski übernahm an 3 Tagen der Woche die Vertretung bis
zum Beginn der Sommerferien.
Nach Verlauf der Sommerferien nahm Lehrer Gerth, der bis 1. August beurlaubt war, den
Unterricht am 16. August wieder auf. Die lange anhaltenden Trockenheit des Frühlings
1917 beeinflußte die Entwicklung des Sommergetreides ungemein; auch war anfangs eine
Mißernte für die Kartoffeln zu befürchten, aber ein noch zur rechten Zeit einsetzender
Regen trug zur Entwicklung der Kartoffel bei, so daß die Ernte alle Erwartungen übertraf.
Die Ernte wurde gut geborgen. Die Winterung war zufriedenstellend, während die Sommerung
ziemlich dürftig ausfiel.
Drei Einwohner und zwar Ciebulski, Fetter und Konrad Maschke erlitten im Oktober und
November den Heldentod.
Aus dem Jahrgang 1898 wurden aus der Gemeinde Adolf Freundlich , Richard Guttan,
Ferdinand Zerer u. Ernst Schlamme Brandt zum Heeresdienst einberufen. Aus dem
Jahrgang 1899 Aloysius Gerth, Fritz Süllwold, Andreas Buchholz, Julius Legler, Wilhelm
Froichelt und August Klinnar.
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Seite 26
Im Kriegsjahr 1918 entwickelte sich besonders der Schleichhandel. Es wurde Hohe Preise
für Eßwaren, ebenso für Kleiderstoffe und Schuhzeug genommen z.B. erzielten einige für
1 (Pfund) Butter 15 Mk und darüber, die Mandel Eier verkauften einige mit 8 – 10 Mk. Trotz
aller Maßnahmen war der Schleichhandel nicht zu unterdrücken. Auch die Kleiderstoffe und
Schuhwaren stiegen sehr Hoch. 1 M Stoff kam bis 90 + 100 Mk. Schuhe 100 – 150 . Da
auch die Preise für die Ackererzeugnisse u. fürs Vieh bedeutend gestiegen waren, waren
die Landwirte zufrieden. Die Leuteverhältnisse waren in der Gemeinde sozusagen günstig.
Eine Anzahl gefangener Russen ersetzten die eingezogenen Arbeitskräfte. Die Ernte war
1918 recht günstig, Stroh und Körnerertrag gut. Roggen kostete der Zentner 20 Mk Weizen
u- Hafer u. Gerste 20 Mk.
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Seite 64
(zunächst 4 Zeilen in polnischer Sprache
datiert: 20.04.1939  -  danach weiter:)

Einiges aus dem polnischen Teil hiesiger Schulchronik.
Im Frühjahr 1920 verließen die Deutschen Lehrer Groth und Thiel ihre Stellen und
verzogen nach Deutschland. Die Schule wurde von 8 polnischen und 76 deutschen Kindern
besucht. -
Am 11.3.1921 erschien in Lessen die Grenzkommission zwecks Festlegung der
endgültigen deutsch-polnischen Grenze. Die Bevölkerung der Umgebung hatte Gelegenheit
ihre begründeten Wünsche zu äußern. Die deutsche Bevölkerung von hier in ihrer
gesamten Anzahl anwesend, verlangte die Zuteilung Groß- und Klein-Schönwaldes, weil es
überwiegend von Deutschen bewohnt wird, zum Deutschen Reich.
Nach amtlicher Zählung wohnten wirklich in Groß- und Klein-Schönwalde 478 Deutsche
und nur 60 Polen und 18 polnische Kinder. Am 28.9.1923 sank die deutsche Kinderzahl auf
21. Diese wurden den polnischen Kindern zugeteilt und erhielt nur poln. Unterricht.”
In 3 Jahren wurde somit ein kerndeutsches Dorf total polnisch. Wieviel Tränen mögen die
abwandernden Deutschen ihrer Schule nachgeweint haben ? Haus und Hof mußten sie
verlassen und der nachziehenden Slawenbrut preisgeben. Jetzt aber
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Seite 65
hat die Stunde der Befreiung geschlagen. Groß Schönwalde ist wieder Deutsch. Deutsch
sind aber noch nicht die Bewohner. Zur Zeit besuchen 69 polnische und 20 Deutsche
Kinder die Schule.
Eine Rückwanderung im großen Stil ist geplant.
Am 18.10.1939 wurde für hiesige Schule aus Danzig Frau Lehrerin Gertrud Schneider beauftragt.
Ihr Mann unterrichtet zur Zeit in Groß Nogath.
Am 27.10.1939 fand eine gemeinsame Schuleröffnungsfeier mit der Schule Groß Nogath
statt. Während der Feier waren Herr Schulrat Genke, (Graudenz) sowie Kollege Geuer
(Graudenz) anwesend. Herr Schulrat Genke sprach über die Aufgabe der Schule im
Großdeutschen Reich.
Eine gemeinsame Gedenkfeier zum 9. Nov. 1923 fand am 3.11.1939 statt. Desgleichen
wurde das Weihnachtsfest am 22.12.1939 gemeinsam gefeiert. Die schlichte Weihnachtsfeier
als erste deutsche Weihnacht wurde durch ein Märchenspiel: “Märchentraum”
verschönt.
1940. Ein sehr strenger Winter macht krampfhafteinem späten Frühling Platz. Verursacht
durch die Brückensprengungen im Polenfeldzug durch die Polen war die Zufuhr von Kohlen
stark behindert. Ein großer Kohlenmangel zur strengen Kälte (-32 Grad) war eine ständige
Begleiterscheinung des strengen Kriegswinters. Die Saaten haben auf den Feldern sehr
gelitten. Der Weizen und der Klee sind zum größten Teil ausgewintert. Eine umständliche
Frühjahrsbestellung, verursacht durch den, durch den (!!!) Krieg eingetretenen
Pferdemangel, ist deshalb die Folge.
Bei dieser Gelegenheit sei auch noch einiges über die sogenannte “polnische Wirtschaft”
erwähnt.
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Um eine positive Arbeit auf den polnischen Grundstücken zu gewährleisten, wurde der
größte Teil der Wirtschaften in Groß Schönwalde von Treuhändern durch die
Kreisbbauernschaft besetzt. Wie nötig dies war, mögen folgende Beispiele erweisen. Auf
dem hiesigen Pfarrgut wurden bei Übernahme der Treuhandschaft folgende Gewichte
festgestellt. Zuchtsauen wogen 90 (Pfund). Die Schweine waren dermaßen schlecht
versehen, verhungert, daß der beauftragte Treuhänder weder Ferkel, Läufer noch
Schlachtschweine, die viel zu viel vorhanden waren, spottbillig verkaufen konnte. Milchkühe
wogen 5,6 (?) Ztr. Das Land in keiner Bestellung mit seinem vielen Unkraut (Quecke)
spottet jeder Beschreibung. Es werden Jahre vergehen, den Acker für die Erzeugungsschlacht
normal herzurichten.
Glücklicherweise geht die Zuwanderung Deutscher Bauern in Groß Schönwalde planmäßig
vor sich, so daß heute schon 2 (12 ?) Deutsche Kinder die Schule besuchen.
Am 16. März fand mit der Schule Nogath eine gemeinsame Schulentlassungsfeier statt.
Aus hiesiger Schule wurden zwei Mädchen und ein Junge entlassen. An der Feier nahmen
die Eltern, sowie Vertreter von der Partei u. deren Gliederungen teil.
Der Geburtstag des Führers in der befreiten Heimat, konnte wegen des uns aufgezwungenen
Krieges nicht normal gefeiert werden. Nach einer schlichten Schulfeier wurde der
Unterricht normal weitergeführt. Das Deutsche Volk schenkte dem Führer zu diesem
Kriegsgeburtstag Metallgegenstände (Kupfer, Messing, Zinn, Blei usw.). Die Kinder an
hiesiger Schule waren daran begeistert beteiligt. Groß Schönwalde konnte somit mit einer
ansehnlichen Sammlung von
( hier enden diese Aufzeichnungen. )
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(Auf der folgenden Seite – es könnte Seite 67 sein
- zwei drittel der Seitenzahl abgeschnitten in anderer Handschrift: )
Einem strengen Winter folgte ein sehr trockener Sommer.Da durch den strengen Winter die
Saaten ausgewintert waren, wurde die Winterung und die Kleeschläge umgebrochen. Die
Sommerung konnte der Trockenheit wegen nicht zur vollen Entfaltung kommen. Zu allen
wetterlichen Mißständen kamen dann zur Erntezeit die solange vermißten Niederschläge.
Eine langwierige Erntezeit und eine noch schwierigere Saatbestellung folgte.
Am 2. September 1940 wurde Lehrer Alfred Schneider aus Nogath an hiesige Schule
versetzt. Der Schulbetrieb geht jetzt zweiklassig vor. Zwei mal wöchentlich wird aber die
Nachbarschule Sawdin von hiesiger Schule betreut.
Politisch waren die Bewohner Groß Schönwaldes sehr rege. Die Deutsche Bevölkerung ist
von den Gliederungen der Partei restlos erfaßt. Im Zuge der Rückwanderung der
Volksdeutschen aus den Ostgebieten hat Schönwalde auch 4 Familien zu verzeichnen.
Demzufolge ist die deutsche Kinderzahl auf 43 herangewachsen, jedoch haben einige
Mischlinge, deren Eltern deuschstämmig sind, bereits solche Fortschritte gemacht, daß sie
bereits in die deutsche Abteilung eingeschult worden sind.
Eine, durch den Gauleiter am 1.12.40 anberaumte Volkszählung ergab für das Dorf
folgendes Ergebnis:
.                             unter 14 Jahre, über 14 Jahre
Reichsdeutsche  .                 28           30
Volksdeutsche(einheimisch) 42            82
Volksdeutsche(Rückw.)        7            11
Polen mit dt.Verw.                8            22
Polen ohne nahe dt.Verw.    86         188
Kongresser                           13            42
Russen                                  4              3
.                                        188           378
ev. = 141                        =     566
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S.68 (?)
Abschließend für das Jahr 1940 möchte ich erwähnen, daß die Regierung die Schäden an
der 20.jährigen Mißwirtschaft an den Schulgebäuden mit allem Nachdruck begleichen will.
Zu diesem Zwecke wurde hiesiger Schule eine Instandssumme von 5.000 Rm gewährt. Da
die Wasserversorgung für die Schule nicht den hygienischen Ansprüchen entspricht, wurde
noch zusätzlich 2.500 Rm bewilligt. Die Maler-, Maurer und Tischlerarbeiten haben, trotz
der schwierigen Handwerkerfrage noch im Jahre 1940 ihren Abschluß gefunden. Es bleibt
für das bevorstehende Jahr nur noch der Zaun und die Pumpe zur Erledigung.
Mit einem Glauben an den Endsieg im kommenden Jahre geht die Dorfbewohnerschaft ins
neue Jahr 1941.
Den Glauben an den Endsieg im kommenden Jahr beschäftigt in seiner Rede am
30. Januar 1941. der Führer als er mit dem Plutokratengesindel abrechnete und auf einen
Schlag, der die Entscheidung für die Neuordnung Europas, der im laufenden Jahre erfolgen
wird, hinwies.
Da Schönwalde hart an der Grenze liegt, hat es von dem Polenterror in der Endphase
wenig gemerkt. Der Krieg als solcher hat seine Schatten in Groß Schönwalde auch noch
nicht ausbreiten können. Lediglich an der Aufnahme der Kinder aus den Großstädten
Berlin, Köln usw., die bekanntlich das Ziel englischer Nachtpiraten sind und an der jetzt
endlich eingetroffenen Bereitschaftsorder zum Militär, auch der volksdeutschen Bewohner,
beginnt das Dorf den Krieg in seinem Ernst um das Sein oder Nichtsein des Deutschen
Volkes zu verstehen und hoffnungsvoll zu tragen.
Ges. Genke- 15.2.41.
Am 29.3.1941 wurden aus hiesiger Schule11 Schüler entlassen. 5 Deutsche (2 J. + 3 M.)
und 6 Mischlinge (3 + 3) . Von den deutschen Kindern hat sich ein Junge entschlossen
Lehrer zu werden und besucht deshalb die Aufbauschule für Lehrerbildung in Graudenz.
Wieder ist ein Kriegswinter hinter uns. Er war streng und
(nächste Zeile nicht lesbar)
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grünen Fluren. Besonders die Bienen leiden in diesem Jahre unter der andauernden
Kältewelle. Für einen Monat war Schönwalde mit Militär belegt. Auch eine Klasse der
Schule war für diesen Zweck in Anspruch genommen. Es lag hier eine Bäckereikolonne,
die für die XX.Division Brot herstellte. 6 motorisierte Backöfen waren vor dem Gasthaussaal
aufgefahren und waren Tag und Nacht in Betrieb. Da die Wasserverhältnisse den
entsprechenden Anforderungen nicht genügten, mußten täglich 8000Liter Wasser aus
Freystadt geholt werden, weshalb die Kolonne nach Deutsch-Eylau verlegt wurde.
Die geahnte Erwartung, daß der große Aufmarsch im Osten einen Krieg mit Rußland
zufolge haben wird, ging in Erfüllung. Sieben volksdeutsche Jugendliche des Dorfes
wurden zur Wehrmacht einberufen.
Das Schuljahr wurde nach österreichischem Muster umgestellt, sodaß von jetzt ab das
Schuljahr ab Abschluß der Sommerferien beginnt und mit Anfang derselben aufhört.
Gleichfalls wurde mit dieser Neuordnung im Schulwesen die Hauptschule eingerichtet. Vier
Schüler hiesiger Schule wurden der Hauptschule Lessen überwiesen.
Die Ernte ist in diesem Jahre fast gut ausgefallen, doch machte der Regen, sowie
Arbeitermangeler hebliche Schwierigkeiten..
Am 16. September 1941 wurde der Lehrer Alfred Schneider per sofort zur Wehrmacht
einberufen. Die gesamte schulische Arbeit übernimmt übernimmt (!), die bis jetzt als 2. Lehr
kraft an hiesiger Schule arbeitende Ehefrau des Lehrers
Alfred Schneider, Gertrud Schneider geb. Bläsing.
Ges. Geuke 21.10.41
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Seite 70 (?)
Am 8. Januar 1942 wurde der Lehrer Alfred Schneider wieder von der Wehrmacht
entlassen und nahm den Unterricht wieder auf. Große Veränderungen waren in der Schule
bezüglich des Schulbesuches zu verzeichnen. Im Zuge der großen Umsiedlung der
bessarabischen Rückwanderer sind auch in Schönwalde 14 Familien angesiedelt
worden.Die bisher eingesetzten volksdeutschen Treuhänder mußten den Platz räumen. Es
hat viel böses Blut emporgewirbelt, meinten doch die ansäßigen volksdeutschen
Treuhänder die anvertrauten Wirtschaften übereignet zu bekommen.
Die zugezogenen bessarabischen Rinder sind rassisch in Ordnung. Der diesjährige
Kriegswinter ist sehr hart. Die alten Leute haben ein so anhaltenden strengen Winter in den
letzten Jahrzehnten nicht zu verzeichnen. Heute, am 12. März, war morgens noch
- 20 (Grad), Wege sind verstümt.
Am 9. und 10 März wurde im Zuge der Eindeutschung der ehemaligen westpreußischen
Bewohner , (bisher polnischen Volkstums) die nachweisbar deutscher Herkunft sind 60
Anträge bearbeitet und zum Teil positiv erledigt. Die Bearbeitung fand durch den
Ortsgruppenleiter, sowie Zellenleiter der Ortsgruppe und mit einem Vertreter des
Sicherheitsdienstes statt. Der Schwerpunkt der Arbeit ruht aber wieder mal auf den
Schultern der Lehrerschaft, da die meisten der Neudeutschen nicht der deutschen Sprache
mächtig sind.
Am 21. März wurden 8 Schüler entlassen und am 22.3.1942 feierlich in die H.J.
übernommen. Die Feier wurde für den Amtsbezirk Lessen – Land für alle Schulen des
Amtsbezirks gemeinsam in Lessen veranstaltet.
Einem strengen Winter folgte ein sehr kaltes Frühjahr, die
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Frühjahrsbestellung kam deshalb sehr spät in die Erde. Am 5.5.42. hat es sehr geschneit.
Eine lange Regenperiode löste das kalte Frühjahr ab. Besonders die bessarabischen
Rückwanderer wundern sich besonders über das komische Wetter und sehen bange der
kommenden Ernte entgegen.
Gegen Ende des Schuljahresschluß hatten die Kinder ein Sparsaldo von insgesamt
3.444,19 Rm.
Im Zuge der Lehrernachwuchsbildung haben im Laufe des Schuljahres, Herr Held
(Fronturlauber), Frl. Edith Zubke und Frl. Ingeborg Schneider ihr Landschulpraktikum von
der Lehrerbildungsanstalt Elbing aus an hiesiger Schule abgeleistet.
Ein wunderschönes Erntewetter war aber dann doch noch als Schluß des durch Kälte und
Nässe beeinträchtigten Wirtschaftsjahres 1941/1942 eingetreten. Das Getreide konnte,
trotz der wenigen Arbeitskräfte gut geborgen werden.
Mit dem 1. Oktober 1942 schied Frau Gertrud Schneider aus ihrem Amt als 2. Lehrkraft
aus dieser Schule, aus ihrem Amt aus. Die Stelle der 2. Lehrkraft hat ab 1. Oktober 1942
Frl. Louise Herrmann inne.
Am 2. November wurde der der langersehnte Kindergarten der N.S.V. in einem gemieteten
Hause gegenüber der Schule eröffnet.
Nach den vorhergehenden sibirischen Wintern folgte endlich ein gewöhnlicher angängiger
Winter. Die Temperaturwar am 12. – 14. Januar auf ihrem tiefsten Stand von – 15°
gesunken. Ein sehr frühes Frühjahr war eine Folge des milden Winters. Im Monat März hat
die Schule sich aktiv zum Thema Dorfverschönerung eingesetzt. Es wurden folgende
Bäume und Sträucher an Wegen und Gräben, sowie an ungenutzten Abhängen
angepflanzt. 72 St. Rosalinden, 48 St. Ahorn, 5 St. Kastanien, 100 Stck. Salweiden
(salex caprea), 300 Stck Kätzchenweiden als Stecklinge, 300 Stck Heckenrosen
(Hagebutten).
Im Schülergarten wurde eine Baumschule für Rosalinden an-
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gelegt. Im Lehrergarten wurden 20 Apfelbäume angepflanzt.
Zur Schulentlassung kamen 10 Schüler (6 Mädchen, 4 Jungen). Am Tage der
Schulentlassung hatten die Schulkinder ein Sparsaldo von 6.129,56 Rm, davon waren die
Abgänger mit 911,65 Rm daran beteiligt.
Das frühe Frühjahr versprach einen schönen Sommer. Einen eigentlichen Sommer haben
wir aber in diesem Jahre nicht gehabt. Wind und Regen wechselten jeweils im Laufe des
Tages. Trotz des Regens war es ein sehr trockenes Jahr. Alle Zulaufgräben in
Großschönwalde waren für 2 Monate ausgetrocknet. Der schlechte Sommer wirkte sich
besonders in der Bienenwirtschaft aus. Imker, die bereits 30 und 40 Jahre imkern, haben
so eine Mißernte nicht in Erinnerung. Hingegen ist eine sehr gute Getreideernte zu
verzeichnen. Kartoffel haben die Dürre aber nicht vertragen und eine Mißernte ist die Folge.
Frl. Luise Herrmann hat ihr 1xjähriges Praktikum an hiesiger Schule beebdet und ist zur
weiteren Ausbildung nach Elbing einberufen worden. (1.10.43.)
Am 1.11.1943. rückte der Lehrer Alfred Schneider abermals zur Wehrmacht ein.
Ich bitte meinen Nachfolger zur gegebenen Zeit alle von Großschönwalde aus
eingezogenen Wehrmänner, Vermißten, Verwundeten und Gefallenen in diesem Buche
gebührend zu gedenken. Ich habe bisher mit Absicht noch nichts vermerkt, da die
Angelegenheit geschlossen zur besseren Geltung kommt.
Alle zogen sie aus, die Heimat zu schützen, die Zukunft des Reiches zu sichern. Der
Herrgott aber gebe uns den Sieg, der die Grundlage für den aller ersehnten Weltfrieden
sein wird.
.                               Alfred Schneider.