Weidenhof – Wierzbowo

Weidenhof = Wierzbowo
Adlig Wierzbowo, ab 1865 Weidenhof  (Q1) . Ab 1879 bis 1896 im Besitz der Familie Roemer.

Ortsname: Weidenhof
Namensvariationen: Adlig Wierzbowo, Weidenhof (ab 1865)
Polnischer Ortsname: Wierzbowo
Status: Gutsbezirk
Landkreis: Kulm
Regierungsbezirk: Marienwerder
Amtsbezirk: Linowitz
Amtsgericht: Kulm
Standesamt: Linowitz - Kirchenbuchzweitschriften
Evangelische Kirche: Lissewo (1905) und Kulm (1888)
Katholische Kirche: Wabcz
Einwohner: 1905: 115
1910: 125

Na mapach: 53°19′13″N 18°35′19″E (mapa)

Im “General-Adressbuch der Ritterguts- und Gutsbesitzer” von Fr. Calsow, 4. Westpreußen,  von 1872 wird das Gut Weidenhof ausgewiesen. Das Gut ist 1098 Morgen groß. ”Die Flurbücher lagen der Regierung zur Revision vor”, deshalb ist die Aufteilung der Flächen nicht bekannt. Das Gut gehörte einem Herrn Julius Fock und war verpachtet an eine Frau von Ilowiecka.

Weidenhof-1872

Weidenhof-1872

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Im “Handbuch des Grundbesitzes im Deutschen Reiche – 1880″ wird Weidenhof als “Rittergut ” bezeichnet.
 www.kpbc.ukw.edu.pl/dlibra/plain-content?id=26908

Handbuch des Grundbesitzes im Deutschen Reiche – 1880

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Weidenhof -

Weidenhof -

Als Louis Roemer seine landwirtschaftliche Ausbildung beendet hatte, kaufte der Vater Hermann Roemer ihm das Gut Weidenhof. 1879 heiratete Louis und der Sohn Hermann wurde dort 1880 geboren. Im Jahre 1881 wechselten Vater und Sohn die Güter, Hermann zog nach Weidenhof und Louis übernahm das wesentlich größere Rittergut Groß Schönwalde. Im Jahre 1887 starb Hermann Roemer in Weidenhof und die Witwe  Mathilde Roemer, geb. Richter blieb dort. Nach dem frühen Tode von Sohn Louis im Jahre 1896 verkaufte Mathilde Weidenhof an einen Herrn Brandt und zog wieder nach Groß Schönwalde, wo sie 1911 verstarb. Die Schwiegertochter Auguste, geb, Prieger, die sich offenbar mit ihrer Schwiegermutter nicht gut verstand, zog mit den Kindern nach Graudenz und verstarb schon kurz danach im Jahre 1899.
Der neue Besitzer Brandt muss noch nach 1918 in Weidenhof (inzw. im poln. Korridor) gesessen haben.

 

Weidenhof -

Weidenhof -

40. Roemer, Hermann; Weidenhof - Gutshaus 1995

Weidenhof – Gutshaus 1995

 

Weidenhof -

Weidenhof -

Auszug aus Aufzeichnung von Louise Peltzer, geb. Roemer: (Q4)
“Weidenhof
Im Laufe des Jahres waren wir auch in Weidenhof , dem Gut der Großeltern Roemer. Eigentlich war es zuerst Vaters Gut gewesen, das Großpapa ihm schenkte, als er selbständiger Landwirt wurde, nachdem er sein Studium auf der Hochschule in Halle beendet hatte. Übrigens war es auch in Halle, wo er unsere Mutter kennenlernte, deren ältester Bruder, Onkel John Prieger, ebenfalls Landwirtschaft studierte. Vater sah ein Bild bei ihm, verliebte sich, und auf einem Ball lernte er sie dann kennen. Sie heirateten im Herbst 1879 nach Weidenhof, wo 1880 unser ältester Bruder geboren wurde. Schon 1881 tauschten sie die Güter. Die Großeltern zogen auf das wesentlich kleinere Weidenhof und die Eltern nach Groß‑Schönwalde, wo ich 1882 geboren wurde. Weidenhof war
a u c h schön, wenn auch flach; es lag im Kreis Culm an der Weichsel, also noch in der Niederung. Alles war wie Gartenland. Wir Kinder kamen ja nur im Sommer oder Herbst dorthin. Aber nie habe ich solche Erdbeerfelder, solche riesig beladenen Kirschbäume mit hellen und dunklen Kirschen gesehen. Sowie man aus dem Hause trat, duftete es nach Jasmin, Rosen und Linden. Das Haus war breit und niedrig, hatte nur Giebelzimmer in der Front und den Seiten, die als Schlafzimmer dienten. Unten jedoch, überraschend große Räume und vor allem eine große gedeckte Veranda, welche sich über eine ganze Giebelseite hinzog. Dort auf der Veranda spielte sich das Hauptleben von uns Kindern ab, an Regentagen oder wenn sehr große Hitze war. Nicht weit unter den großen Bäumen war eine Kegelbahn mit einem Häuschen, immer eine Anziehung, denn sie war nicht ganz so lang wie die Schönwalder, und man kriegte leichter mal eine Kugel hin. Was aber das Schönste war, das war die Eisenbahn ganz in der Nähe!  ‑  d. h., einen knappen Kilometer entfernt. Sowas sah man bei uns höchst selten, und nun hier gleich ein paar mal am Tage! In der Dämmerung sah man die glühenden Lichter daher kommen und konnte in der abendlichen Stille das Puffen und Rollen hören, und manchmal pfiff sie auch. Nie wurde es uns zuviel, den sandigen Weg mit den immer raschelnden Pappeln auch bei Mittagshitze zur Kamlarkener Chaussee zu gehen, denn an der lief das Zügli zwischen Kornatowo und Culm entlang. Es hatte ja nur drei Wagen, höchstens wenn Güterwagen mitgenommen wurden, war es länger. Aber es war doch so wunderschön, so dicht dabeizustehen, wenn es prustend und rollend angedröhnt kam und vielleicht noch einen Pfiff und eine Dampfwolke hochschoß. War alles (leider) vorüber, lief man schnell hin und legte die Hand auf die Schienen, sie mußten ja noch heiß sein, von dem vorübergebrausten Monstrum. Es hieß doch, das Eisen könnte so heiß werden, daß die Haut daran kleben blieb ‑ zu unserer Enttäuschung wurde es aber nie so aufregend. Der andere Weg, der von der Gartenecke geradeaus führte und an den Rändern ebenso umblüht war von Margeriten, nebelblauen Zichorien (die so schwer abzuzupfen waren, daß man sich die Hände zerschnitt), rosa und lila Skabiosen, weißer Schafgarbe und wo auch die großen Schwarzpappeln dauernd raschelten, führte nach Linowitz. Dort gingen wir auch oft hin, weil es nicht weit war, machten unsern Knicks, bekamen ein Plätzchen und einen Gruß an die liebe Großmama und trollten wieder ab. Auf Herrn Rabe kann ich mich nicht mehr besinnen, aber auf die drei grauhaarigen Damen, die sehr groß, aber sehr freundlich waren. Hauptsächlich waren außer uns immer im Sommer männliche oder weibliche Verwandte als Feriengäste auf Weidenhof; meist die bildhübsche pechschwarze Elise Radtke und ihre älteste Schwester, Tante Ottilie die die Güte selbst war. Auch das rothaarige Lieschen Schönfeld war meist anzutreffen, auch ein Wesen, das stets hilfsbereit war. Ich glaube, sie wurden zum Teil auch zu Großmutters Unterstützung eingeladen, denn unsere Eltern brachten uns nur hin und holten uns nach ein paar Wochen wieder ab, nur ein Mädchen kam mit. Wer sich viel mit uns abgab, war auch Max Zollenkopf, der Zweitälteste von den elf Brüdern. Durch ihn habe ich die ersten Drachen kennengelernt. Er war unermüdlich im Kleben, Entwirren der verhedderten Schnur, oder Nachlaufen, wenn man losgelassen hatte. Ich glaube, es machte ihm selbst noch Spaß, denn er war damals noch Student. Den fast täglichen Weg nach der Eisenbahn machte auch er meist mit uns. ‑ Vor der Veranda in der Sonne lag fast immer Ducroh (franz. General), ein großer brauner Hund, mit lockigem Fell, in das man Hände von Sand schütten konnte, und es rührte ihn gar nicht. Er paßte nur auf, was auf dem Hof und auf der Landstraße vor sich ging; sie führte hinter dem Vorgarten vorbei mit großen Linden, dann kam erst die Mauer, die den Wirtschaftshof abgrenzte. Für uns war das ja auch interessant von den Verandastufen fremde Fuhrwerke zu beobachten oder den Briefträger und was sich sonst noch auf dem Hof tat, Und besonders das Storchennest auf dem einen Scheunengiebel. Wurde es dann zu heiß, ging man in den kühlen Hausflur, den hatten wir in Schönwalde nicht, denn er hatte weiße und schwarze Fliesen und von der Decke hing eine große Erntekrone mit gelben Ähren, Haferrispen und langen, blaßblauen und roten Seidenbändern. Die Flügeltür rechts führte in den Saal mit seinen drei Fenstern, und gleich beim Fenster stand der große braune Flügel! Auch krabbelten an dem Fenster immer Ameisen. Sie kamen als dünner Zug von draußen herauf, das Fenster war nicht hoch, und verschwanden immer wieder. Die linke Tür im Hausflur führte ins Wohnzimmer. Nie wieder habe ich solch köstlichen Kaffeeduft gerochen wie dort, denn der Kaffee wurde im Zimmer gemacht. Auf dem Sofatisch stand das silberne Tablett mit der Maschine. Ein Flämmchen gab es auch, aber wie der Vorgang dann weiterging, weiß ich nicht, jedenfalls wurde an einem kleinen goldenen Hahn gedreht, der wie ein Löwenmäulchen aussah, und der Kaffee floß heiß in die Tasse. Auch gab es oft Anhalt‑Kuchen, der duftete und schmeckte auch so gut, wie es nur in Weidenhof sein konnte.”

Auf unserer Westpreußen-Rundreise 1995 besuchten wir auch Weidenhof, das einen verfallenen Eindruck machte.

Weidenhof 1995

 

Weidenhof - 1995

Weidenhof – 1995

 

Weidenhof - 1995

Weidenhof – 1995

 

Weidenhof - 1995

Weidenhof – 1995

 

Weidenhof - Rückseite - 1995

Weidenhof – Rückseite – 1995

 Weidenhof 2006   (Q3) 

Weidenhof -  2006

Weidenhof – 2006

 

Weidenhof - 2006
Weidenhof – 2006

 

Weidenhof - 2006

Weidenhof – 2006

 

Weidenhof - 2006

 

Weidenhof - 2006

Weidenhof – 2006

 

Weidenhof - 2006

Weidenhof – 2006

 

Weidenhof - 2007

Weidenhof – 2007

Dieses Bild stammt noch aus der Zeit vor dem endgültigen Verfall der Gutsgebäude – um 1950.

Weidenhof -

Weidenhof -

 

Weidenhof  2008

Weidenhof - Wierzbowo

Weidenhof – Wierzbowo

Im Jahre 2008 – Abb. Wikipedia  (Q2)

Weidenhof - Wierzbowo

Weidenhof – Wierzbowo

Eine Mail vom 14.Februar 2010 von Stephen Morgan, zeigt einiges über den Zustand des Hauses.

” Greetings from Poland
Hi Gernot
Hope you are well. It has been some time since we were in contact and I was looking for another mail and came across our last mails. Not sure if I ever sent the picture but have an old picture of Wierzbowo I think from around 1950 which I will attach, plus some rather sad ones now of the main house which has further collapsed and so the ballroom and the main house is now basically destroyed.
Ok that’s the bad news but the part of the house to the left is the original manor house from around 1500 so I have applied to remove the ruin on the right and restore the original manor, I took a real chance 5 years ago and made that part of the house secure with a new roof and repaired the mud walls and we stay there most weeks when we can, all without permission.
….
(Probleme)…, anyway I am English and we have the EU so I can be like Churchill our wartime prime minister and stick two fingers up sometimes.
I plan eventually to make it back into my main house and as I have a lot of antiques from my former house in the UK , should make an ideal setting.
….
Steve Morgan
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p.s. it has been a bit cold , minus 30C and the fuel froze in my car and now we have 2m of snow, so your ancestors must have been real heroes as we left Wierzbowo last week left the heating running and hope for the best.   “

Im Januar 2015 beschreibt Stephen Morgan, Besitzer und Bewohner des Anwesens :
“The main house from the 19C was beyond repair having been neglected from before the 2nd war, I will attach a very old picture taken just after 1950.
The house was very badly constructed with no foundations apart from some boulders laid on the ground and then the walls built with mud blocks.
However the other part of the house where I now live was first constructed in the 15th century probably as some kind of fortification and made from the bricks salvaged from one of the castles around here. The top part of the house was laid out in the 18th century and is a typical Polish Dworec. It was elaboratley decorated inside with Grecian style wall paintings but sadly not much of this survived. Laterly this part of the house served as the service area and contained kitchen and living quarters and smoke oven and storage areas in the cellar.
The relative sizes of the houses are very similar 450 sq m and 500 sq m/ There must have been considerable investment in the estate prior to the 1st War including a water treatment and pumpimg station for the whole village in the new cellars.”
 
Weidenhof 2015
Das ehemalige und baufällige Haupthaus aus dem 18. Jh. ist inzwischen entfernt worden. Das ursprüngliche Gebäude aus dem 15.Jh. wurde renoviert und ist wieder bewohnt. 
Weidenhof -2015

Weidenhof -2015

Weidenhof -2014 / 2015

 
Weidenhof-Kellergewölbe

Weidenhof-Kellergewölbe

 

2016

2016- Weidenhof – über Google-Earth

 

Weidenhof – 2016

 

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1.  Familienforschung in Westpreußen
http://www.westpreussen.de/cms/ct/standesamtsregister/quellen.php?ID=342
2.  Wikipedia : Wierzbowo (województwo kujawsko-opomrskie)
3. Der derzeitige Besitzer ist Stephen Morgan, von dem ich die Bilder aus 2006; 2007, 2015 und das aus der etwas besseren Zeit (-ca.1950) erhielt. Emails 2007 – 2010 +2015, Besuch dort 2016.
4. handschriftl. Aufzeichnungen von Louise Roemer, verh. Peltzer